Kindisches aus KW 28
13.07.2007
Pro:
so isses nun mal
Kontra:
so isses nun mal
Empfehlenswert:
Nein
 Thioula
Über sich:
“There are times when the enunciation of the most elementary common sense has an aspect of eccentric...
Mitglied seit:29.06.2006
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Die Protestanten, so Benedikt der XVI. (bevor ich ihn als "Papa Ratzi" bezeichne, soll Gottes Zorn auf mich herniedergehen, und ein Schwefelregen vom Feinsten obendrein), seien recht eigentlich keine Kirche. Natürlich auch wieder nicht ganz so schlimm wie eine Sekte, und sie gar "Ketzer" zu nennen, nein, so weit würde man denn doch nicht gehen, aber ihnen den Status einer Kirche zuzubilligen, das wäre denn doch zu viel des Guten. Kindisch? Nein, das ist nicht kindisch, sondern nur konsequent für den Vertreter einer Institution, die ihre Legitimation auf ununterbrochene personelle Kontinuität seit dem Mann mit dem Faible für krähende Hähne gründet - was historisch ungefähr so plausibel ist wie die Behauptung, daß die Hessen von den Hethitern abstammten. Kindisch ist vielmehr, sich darüber aufzuregen. Das neue Vatikan-Papier schade der Ökumene, trompetet Bischof Huber - na und? Von großen Koalitionen ist doch sowieso nicht viel zu halten. Der Bischof soll lieber dankbar sein, wenn ihm Gelegenheiten, sich zu profilieren, auf dem Silbertablett serviert werden. Diese sollte er im Sinne eines ostentativen Abwinkens wahrnehmen. Interviewanfragen könnte er mit dem Hinweis ablehnen, für derlei Kokolores habe er keine Zeit, er müsse dringend mal wieder die Apostelgeschichte auf Griechisch lesen, das erscheine ihm vordringlich - für Stellungnahmen in Sachen Vatikan möge man sich doch bitte an Dan Brown wenden. Die Rolle der beleidigten Leberwurst sollte man überhaupt lieber anderen Gruppen überlassen, vorzugsweise jenen, die sich schon seit längerem auf international konkurrenzlosem Niveau dafür qualifiziert haben, was mich, auf welch verschlungenen Assoziationswegen auch immer, zum Integrationsgipfel führt. Bei dem wollten einige Interessenvertreter nicht mehr mitspielen, weil sie es offenbar als ihr unveräußerliches Recht betrachten, minderjährige Mädchen ohne einschlägige Sprachkenntnisse in ein Land zu holen, wo sie dann im Zweifelfall noch nicht einmal nach der Uhrzeit fragen, geschweige denn die Antwort verstehen könnten. Nun muß man zweifellos zugeben, daß sich der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse in einem Bergdorf des tiefsten Anatolien eventuell etwas schwierig gestaltet, denn Goethe-Institute sind dort eher dünn gesät. Andererseits brüsten sich diese Institute mit ihrem Engagement für die deutsche Musik und nennen dabei drei Namen, nämlich "Johann Sebastian Bach, Herbert Grönemeyer und Rosenstolz" (1); mal ehrlich, solchen Leuten würde ich meine Tochter auch nicht anvertrauen wollen. Trotzdem: sich im Namen einer Familienzusammenführung, ohne daß es überhaupt schon eine zusammenzuführende Familie gäbe, die sicherlich völlig schweinefleischfreien Gipfelschnittchen zu versagen, ist denn doch ein bißchen - na eben, kindisch. Ungefähr so kindisch freilich wie die Annahme einiger CDU-Politiker, es könne der sprachlichen Integration des Nachwuchses aus solchen Familien, so sie denn einmal zusammengeführt sind, förderlich sein, wenn sie statt richtigem Türkisch zu Hause nur fehlerhaftes Deutsch (oder mangels Vokabular gar nicht mehr viel) hörten. Merke: man lernt nicht schon dadurch Deutsch, indem man einfach auf die Erlernung anderer Sprachen verzichtet. Ich spreche ja auch nicht schon deshalb Suaheli, weil ich nie Estnisch gelernt habe. Und wenn wir schon bei der Leitkultur, der deutschen nämlich, sind: kann es denn angehen, daß Tom Cruise den Stauffenberg spielt? Frank Schirrmacher meint, ja, denn auch Stauffenberg selbst sei Mitglied einer reichlich verquasten Clique gewesen. Schön, wir wissen jetzt, Schirrmacher hat auch schon mal was vom George-Kreis gehört; sehr gut, setzen. Argument ist das aber natürlich keines - seit wann muß die Lebensführung eines Schauspielers Parallellen zu der des Darzustellenden aufweisen? Meines Wissens haben sich weder Bruno Ganz noch Robert Carlyle jemals als Postkartenmaler verdingt, geschweige denn Kriege losgetreten oder Massenmorde begehen lassen; daß Peter Ustinov Rom nicht angezündet hat, weiß ich sogar ganz sicher, denn bei meinem letzten Aufenthalt sah es noch aus wie immer. Die Antwort auf diese kindische Frage kann nur lauten: Tom Cruise soll den Stauffenberg nicht spielen, weil er, wenn's nach mir geht, gar keine Rolle mehr spielen soll. Und zwar nicht, weil er Scientologe ist, sondern weil ich von seiner selbstgefälligen Visage genug habe. Aber sich über diese aufzuregen, wäre, wie soll's auch anders sein: kindisch. In diesem Sinne! (1)Quelle:http://www.ankara.diplo.de/Vertretung/ankara/de/06/Ku ltur__Kunst__Musik__Literatur__usw/Kultur__Kunst__Musik__Literatur__usw.htm l
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17.12.2011 10:34
Das Sahnehäubchen Deiner Polemiken sind die Kommentare. Es ist wunderbar, mal wieder Texte zu lesen, bei denen ich bereits vorher davon ausgehen kann, dass mich auch die KS auf Schätze stoßen lässt. Allein dafür gebührt Dir Dank: "Beleidigtsein bedeutet, andere die Spielregeln machen lassen." Dahmane war's.
17.12.2011 10:26
Zumindest Grönemeyer macht das Erlernen der deutschen Sprache nicht leichter, da bin ich mir sicher.
27.09.2007 10:39
was soll man dazu noch sagen....bravo! lg anja