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Kurklinik Nordseedeich, die fast perfekte Erholung

4  29.12.2003

Pro:
absolutes Abschalten vom Alltag

Kontra:
die Kids nerven trotzdem hin und wieder

Empfehlenswert: Ja 

carolineraphael

Über sich: ...impulsiv, poethisch, musikalisch, kämpferisch.....---- und emanzipiert! Denn nur die ehrlichen u...

Mitglied seit:06.05.2002

Erfahrungsberichte:12

Vertrauende:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 12 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wenn man als Mutter am Ende ist, die Nerven nicht mehr die Besten sind und auch der Partner nicht mehr so richtig mitzieht, dann ist man definitiv reif für eine Mutter-Kind-Kur.
Das dachte auch ich mir im Frühjahr diesen Jahres und deshalb bekam ich (nach langem Kämpfen) endlich eine Kur genehmigt.
Da mein Sohn Raphael und ich leichte Asthma-Bronchiale haben und meine Tochter Caroline Hautprobleme hat, bot es sich natürlich an, eine Kur hoch oben im Norden zu machen. So kamen wir dann zur „Kurklinik Nordseedeich“, die unmittelbar an der Nordsee liegt, genauer gesagt: in Friedrichskoog -Spitze. Wem das immer noch nichts sagt: ein bekannter Ort in der Nähe ist Brunsbüttel.
Zunächst einmal zum Gebäude und der Einrichtung:
Die Kurklinik ansich macht von außen einen recht passablen Eindruck. Das Gebäude steht auf einem Areal von ca. 9500 qm und macht auf den ersten Blick den Einruck, als handle es sich um ein gemütliches Hotel. Im Innenbereich sind die Zimmer auf drei Etagen verteilt. Insgesamt haben bis zu 108 Mütter/Väter mit Kindern Platz. Also eine nicht zu übertrieben große Einrichtung.
Jedes Zimmer hat Dusche/WC, ein Durchwahltelefon und sogar einen Radiowecker. Es gibt ein großes Bett und für die Kinder ein Hochbett (auf Wunsch kann sogar noch ein Gitterbett dazugestellt werden)
Für die Großfamilie (also Vater + Mutter mit Kindern oder: Mutter/Vater ab 3 Kindern) stehen zwei Zimmer zur Verfügung, wobei dann auch ein großes Doppelbett vorhanden ist. Ansonsten sind die Zimmer aber gleich.
Jedes hat ein gebührenpflichtiges Fernsehen ,
(€ 2,- pro Tag + € 10,- Pfand), eine kleine Kommode, einen Tisch mit Stühlen und einen Schrank mit sehr viel Stauraum. Zum größten Teil haben die Zimmer auch einen Balkon und……. (wenn man Glück hat wie ich) einige haben sogar Meerblick!
Die Klinik hat einen großen Speiseraum, der in drei Gruppen unterteilt ist (Muschel-, Hummer- oder Delphingruppe).Das sind immer die jeweiligen Kurgänge, die Mittwochs anreisen. Das heißt also im Klartext: jeden Mittwoch reist ein Kurgang ab und der nächste Kurgang reist an.
Jede Etage im Haus besitzt eine „Etagenküche“, in der man sich auch mal eine Kleinigkeit warm machen kann oder einige Sachen im Kühlschrank verstauen kann. Außerdem gibt es Aufenthaltsräume, eine Lehrküche, einen Therapiebereich, Kindertagesstätte (unterteilte Altersgruppen, da Kinder von ca. ½ Jahr bis 14-15 Jahre in der Klinik sind). Außerdem verfügt die Klinik über einen Hauseigenen Spielplatz der sehr gemütlich und sicher gestaltet ist (auf der Basis eines Abenteuerspielplatzes); es gibt noch Spielzimmer, Bewegungsbad und sogar eine Sauna.
Ein großes Plus der Klinik ist die Betreuung der Kinder. Sie erfolgt durch pädagogische Fachkräfte, die Kinder von 8.00-12.30 Uhr und von 14.00 bis 16.30 betreuen. Unterteilt ist das Ganze in drei Gruppen:
1) Kinder unter 3 Jahren (Familiengruppe mit Geschwisterkindern)
2) Kindergartenkinder (3-6 Jahre)
3) Schulkinder (für die 3x pro Woche eine Hausaufgabenbetreuung stattfindet)
Positiv zu bewerten ist auch, dass die Kinder jeden Tag von 10.00-11.00 Uhr nach draußen gehen, wenn es nicht gerade in Strömen regnet. So bekommen sie ganz sicher immer eine gute Portion frische Meeresluft ab und sind abends so richtig schööööööön müde. Das erleichtert uns Eltern doch gleich das gemütliche Beisammensein am Abend.

Zu den Hausregeln und dem Ablauf der Reha:
Die Essenszeiten sind eigentlich perfekt geplant, so dass hauptsächlich die kleineren Kinder (wie Raphael) nicht aus ihren Schlafgewohnheiten rauskommen. In dieser Hinsicht musste ich mich kein bisschen umstellen. Dazu zählte natürlich auch, dass es eine 1 ½ -stündige Mittagsruhe im Hause gab (von 12.30 – 14.00 Uhr), an die sich leider Gottes aber nicht immer jeder hielt. Diese Leute nannten wir dann schlicht und einfach „egoistisch und rücksichtslos assozial“!!!!!
Auch am Abend waren gewisse Ruhezeiten einzuhalten: ab 21.30 Uhr sollten die Kids im Bett liegen und ab 22.30 Uhr war „Ruhe im Karton“!!!!!!!

Nun gab es auch noch eine Besucherregel die da besagte, dass jeder, der Dich besuchen wollte, im Foyer empfangen wird. Dann musste ( oder sollte ) man das Kurgelände mit samt Besuch verlassen. Das hatte den einfachen Grund, dass die Klinik des Öfteren die Erfahrung gemacht hatte, dass die Mütter (oder Kinder) nach dem Besuch eines „Angehörigen“ seelisch wieder ein wenig „down“ waren (was meiner Ansicht nach verständlich ist, da man zu viel mit dem Alltag konfrontiert wird).
Das hört sich jetzt vielleicht alles ein wenig wie im „Knast“ an, aber hey…..wir waren in Kur , und nicht auf Urlaub ---- da ist nun mal Ruhe angesagt!

Zum Anwendungs-Ablauf: Am Donnerstag nach der Anreise gab es für jeden erst einmal eine Aufnahmeuntersuchung, in der dann auch festgelegt wurde, welche Anwendungen für die jeweilige Person sinnvoll sind und ob eventuell Reduktionskost ratsam wäre (bei mir schon!!!!:-().
Da gab es dann so Angebote wie : Elektrotherapie, Massagen, Kneippanwendungen, Drainagen, Entspannungstechniken, mediz. Bäder, Schwimmen (z.B. Aquapower), div. Bäder, Walking , Therapiegespräche (einzeln oder in Gruppen) , Tai-Chi, Qi-Gong , Asthmaschulungen…….
Ein besonderes Plus für Eltern mit behinderten Kindern ist zB. Ein Sonderdurchgang für Kinder mit Down-Syndrom am Jahresanfang.

Zum Extra-Bon-Bon in Sachen Einrichtung:
Das Schleppen von vielen schweren Koffern in die Kur kann man sich sparen, denn in der Klinik gibt es 4 Waschmaschinen und 3 Trockner, die jederzeit (wenn man sich rechtzeitig in eine Zeit-Liste einträgt) benutzt werden können. Außerdem hat jedes Zimmer eine kleine „Wäschespinne“ und im Waschraum gibt es die Möglichkeit, seine Kleidung zu bügeln. Also: bitte nicht unnötig Klamotten schleppen….. ich schwöre Euch: Ihr werdet waschen, auch wenn Ihr vorher gesagt habt „nee – bin in Kur – gibt´s bei mir nicht!“

Zum Freizeitangebot:
Es gibt jede Menge Eltern – Kind-Aktivitäten, die täglich wechseln und am Wochenende werden sogar Ausflüge kostengünstig angeboten, wie z.B. in die nahegelegene Seehundstation, die für Kids sehr interessant ist.
Außerdem gibt es in der Klinik einen offenen Werkbereich, der von morgens 9.00 bis abends 22.30 Uhr durchgehend geöffnet ist. Da kannst Du Deiner Kreativität freien lauf lassen. Material dafür kannst Du dann zu bestimmten Uhrzeiten Mo.-Sa. käuflich erwerben. Wenn Du Dir aber da nichts zutraust, gibt es auch noch die Gelegenheit, tagsüber in eine angebotene Bastelstunde unter Anleitung zu gehen. Da kannst Du Dich dann z.B. in die Welt der Seidenmalerei oder Stoffmalerei einführen lassen. Es gibt ein weites Spektrum an Bastelangeboten, die man hier gar nicht alle aufzählen kann.
Wer gar keine Lust zum Basteln hat, kann sich auch jede Menge Bücher oder Spiele ausleihen …… oder doch ganz einfach einen netten Spaziergang direkt am Meer machen, denn die Klinik empfiehlt sowieso mindestens 2 x täglich ½ Stunde Frischluft!!! :-)
Sollte es Dir abends auf dem Zimmer zu langweilig sein, hast Du immer noch die Möglichkeit, Dich im Erdgeschoß in einem dafür vorgesehenen Aufenthaltsraum = „PESEL“ mit anderen zu treffen und gemütlich zusammen zu sitzen. Von Donnerstags bis Samstags gibt es dann auch die Möglichkeit, mal gemütlich einen Wein, ein Bier oder alkoholfreie Getränke zu Dir zu nehmen, denn von 20.30 bis 22.30 ist dann „Ausschank“. Ansonsten gilt die ganze Woche über striktes Alkohol- und auch Rauchverbot!!
Um die Kinder muß man sich in der Zeit keine Sorgen machen, denn durch das in jedem Zimmer integrierte Babyphon kann die Nachtschwester jeder Zeit mitbekommen, wenn eines der Kinder wach wird. Dazu muß man sich vor dem Krankenzimmer in eine Liste eintragen, aus der zu ersehen ist, wo man sich am Abend aufhält und zu erreichen ist.

Nun zu meinem Urteil über die Klinik:
Über die Anwendungen konnte man sich nun wirklich absolut nicht beschweren. Das ganze Mitarbeiterteam war stets bemüht, freundlich zu sein und gab auch in jeder Hinsicht das best mögliche. Wir hatten auch viel Spaß, besonders beim Walken, bei Aqua-Power oder auch beim gemeinsamen Kochen.
Auch das Personal in der Kindertagesstätte gab einem das Gefühl, dass die Kinder gut aufgehoben sind. Sie waren mit allen möglichen „Sorten“ von Kindern zusammen und von daher einiges gewohnt. Auch die brüllenden Kleinkinder unter 3 Jahren (zu denen auch Raffi gehörte), die jedes Mal Angst hatten, wenn es Richtung Gruppenraum ging, hatten die Kindergärtnerinnen schnell im Griff, und nach spätestens einer Woche wurden selbst die größten Brüll-Hälse zahm!!
Das Personal im Speiseraum behandelte einen stets zuvorkommend. Immer, wenn man den Saal betrat wurde man bereits von 3-4 „Helfern“ erwartet und begrüßt wie die Königin persönlich. Trotz dem vielen Kindergebrüll und Gerenne im Saal und den doch oft launigen Müttern behielten die Damen des Personals immer die Fassung und blieben freundlich. Auf Extra-Wünsche gingen sie stets gerne ein und nach 3-4 Tagen wussten bestimmte Damen immer schon, was man noch zusätzlich benötigte (sei es eine Kanne heißes Wasser oder eine Kanne Milch zum Mitnehmen oder eine extra Portion heißen Kakao ……).
Das Essen war immer lecker hergerichtet.
Warmes Essen am Mittag konnte man am Vortag auf einer Liste bestellen (1xVegetarisch, 1xKindermenü , 1xnormal zur Auswahl) und es wurde direkt am Tisch serviert. Morgens und abends gab es immer Buffet. – Verhungert sind wir nie – und ich habe sogar dabei noch 3,5 kg abgenommen! :-)
Wem der Nachtisch beim Essen noch nicht reichte, konnte sich im hauseigenen Automaten ein Eis kaufen.

Die Handtücher in den Zimmern wurden immer dann gewechselt, wenn man zum Erkennen die „alten“ auf den Boden gelegt hatte und die Betten wurden nach ca. 10 Tagen frisch bezogen.
Es wurde 6 x die Woche geputzt (wenn auch nicht immer ganz sauber) und der Mülleimer wurde jeden Tag geleert.
Die „Freundlichkeit“ an der Rezeption ließ hin und wieder etwas zu wünschen übrig, je nach dem, wer gerade Dienst hatte.
Toll fand ich auch, dass man sich in der Klinik bei Bedarf Fahrräder gegen Gebühr ausleihen konnte, so hatte man ein wenig Abwechslung.

Es gab eigentlich nur 2-3 Sachen , die wirklich sehr zu bemängeln waren:
Da war als erstes die Sache mit dem Spielzimmer im Erdgeschoß. Dort gab es ein aus Plastikstäben zusammengebautes Gerüst und ein paar Kissen. Hier konnten sich alle Kinder austoben – und genau da lag das Problem: alle Kinder????? Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Nun stellt Euch mal vor, dass dort Kinder von 1 – 15 Jahren vertreten sind und „rumrolzen“. Nee danke! Viel zu gefährlich. Das hätten meine Kinder doch keinen Tag überlebt. Ich habe Caroline und Raphael nur dann dort rein gelassen, wenn fast niemand oder nur kleine Kinder da waren.
Es gab nämlich auch noch die Regel, dass Kinder in diesem Raum nur unter Aufsicht von Eltern spielen durften, und daran hielten sich nur leider sehr wenige!!
Meiner Ansicht nach hätte es mindestens zwei dieser Spielzimmer für verschiedene Altersgruppen geben müssen.

Als nächstes gab es dann da noch die absolut rücksichtslosen Mütter/Väter, denen alles am A…… vorbei ging: die Kinder durften machen, was sie wollten; und es wurde Krach ohne Ende gemacht, so dass man sich in den Ruhezeiten nicht richtig ausruhen konnte. Schade nur, wenn man sich immer selbst um Ruhe kümmern musste, und die Leitung und das dafür zuständige Personal dieses Manko einfach „übersah“ (oder einfach ignorierte?)

Den größten Vogel schoß jedoch die medizinische Abteilung ab: also Gesundheitsmittel auf Naturbasis hin oder her-
Wenn es nötig ist, etwas stärkeres zu verwenden, dann sollte man das auch tun, vor allem, wenn die meißten Kinder heut zu Tage sowieso mit Antibiotika vollgepumpt sind und auf „Naturprodukte“ nicht mehr so recht ansprechen.
Selbst bei starkem Husten und Fieber kamen die „Ärzte“ immer noch mit irgendwelchen „Kügelchen“ die das Ganze heilen sollten. Das führte in einem Fall so weit, dass ein Kind mit Verdacht auf Lungenentzündung am Wochenende ins Krankenhaus eingeliefert werden musste (hatte sich Gott sei Dank nicht bestätigt).
Auch Magen- und Darmgrippen wurden nicht ordnungsgemäß behandelt, so dass einige eine ganze Woche damit zu kämpfen hatten.
Von den 4 Ärzten, die dort tätig waren, hatte meiner Ansicht nach nur die Kinderärztin halbwegs etwas „auf dem Kasten“. Das Andere waren eher „Wald-und –Wiesen-Ärzte“ :-(
Auch die Krankenschwestern waren nicht unbedingt die Freundlichsten. Da verlangte doch tatsächlich eine Nachtschwester abends um 23.00 Uhr von mir, ich solle mir selbst frische Bettwäsche abholen (nachdem Raphael seine vollgeko…… hatte). Haaaallooo?????
Geht’s noch????? Ich sollte meinen vollgespuckten, nassen Sohn mal so eben kurz alleine lassen (mit Caroline zusammen) und Bettwäsche besorgen? Nee- mit mir nicht. !!
Es gab nur eine Krankenschwester, die wirklich etwas „drauf“ hatte und zudem noch freundlich (und auch lustig) war.
Ansonsten ist die mediz. Abteilung aber noch seeeeeeehr überholungsbedürftig! :-(

Mein Fazit über diese Klinik: geht nicht mit der Erwartung dort hin, schon nach 2 Tagen entspannt und erholt zu sein – nee – iss nicht!
Das dauert schon seine Zeit.
Im Großen und Ganzen (mal abgesehen von der medizin. Abteilung) fand ich es aber ganz toll und ich habe mental auch einiges mit nach Hause nehmen können. Vielleicht, wenn man mit einem kleinen „scheiß egal“ – Gefühl an die Sache dran geht, ist es doch ganz schön.
So viel tolle Meeresluft auf einmal kriegst Du nie wieder – und wenn es irgendwie möglich ist: versuche eine 4-Wochen-Kur, denn nach 3 Wochen fängt die Erholung erst richtig an.
Nachdem sich ja viele über die med. Abteilung beschwert hatten, wird sich vielleicht auch etwas ändern. Das heißt im Klartext:
Wenn Du eine Kur benötigst und die Krankenkasse bietet Dir die Klinik Nordseedeich an, dann „schlag zu“:-)
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Qwastaccia

Qwastaccia

03.01.2004 18:54

... alles in allem klingt das doch wirklich klasse (ich war 3 Mal in einer Reha und hatte mir immer soooo gewünscht, mal ans Meer zu kommen). Bei uns durfte aber Nie-nie-nich Alkohol getrunken werden, was dazu führte, dass es abends wie in der Jugendherbereg zuging (Mit Flaschen übern Flur in andere Zimmer schleichen und heimlichem Rauchen *g*) :o) ...

diva68

diva68

03.01.2004 14:17

da ich keine kinder habe, wird es mich wohl nicht dorthin verschlagen, aber: sehr schöner bericht, sehr interessant zu lesen. ich hoffe, der erholungseffekt ist wenigstens noch ein kleines bißchen zu spüren. liebe grüße...diva

larshermanns

larshermanns

30.12.2003 16:06

Hallo! Ein wirklich guter und informativer Bericht...! Liebe Grüße, Lars :o)

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