UNBEGLAUBEBEL 3: Die Kneipentour... (StoryUpdate)
4. Feb 2006
(19. Mar 2006)
Pro:
Eine Kneipentour kann höchst amüsant sein . . .
Kontra:
. . . wenn sie nicht so endet wie hier .
Empfehlenswert:
Ja
 dw_Rotha
Über sich:
Auch in diesem Jahr werde ich nur sehr selten „On Air“ sein können. Allen Lesern herzlichen Dank, au...
Mitglied seit:31.12.2004
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Er fühlte sich benommen als er erwachte und es war ihm etwas übel. Das Bett, in dem er lag, war ausreichend breit und lang, bequem könnte man sagen. Der Raum hatte eine Größe von etwa sechzehn Quadratmetern, ein normal großes Fenster mit Blick auf die See, Decke, Fußboden und Wände waren einheitlich in dunkelgrün gehalten, in die Decke war ein runder Fluter eingelassen, der einen weichen Lichtkegel auf den Tisch warf, der ebenfalls in dunkelgrün gehalten war. In der Ecke befanden sich ein WC und eine kleine Dusche. "Guten morgen Peter, Sie heißen doch so, nicht wahr?" Die Stimme, die aus verborgenen Lautsprechern zu kommen schien, war angenehm rauchig weich, fast zu weich, und ein gewisser erotischer Hauch war ihr nicht abzusprechen. "Er kennt meinen Namen", dachte er, "woher verdammt noch mal, kennt er meinen Namen. Wieso bin ich hier, wo bin ich eigentlich, was ist passiert?" "Sie brauchen mir keine Fragen zu stellen, Peter, ich kenne sie alle, habe sie oft genug gehört. Sie erhalten nun Ihr Frühstück. Genießen Sie es und erholen Sie sich von den Strapazen. Wir werden uns nachher etwas ausführlicher unterhalten." Es öffnete sich eine bis dahin für ihn nicht erkennbare Klappe in der Wand, die sich automatisch schloss als er das Tablett mit dem opulenten Frühstück entnommen hatte. "Als sie hierher kamen, musste ich Ihnen eine kleine Injektion setzen. Sie ist aber eigentlich harmlos, macht einen etwas schweren Kopf, beeinträchtigt aber nicht den Appetit. Sie befinden sich im Raum der Hoffnung, Peter. Ich habe ihn geschaffen, weil jeder, der sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat das Recht haben muss, hoffen zu dürfen. Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie, für Sie unerreichbar, unterhalb der Decke eine Vielzahl von Kameraaugen entdecken. Sie sind notwendig, nein unverzichtbar, denn ich muss ja über Ihr Wohlbefinden wachen". "Was für ein Verbrechen soll ich denn begangen haben", schrie er. "Nun, Peter", sagte die Stimme sanft, " Sie wollten mir Ihr Haus nicht verkaufen als ich Ihnen sagte, ich würde es total umbauen. Sehen Sie, für dieses Haus hier musste ich sehr viel mehr Geld auf den Tisch legen. Zweihunderttausend Euro mehr, die Umbauten und die technischen Einrichtungen nicht gerechnet. Sie haben es an diesen dicken Kerl verkauft und sehr viel weniger bekommen als ich Ihnen bot. Ihr Haus wäre für meine Zwecke besser gewesen, denn das Grundstück ist größer und die Entsorgung wäre einfacher gewesen. Nun gut, vielleicht erinnern Sie es nicht mehr, es ist ja auch schon eine Weile her. Gehen Sie nun bitte in den Erziehungsraum", die Stimme wurde etwas härter, "ich werde Ihnen die Tür öffnen." Mit einem kaum hörbaren Zischen, ähnlich wie man es von großen Tresortüren kennt, öffnete sich der Durchgang zum Erziehungsraum. In dem relativ kleinen Raum, der ganz in schwarz gehalten war, stand exakt zentriert ein OP-Tisch, der auf eine schienenähnliche Konstruktion montiert war, die vom Kopfende des Tisches zur Wand hin führte. In die seitliche Wand war ein großer Spiegel eingelassen. "Gehen Sie zu dem Tisch, Peter, und legen Sie sich auf den Rücken. Ich werde Ihnen neben ein paar Spielregeln einige andere Dinge erklären, die für Sie und mich von Bedeutung sind, uns das Zusammenleben so angenehm wie möglich machen. Wenn Sie nun den Kopf etwas anheben, tun Sie es ruhig Peter, sehen Sie Arm- und Fußfesseln, deren Schließ- und Öffnungsmechanismen ich von hier aus steuern kann, aber wir werden sie heute nicht brauchen. Das Frühstück, Peter, war es in Ordnung, fehlte etwas, haben Sie Wünsche? Sagen Sie es ruhig, wenn sie etwas vermissen. Ich will alle Ihre Forderungen erfüllen insofern sie Ihr leibliches Wohl angehen, denn Kraft werden wir brauchen. Ja, das werden wir". "Das Frühstück war schon o.k.", stöhnte Peter. "Ich habe viel Geld in die Technik dieser Räume gesteckt, viel, viel Geld. Alles nur, um Sie und ihresgleichen vor sich selbst zu schützen. Deshalb wird es Sie nicht wundern, das nur ich die Türen und die technischen Einrichtungen öffnen, schließen oder bewegen kann. Es ist ein wunderbares Spielzeug, dieses Steuerpult mit all seinen technischen Möglichkeiten. Ach, das Fenster im Raum der Hoffnung, mit dem großartigen Blick auf das Meer, ist mit Panzerglas versehen. Sie werden verstehen, dass ich Sie nicht aus einer Höhe von acht Metern springen lassen kann, die Verletzungen wären fürchterlich." Kalter Schweiß stand Peter auf der Stirn, er wagte sich nicht zu bewegen. "Zum Abendessen", sagte die Stimme genüsslich, "werde ich Ihnen zarte, rosafarbene Entenbrustfilets an einer Steinpilzsauce, frischen Steinpilzen und gerösteten Kartoffelbällchen servieren. Eine Flasche Wasser und eine Flasche erlesenen Weines wird das Mahl abrunden. Sind Sie damit einverstanden?" "Ja", stöhnte Peter. "Richten Sie Ihren Blick nun zur Decke, lieber Freund. Sie sehen die Zahlen Eins, Zwei und Drei, richtig? Sie brauchen mir nicht zu antworten. Warum zittern Sie, mein Freund, es ist doch nichts passiert. Ich glaube, ich schicke Sie nun besser zurück in den Raum der Hoffnung, gehen Sie. Ich werde Ihnen später das Abendessen servieren, morgen unterhalten wir uns weiter." Peter erwachte schweißgebadet und begab sich zur Dusche, die automatisch warmes Wasser spendete als er die Duschwanne betrat. "Guten Morgen, mein Freund, ich sehe, Sie haben gut geschlafen. Stellen Sie doch bitte die Reste Ihres Abendessens in die Klappe, sobald Sie Ihr Frühstück entnommen haben. Danke." Er trank einen Schluck Tee, schlug das Ei auf, rührte es aber nicht an. "Ich sehe, Sie haben keinen Appetit. Nun gut, ich öffne Ihnen jetzt die Tür zum Erziehungsraum. Treten Sie bitte ein und legen Sie sich in Rückenlage auf den Tisch ... gut so. Arme und Beine legen Sie bitte in die dafür vorgesehenen Fesseln" Mit einem leisen Klick schlossen sich die Fesseln um seine Hand- und Fußgelenke, wobei er das Gefühl hatte, dass die linke Handfessel nicht richtig eingerastet war und etwas Spiel hatte. "Meine Chance vielleicht", dachte er. "Lassen Sie uns dort fortfahren, wo wir gestern endeten, bei den Zahlen", sagte die Stimme und man spürte, dass eine gewisse Aufregung in ihr mitschwang. "Sie haben es in sich die Zahlen, wie Sie gleich verstehen werden. Hinter Ihnen sind drei Klappen verborgen. Zwei Klappen enthalten nichts, somit haben Sie zwei Chancen und dürfen, wenn Sie eine leere Klappe gewählt haben, bis zum nächsten Tag in den Raum der Erholung zurückkehren. Hinter einer Klappe jedoch, steckt ihr Schicksal. Wenn Sie diese Klappe erwischen, ist es aus. Nun, mein Freund, Sie denken, Sie bräuchten sich nur die Zahlen zu merken. Nein, nein, so einfach ist es nicht, ihr Schicksal kann jeden Tag hinter einer anderen Zahl stecken. Ich werde Ihnen nun zeigen wie Ihr Schicksal aussieht. Sehen Sie, heute ist es die Eins. Der ausfahrbare Arm und die Roboterhand sind aus feinstem Stahl hergestellt und der menschlichen Bewegungsfähigkeit absolut gleichwertig. Der Trommelrevolver in der Stahlhand, er ist ein altes Erbstück und mir sehr an das Herz gewachsen, ist mit einer Patrone bestückt. Fünf Kammern sind leer. Zweimal werde ich abdrücken. Es ist Ihnen klar, was das bedeuten kann, nicht wahr?! Ich fahre den Revolver jetzt in die Position, in der er die beste Wirkung erzielt, in die Mitte Ihrer Schädeldecke. Ich tue das, um Sie an den Ernst des morgigen Tages zu gewöhnen. Sollte sich unglücklicher Weise ein Schuss gelöst haben, wird es keine weiteren Probleme geben. Ich werde den Arm jetzt wieder hochfahren und Ihnen erklären, was dann geschieht. Sie sind etwas blass um die Nase, lieber Freund. Der Tisch wird sich in der Mitte, vom Fußende her, zusammenklappen, das halbiert quasi Ihre Körperlänge, und er wird auf dem Gleitsystem zur Wand fahren. Dort öffnet sich eine Klappe, hinter der ein Ofen steckt, ähnlich denen, die man für Keramikbrennen einsetzt. Der Ofen ist so dimensioniert, dass Sie hinein passen werden. Bei über tausend Grad wird es rund zwei Stunden dauern, in denen ihr Körper von der Heißluft zunächst dehydriert wird, dann in Flammen aufgeht, bis nur noch ein Häufchen Asche nach ist. Die Asche wird automatisch in den Müllcontainer entsorgt, es wird keine Spur mehr von Ihnen geben. Ich löse jetzt Ihre Fesseln und Sie können dann zurück in den Raum der Erholung. Ach, Peter....Ihr Abendessen. Was halten Sie von einer goldgelb gebratenen Scholle, frisch vom Kutter, an einem herzhaften Speckkartoffelsalat?" "Von heute an, lieber Freund, kann Ihnen nun jeden Tag Ihr Schicksal begegnen, wobei Sie mir bitte die Bemerkung verzeihen wollen, dass ich sehr hoffe, dass Sie noch lange leben werden. NDR2 brachte gestern Ihre Vermisstenmeldung. Wer Sie gesehen hat oder etwas über Ihren Aufenthaltsort sagen kann, möge sich bitte bei der nächsten Polizeidienststelle melden. Wollen wir uns melden, lieber Peter? Nein, das wollen wir doch nicht. Ich gebe zu, dass es für Ihre Angehörigen und für Ihre Lebensgefährtin eine schlimme Zeit der Ungewissheit werden wird, aber das können und wollen wir nun nicht mehr ändern. Ihre linke Armfessel ist übrigens völlig intakt, das sagt mir mein Funktionsprüfsystem. Es bringt Ihnen also gar nichts, wenn Sie versuchen Ihre Muskeln anzuspannen oder wenn Sie versuchen die Hand in der Fessel hochzuziehen. Sagen Sie mir nun, mein geschätzter Freund, welche Zahl Sie wählen". "Die Eins", stöhnte Peter. "Die Eins, sieh mal einer an, die Eins. Nun gut, mein Freund, Sie haben gewählt, ich werde die Klappe jetzt öffnen, den Arm mit der Waffe ausfahren und die Mündung an Ihrem Kopf positionieren. Ich habe es geahnt, nein, ich wusste, dass Sie die Eins wählen würden, obgleich, die beiden anderen Zahlen wären mir lieber gewesen. Sind Sie bereit? Sie nicken. Nun, dann werde ich den Abzug jetzt durchziehen... oh, ... es hat nur klick gemacht.... welch ein Glück für Sie. Sie sind sehr tapfer, Peter, machen eine gute Figur da auf dem Tisch. Übrigens, habe ich Ihnen schon gesagt, dass Sie eine geile Figur haben, lieber Freund? Wir werden jetzt den unvermeidlichen zweiten Versuch starten. Sollte sich der Schuss lösen, werden Sie ihn nicht mehr hören .... nein, ich denke, nein. Ich will Ihnen beweisen, dass ich barmherzig bin und fahre den Arm jetzt ein. Ihre Fesseln sind gelöst. Sie können nun aufstehen und mit Ihrem süßen Knackarsch in den Raum der Hoffnung zurückkehren. Freuen Sie sich auf das Abendessen, lieber Gast. Ich serviere Ihnen heute feinsten geräucherten Bornholmer Lachs an einer raffiniert zubereiteten Sauce, dazu gibt es frisch gebackenes Weißbrot und einen edlen Wein aus dem Kaiserstuhl. "War es gut, ich meine, das Abendessen? War die Portion gut bemessen, fehlte etwas? Sie sind mir ein lieber Gast geworden, Peter, ein sehr lieber Gast. Ein solches Gefühl zu entwickeln kann sehr gefährlich werden, womöglich dazu führen, Sie zu schonen. Aber nein, nein, das geht jetzt nicht mehr. Welche Zahl wählen Sie heute?" "Ich will wieder die Eins", presste er hervor. "Die Eins, er will wieder die Eins, glaubt, ich würde es nicht ahnen. Es ist nicht unbedingt Ihr Glückstag heute, lieber Peter, nein, es ist nicht Ihr Glückstag. Sie wissen ja schon, wie es geht. Ich werde den Abzug betätigen, sobald der Revolver seine Position erreicht hat. Sind Sie bereit? Ihr Nicken sagt mir... klick ... Glück für Sie. Wir kommen nun zum zweiten Durchgang. Ich ...was tun Sie da Unsinniges, es ...aaaaaoooooooh...." Peter riss den linken Arm mit aller Kraft aus der Fessel, ergriff die Stahlhand, richtete die Waffe mit einer blitzschnellen Körperdrehung auf den Spiegel und betätigte den Abzug so lange, bis der Schuss sich löste, der in einem Scherbenregen ein großes Loch in den Spiegel riss. In einem Punkt hatte die Stimme sich geirrt. Das Funktionsprüfsystem arbeitete nicht korrekt Die Stimme saß aufrecht, mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck in ihrem Sessel, die Augen weit aufgerissen, die langen blonden Haare blutverschmiert. Ein fingerdicker Blutstrahl spritzte aus dem hässlichen Loch über ihrer Nasenwurzel und lief über ihr einst schönes Gesicht. Die Sonne schien als Peter das Haus verließ. Er würde sich bei der nächsten Polizeidienststelle melden und dort erzählen, dass ihm nichts weiter passiert war als eine unselige, tagelange Kneipentour. Er warf einen kurzen Blick auf den Wagen der Müllabfuhr, auf das Hydrauliksystem, in dem der Müllcontainer hing und er murmelte: "Nein, es wird keine Spur mehr von ihr geben." © dw_Rotha, 04.02.06 (StoryUpdate 19.03.06)
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25.07.2007 10:50
Sadomasoistische Züge !!!
03.11.2006 20:48
...schon mal ein Krimibuch geschrieben? Gruß Börsenfeger
19.09.2006 21:34
Oha, interessante Geschichte. Gefällt mir irgendwie noch besser als die Nasenschneider-Story, obwohl bzw. gerade weil diese Story viele (auch logische) Fragen aufwirft. Hut ab vor deinen kreativen Einfällen. Das gibt ein BH und ein Kurzgeschichtenstammleser mehr. Gruß dutcherl