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Kauf Nix Tag

5  15.12.2006

Pro:
Es ist ein Tag, den man sich merken sollte .

Kontra:
Der Tag hat einen sehr ernsten Hintergrund .

Empfehlenswert: Ja 

DarkShadowTB

Über sich: Bewertungen sind unwichtig! Mich interessieren sinnvolle Kommentare. Deshalb bitte: 1. Keine Bewertu...

Mitglied seit:25.05.2004

Erfahrungsberichte:20

Vertrauende:40

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 121 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vorweg: In diesem Bericht geht es um den seit 1994 bestehenden "Buy Nothing Day" oder "Kauf Nix Tag" wie er in Deutschland heißt. Dabei unterteilt sich der Bericht in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt soll über den Sinn dieses Tages informieren und im Idealfall einigen Lesern die Scheuklappen einer marketinggelenkten Konsumgesellschaft abreißen. Der zweite Abschnitt ist ein Erlebnisbericht dessen, was einige Kommilitonen und ich dieses Jahr anlässlich des Kauf Nix Tages veranstaltet haben und soll als Anregung zur Nachahmung dienen.

Teil 1:

Was ist der Kauf Nix Tag?
Der Buy Nothing Day existiert seit 12 Jahren und stammt ursprünglich aus den USA. Er findet dort jährlich am Freitag nach Thanksgiving statt, da dies der statistisch umsatzreichste Tag in den Vereinigten Staaten ist. Inhaltlich geht es an diesem Tag darum, welche Missstände wir mit unserem alltäglichen Konsumverhalten unterstützen (unter anderem Zwangs- und Kinderarbeit in Entwicklungsländern). Inzwischen hat sich der Tag auch auf die meisten anderen Industrieländer ausgeweitet, teils mit eigenem Namen (in Deutschland beispielsweise Kauf Nix Tag). Aufgrund der Zeitverschiebung liegt der Tag in Deutschland immer auf einem Samstag. Dieses Jahr war er am 25. November und im nächsten Jahr wird er am 24. November stattfinden. Anlässlich dieses Tages gelten drei Dinge:
1. Wie der Name schon verrät soll man am Kauf Nix Tag den Handel boykottieren und einmal 24 Stunden lang nichts einkaufen.
2. Man soll sich an diesem Tag darüber informieren welche der Produkte, die man täglich konsumiert, mit gegen die Menschenrechte verstoßenden Methoden hergestellt werden, und welche Alternativen es zu diesen Produkten gibt.
3. Aktionen starten: Um den Tag bekannter zu machen und vor allem um die Menschen auf die Konsequenzen unbewussten Konsumverhaltens hinzuweisen finden sich anlässlich dieses Tages jedes Jahr überall auf der Welt Menschen zusammen, und veranstalten aus eigener Initiative kreative Aktionen in der Öffentlichkeit.

Was soll das Ganze?
"Missstände" ist natürlich ein großes Wort. Namentlich ist es so, dass viele Konzerne deren Produkte wir täglich konsumieren eben diese Produkte mit menschenrechtswidrigen Methoden herstellen. Zwangs- und Kinderarbeit, Zusammenarbeit mit Militärregimes, Lohnausbeutung, Verfolgung von Gewerkschaftsmitgliedern, Umweltzerstörung, unbezahlte Überstunden und Ausnutzung von Bürgerkriegen sind dabei keine Ausnahmen sondern absolut übliche Praktiken. Ich erlaube mir dies anhand von fünf sehr bekannten Firmen zu veranschaulichen. Dies sind allerdings nur Beispiele für Betriebspraktiken, die bei den meisten multinationalen Konzernen angewendet werden. (Die Quellenangabe zu diesen Vorwürfen liefere ich am Ende des Berichtes.)

- Bayer AG:
Die Bayer AG ist vor allem durch das Schmerzmittel Aspirin bekannt, doch auch die Geschichte des Konzerns ist recht interessant: Bayer ist ein direkter Nachfolgekonzern der IG Farben, die während der NS-Zeit das Giftgas Zyklon B für die Konzentrationslager der Nazis herstellte. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde die IG Farben in drei separate Konzerne unterteilt, von denen die Bayer AG der Einzige ist, der sich bis heute weigert Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Holocaustopfer zu zahlen. Heute importiert die Bayer AG unter anderem Rohstoffe aus Kriegsgebieten und ist verantwortlich für unethische Medikamententests für das Blutdruckmittel "Nitrendepine", bei denen Tausende kranke Versuchspersonen jahrelang nicht behandelt wurden sondern nur Placebos bekamen.

- Chiquita Brands International Inc.:
Chiquita ist der weltweit unangefochtene Marktführer im Handel mit Bananen. Gleichzeitig ist die Firma Chiquita einer der skrupellosesten Ausbeuter von Plantagenarbeitern weltweit. Im Jahr 2000 entließ der Konzern in Costa Rica, wo der Wochenlohn der Plantagenarbeiter bei weniger als 30 Euro lag, mehrere Gewerkschaftsmitglieder und sorgte durch Zusammenarbeit mit Polizei und Einwanderungsbeamten dafür, dass diese nie wieder nach Costa Rica zurückkehren konnten. Die Pestizide, die auf den Plantagen des Konzerns verwendet werden, sind in den Ländern wo sie produziert werden verboten und führen jährlich zu dem Tod von mehreren hundert Arbeitern. Allein 1997 starben dort 827 Menschen durch gefährliche Pestizide! 2002 prangerte Human Right Watch an, dass auf den Plantagen von Chiquita Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren für einen Tageslohn von 3,50 Euro arbeiteten. Diese Kinderarbeiter wurden giftigen Pestiziden ausgesetzt, bekamen fauliges Wasser zu trinken und wurden zum Teil sexuell missbraucht. 90 % der befragten Kinder gaben an, dass sie auch dann auf den Plantagen arbeiten mussten, während die Flugzeuge darüber flogen und Pestizide ausstreuten.

- Coca-Cola Company:
Coca-Cola ist vor allem für die Getränke Coca-Cola, Fanta und Sprite bekannt, vertreibt aber auch andere Erfrischungsgetränke wie beispielsweise Nestea. 2001 wurde der Konzern vom kolumbianischen Gewerkschaftsbund Sinaltrainal verklagt, weil 8 Gewerkschaftsmitglieder von paramilitärischen Todeskommandos ermordet und weitere 65 mit Mord bedroht wurden. Der zuständige Richter stimmte der Klage gegen die Abfüllfabrik in der die Männer arbeiteten zu, nicht aber der Klage gegen den Coca-Cola Konzern selbst. Laut einem Bericht der englischen BBC hat Coca-Cola 2003 großflächige Gebiete in Südwest-Indien mit hochgiftigen und teils krebserregenden Chemikalien wie Cadmium verseucht. Zudem ist der extrem hohe Wasserverbrauch des Konzerns eine wesentliche Ursache für die katastrophale Unterversorgung mit Wasser der Bauern in dieser Region. Bei daraus resultierenden Protesten gegen den Konzern wurden mehr als 300 Menschen inhaftiert.

- Mc Donald's Corporation:
Mc Donald's ist der weltweit größte Verkäufer von Rindfleisch. Um Weideland für diese Rinder zu schaffen hat der Konzern riesige Flächen des südamerikanischen Regenwaldes abholzen lassen. Das Futter für all die Rinder wird auf weiten Landbauflächen in Ländern angebaut, in denen der Großteil der Bevölkerung Hunger leidet. Im Jahr 2000 kam heraus, dass in chinesischen Fabriken, die unter anderem Spielzeugfiguren für das bei Mc Donald's geführte "Happy Meal" herstellten, Missstände wie Kinderarbeit, gefälschte Papiere, einem 8-Stunden-Lohn von 1,49 Euro und tatsächlichen Tagesarbeitszeiten von 15 Stunden herrschten. Mc Donald's stritt die Beschuldigungen zunächst ab, entschloss sich nach wachsendem öffentlichem Druck aber doch etwas zu unternehmen: Der Konzern räumte die Missstände in chinesischen Zulieferungsbetrieben ein und verlegte die Produktion schlichtweg auf andere ebenfalls chinesische Fabriken. Immerhin verbot der Konzern im Zuge dessen seinen Zulieferungsbetrieben die Beschäftigung von Arbeitern unter 15 Jahren. Als sich 2002 in einer Fabrik in Vietnam, die ebenfalls unter anderem Happy-Meal-Figuren herstellt, 220 Mitarbeiter eine Acetonvergiftung zuzogen, weigerte sich die Fabrik die Behandlungskosten dafür zu übernehmen, obgleich die Arbeiter nur einen Stundenlohn von 6 Eurocent (!) bekamen.

- Siemens AG:
Von Handys über Computer bis hin zu Waschmaschinen ist Siemens einer der weltweit führenden Anbieter von Elektrogeräten. Früher war der Konzern zudem auch einer der führenden Anbieter von Atomreaktoren, was inzwischen die französische Framatome ANP ist, an der die Siemens AG immerhin noch zu 34 Prozent beteiligt ist. Alle Kernreaktoren in Deutschland stammen von der Siemens AG, wobei dabei teilweise Reaktortypen verwendet wurden, die in anderen europäischen Ländern wegen Sicherheitsbedenken verboten sind! In den 70er und 80er Jahren arbeitete der Konzern mit Militärregimes in Argentinien, Brasilien und Iran zusammen, um dort den Bau von Kernkraftwerken zu ermöglichen. Die Siemens AG lieferte außerdem Generatoren und Turbinen für riesige Staudammprojekte, bei denen unzählige Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Der mithilfe der Siemens AG gebaute Drei-Flüsse-Damm, der den chinesischen Fluss Jangtse staut und das größte Wasserkraftprojekt der Welt ist, führte dazu, dass 1,3 bis 1,9 Millionen Menschen zwangsumsiedeln mussten. Der den Einwohnern dafür in Aussicht gestellte Schadensersatz wurde in den meisten Fällen nie ausgezahlt. Bei einem von Siemens unterstütztem Staudammprojekt in Indien mussten etwa 50.000 Menschen ohne Schadensersatz ihre Heimat verlassen. Als es im Zuge dessen zu Protesten kam ging die Regierung radikal gegen die Demonstranten vor: Es gab mehrere Tote und Tausende Inhaftierungen.


Dass große Konzerne mit solchen Methoden arbeiten können, ohne dass sich die Konsumenten darüber aufregen, liegt nicht zuletzt daran, dass sich die meisten Konsumenten schlichtweg nicht die Mühe machen sich über derlei Dinge aus unabhängigen Quellen zu informieren. Von daher ist es schon beinahe logisch, dass viele internationale Firmen zehnmal so viel Geld in Werbung investieren wie in die eigentlichen Herstellungskosten. Der durchschnittliche Kunde sieht, welches Image sich die Firma in ihrer Werbung selbst gibt, behauptet sich davon nicht beeinflussen zu lassen und
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Standbildtheater
glaubt letzten Endes doch, dass dieses Firmenimage irgendwo auch der Realität entsprechen muss. Dabei entspricht das Bild, dass Firmen in ihrer Reklame von sich selbst zeichnen, sehr häufig dem genauen Gegenteil dessen, was sie tatsächlich praktizieren. Auch dies möchte ich anhand von fünf Beispielkonzernen erläutern.

- The Walt Disney Company:
Die Firma Disney muss wohl nicht erst vorgestellt werden. Von Donald Duck über Winnie Pooh und Aladdin bis hin zu Clownfisch Nemo kennt jeder die von der Firma kreierten Zeichentrickfiguren. In der Realität ist der Konzern allerdings weit weniger kinderfreundlich: 2001 stellte sich heraus, dass bei der Fabrik KTBA in Kalifornien unter anderem Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren für einen Stundenlohn von 1,35 Dollar arbeiteten. Ebenfalls kam bei einem chinesischen Zulieferungsbetrieb des Konzerns heraus, dass dort sechzehnjährige Mädchen 18 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche für einen Monatslohn zwischen 38 und 63 Euro arbeiten mussten. 2002 herrschten in einem Betrieb in Bangladesh, der Disney-T-Shirts herstellte, solche Missstände, dass die Mitarbeiter für 5 Dollarcent pro T-Shirt 14 bis 15 Stunden täglich arbeiten mussten, wobei sie regelmäßig von Aufsehern geschlagen wurden. Im letztgenannten Fall setzte sich Disney nach massivem öffentlichen Druck dafür ein, die Umstände in diesem Zulieferungsbetrieb zu verbessern.

- Kraft Food International Inc. (Philip Morris):
Kraft ist der Hersteller zahlreicher eigener Lebensmittelmarken wie unter anderem Daim, Jacobs, Kaffee Hag, Lila Pause, Miracoli und Toblerone. Was kaum jemand weiß ist, dass der Lebensmittelkonzern 1988 vom US-amerikanischen Tabakkonzern Philip Morris aufgekauft wurde. Aber auch sonst ist bei Kraft nicht alles so wie es auf dem ersten Blick zu sein scheint: Auf seiner Homepage verkündete der Konzern lange Zeit, dass er seine Kakaobohnen aus der westafrikanischen Elfenbeinküste importiert, und von den etwa 14 Millionen Einwohnern der Region etwa 4 - 5 Millionen Immigranten sind. Diese Immigranten arbeiten hauptsächlich beim Anbau von Kakaobohnen und haben diesem Wirtschaftszweig zu seiner Blüte verholfen. Inzwischen hat Kraft den Text offenbar von der Homepage genommen, was damit zusammenhängen könnte, dass nach einer Schätzung von Terre des Hommes etwa 20.000 Kinder im Alter von 7 - 14 Jahren aus ihrem Heimatland Mali entführt und zur Elfenbeinküste verschleppt wurden, um dort ohne Bezahlung zu arbeiten. Sie werden geschlagen, misshandelt und ausgebeutet, und machen einen deutlichen Anteil dieser "Immigranten" aus. Faktisch lassen sich diese Umstände als Sklaverei bezeichnen. Laut Auskunft des Unicef-Leiters in Mali müssen Arbeiter die versuchen zu fliehen mit Inhaftierung oder sogar Tod rechnen. Einen definitiven Beweis dafür, dass solche Sklaven auch auf den Plantagen von Kraft arbeiten gibt es nicht, aber als einer der Hauptabnehmer für Kakaobohnen aus dieser Region ist er nachweislich für die extrem niedrigen Preise für Kakaobohnen, und somit zumindest indirekt auch für Methoden wie Sklaverei, mitverantwortlich.

- Mattel:
Mattel ist einer der weltgrößten Spielzeughersteller und führt unter anderem die Marken Barbie, Fisher Price, Matchbox sowie unzählige unterschiedliche Actionfiguren wie beispielsweise He-Man. Mattel war auch eine der weltweit ersten Firmen, die auf öffentliche Kritik über die Arbeitsumstände in Zulieferungsbetrieben reagierte. Der Konzern kündigte an unabhängige Kontrollen zu finanzieren und stellt es seitdem so dar, dass in seinen Fabriken alles in Ordnung sei. Allerdings entsprechen die von Mattel veröffentlichten Zusammenfassungen der Kontrollberichte nicht immer ganz den Kontrollberichten selbst. So führen Widersprüche im Bericht über die Zulieferungsfirma Mattel Jakarta Sum zu der Schlussfolgerung, dass dort systematisch unbezahlte Überstunden verrichtet werden. Vor allem aber werden nur einige bestimmte Zulieferungsbetriebe, aber bei weitem nicht alle, kontrolliert. Im Januar 2002 veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation The National Labor Comitee einen Bericht über acht Fabriken in China, die unter anderem auch Spielzeuge für Mattel herstellen, in dem angeprangert wurde, dass einige Mitarbeiter 364 Tage im Jahr 13-14 Stunden täglich arbeiten mussten, und das für einen Stundenlohn von umgerechnet 11 Eurocent!

- Nestlé:
Nestlé ist vor allem für Babynahrung bekannt, stellt aber auch zahlreiche Schokoladenprodukte wie After Eight, KitKat, Lion, Nesquik und Yes her. Angesichts dessen, dass Nestlé größtenteils Produkte für Babys und Kinder herstellt ist es schon auffallend, dass auch dieser Konzern seine Kakaobohnen aus der Elfenbeinküste importiert. Zudem hat der Nestlé-Konzern mit extrem unverantwortlichen Werbemethoden versucht den Absatz seiner Babynahrung in Afrika voranzutreiben. Man versuchte schwangeren Frauen dort auszureden ihren Kindern die Brust zu geben, obwohl in dieser Region jährlich 1,5 Millionen Kinder sterben, da sie nicht die Brust bekommen! Das liegt vor allem daran, dass das Trinkwasser mit dem die Babynahrung vermengt werden muss in diesen Erdteilen häufig stark verschmutzt ist. Vor allem aber ist Nestlé ein Vorreiter für genetisch modifizierte Zutaten und verwendet sie, wenn es lukrativ ist, bei all seinen Produkten (schaut euch diesbezüglich noch einmal die Produktliste im ersten Satz dieses Abschnittes an). Zudem ruft die Umweltorganisation WWF zu Protesten gegen Nestlé auf, da der Konzern für seine Palmölproduktion weite Flächen des indonesischen Regenwaldes abgeholzt hat.

- Nike Inc.:
Nachdem es Ende der 90er Jahre massive Konsumentenproteste gegen die Firma Nike gegeben hat, in denen es vor allem um Kinderarbeit und Lohnausbeutung in sämtlichen Zulieferungsbetrieben des Konzerns ging, sah sich Nike gezwungen umfangreiche soziale Verbesserungen in seinen Fabriken einzuführen. Tatsächlich ist es so, dass sich die Zustände in den Zulieferungsbetrieben von Nike in den letzten Jahren gebessert haben. Dass in den Fabriken nun keine Missstände mehr vorkämen, wie es von Nike angegeben und von vielen Menschen geglaubt wird, entspricht allerdings nicht den Tatsachen. Eine internationale Arbeitsgruppe von Menschenrechtsorganisationen prangerte die Firmen Nike und Adidas 2003 an, weil sie Näherinnen in Indien lediglich 2 Euro Tageslohn bezahlten. Diese waren aufgrund dessen sogar in vielen Fällen gezwungen ihre Kinder wegzuschicken, da sie diese nicht mehr ernähren konnten. In dem Bericht wird auch erwähnt, dass Arbeiter die sich in unabhängigen Gewerkschaften organisieren mit Kündigung, Gefängnis oder sogar körperlicher Gewalt rechnen müssen. Zudem ist die Rede von sexueller Diskriminierung von Frauen, die sich während ihrer Periode vor dem Betriebsarzt entkleiden mussten, um ihre Blutungen zu beweisen. 2003 wurde Nike vom US-amerikanischen Konsumentenaktivisten Marc Kasky verklagt, da er nachweisen konnte, dass der Konzern bei zahlreichen Angaben über Verbesserungen in seinen Zulieferungsbetrieben gelogen hatte. Die Anwälte von Nike gaben diese Lügen vor Gericht zu, beriefen sich diesbezüglich aber auf das Recht der Meinungsfreiheit. Das Gericht entschied gegen Nike, obwohl sich der US-amerikanische Präsident George Bush hinter den Konzern gestellt hatte.


Nachdem ich jetzt massive Kritik an einigen Konzernen geübt habe, ist es natürlich auch wichtig diese Kritik gegen mich selbst (und sicher auch viele Leser dieses Berichtes) zu richten. Wer etwas verändern will sollte nun einmal zunächst bei sich selbst damit anfangen. Neben den Konzernen und ihren Zulieferungsbetrieben sind es nämlich zu einem ganz entscheidendem Anteil wir Konsumenten, die mitbestimmen unter welchen Umständen diese Firmen ihre Produkte herstellen. Und es ist schon sehr auffällig mit welcher Doppelmoral wir dabei zuweilen vorgehen. Wir behaupten gegen soziale Ungerechtigkeit zu sein, entscheiden uns beim täglichen Einkauf meist aber doch eher für das preiswertere Produkt ohne darüber nachzudenken warum das Produkt wohl so "günstig" hergestellt werden konnte. Wir behaupten alle steif und fest uns nicht von Werbung manipulieren zu lassen, aber über die tatsächlichen Praktiken der großen Markenfirmen informieren wir uns dann für gewöhnlich trotzdem nicht, womit letztlich doch nur das Image aus der Werbung im Gedächtnis haften bleibt. Auch für diese Selbstkritik an uns Konsumenten und dem damit einhergehenden Begriff "Doppelmoral" will ich es mir nicht nehmen lassen dies an zumindest drei Beispielen zu verdeutlichen.

- Wenn man eine deutschlandweite Unfrage machen würde was die Leute von Kindesmissbrauch halten, wird dabei wohl eindeutig herauskommen, dass alle Menschen mit entschiedener Empörung absolut dagegen sind. Zugleich geht der deutschlandweite Trend aber strikt dahin so billig wie möglich einzukaufen, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Wenn Neunjährige auf Plantagen Kakaobohnen, Orangen oder Zuckerrohr anbauen, oder Zehnjährige den ganzen Tag über T-Shirts nähen müssen, wie nennt man das dann? Wer von uns denkt bei seinem täglichen Einkauf im Billig-Supermarkt an der Ecke schon an Kindesmissbrauch? Dabei sind es gerade Discounter, die mit ihrem enormen Preisdruck auf Zulieferungsbetriebe Methoden wie Kindersklaverei zumindest indirekt fördern.

- Jeder der ein Gegner des von George Bush geführten Irak-Krieges ist möge jetzt bitte einmal die Hand heben. (Gut, ich sehe das jetzt natürlich nicht, aber Umfragen zufolge müssten jetzt wohl die meisten Leser eine Hand hochhalten.) Nun, dieser Krieg wurde bekanntlich nicht nur allein vom Präsidenten der USA sondern vor allem auch von der Ölindustrie in die Wege geleitet. Ölkonzerne, die wir alle so gerne verteufeln, und deren schwarzes Gold wir trotzdem (zwangsläufig?) regelmäßig tanken. Viele haben im Zuge des Irak-Krieges laut protestiert, dass es nicht rechtens ist Menschen für Öl zu ermorden. Doch jeder der daraus die Konsequenz gezogen hat mehr mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, anstatt mit dem Auto, der möge jetzt bitte erneut die Hand heben. (Ich sehe es natürlich wieder nicht, aber wie viele Hände sind da wohl gerade oben?)

- Mein drittes Beispiel bezieht sich ganz aktuell auf den Monat Dezember und somit die unmittelbare Weihnachtszeit. Weihnachten ist nach christlicher Tradition eigentlich unter anderem dazu da, um an die Armen zu denken. Ich bin zwar kein Christ, aber das was angesichts dieses ursprünglichen Gedankens heutzutage aus Weihnachten geworden ist lässt mir Hörner wachsen! Weihnachten ist größtenteils de facto zu einem reinen Konsumrausch verkommen, und bei all den Schokoweihnachtsmännern denkt plötzlich niemand mehr an Zwangsarbeiter auf Kakaoplantagen. Und der Gedanke, dass ein Großteil der Spielzeuge die wir unseren lieben Kleinen schenken von anderen lieben Kleinen hergestellt wurde, würde einem ja auch die ganze Festtagsstimmung vermiesen. Stattdessen wirft man beim Weihnachtsgottesdienst 50 Cent in den Klingelbeutel, und klopft sich auf die Schulter, weil man etwas gegen die Armut in der Welt unternommen hat.

Aber was kann man dagegen machen?
Bei der Beantwortung dieser Frage will ich mich, auch wenn ich hier vielleicht den Eindruck erweckt habe, auf keinen Fall als Moralapostel aufspielen. Dieses Selbstbild würde zersplittern sobald ich einmal mit klaren Augen in den Spiegel schaue. Jeder muss selbst nach eigenem Wissen und Gewissen entscheiden was er gegen bestehende Missstände unternehmen kann oder will. Wer beispielsweise Arbeitslosengeld II empfängt oder mit einem Durchschnittseinkommen eine ganze Familie ernähren muss kann es sich faktisch gar nicht leisten ausschließlich Produkte aus fairem Handel zu kaufen. Wer beruflich auf sein Auto angewiesen ist wird kaum Möglichkeiten haben die Ölindustrie zu boykottieren (und ein Boykott gegen einzelne Ölfirmen ist zwecklos, da sich ihre Methoden nicht groß unterscheiden). Es ist jedoch wichtig sich über die Konsequenzen seines eigenen Konsumverhaltens bewusst zu werden und dieses Konsumverhalten im Rahmen seiner jeweiligen Möglichkeiten (!) zu ändern. Letztlich bringt es mehr, wenn viele Menschen einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gehen, als dass wenige Menschen allein einen Großen machen. Bevor ich zum Fazit des ersten Teiles dieses Berichtes komme, liefere ich daher noch einige grundsätzliche Tipps, wie man durch sein alltägliches Verhalten etwas ändern kann. Welche man davon in welchem Ausmaß befolgt muss jeder für sich selbst entscheiden.

- Informiert euch darüber mit welchen Methoden die Firmen, deren Artikel ihr einkauft, diese Produkte herstellen. Solche Dinge kommen für gewöhnlich nicht in den Nachrichten und in der allgegenwärtigen Werbung schon gar nicht. Bei Menschenrechtsorganisationen, Verbraucherschützern, Umweltverbänden und anderen unabhängigen Quellen kann man aber an solche Informationen gelangen.

- Kauft keine Produkte von Firmen, von denen ihr wisst, dass sie gegen die Menschenrechte verstoßen.

- Informiert andere Menschen über bestehende Missstände und die Herstellungspraktiken bekannter Großkonzerne.

- Achtet beim Einkauf darauf, wo die Produkte hergestellt wurden. Waren aus Entwicklungsländern, die kein Fair-Trade-Siegel tragen, stammen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Fabriken in denen gegen die Menschenrechte verstoßen wird. Insbesondere in der Textil- und Spielzeugindustrie sind solche Praktiken vollkommen üblich. (Erklärung zum Fair-Trade-Siegel, Zitat aus Wikipedia: "Seit Anfang des Jahres 2003 kennzeichnet ein international einheitliches Logo die Produkte des Fairen Handels. Die Vergabe des Fair-Trade-Logos, dessen Entwicklung von der deutschen Bundesregierung unterstützt wurde, ist an bestimmte soziale und zum Teil auch ökologische Kriterien geknüpft.")

- Achtet bei Nahrungsmitteln auf die Inhaltsstoffe. Für Lebensmittel, die Zutaten aus Entwicklungsländern enthalten (beispielsweise Kakaobohnen oder Zuckerrohr), gilt das Selbe wie für alle anderen in diesen Ländern angefertigten Produkte ohne Fair-Trade-Siegel. Das Gleiche gilt natürlich auch für sämtliche Südfrüchte wie beispielsweise Bananen oder Orangen.

- Fragt in Supermärkten nach Bio- und/oder Fair-Trade-Produkten. Inzwischen werden diese in praktisch allen Supermärkten und sogar den meisten Discountern angeboten. Das gab es vor ein paar Jahren noch nicht und liegt ausschließlich daran, dass Kunden zunehmend nach solchen Produkten gefragt haben. Das beweist, dass sich der Handel sehr wohl mit ganz einfachen Mitteln beeinflussen lässt.

- Erkundigt euch wo es in eurer Nähe Bio- und/oder Fair-Trade-Läden gibt. Auch diese sind in den letzten Jahren erheblich zahlreicher geworden und lassen sich in nahezu jeder Stadt finden.

- Nutzt die Macht eures Einkaufs!

Fazit 1. Teil:
Anders als viele Leser jetzt wohl vermuten werden betrachte ich mich in keiner Weise als Gegner unserer Marktwirtschaft (Ich verwende bewusst nicht den Begriff "Kapitalismus", da er zu oft falsch verwendet wird und längst zu einem polemisierenden Schlagwort verkommen ist). Ich übe allerdings sehr scharfe Kritik an zahlreichen Begleiterscheinungen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems. Fakt ist, dass wir eine freie Marktwirtschaft haben, was letztendlich nichts anderes bedeutet, als dass sich das Angebot immer an der Nachfrage orientiert. Dabei sind Anbieter logischer Weise an einem größtmöglichen Gewinn interessiert, und welche Konsequenzen das zuweilen hat habe ich bereits ausführlich veranschaulicht. Die tatsächliche Macht liegt aber nicht auf der Seite dessen, der das Angebot liefert, sondern bei der breiten Masse, welche die Nachfrage stellt. Es nützt keinem Konzern etwas, seine Produkte noch so günstig herzustellen, wenn die Kunden ihm seine Waren nicht abkaufen. Somit entscheidet letzten Endes allein der Konsument was sich verkauft und was nicht - also auch was hergestellt wird. Solange sich die Konsumenten durch Werbung blenden lassen, anstatt sich selbst zu informieren, wird sich nicht viel ändern. Und selbst wenn sich die Leute objektive Informationen beschaffen, geht es ihnen meist ausschließlich um die Frage, ob sich der Kauf für sie persönlich lohnt, nicht unter welchen Umständen das Produkt angefertigt wurde (Die Berichte hier bei ciao liefern dafür das beste Beispiel). Menschen denken nun einmal meist zunächst eigennützig, und es ist recht schwer sie davon zu überzeugen, dass sie für gleichwertige Produkte mehr Geld bezahlen sollen, damit Menschen in anderen Ländern nicht ausgebeutet werden. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir durch eben dieses Verhalten zu einem entscheidenden Anteil selbst an vielen Missständen in der Welt Schuld sind.


Teil 2:

Hier wird es nun darum gehen, was einige Kommilitonen und ich dieses Jahr anlässlich des Kauf-Nix-Tages organisiert haben. Wie bereits gesagt soll dieser Erlebnisbericht dazu dienen möglichst viele Menschen zur Nachahmung zu animieren.

Nachdem ich im Internet zufällig auf den Tag aufmerksam wurde, und mich über unterschiedlichste Internetseiten näher mit dem Thema befasst habe, hatte ich beschlossen hier in Leeuwarden (liegt in Holland) auch etwas an diesem Tag zu starten. Genau am 25.10. habe ich E-Mails an Kommilitonen geschickt und mit ihnen begonnen Aktionen für den Tag vorzubereiten. Ein Monat Vorbereitung also, und das kam dabei heraus:

Zwei Wochen vor dem Buy Nothing Day (bzw. Niet-Winkel Dag oder Koopniets-Dag) haben wir begonnen an unseren Unis (unsere Gruppe bestand aus Studenten von zwei verschiedenen Universitäten) und in den örtlichen Coffee-Shops unsere Flyer und Info-Zettel auszuteilen sowie Plakate aufzuhängen. Wir haben uns für diese verschiedenen Formate entschieden, damit wir die Flyer an jeden aushändigen können, und die Info-Zettel gezielt an die Personen, die Interesse zeigen. Den Flyer haben wir von einer Internetseite zum Buy-Nothing-Day übernommen. Er zeigt das Profil eines Kopfes, der mit den Logos bekannter Firmen gefüllt ist, allerdings haben wir ihn noch durch den Slogan "Und wie sieht es in deinem Kopf aus" ergänzt, da uns das Bild allein zu nichtssagend war. (Slogans und auch andere Inhalte unserer Materialien übersetze ich hier immer direkt auf Deutsch, da ich davon ausgehe, dass die meisten hier kein holländisch verstehen). Auf dem Infozettel hatten wir auf der ersten Hälfte Informationen aus dem "Schwarzbuch Markenfirmen" zusammengefasst und auf der zweiten Hälfte Tipps gegeben. Unter anderem wo es in Leeuwarden Fair-Trade und Bioprodukte zu kaufen gibt, dass man darauf achten soll in welchem Land die Produkte hergestellt werden, dass man in Supermärkten nach Fair-Trade-Produkten fragen soll etc. Als letzten Tipp haben wir noch "Nutze die Macht deines Einkaufs" geschrieben.

Dann kam der Tag selbst: Damit man uns als zusammengehörige Gruppe erkennt, haben wir uns gegenseitig Strichcodes auf die Wangen und/oder die Stirn gemalt. Wir haben uns mit zwei Tischen, die wir uns von einer Studentenvereinigung geliehen hatten, in der Innenstadt aufgestellt. Einer der Tische war unser Info-Stand, wo wir neben den bereits erwähnten Flyern und Info-Zetteln auch noch ein Info-Heft ausgeteilt haben. Dieses Info-Heft bestand im Grunde genommen aus Kopien aus dem "Schwarzbuch Markenfirmen". Wer das Buch gelesen hat wird auch die darin enthaltenen Betriebsportraits kennen, und daraus haben wir uns 17 Konzerne ausgesucht. Der andere Tisch wurde unser Tausch-Stand auf dem wir unterschiedlichsten Ramsch ausgelegt haben. Jeder der vorbei kam konnte sich davon nehmen was er wollte, und musste dafür etwas Beliebiges zurücklegen. Das Ganze war als Alternative zum Einkaufen gedacht und kam sehr gut an. Zwischendurch hatten wir unter anderem eine Orange, das neue Testament + Psalme, ein kleines Plüschkaninchen, eine Tube Haargel, einen Stadtplan und eine Milchpackung auf dem Tisch liegen. Außerdem haben wir an den Tischen selbstgebackene Kekse in Herzform verschenkt.

Zudem führten wir den ganzen Tag über Aktionen durch, um Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Diese Aktionen waren im Einzelnen:

Standbildtheater: Wir hatten jede Menge Einkaufstüten mitgebracht, und uns mit denen als Standbildgruppen postiert. Fünf Menschen, die je mit etwa 7 Einkaufstüten regungslos in der Fußgängerzone stehen, fallen auf! Das Ganze haben wir zwischendurch auch ein wenig variiert. Mal standen wir wirklich einfach nur still. Mal haben wir uns nacheinander immer wieder umpositioniert, etwa dass einer versuchte dem anderen die Tüte wegzureißen und dann wieder "einfror" oder jemand anders seine Brieftasche rausholte und "einfror" etc. Mal standen wir mit den Einkaufstüten still, und sobald jemand vorbeiging liefen wir neben der Person her und blieben dann abrupt wieder stehen (Gerade Letzteres hat viele Leute zu Gesprächen mit uns animiert.).

Gratis-Umarmungen: Wir hatten Schilder mit der Aufschrift "Gratis-Umarmungen" und haben jeden Passanten der darauf einging dann auch eben diese Gratis-Umarmungen gegeben. Es waren zwar weniger als die Hälfte der Passanten, die sich darauf einließen, aber bei denen kam es sehr gut an.

Sinterklaas: Hierzu muss ich kurz erklären, dass in Holland nicht Weihnachten sondern Nikolaus (Sinterklaas) der Tag ist an dem es Geschenke gibt. Entsprechend voll ist die Stadt in den Wochen vor dem 6.12. auch mit Geschenkjägern. Das war natürlich Grund genug für uns einen eigenen Sinterklaas durch die Stadt zu schicken. Das Kostüm bestand aus einer roten Damenjacke, einem Nikolaussack und einer übergroßen Bischofsmütze aus Pappe, auf der wir den Spruch "Don't say ¥€$ this day" geschrieben hatten. Sah absolut traumhaft aus! Dieser Sinterklaas hat dann Herzen mit Slogans darauf verteilt, beispielsweise "Immer mehr kaufen, immer weniger leben", "Was du nötig hast kannst du nicht kaufen" oder "Deine Geschenke: Für und von Kindern gemacht." (Insgesamt hatten wir 11 verschiedene Slogans.) Zudem hat unser Sinterklaas selbstgebackene Pfeffernüsse (in Holland traditionelles Gebäck zu Nikolaus) an Kinder verteilt.

Geplant war, dass wir das Ganze von 10 - 17 Uhr (das sind die hiesigen Ladenöffnungszeiten am Samstag) veranstalten. Begonnen haben wir um 9 Uhr, da wir die Tische (zwei massive Kneipentische) erst von der Studentenvereinigung in die Innenstadt tragen und dann auch noch alles aufbauen mussten. ÄCHZ! Um 16 Uhr waren wir alle so erledigt, dass wir beschlossen haben abzubauen. Ihr glaubt nicht was für ein erlösendes Gefühl es war, als wir die Kneipentische endlich wieder zurückgebracht hatten. Zwischendurch hatte es auch zweimal angefangen zu regnen, und wir haben es beide male geschafft den kompletten Aufbau in weniger als einer Minute unter eine nahe gelegene überdachte Bushaltestelle zu verfrachten. Insgesamt sind wir mit dem kompletten Aufbau also viermal umgezogen (Vom eigentlichen Standort unter die Bushaltestelle, wieder zurück, wieder unter die Bushaltestelle und wieder zurück).

Folgende Ideen hätten wir auch noch gerne umgesetzt, allerdings hat es nicht so ganz geklappt.

Unsichtbares Theater:
In den Tagen vor dem "Buy Nothing Day" wollten wir "Unsichtbares Theater" bei Mc Donald's, Aldi, C&A und Co. aufführen. Das bedeutet mehrere Menschen finden sich an diesem Ort ein, ohne dass jemand weiß, dass sie zusammengehören. Langsam bauen diese Leute dann eine Diskussion auf, so als kämen sie zufällig gerade zusammen, und ziehen es so auf, dass auch andere Anwesende an der Diskussion teilnehmen - ohne natürlich zu wissen, dass eigentlich alles nur Theater ist. Das ist völlig legal, kann überall stattfinden und niemand verbieten. Leider scheiterte die Aktion, weil wir nicht mehr genug Zeit hatten das Ganze angemessen zu proben.

Malen mit Kreide:
Wir wollten Kinder zum Malen mit Straßenkreide animieren. Im Endeffekt hat außer uns aber niemand gemalt.

Abenteueressen bei Mc Donald's:
Die Idee haben wir ganz frech aus einem Internetforum geklaut: Nach Mc Donald's gehen, und dort selbstgeschmierte Brote essen. Erst hatten wir vor das direkt nach dem Aufbau der Stände zu machen. Als die dann aber standen kamen direkt Leute, und wir waren alle hochmotiviert mit unseren eigentlichen Aktionen zu starten. Da wir die ganze Zeit über auch von unseren selbstgemachten Keksen und Pfeffernüssen genascht haben, hatten wir auch zwischendurch nie wirklich Hunger, und haben dann beschlossen das nach dem Abbau der Stände als krönenden Abschluss zu machen. Nur waren wir nachdem wir die Tische wieder zurückgebracht hatten dermaßen erledigt, dass keiner mehr Lust darauf hatte.

Fair-Trade-Preisliste:
Wir wollten eigentlich noch einen weiteren Info-Zettel austeilen, auf dem steht wo es in Leeuwarden Fair-Trade- und Bioprodukte zu welchem Preis gibt. Das Ganze scheiterte sozusagen an unserer Recherchefaulheit, so dass wir letztlich nur die Adressen von Fair-Trade- und Bioläden nennen konnten.

Insgesamt waren auch zwei Fernsehsender mit Kameramann und Reporter bei uns, und einer aus unserer Gruppe gab ein Live-Interview im Radio. Zudem haben mehrere Zeitungen über uns berichtet. Das kam dadurch, dass wir im Vorfeld ALLE regionalen Medien via E-Mail über unsere Aktion unterrichtet hatten.

Noch ein paar Zahlen bevor ich zum Fazit komme:
Unsere Gruppe bestand aus etwa 10 Leuten.
Wir haben einen Monat Vorbereitungszeit benötigt.
Wir hatten etwas über 50 Euro Kosten, vor allem für das viele Papier, zudem auch noch für Backzutaten und andere Kleinigkeiten. (Eigentlich kämen noch 65 Euro für die Anmeldung bei der Stadt hinzu, allerdings haben wir diesbezüglich bis heute keine Rechnung erhalten.)
Wir hatten:
800 Flyer
100 - 150 Infoseiten (Ich weiß es nicht mehr genau.)
50 DinA4-Plakate
50 Infohefte mit je 10 doppelseitig bedruckten Blättern (also je 20 Seiten)
220 Herzen in 11 verschiedenen Ausführungen

Fazit 2. Teil:
Die Aktion war ein voller Erfolg! Es haben viele Leute Fragen gestellt, wir haben die Aufmerksamkeit der Passanten und der Medien auf uns gezogen und nicht zuletzt auch einen Riesenspaß an der ganzen Sache gehabt. Schade nur, dass einer von uns, der bei der ganzen Vorbereitung mitgeholfen hatte und sich wie wir alle tierisch auf den Tag gefreut hatte, am Kauf-Nix-Tag erkältet im Bett lag und daher nicht mitmachen konnte. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächstes Jahr! Ich danke allen Leuten aus unserer Gruppe für einen großartigen Tag, und hoffe, dass wir tatsächlich einige Nachahmer finden werden.


Informationsquelle:
Ich habe in diesem Bericht einige bekannte und etablierte Firmen namentlich kritisiert. Sämtliche diesbezüglichen Informationen habe ich dem Buch "Das neue Schwarzbuch Markenfirmen" van Klaus Werner & Hans Weiss entnommen. All diese Anschuldigungen sind bewiesen; die Autoren des Buches sind nie von irgendeinem Konzern verklagt worden. Ich habe keine wörtlichen Zitate aus dem Buch verwendet (jedenfalls nicht absichtlich), da ich die niederländische Übersetzung des Buches besitze. Meine Ausgabe des Buches stammt aus dem Jahr 2003. 2006 kam in Deutschland eine aktualisierte Version des Buches heraus.

Endgültiges Fazit:
Ich habe im ersten Absatz dieses Berichtes geschrieben, dass ich mir unter anderem erhoffe einigen Lesern die "Scheuklappen einer marketinggelenkten Konsumgesellschaft" abzureißen. Nun würde ich mich natürlich über Rückmeldungen freuen, inwiefern mir das gelungen ist. Generell sind mir wie immer jegliche Kommentare erheblich lieber als irgendwelche Bewertungen! Ach ja, über den Widerspruch diesen Bericht über eine kommerzielle Internetseite zu veröffentlichen bin ich mir übrigens völlig im Klaren. Ich behaupte jetzt einfach, dass das Absicht sei. Und nicht vergessen: Der nächste Kauf-Nix-Tag ist am 24. November 2007!

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Anduil

Anduil

15.12.2011 03:17

Erst habe ich gedacht, jaja, da ist so ein begüterter Jungstudent, der den armen Schluckern die Weihnachtsorangen und Billignikoläuse vermiesen will. Dann hast Du die Kurve bekommen und bist auf individuelle Möglichkeiten eingegangen. Und zum Schluss stiftest Du zur Begeisterung an. Nebenbei verteilst Du eine heilsame Dosis Information, gut lesbar geschrieben und niemals langweilig oder oberlehrerhaft. Wow.

giselamaria

giselamaria

03.12.2011 10:44

auch wenn der Bericht schon alt ist, an Aktualität hat er sich nichts eingebüßt. Diese ganzen Aktionen finde ich super, hätte ich ganz sicher auch mitgemacht. Ich bin auch der Meinung, dass wir selbst in unsrem Umfeld schon einiges tun können, mit Hinweisen usw. - Nur: ich habe leider die Erfahrungen gemacht, dass die Mehrzahl der Leute mich blöd anguckt und mit blöden Gegenfragen kommt. .. eigentlich würden diese ganzen Artikel von den bestimmten Firmen gar nicht weiter hergestellt werden, wenn sie nicht gekauft würden, wenn die Menschen sich da mal besser informieren würden. - Keine Chance, die Mehrzahl der Menschen sind einfach halbblind, haben den Tunnelblick, interessieren sich nur für den Preis... Dass das Erziehungssache ist, sehe ich daran, dass, wenn ich meine Töchter auf dieses Thema anspreche, sie das längst wissen, und mir vollkommen zustimmen. Und deren zwei Söhne denken hundertprozentig genauso, weil Verhaltensweisen und Ansichten der Eltern, wenn das Kind-Eltern-Verhältnis stimmt, übernommen werden. Kauforgien zu Weihnachten gibts bei mir schon ewig nicht mehr. Hat es auch vorher kaum gegeben. Und heute halte ich es so, (wie in meinem Bericht über Weihnachten erwähnt) -Limit von 10 euro - wenn überhaupt - für Geschenke, und darunter ist noch viel besser. Geht prima, und erstaunlich, welche netten Kleinigkeiten da ausgepackt werden. - übrigens gibts auch das: wer relativ viel Geld hat, gibt dem anderen, der wenig hat, was ab. Aber nicht nur an Weihnachten. Keine großen Beträge, aber immer mal wieder. Und das ist auch in Ordnung. - Dennoch wünsche einen schönen 2. Advent. :-)) - LG gisela

Demelza

Demelza

21.11.2011 16:13

davon höre ich heute zum ersten mal, finde so etwas nachahmenswert und denke, dass man einiges davon auch an anderen tagen umsetzen könnte.

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