Willkommen im Jammertal …?
14.04.2009
Pro:
es darf gejammert werden …
Kontra:
es wird gejammert …
Empfehlenswert:
Nein
 chinook_1
Über sich:
Mitglied seit:26.10.2006
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Viele haben sich lange Zeit keine großen Gedanken über die derzeit auf uns herabstürzende Krise gemacht, weil sie dachten, sie würde nur Banken betreffen, und sie arbeiten ja schließlich nicht bei einer Bank. Sie haben sich höchstens darüber gewundert, warum das eigene Auto über Nacht ohne äußere Gewalteinwirkungen zum ältesten und schäbigsten auf dem Parkplatz mutierte und nur noch das Interesse eines dubiosen, libyschen Visitenkartenverteilerimperiums weckt, bei dem man anstelle eines angemessenen Preises eher 72 Jungfrauen, genauso viele Sprengstoffgürtel und ein lahmendes Kamel im Tausch gegen die geliebte Karre erhalten würde. Letzteres ist übrigens nicht die neue Mercedes Kamelklasse mit 73 Sitzplätzen, soweit reicht der ölige Einfluss sandiger Invasoren in der deutschen Automobilindustrie noch nicht, obwohl so ein schadstoffarmer Zweihöckriger in der bundesweiten Gesamt-Öko-Zone gar nicht mal so verkehrt wäre. Zumindest kommt hinten kein Feinstaub heraus. Allerdings hätte der Anblick lauter Trampeltiere in deutschen Parkhäusern geradezu apokalyptische Grundzüge. Schließlich ist ein Deutscher ohne Bremsbacken, Breitreifen und Einspritzeinlage kaum lebensfähig, höchstens bei Top-Model-Castings, aber niemals im kriselnden Wirtschaftsalltag. Mal davon abgesehen, dass wegen ihrer Übergröße zur Sturzhelmpflicht verdonnerte Trampeltiere nebeneinandergeparkt selten dämlich aussehen. Ohne Helm allerdings auch. Aber wo war ich stehengeblieben? Ach ja, der relative Alterungsprozess des eigenen Gefährts ist mitnichten der einzige Grund, weshalb die bisher Gedankenlosen langsam ins Grübeln kommen. Abends reiben sie sich immer öfter verwirrt die kleinen Äugelein, weil der Postbote sie nicht mehr mittags aus dem Bett klingelt, um Pakete für die Nachbarschaft abgeben zu können. Nicht nur der Tagesrhythmus ist somit total versaut, nein, es macht sich zudem eine innere Unruhe darüber breit, nicht mehr über sämtliche Neuanschaffungen der näheren Umgebung informiert zu sein. Stattdessen werden die unbeschwert in den Tag Lebenden nun anderweitig über nachdenklich stimmende Produkte oder Dienstleistungen in Kenntnis gesetzt und registrieren verärgert die zunehmende Anfragefrequenz irgendwelcher Call-Center-Dummdödel, die ihnen lukrative Sterbeversicherungen andrehen wollen, obwohl man diesen Heinis immer wieder aufs Neue freundlich schreiend zu erklären versucht, man benötige keine, weil man sich unentgeltlich als Staubfänger für die Familienpyramide plastinieren oder ausstopfen lassen wolle. Standen einst nur die Zeugen Jehovas am frühen Samstagmorgen vor der Tür, um sich vom Hausherrn exklusiv steinigen zu lassen, sind es heutzutage immer mehr zwielichtige Vertreter - wohl ehemalige Bankangestellte - die sich eine Unterschrift für einen unsinnigen Dienstleistungsauftrag erquatschen wollen, sind sie ja gewohnt. Sei es für einen neuen Telefonvertrag, einen Hubschrauber-Shuttle in die Pathologie-Notaufnahme des lokalen Krankenhauses im Falle eines unsachgemäßen Umgangs mit einem der 72 Sprengstoffgürtel, für ein Abo eines Playboy-Magazins in extragroßer Brailleschrift oder für eine staubsaugende Wollmilchsau. Die Putzteufel sollten allerdings erst dann rausgeschmissen werden, nachdem die Bude blitzeblank geschrubbt wurde, soviel Zeit muss sein. Wobei ich immer geglaubt habe, dass Staubsaugervertreter schon längst alle ausgestorben sind. Oder zumindest neben dem Graugesichtigen Rüsselhündchen und dem Sachsenhuhn auf der Roten Liste stehen würden. Aber in der Krise werden althergebrachte, solide Berufe scheinbar reanimiert. Naja, solange es keine Schulungen zum Sensenmann gibt. Dabei sollte wirklich jeder wissen, wie leicht man durch einen schnellen Klick im Internet oder eine unüberlegte Unterschrift in peinliche Notlagen geraten kann, wenn man vorher nicht das Kleingedruckte gelesen hat - vor allem in Krisenzeiten, in denen jeder jeden bescheißen möchte, fragt da mal bei der KfW-Bank nach. So verpflichten sich, ganz nebenbei gesagt, alle Leser mit einer hier abgegebenen, unkommentierten Bewertung, eine Woche lang nackt und wildes Zeug schreiend durch ihren Heimatort zu laufen und somit öffentlich zu bekennen, strunzlangweilige Analphabeten mit RSI-Syndrom zu sein. Bestimmt kein schöner Anblick, aber ehrlichgesagt befürchte ich rege Beteiligung an dieser Volkslaufrunde. Dabei bitte nicht „Jehova“ schreien, wegen der Steine, schließlich seid ihr ja keine helmtragenden Trampeltiere, oder? Und es soll jetzt keiner behaupten, ich hätte hier nicht deutlich darauf hingewiesen.Wie dem auch sei, nicht nur die Dienstleistungsbranche entdeckt in dieser schweren Phase alte Vertriebswege wieder neu, sogar TV-Sendeanstalten vollziehen bedeutungsschwanger einen Programmwandel in Zeiten der globalen Krise. Wer nachts den Videotext eines regionalen Senders einsehen möchte, wird geschockt feststellen, dass er nicht mehr im Hintergrund von etwas aufgepustet aussehenden Grenzdebilen lautstark aufgefordert wird, sich die Hose zu öffnen. Stattdessen unternimmt nun ein auf Bibel TV andächtig brummender Greis beschwörend den Versuch, die irrtümlich Fehlgeleiteten zum Gebet für den Weltfrieden, Opel oder die Dreifaltigkeit der Automobilindustrie zu motivieren. Hauptsache, man glaubt an irgendetwas. Wenn möglich mit geschlossener Hose. Und die sollten wir auch haben, wenn wir in irgendwelchen Weltuntergangstalkshows besorgt in die immer länger werdenden Gesichter der Kanzlerin und der Kanzlerkandidatenattrappe Steinmeier blicken, die mehr und mehr Pferdeflappen gleichen und vormals eigentlich für Frohsinn und Heiterkeit standen. Zumindest bei Fury oder Flicka und so. Naja, gut, Angie ist laut chinesischem Glückskeks in einem Pferdejahr geboren worden, da könnte diese artspezifische Mimik mit der Zeit in Fleisch und Mundwinkel übergehen … bei genauerer Betrachtung wäre man vielleicht auch ohne Glückskeks-Aufklärung von allein darauf gekommen. Egal, diese Gesichter unserer politischen Führer machen uns jedenfalls Angst und Bange … auch unabhängig von der Krise …Waren derartige Andeutungen auf einen möglichen Weltuntergang noch zu subtil für unnachgiebige Traumtänzer, packt ausgerechnet Michelle Obama, die für ihren Charme, Umarmungsdrang, aber auch für ihre Tatkraft bekannte Gattin des Yes-we-can-Messias, die Schippe aus und treibt endgültig den letzten Optimisten in eine depressive Stimmungsschieflage. Die First Lady legt im Garten des Weißen Hauses doch tatsächlich Gemüsebeete an, damit dort künftig Pastinaken, Brokkoli und Salatköpfe gedeihen können. Sie setzt in Zeiten der Krise weitblickend auf die Kraft der Selbstversorgung, des natürlichen Wachstums und der Schädlingsbekämpfungsmittel und lässt somit ernsthafte Zweifel an der Wirksamkeit der bisher initiierten staatlichen Konjunkturprogramme aufkeimen, die eigentlich den ganzen Mist wieder beseitigen sollen, den durchgeknallte Manager und gedankenlos agierende Politiker aufgetürmt haben. Durch diese Aktion gräbt sich die mächtigste Hobbygemüsebäuerin der Welt nicht nur orakelnd durchs Washingtoner Ackerland, sondern auch warnend in unsere zur Nachdenklichkeit tendierenden Hirne. Handeln unsere hiesigen Gemüsehöker etwa mit toxischen Gurken und Radieschen unbekannter Herkunft? Muss eine Auffanggesellschaft für „Bad Gemüse“ gegründet werden, also Imbiss-Ketten zum Verkauf vegetarischer Döner? Ist Holland dann überhaupt noch zu retten? Gibt es zukünftig als was auch immer zertifiziertes Gemüse ausschließlich aus Washington? Oder will sich gar die USA unabhängig von Gemüseimporten aus Bananenrepubliken machen? Warum handelt unsere Regierung so zögerlich und pflanzt keine Runkelrüben und Sieglinde-Kartoffeln unter der Treibhauskuppel des Reichstages? Schließlich verkloppten auch schon Carlo, Heinz und Irmgard von Opel frittierte Kartoffelscheiben – und denen geht’s finanziell immerhin noch ganz gut. Was sollte man auch sonst vor der Glotze in sich hineinstopfen, wenn der Arbeitsplatz auf Dauer wegrationalisiert wurde. Bürger-Brechbohnen statt Banken-Boni, sollte also die Parole lauten! Stattdessen liegen dem verunsicherten Volk existenzielle Fragen wie zu viel gegessener, blähender Kohl im Magen. Was habe ich für Alternativen, wenn ich nicht im Weißen Haus oder im Reichstag wohne, sondern in einer vollbebauten Steinwüste lebe und kein Ackermann … äh … Bauer bin? Schimmelpilze kultivieren? Beim Promi-Dinner um Rat fragen? Mich etwa nur ungesund von streunenden Hunden und Katzen ernähren? Kein Wunder, dass ein Professor für Lebensmittelmarketing der Uni Göttingen Fleisch zur Speise der Unterschicht erklärte, während Konsumenten mit steigendem Bildungsniveau, hohem Einkommen und einem Weißen Haus mehr Grünzeug futtern. Vorbei sind also bald die Zeiten, in denen es unter Schimpansen noch als große Kunst der Verführung galt, ein blutiges Stück Fleisch mit auf den Baum zu schleppen, um die Chancen für ein amouröses Abenteuer erhöhen zu können, wie Leipziger Primatenforscher jüngst feststellten, die scheinbar jahrelang (aktiv?!?) unter affigen Casanovas lebten. Heute müssen dem Fresskorb mindestens Spargel, Möhren und Tofu-Buletten beigepackt werden, wenn Menschen sich zum Affen machen und das Überleben der Spezies sichern möchten – oder sich zumindest sozial hochschlafen wollen. Die Evolution geht weiter. Nun, ich bin gerne blöd, einer niederen Kaste angehörig und kratze sogar gelegentlich meinen Rücken. Dennoch gilt es hierzulande, das bisherige Vorgehen und die vollmundigen Versprechen der großen, mit sich selbst beschäftigten Koalition konstruktiv zu hinterfragen. Nicht, dass die Versprechen Versprecher oder einfach nur Abstimmungsprobleme zwischen den beiden immer noch existierenden Bundesministerialdatschen in Bonn und/oder Berlin waren, kann ja in der allgemeinen Wahlkampfhektik durchaus passieren. Sind die parlamentarischen Trümmerfrauen also richtig beraten gewesen, Milliarden in ein martialisch klingendes Konjunkturprogramm, wie eben das werbetechnisch sehr negativ klingende Abwracken, zu stecken, dessen vorrangiges Ziel es ist, alte, aber noch absolut alltagstaugliche Autos kaputt zu machen, um im Austausch dafür bereits ab Werk klapprige, nach kurzer Zeit von allein kaputt gehende koreanische Kleinwagen mit Verbrennungsmotor auf Schuldenbasis zu erwerben? Warum bekommt man mehr Geld für das Einstampfen eines neunjährigen Autos als für das Schreddern eines gleichaltrigen Kindes? Von wegen Deutschlands liebstes Kind und so, das wäre ein Fall für den Gleichstellungsbeauftragten. Könnte man pubertierende Altkinder mit Gewinn loswerden, würden sich viel mehr für ein Neukind entscheiden, vielleicht sogar mit Sonderausstattung und Vollkasko, aber ganz sicher mit abschaltbarer Freisprecheinrichtung. Veraltete Entsorgungsmodelle, wie der Warnschussarrest, hätten endlich ausgedient. Zugegeben, es sprechen viele Gründe gegen diese Neuanschaffung. Finanzielle Sorgen, Zukunftsängste, Benjamin-Blümchen-Kassetten, kontaminierte Windeln, Terminhatz zwischen Tattoo-Studio, Sonnenbank und Happy Hour in der Bierschänke. Da fällt das Abwägen schwer, was eigentlich traumatisierender in diesen Zeiten wäre: ein Kind in die Welt zu setzen oder auf die Abwrackprämie für den alten Opel Omega zu verzichten? Wen wundert’s also, dass es 2008 weniger Geburten und mehr Sterbefälle gab – nicht nur bei Investmentbankern und Opelfahrern. Scheinbar gibt’s mehr Sterbe- als Kindergeld. Also doch noch schnell eine Sterbeversicherung abschließen, bevor man mit den 72 Jungfrauen und den Sprengstoffgürteln ein Autohaus erstürmt, wo es im Gegensatz zu einer Bank wenigstens noch was zu holen gibt. Zumindest noch ein paar Monate. Aber gut, das Abwracken ist die höchste Form der Wirtschaftssubventionierung. Deutschland hat bisher ja auch recht positive Erfahrungen damit gemacht. Denken wir zurück an die größten Ereignisse dieser Art, geschehen 1945 und 1989, auch wenn die letzte Abwrackaktion mehr als Second-Hand-Geschäft ohne Umtauschgarantie anzusehen war. Aber es ging gut, die Laune … ähm … stieg, die Wirtschaft florierte und es gab endlich flächendeckend Südfrüchte und exotisches Gemüse – auch ohne Michelle. Dafür aber jetzt bei Kevin, Schantal und Dschakeliene. Bei diesen – mehr oder weniger - erfolgreichen Beispielen wurde allerdings konsequent so gut wie alles abgewrackt und auf die einheitliche Wundheilung gesetzt. Insofern ist es verständlich, dass diese wahnsinnig tolle Marketingstrategie in unserer Wegwerfgesellschaft immer mehr Anhänger findet und nun auch auf andere Branchen ausgeweitet wird - wenn auch nicht staatlich gefördert. Die nicht privilegierten Nachahmer müssen halt die Preise für hoffentlich qualitativ gute Produkte bzw. Dienstleistungen senken, um mehr Käufer anzulocken und zu binden. Hätte die Automobilbranche in den letzten Jahren eigentlich auch drauf kommen können, egal. So verspricht die Friseur-Innung den Tausch der alten Frisur gegen eine neue. Möchte man gleich den ganzen Kopf entsorgen, ist man zur Happy Hour beim Bestatter seines Vertrauens herzlich eingeladen. Ein Kadaver gegen zwei neue Särge – falls mal der Drang nach einer zwischenzeitlichen Luftveränderung bestehen sollte. Langfristig sind wir schließlich alle tot, wie bereits ein berühmter Ökonom auf die Frage nach der Qualität langfristiger Analysen antwortete. Und das sollten wir dann wenigstens auch genießen. Ganz nebenbei: ist der Milliardär Friedrich Karl Flick eigentlich schon gefunden worden? Nur so aus Interesse gefragt. Bei den derzeitigen Sonderangeboten und den horrend gestiegenen Grabgebühren wäre ich auch leicht angesäuert wieder aufgestanden und hätte mich lieber in ein neun Jahre altes Auto gesetzt … aber lassen wir das lieber. Es wird also abgewrackt bis die Schwarte kracht oder Schuldnerberater Peter Zwegat vor der Tür steht. Ein Ende wäre noch lange nicht in Sicht, ja, wenn da nicht das liebe Geld ausgehen würde und von da an nix anderes übrigbleibt, als freiwillig Bibel TV einzuschalten. Irgendwann ist selbst der beste Rosinenbomber hinüber. So ist das nun mal, wenn man Milliardenpakete verabschiedet, was eben nix anderes heißt, als dass man das Geld nie mehr wiedersehen wird. Kein Wunder, dass diejenigen, die bisher leer ausgingen, jammernd und schluchzend übel klingende Klagelieder anstimmen, als sei der deutsche Vorentscheid für den Grand Prix de la Chanson in vollem Gange, bei dem sich jeder Zuhörer automatisch die Frage stellt, ob ein Kehlkopfkatarrh eigentlich ansteckend ist. Alle wollen was aus den vielen öffentlichen Töpfen bekommen. Kennt man ja aus der Verhaltensforschung, eben typisches Rudelverhalten, wie z.B. bei Walfischen, die in Australien im Pulk zu Stränden schwimmen und dort liegenbleiben. Manchmal auch auf Mallorca zu beobachten, allerdings sind die dorthin geflogen. So beklagt der erste Buckelwal, der Wehrbeauftragte des Bundestages, die Unterfinanzierung der Streitkräfte. Die Finanzdecke der Bundeswehr reiche weder für das Überstehen eines Verteidigungs-, noch für das Gewinnen eines Angriffskrieges aus. Somit wäre Deutschland erstmalig nicht in der Lage, die Qualifikationsrunde für die Teilnahme an einem Weltkrieg zu überstehen. Drittklassige Kleinstaaten wären der Bundesrepublik haushoch überlegen, Gegenwehr so gut wie unmöglich, so in etwa der Wortlaut des Wehrbeauftragten. Im Manöver müssen schon Hartkekse als Geschosse herhalten. Insofern sollte Steinbrück vielleicht etwas vorsichtiger mit dem sein, was er der Schweiz an den Kopf wirft. Nicht, dass uns noch eine Armee von Armbrustschützen unter dem Kommando von DJ BoBo unterjochen wird. Es geht sogar soweit, dass Uniformen unter Ausnutzung eines Mengenrabatts bei KiK eingekauft und die Obi-Biber für Pionierarbeiten zwangsrekrutiert werden. Zudem wurde bis auf weiteres eine Beförderungssperre verhängt, da der neugewonnene Schulterklappensponsor vertraglich auf seine drei Streifen pocht. Hoffnung bestehe aber noch, sofern die Abwrackprämie weitergeführt wird und der gesamte Fuchs-Spürpanzerbestand gegen nagelneue VW „Fox“ ausgetauscht werden kann. Fällt gar nicht auf und klingt wesentlich internationaler. Einem strenggeheimen Sonderkommando „Tarnen & Täuschen“ unter nerviger Leitung der Wohnexpertin Tine Wittler gelang es sogar, die Dachantenne mit Hilfe von Laubsägearbeiten zu einer Panzerrohrattrappe umzufunktionieren und einen besseren Flankenschutz durch das Abkommandieren zweier übergewichtiger Rekruten als Beifahrer zu erzielen, dem EPa-Futter „Grießbrei Florida“ sei Dank. Bei dem Bundeswehr-Fraß dürfte in naher Zukunft sogar eine noch bessere Schutzfunktion garantiert werden können. Parallel geführte, bereits sehr weit fortgeschrittene Verhandlungen mit der libyschen Visitenkartenmafia scheiterten in letzter Minute, weil vier der 72 Jungfrauen vorzeitig detonierten und sieben absolut wehruntaugliche Weiber bei der Musterung durchfielen. Sie waren keine Jungfrauen mehr, dafür aber 72-jährig. Betrug! Spürhunde aus dem Tierheim als Fuchs-Ersatz fielen gleich durchs Raster. Sie müssen als Speisung 94a im Speckmantel für die neue Unterschicht in Betonwüsten herhalten. Koreanische Kleinwagen wurden ebenfalls abgelehnt, der Flankenschutz passte nicht hinein. Auf diesen hätte man zur Not verzichtet, wenn die Fahrzeuge aus Nordkorea gekommen wären, die hätten durch ihre Herkunft von vornherein etwas Militärisches an sich. Leider ist die nordkoreanische Produktpalette mit Fahrrädern, komisch geschnittenen Ganztagspyjamas und Atombomben nur sehr einseitig. Das ist natürlich Pech. Dies haben jetzt auch einsame Soldaten, die sich vor dem Zapfenstreich noch im Nahkampf üben wollten und es nicht mehr können. Nicht, weil sie als Flankenschutz immer noch im Fox stecken (im VW, nicht im Busenwunder aus den 80ern!) oder die Braut in der Waffenkammer es verbieten würde, das nicht, die Ursachen sind tiefgründiger. Die Rotlichtbranche pfeift aus allen Löchern und ist weit davon entfernt, wieder wirtschaftliches Wachstum anstreben zu können. Zustände, die nun wirklich inakzeptabel sind. Das zieht uns jetzt alle wirklich runter. Wenn das älteste Gewerbe der Welt Kurzarbeit anmeldet, dann muss die Wirtschaft in der Tat am Ende sein. Keine Vorstandsausflüge mehr, kein Verprassen der Boni, Streichung der Überstunden, Langeweile im VW-Betriebsrat. Coitus interruptus. Manche Bordellangestellte will sogar wieder als Verkäuferin im Einzelhandel arbeiten, weil sie dort mehr Geld verdienen würde. Außerdem seien die Arbeitgeber dort viel fürsorglicher als im Puff. Regelmäßige Gesundheitskontrollen werden erheblich diskreter vorgenommen und das Betriebsklima sei intimer. Jeder kennt jeden in und auswendig. Das ist schön, das ist freundschaftsfördernd, schließlich benehmen sich die Vorgesetzten nicht wie Zuhälter. Zwar müsse man sich auch im Einzelhandel von Kameras beobachten lassen, aber wenigstens nicht an der Kasse stöhnen. Diese verantwortungsbewusste Position bleibt der Domina vorbehalten – und dort stöhnen in der Regel andere. Einschnitte im horizontalen Gewerbe bergen allerdings auch Gefahren. Besorgte Tierschützer führen vor den Affenhäusern in deutschen Zoos bereits Taschenkontrollen durch und suchen nach Fleischpaketen. Die Krise könnte innerhalb weniger Monaten wieder das zunichte machen, wofür Gegner der Achselbehaarung jahrzehntelang gekämpft haben. Welch Rückschritt. Gewinner dieser Flaute könnte der Erotikzubehörhandel werden, der die Gunst der Stunde nutzen und mit der Gummipuppe „Uschi“ und dem Multifunktionsvibrator „Hans-Hermann“ Versorgungslücken schließen möchte, schließlich steht nicht jeder auf Menschenaffen oder Fleischpakete. Uschi ist für den internationalen Markt ausgerichtet, beherrscht gelenkig das komplette Kamasutra-Programm und kann sich auf Wunsch auch in die Luft sprengen. Zwar nicht mehr ganz jungfräulich, aber immerhin. Hans-Hermann hat das Standardrepertoire drauf, ist aber auch in der Lage, als Teleskopantenne Bibel TV zu empfangen, als Handy mit integriertem Anrufbeantworter Sterbeversicherungsvertreter abzuwimmeln, falls man gerade anderweitig beschäftigt ist, oder als Akku-Gartenschaufel genutzt zu werden, um Gemüsebeete anzulegen, wenn gelegentlich mal `ne Alternative aus der neuen Oberschicht erobert werden soll. Getestet werden diese einzigartigen Unterhaltungsgeräte bestimmt demnächst auf diesem Verbraucherportal, also Augen aufhalten – aber das dürfte bei diesen Produktvorstellungen ja selbstverständlich sein. Wem Uschi und Hans-Hermann zu unpersönlich erscheinen, kann sich hilfesuchend an die Telefonseelsorge von Bibel TV wenden. Ein 0900-Nummernkonto für die nächste öffentliche Gebetsrunde ist bereits freigeschaltet worden. Die Zukunft sieht also wirklich erbärmlich aus – trotz Uschi, Hans-Hermann und Bibel TV. Sogar Mehdorn, der unbestechliche, weitblickende, allwissende und eigentlich nicht aus der Bahn zu bringende Hoffnungsträger Deutschlands, ist urplötzlich entgleist und hat sich aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit selbst stillgelegt. Seine Abwrackprämie wird allerdings die üblichen 2.500 Euro geringfügig überschreiten. Dabei wäre „Hartmut allmächtig“ als erfahrener ICE- bzw. Schafherden-Abwracker und jahrelanger Diktator einer halbstaatlichen Institution doch zu Höherem berufen, derartige Gebilde sind momentan schließlich schwer in Mode. Nachfolger wird einer aus der Autobranche, woher auch sonst. Die wissen ja auch, wie der Hase läuft. Nur nicht, in welche Richtung. Gibt’s da nicht auch ein bekanntes Kinderlied? Häschen in der Grube, saß und schlief, saß und schlief … oder so ähnlich. Dann werden sicher wieder mehr Autozüge und Straßenbahnen das Erscheinungsbild unseres Landes prägen. Ist ja auch nicht so schlecht. Autofahren ist hierzulande doch eigentlich auch nur eine besonders teure Form des Stillstandes, hat man erst zu Ostern wieder gesehen. Viele setzten sich ins Auto und lassen sich von einer sympathischen Frauenstimme erzählen, wo es langgehen könnte - wenn man nicht gerade stundenlang im Stau stehen würde. Von wegen Deutschland wrackt ab. Interessant dürfte nur werden, wie sich ein ehemaliger Daimler-Manager das Aussehen einer perfekten Straßenbahn vorstellt. Wahrscheinlich wird’s `ne Draisine mit Verbrennungsmotor, Lenkrad, vier Sitzplätzen und Tiefgaragenstellplatz, so `ne Art Volkslokomotive mit Straßenzulassung. Beim derzeitigen Zustand deutscher Straßen befürchte ich aber, dass schon jetzt eher auf eine Grubenbahn hingearbeitet wird, die unter Tage verläuft. Vielleicht ist das auch das Kalkül der Bundesabwracker: Jetzt großzügig Geschenke für die Anschaffung eines neuen Kleinwagens verteilen, weil der eh spätestens im nächsten Jahr in einem der zahlreichen kraterähnlichen Schlaglöcher verloren gehen wird. Denn heißt es: Bahnfahren, doch ein Trampeltier kaufen oder durch den Kauf eines geländetauglichen Panzers die Bundeswehr vor dem Ruin bewahren. Aber trotz der allgemeinen Abbruchstimmung in unserem hochverschuldeten, wirtschaftlich am Boden liegendem Land, ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen – und das ist wirklich kein geisterfahrender Mehdorn oder ein rotleuchtender Uli Hoeneß, der ebenfalls gerne die Abwrackprämie für sein gesamtes Team einfordern möchte! An den Börsen geht es wieder steil aufwärts – dort wird nicht lange über gegenwärtige Missstände geheult, sondern die Zukunft gehandelt, sagt man. Kaum verkündet Ackermann, dass der März vorbei sei und der April begonnen habe, steigen die Börsenwerte um Milliarden. Die Finanzwelt feiert, dass die Institute noch leben, und mutmaßt, diese könnten sogar einen Neukunden gewonnen haben, der bereit sei, ein Sparbuch zu eröffnen. Hurra. Sogar angekündigter Arbeitsplatzabbau wird wieder gebührend mit Kurssprüngen honoriert. Das gibt Hoffnung, das hebt die Champagnerlaune. Eigentlich auch nix anderes als eine Abwrackprämie, nennt sich nur „shareholder value“. Wenn Michelle Obama ihr Anpflanzprogramm jetzt noch auf 100m³ große Wohnkürbisse erweitern würde, dürfte sogar der amerikanische Immobilienmarkt wieder belebt werden. Insofern können wir uns eigentlich wieder beruhigt zurücklehnen, Uschi, Hans-Hermann und die Zoo-Eintrittskarten beiseite legen, das Fleischpaket schnappen und die 72 Jungfrauen zum Grillen einladen. Denn wir können uns immer sicher sein, dass der Staat das Steuerrad noch fest in Händen hält und über uns wachen wird. Zur Not mit der Überwachungstechnik von Lidl oder der Bahn.
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31.03.2010 00:04
Hier hast du wieder für jede Menge Spaß gesorgt. Danke! ;-) Die Höchstwertung folgt...
16.02.2010 13:31
sehr unterhaltsam ;-))
14.02.2010 14:35
Prima Bericht...lg