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Einfluss von Reliquien auf KÖLN im Spätmittelalter

3  04.03.2008

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Empfehlenswert: Ja 

ScotlandTheBrave

Über sich: °°° Habe die Freude den ganzen Juli in Schottland verbringen zu dürfen... in diesem Sinne: Farewell!...

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1. Einleitung - der Begriff des Spätmittelalters

2. Reliquienkult im Spätmittelalter
2.1 Vorstellung und Herkunft
2.2 Die Lehre der (katholischen) Kirche
2.3 Einfluss auf das Alltagsleben
2.4 Die Idee der Wallfahrten

3. Die Stadt Köln von ca. 1300 bis 1500
3.1 Kurze Übersicht über die politische Situation
3.2 Vorteile durch die geographische Lage der Stadt
3.3 Allgemeine Entwicklung von Wirtschaftssituation und Haupteinkünften

4. Reliquienkult in Köln
4.1 Reliquien der Stadt
4.2 "Tourismus" durch Wallfahrt?
4.3 Allgemeiner Einfluss auf die Wirtschaft der Stadt
4.3.1 Gastronomie
4.3.2 Ein Schrein für die Reliquien: Der Kölner Dom
4.4 Rolle der Stadt im Christentum

5. Zusammenfassung und Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung - Der Begriff des Spätmittelalters

Das Spätmittelalter - wie wird dieser Begriff überhaupt definiert? Gerade heutzutage tun sich Wissenschaftler schwer mit der klaren Eingrenzung dieser Epoche. Dies liegt an den vielen, oft kontroversen Standpunkten, von denen aus die Periodisierung des Mittelalters vorgenommen werden kann. So liegt der Schwerpunkt dabei auf politischen, kulturellen, gesellschaftlichen, kirchlichen, wirtschaftlichen oder anderen Aspekten, die eine Veränderung und somit einen Umbruch für die damalige Zeit darstellten, also oft den Übergang in eine neue Epoche einleiteten und beeinflussten. Für den Aspekt des Reliquienkultes und dessen Einfluss auf das Alltagsleben in der Stadt Köln ist hier also vor allem die Beurteilung der kirchlichen und gesellschaftlichen Zeitgeschehnisse in Deutschland von Bedeutung.

Somit habe ich das Spätmittelalter für diese Arbeit als Zeit zwischen ca. 1250-1500 n.Chr. definiert. Für diese Wahl sprachen verschiedenen Gründe:
Im 12. Jahrhundert ergab sich im Verlauf der europaweiten Städtegründungswelle und Urbanisierung ein Wandel in der Bedeutung der Stadt. Sie wurde zum vollständigen Zentrum des Handels und der Wirtschaft, bot Perspektiven, Zukunftsaussichten und vollkommen neue Möglichkeiten. Nicht umsonst findet sich seit dem 13. Jahrhundert (sinngemäß und auch wörtlich) oft die Phrase "Stadtluft macht frei" in historischen Überresten und Primärquellen. Doch was heute als Phrase erscheint, war damals tatsächlich der Ausdruck für eine neue, persönliche und auch wirtschaftliche Freiheit: Von den Städten gingen die ersten Aufstände gegen die lokale Feudalherrschaft und das Lehnswesen aus, hier verlor das Ständesystem sehr viel früher als auf dem Land an Bedeutung, die Stadt gewährte ihren Einwohnern Schutz und Unterhalt.

Im Rahmen dieser Urbanisierung, die den Handel stark zentralisierte, gewann auch Köln an Macht, Einfluss - und Einwohnern. In der Zeit um 1250 suchten Menschen in einem stetigen Strom in Köln ihr Glück und ermöglichten der Stadt durch Eintrag von Steuern, Konsumbedarf und ihrer Arbeitskraft einen Aufschwung und eine von vielen Blütezeiten. Daher ist die Urbanisierung in diesem Zusammenhang als Ende des Hohen Mittelalters und Beginn des Spätmittelalters einzuschätzen, denn der typische Umbruch - sozial und wirtschaftlich - der oft das Ende einer Periode kennzeichnet, war überall in Europa zu bemerken.

Das Ende des Späten Mittelalters hingegen siedele ich, vorrangig unter Betrachtung kirchlicher Aspekte, am Anfang des 15. Jahrhunderts an:
Als Martin Luther von ca. 1520 bis 1550 zur "Rückkehr zum Glauben" aufrief, brach das alte "Herrschaftssystem" der Kirche nach und nach in sich zusammen. Die Lehren der Kirche wurden öffentlich angezweifelt, die Bibel erstmals dem einfachen Volk zugänglich gemacht, und damit die freie Meinungsbildung unterstützt. Mit der reformierten, sozusagen vor-protestantischen Kirche war das "Glaubensmonopol" von Papst wie Dorfpriester beseitigt, Schuld, Sühne und Erlösung - Hauptthemen im (spirituellen) Leben eines mittelalterlichen Christen - waren nun nicht mehr allein Themen EINER Kirche. Als Konsequenz erlebte das Christentum in seinen Auslegungs- und Deutungsformen nun seinen Weg in die Öffentlichkeit und war fortan Gegenstand von Diskussionen und, seit Mitte des 15. Jahrhunderts der Buchdruck erfunden wurde, auch von Publikationen die durch relative hohe Auflage und recht geringe Stückpreise der breiten Masse zugänglich waren. Mit diesem Einschnitt in die vorher umfassende Macht der Kirche und der Erfindung des Buchdrucks als Medium für Religion und Bildung begann um 1500 damit die Neuzeit.
2.0 Reliquienkult im Spätmittelalter

== 2.1 Vorstellung und Herkunft ==

Die Verehrung der Gebeine Toter ist aus dem christlichen Glauben seit dem 4 Jahrhundert n.Chr. schriftlich belegt; mehrere Autoren berichten uns von Festen und Feiertagen zu Ehren eines oder mehrerer Toter, allerdings abgehalten im Namen Gottes. Diese Verehrung hat ihren Ursprung vermutlich im christlichen Glauben der Pietät: Im Gegensatz zu den heidnischen Religionen betrachtet das Christentum einen toten Körper nicht als etwas unreines, schmutziges, sondern gegenteilig als Körper eines Menschen, dessen Seele nun bei Gott weilt, also im Prinzip als etwas gottgeweihtes. Daher muss diesem Körper der höchste Respekt erwiesen werden. Zudem bietet sich aber auch die Möglichkeit, über den Körper "Kontakt" zum Verstorbenen aufzunehmen, der ja nun bei Gott ist und demnach Bitten an ihn richten und Fürsprache für die Lebenden einlegen kann.

Daraus ging die Verehrung von den Gebeinen derer hervor, die sich im Leben besonders um Gottes Wohlwollen bemüht und in seinem Sinne gelebt hatten - eine Frühform der Heiligen. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelte sich damit der Glaube an Heilige und damit auch an Reliquien - ihre körperlichen Überreste oder Gegenstände die sie besessen oder berührt hatten. Denn die Menschen glaubten, dass die Macht und Kraft, die die Toten im Leben besessen hatten, auf ihren Gebeinen und Besitztümern haften bleiben und so jeder, der sie berührt, besitzt oder in ihre Nähe kommt, etwas von dieser positiven Kraft auf sich übertragen könne. Dies sollte nicht nur Glück im Leben, sondern auch Gottes Unterstützung und die Fürsprache der Heiligen vor dem himmlischen Gericht gewährleisten. Daher versuchten viele Menschen, in ihrem Leben möglichst viele Reliquien zu sehen oder auch eine einzelne Reliquie immer wieder zu besuchen. Dieser Wahn nach Heil führte dazu, dass immer mehr "eingebildete" Reliquien hervorgebracht wurden - jemandem widerfuhr ein "Wunder" oder er bekam ein göttliches Zeichen, was oftmals dann auf bestimmte Gegenstände oder Verstorbene zurückgeführt wurde, die von da an Objekt der Verehrung waren. Man bat durch sie die Heiligen um Rat, Hilfe oder gar materielle Güter, versuchte sein Seelenheil zu retten oder einen verstorbenen Verwandten vor dem Fegefeuer zu bewahren.

Trotz der Einschränkungen der Kirche wurden allerdings auch weiterhin Reliquien verehrt, die nicht anerkannt waren und keinem "bestätigten" Heiligen oder Märtyrer gehörten. Ein besonders passendes Beispiel sind hier die Gebeine der Heiligen Drei Könige. In den Evangelien finden sie nur bei Matthäus überhaupt Erwähnung, werden aber nicht als Könige benannt, sondern je nach Übersetzung als Weise, Zauberer, Schriftgelehrte oder Sternendeuter. Zudem wurden weder ihre Namen, noch ihre genaue Anzahl genannt. Hinzu kommt, dass sie von der katholischen Kirche nie als Heilige anerkannt wurden, sondern die Bezeichnung "Heilige Drei Könige" erst im Laufe des Frühmittelalter aus dem Volk erlangten. Die genaue Herkunft dieses Namens ist ungeklärt, fest steht aber, dass die Bezeichnung "König" zur Verfassungszeit des Matthäus-Evangeliums im römischen Reich eine weitaus geringere Bedeutung hatte, als dann im europäischen Spätmittelalter. Der Begriff konnte ebenso einen "echten" König wie auch einfach jemanden bezeichnen, der Landbesitz und Untergebene hatte. Das Attribut "heilig" könnte ihnen durch Legenden verliehen worden sein, die vom weiteren Leben der Weisen berichten: Demnach sollen die drei von Apostel Thomas zu Bischöfen geweiht worden sein.


Zusammenfassend kann man allerdings festhalten, dass der Reliquienkult insgesamt keineswegs biblischen Vorgaben entsprach und anfangs in vielen Punkten mit der christlichen Theologie nicht vereinbar war. Allerdings wurde dieser Glaube zu Beginn des Spätmittelalters durch die christliche Kirche den Glaubensgrundsätzen "angepasst" und somit zu einem festen Bestandteil des Christentums gemacht.


=== 2.2 Die Lehre der (katholischen) Kirche ===

Der christliche Reliquienkult ging nicht von der Institution Kirche aus, sondern wurde viel mehr von den Gläubigen "entwickelt" und daraufhin von der Kirche angenommen. Das heißt hier handelt es sich nicht um ein vorgegebenes und zielgerichtetes "Produkt" der Kirche, sondern um das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses im Glauben. Damit ist sämtliche Manipulation durch die Oberhäupter der Kirche ausgeschlossen, wie es manchmal in der Geschichte der Fall war - die Bibel wurde nach Willen der Kirche ausgelegt oder Edikte des Papstes ohne "göttliche Bestätigung" erlassen, wie zum Beispiel im Falle der Ablassbriefe.

Allerdings griff die Kirche auch im Rahmen der Reliquienverehrung in das Leben und die Glaubensvorstellung ihrer Anhänger ein:
Mit der ersten Heiligsprechung durch Johannes XV. an Ulrich von Augsburg verfügte er gleichzeitig, dass fortan nur die Gebeine und Besitztümer heilig gesprochener Männer und Frauen als Reliquien verehrt werden sollen. Denn nur die Heiligsprechung kann nach sich ziehen, dass man nicht mehr FÜR sondern vielmehr MIT einem Menschen betet, der bereits bei Gott ist und dort Fürsprache für den Betenden einlegen und Bitten äußern kann. Dies zeigt sich auch im Wort "beten" selbst, dass auf das "bitten" zurückgeführt werden kann. Während den nächsten Jahren stieg die Zahl der Heiligen rapide an, oft wurde eine bereits existierende Reliquie auch - nahezu wahllos - einer biblischen oder historisch als strenggläubig bekannten Person zugewiesen. Gleichzeitig erklärte die Kirche Reliquien für teilbar, ohne das sie dabei an Macht oder Einfluss verlören. Somit konnte jede Reliquie beliebig oft zerteilt werden, was die Anzahl der Kirchen und Bistümer mit eigenen Reliquien enorm steigerte. Allerdings ging damit der Überblick über die tatsächliche Anzahl "echter" Reliquien verloren und unzählige "falsche" wurden in Umlauf gebracht - daher gab es bereits im Spätmittelalter bei Betrachtung der Masse derer, genug Splitter vom Kreuze Jesu, um mehr als 100 davon herzustellen. Außerdem tauchten unzählige Gegenstände auf, die in der Bibel zwar genannt, aber nicht genau beschrieben wurden, wie zum Beispiel der Stab Mose oder gar der Olivenzweig, den die Taube einst Noah brachte. Als sich der Glaube an die Kraft von Reliquien jedoch erst einmal durchgesetzt hatte und vor der Kirche komplett angenommen worden war, wurde jede Kritik an diesen sofort als Blasphemie gedeutet.

Um jedoch eine Ausuferung des Reliquienkultes zu vermeiden, wurden geradezu Auflagen
gestellt, wie man sie zu verehren hätte. Auf keinen Fall durfte man den Heiligen als einen Gott sehen oder gar mit Gott gleichsetzen, es durfte lediglich zu ihm gebetet werden, das Anbeten galt als schwere Gotteslästerung und damit als Todsünde. Wer diese Regeln missachtete, dem war das ewige Fegefeuer gewiss, also eine vollkommene Kontroverse zur im Gebet gesuchten Erlösung. Dennoch war die Aussicht auf die Gnade Gottes so verlockend, dass die Pilgerbewegung zum Massenphänomen der Zeit wurde und die Verehrung von Reliquien zwischen 1200 und 1400 ihren Höhepunkt erreichte.

=== 2.3 Einfluss auf das Alltagsleben ===

Im Spätmittelalter spielte der Glaube eine übergeordnete Rolle im Leben der Menschen. Er war keine Privatangelegenheit, sondern lag vielmehr im Interesse jedes Einzelnen und war damit stets ein Thema im Alltagsleben und der Öffentlichkeit. Das Gesetz Gottes, die Bibel, war in vielen Punkten auch wirklich gesetzgebend - Ketzerei, Blasphemie und spirituelle Sünden konnten geahndet werden wie "richtige" Verbrechen. Gerade die Landbevölkerung, durchschnittlich ungebildeter, verfuhr und lebte nach diesem Prinzip.

Die Situation wurde zudem noch extrem durch die weltliche Position der Kirche verschärft: Sie war die einzige flächendeckende Institution mit politischem Einfluss, die über Jahrhunderte hinweg Bestand hatte. Bei den meisten europäischen Kaisern, Königen und Fürsten war es Brauch und Vorraussetzung, dass sie sich, laut dem Gottesgnadentum, durch die Kirche legitimierten. Verwehrte diese ihnen jedoch die geistige und weltliche Unterstützung, war der Herrschaftsanspruch des Regenten oft gefährdet - die strenggläubigen Untertanen und Gefolgsleute sahen ihren Kaiser oder König nun als Mensch, der in den Augen Gottes kein Wohlgefallen (mehr) fand und dementsprechend ohne dessen Unterstützung herrschte. Dies hat in einer Glaubenswelt, in der Gott durch Ratschläge, Wunder und auch Strafen wie Krankheit oder Armut direkt in das Leben der Menschen eingreift, die unmittelbare Gefährdung des Volkes zur Folge. So könnte Gottes Zorn über den "falschen" Herrscher Unheil wie Hungersnöte oder Seuchen über den Regenten und seine Untertanen bringen. Jene Unglücksfälle traten zwar auch unabhängig von solchen Herrschenden auf, wurden aber je nach Situation gedeutet und, im Falle eines nicht legitimierten Herrschers, diesem zugeschrieben. Daher hatte es höchste Priorität, sich durch Gott zu legitimieren. Verstritt sich der betreffende Regent allerdings mit Papst und/oder Kirche, so musste er andere Wege finden, seine göttliche Unterstützung "vorzuweisen". Eine Möglichkeit war hier, an einem Kreuzzug teilzunehmen und im Heiligen Land Gottes Gnade zu erringen. Eine andere Chance bot sich ab dem späten Frühmittelalter auch durch die Reliquien. So brachte zum Beispiel Friedrich I., nach seinem roten Bart Barbarossa genannt, 1164 die Reliquien der Heiligen Drei Könige dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel als Geschenk dar, nachdem er sich mit dem Papst zerstritten hatte. Dadurch festigte er seine Herrschaftsposition und gab deutlich zu verstehen, dass Gott ihn bei seinem Feldzug gegen Mailand unterstützt hatte und ihn sogar eine große Reliquie der Christenheit wiedergewinnen lies .

Dieses Beispiel zeigt die enorme Bedeutung, die Reliquien zugesprochen wurde. Sie waren nicht nur ein Sinnbild für die Bindung mit Gott, sondern strahlten selbst etwas von der Kraft Gottes ab. Daher unternahmen auch unzählige Menschen Wallfahrten zu den unterschiedlichsten Reliquien, um so Gott nahe zu kommen, denn dies war eines der Hauptziele im Leben der Menschen. Ihre kurze Existenz auf Erden war bloß die Vorbereitung auf das ewige Leben im Paradies - oder in der Hölle. Daher war diese Existenz auch maßgeblich darauf ausgerichtet, nach Gottes Gesetz zu leben und somit den Höllenfeuern zu entgehen oder zumindest die eigene Leidenszeit zu verkürzen. Reliquien boten hier allerdings erstmals neben Heiligen die Möglichkeit, besonders "effektiv für [bereits begangene] Sünden zu büßen" . Die Macht die von Ihnen ausging, merzte angeblich einen Teil des teuflischen Bösen aus, das zu der schlechten Tat getrieben hatte und erfüllte zugleich die Funktion der Sühne. Hinzu kam die Möglichkeit, den Heiligen um Unterstützung im alltäglichen Leben zu bitten. Dies ging sogar so weit, dass tragische Unglücke, Ernteausfälle oder unerwartete Todesfälle den Reliquien zugeschrieben wurden, meist den Bistumseigenen. Im Volksglauben gab es unzählige Möglichkeiten, den Zorn Gottes oder der Heiligen auf sich zu ziehen. Ein ketzerischer Gedanke, frevlerisches Verhalten gegenüber eine Reliquie, der Fehler, den Besuch eben jener zu unterlassen - all das konnte zu Bestrafung und Richtung durch die Heiligen und/oder Gott führen. So wurden Krankheiten damals oft als göttliche Strafe angesehen, die der Erkrankte oder einer seiner Verwandten für ein begangenes Übel zu ertragen habe. Andererseits konnten ein besonders intensives Gebet, eine lange Wallfahrt oder ein sündenfreies Leben gegenteilig natürlich auch Glück, Gesundheit und Wohlstand mit sich bringen.

Insgesamt spielte die Religion also eine enorme Rolle im Alltagsleben des Mittelalters, und auch der Reliquienkult hatte hier großen Anteil an dieser Entwicklung, da er geradezu als eine Art "Modeerscheinung" der Religion betrachtet werden kann. Im Spätmittelalter fielen oder bestanden Herrscher durch ihn und die Menschen glaubten, ihre persönlichen Schicksale und die ungewisse Zukunft nach dem Gericht Gottes könne durch ihn beeinflusst werden.

=== 2.4 Die Wallfahrten ===

Im Verlauf der Verbreitung des Reliquienkultes fanden Pilger- und Wallfahrten eine immer größere Verbreitung. Die Kirche und das Alltagsleben versprachen den Gläubigen eine Erlösung, oder zumindest eine Verkürzung, von den Qualen des Fegefeuers. Die täglichen und menschlichen Sünden wie Völlerei und Wollust nahmen den Menschen jegliche Aussichten auf ein Leben im Paradies, an der Seite Gottes. Dies war für Menschen, die ihre ganze Existenz nur als "Vorspiel" zu ihrem ewigen Leben sahen, natürlich eine unerträgliche Aussicht. So suchte man neben Gebet, Beichte und Sühne noch andere Wege, Gott gnädig zu stimmen. Mit dem Aufkommen des Glaubens in die Kraft der Reliquien bot sich so eine Möglichkeit. Viele von denen, die es sich leisten konnten "sammelten" ihre Wallfahrten nahezu oder besuchten in regelmäßigen Abständen die Reliquie eines speziellen Heiligen, in den sie ihr Vertrauen legten. In der Vorstellung der Menschen wurden Sünden, ebenso wie gute Taten, auf einem "göttlichen Konto angerechnet" und nach dem Ableben die Bilanz aus dem ihrem Leben gezogen; hier entschied sich, wie lange man den Qualen des Fegefeuers ausgesetzt sein würde, bevor man (wenn überhaupt) den Zugang zum Paradies erlangte. Auf der anderen Seite drohte die ewige Verdammnis in der Hölle. Somit verkürzte jede Wallfahrt und jede berührte, gesehene oder bloß erreichte Reliquie die eigenen Qualen. Zudem übertrug sie die göttliche Gnade, die den Heiligen im Himmel zuteil wurde, im Glauben der Menschen auf deren Körper oder Besitztümer, sodass deren Nähe einen positiven Einfluss auf den Wallfahrer ausübte.

Demnach sind die Motive der Wallfahrer oftmals auf das Leben nach dem Tod gerichtet und nicht auf das weltliche. So taten sie dabei Buße, versuchten Ablässe zu gewinnen, eine Beziehung zum Heiligen oder auch Gott selbst aufzubauen, baten um Fürsprache vor dem Herrn, dankten für erfahrene Wunder oder waren in Sorge um ihr ewiges Leben. Allerdings wurden auch weltliche Bitten um Unterstützung in jeglicher Form vorgebracht: Der Bauer wünschte sich gutes Wetter und eine reiche Ernte, der Kaufmann eine gute Nachfrage und die kinderlose Bürgerin bat um eine Schwangerschaft. Dementsprechend kann man die hohe Frequenz und Verbreitung von Wallfahrten einer Art "religiösem Zweckdenken" zuordnen - das ging so weit, dass Pilgerreisen nicht aus eigenem Glauben heraus, sondern aus Angst oder auf Anweisung der Kirche hin getätigt wurden. Oftmals erlegten Priester beichtenden Sündern diese Wallfahrten als Buße auf, um für ihre Taten gegen den Willen Gottes zu sühnen.

=== 3.0 Die Stadt Köln von ca. 1250.1500 ===
== 3.1 Kurze Übersicht über die politische Situation ==

Durch ihre taktisch günstige Lage zwischen Frischwasserquelle und fruchtbarem Land war die Gegend um Köln schon immer ein bevorzugter Siedlungsplatz für Menschen. Daher lassen sich erste Siedlungsspuren bereits auf ca. 100 000 v. Chr. datieren, also in der Altsteinzeit. Nach diesem Nomadenzeitalter wurden Menschen hier sesshaft, wurden aber in den nächsten Jahrhunderten stets von den unterschiedlichsten Mächten angeführt oder unterdrückt. Um nur die wichtigsten Herrschaftsmächte Kölns vor der Zeit des Spätmittelalters zu nennen: Zuerst wurde Köln von den Römern regiert, dann zeitweise von den Merowingern und Karolingern, bevor schließlich die deutsch-römischen Kaiser die Macht übernahmen.

Schon seit dem 4. Jahrhundert war Köln allerdings Sitz eines Bischofs, der mit der Regentschaftszeit der ostfränkischen bzw. deutsch-römischer Kaiser auch zum weltlichen Fürsten der Stadt Köln gemacht wurde, von 795 n. Chr. an sogar als Erzbischof. Unter dem Erzbischof Bruno, nun geistliches und weltliches Oberhaupt, begann um 950 der politische Aufstieg der Stadt, als dieser zugleich Stadtherr von Köln und Herzog von Lothringen wurde und damit in Köln eine annährend absolutistische Herrschaft begann. Diese politische Bevormundung brachte die tendenziell liberalen Kölner 1074 zum ersten Aufstand gegen den damaligen Erzbischof - allerdings erfolglos. 1106 allerdings machten die Kölner Bürger einen großen Schritt in Richtung Selbstbestimmung als sie Heinrich den IV. im Machtkampf um die Krone gegen Heinrich V. unterstützen: Er verlieh ihnen das Befestigungsrecht und somit ein Privileg, das maßgeblich die Entwicklung Kölns zur freien Reichsstadt emöglichte.

Die tatsächliche Unabhängigkeit errang Köln allerdings erst im Spätmittelalter: Nämlich 1262, als die Kölner Adelsschicht und die Stadtpatrizier den Bayenturm erstürmten, um den Erzbischof aus der Stadt zu vertreiben und so die Freiheit für die Bürger und Einwohner zu erringen - das Vorhaben gelang, und ein Rückkehrversuch des Erzbischof scheiterte am 14.10.1268 bei der Schlacht an der Ulerpforte.

Nachdem die Herrschaft des Erzbischofes gebrochen war, kam es am 05.06.1288 jedoch noch zu einer weiteren Schlacht im Rahmen des Limburger Erbfolgestreits. Zwar waren die Kölner davon nicht direkt betroffen, ergriffen aber dennoch Partei für den Herzog von Brabant. Dieser ging auch siegreich aus der Schlacht bei Worringen hervor, in der die Kölner als Verbündete an seiner Seite kämpften. Auf der Seite der Gegner stand neben dem Herzog von Luxemburg auch die Streitmacht des Kölner Erzbischofs, Siegfried von Westernburg, der mit dem Verlust seiner Truppen endgültig jegliche Herrschaftsgewalt über Köln verlor, und fortan nur noch der geistliche Führer des Erzbistums war. Damit hatte die Stadt Köln rein logisch gesehen den Status einer freien Reichsstadt erreicht, auch wenn dieser ihr offiziell erst zum Ende des Spätmittelalters ca. 200 Jahre später verliehen wurde, im Jahre 1475. Vorteilhaft an der Stellung einer freien Reichsstadt war vor allem die rechtliche Unabhängigkeit gegenüber den lokalen Herrschern. Eine Reichsstadt war nur dem Kaiser selbst untertan und musste auch nur diesem auf direktem Wege Steuern entrichten. Allerdings hatte die Stadt diesem Kaiser dann auch Heerfolge zu leisten. Ein weiterer Vorteil war, dass Reichsstädte unabhängig vom regionalen Gesetz Recht sprechen durfte, sofern der Kaiser dem Stadtgesetz zustimmte. Köln hatte nun zwar diese Privilegien, jedoch nicht die Wehrpflicht gegenüber dem Kaiser - eine vorteilhafte Stellung.

Nach dieser Emanzipation von ihrem ehemaligen Herrscher wurde Köln fortan von den Patriziern regiert, die auch für die Stürzungsversuche des Erzbischofs verantwortlich waren. Alle neu entstandenen Führungsorgane der Stadt waren jetzt also einer oligarchischen Herrschaftsform unterworfen, was zum Ende des 14. Jahrhunderts jedoch zu Volksaufständen führte - die Bevölkerung fühlte sich in dieser Bevormundung stark an die Herrschaftszeit des Erzbischofs erinnert. Daher erzwangen die 22 Gaffeln der Stadt (bestehend aus 4 Gewerkschaften und 18 Handwerkerzünften) 1396 auf unblutige Weise die Verfassung eines "Verbundbriefes", der von nun an die Herrschaft (-sform) der Stadt sichern sollte. Er sollte "…vaste, stede ind unverbruchlich […] zo ewigen daghen" sein, und wurde mit geringen Modifizierungen tatsächlich bis 1748 so als Stadtverfassung akzeptiert. Dieser Verbundbrief lässt sich als wahrer Schritt der Kölner in die Unabhängigkeit festlegen, da er durch seine auffallende, frühdemokratische Form die politische Entscheidungskraft indirekt auf die Bürger übertrug. Dies war möglich, indem 36 der regierenden Ratsherren des "neuen Kölns" von allen männlichen Bürgern der Stadt über 20 Jahren direkt aus den 22 Gaffeln heraus gewählt wurden, die anderen 13 aus den zunftlosen Berufen. Als "Bürger" wurden jedoch nur Mitglieder der 22 Gaffeln gewertet, womit die Wahlberechtigung wieder auf wenige tausend aus über 40 000 beschränkt war. Auch damit wurde weiterhin eine Oligarchie vertreten, die allerdings bei weitem breit gefächerter und zudem auch im Sinne der Einwohner Kölns war.
3.2 Vorteile durch die geographische Lage der Stadt

Köln war von jeher durch seine vorteilhafte Lage ein Zentrum des Handels und der Wirtschaft. Als bedeutendste deutsche Handelsstadt vor der Meeresmündung des Rheins wurden hier seit der frühen Römerzeit bereits Güter aus den unterschiedlichsten Städten gelagert, verladen und umgeschlagen.

Im Spätmittelalter war diese Position bereits über die Maße gefestigt und Köln aus dem internationalen (See-)Handel nicht mehr wegzudenken. Durch seine ökonomisch "günstige Mittellage" konnten vielen Waren nur durch den (Um-)Weg über Köln besonders schnell und günstig transportiert und meist verschifft werden. Besonders verderbliche Lebensmittel, wie beispielsweise ungeräucherter Hering aus Dänemark und den Niederlanden, mussten möglichst zeitsparend geliefert werden. Dazu bot sich der Rhein als breites, recht ruhiges Fährgewässer mit verhältnismäßig tiefer Fahrrinne optimal an. Diese Fahrrinne war jedoch am Niederrhein, in Fließrichtung unterhalb Kölns, tiefer als am Mittelrhein oberhalb der Stadt. Daher konnten sogar Seeschiffe flussaufwärts bis Köln segeln, mussten dort allerdings auf kleine Schiffe mit weniger Tiefgang umladen - ein lukratives Geschäft für die Kölner, die mit Lagerhäuser, Handelsfirmen und Hafenkranen (der fachsprachliche Plural von Kran) den Bedarf deckten. Diese Situation war einer der Faktoren, die die Einführung des Stapelrechts begünstigten, dass ich später noch erwähnen werde.

Köln lässt sich also als Verbindungspunkt zwischen vielen europäischen Handelstätten bezeichnen. Fuhr man rheinabwärts ins Meer und ändert den Kurs nur ganz geringfügig, so kam man automatisch bei der Themsemündung aus und konnte vor dort aus problemlos bis nach London kommen. Demnach hatte auch die Fahrrinne der Themse eine ausreichende Tiefe für große Handelsschiffe, weswegen sich zwischen Köln und London, vor allem im Spätmittelalter, eine ausgeprägte Handelsbeziehung entwickelte. Aber auch andere europäische und britische Städte waren auf diese Beziehung angewiesen, da sie, neben dem nach Hamburg, den schnellsten und sichersten Transportweg zwischen dem europäischen Festland und Großbritannien darstellte. Während Hamburg jedoch mit der Elbe nur begrenzt an den restlichen europäischen Handelsraum angeschlossen war und vor allem über den Seeweg handelte, unterhielt Köln auch in der Binnenschifffahrt ein ausgeprägtes Handelsnetz. Damit hatte die Stadt zusammenfassend Kontakte und Wirtschaftsbeziehungen zu Gent, Damme, Brügge, Bremen, Utrecht, Brüssel, Deventer; Soest sowie Nimwegen und unzähligen anderen. Dies alles wurde zu großen Teilen nur durch die geographisch und landschaftlich günstige Lage der Stadt ermöglicht, die sie zu einem der zentralen Angelpunkte der europäischen Binnen- und Seeschifffahrt machte.

3.2 Allgemeine Entwicklung von Wirtschaftssituation und Haupteinkünften

Schon seit Beginn des frühen Mittelalters dominierte Köln durch seine, auf Fernhandel und Produktion basierenden, Wirtschaftskraft das Rheinland als eine Art ökonomisches Zentrum . Dabei machte die Agrarkultur noch immer fast 80% der Haupteinkünfte aus, und viele Hungernöte, Preisabfälle oder Versorgungskrisen belegen den geringen Wirtschaftsspielraum der Zeit. Köln war jedoch schon seit dem 12. Jahrhundert in der Situation, sich als urbanes Zentrum in einer besonders reichen und produktiven Agrarlandschaft zu befinden. Somit konnte die Stadt gut auf die umliegenden Wirtschaftsbetriebe aufbauen, und von ihnen leben. Dies war vor allem durch die ausgezeichneten Handelskontakte Kölns möglich; jene gewährleisteten eine ideale Versorgung der Stadt, da Mangelwaren durch den Verkauf der Güter aus dem umliegenden Land erworben werden konnte. Zudem war Köln berühmt für seine Handwerkskunst, konnte also im Falle einer Nahrungsknappheit genug Getreide etc. von außerhalb beziehen, um die Stadt selbst und die Zubringerdörfer bis zum Ende der Produktionskrise zu versorgen. Diese vorteilhafte und wirtschaftlich überaus nützliche Situation der Stadt war das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, der sich über Jahrhunderte hinweg erstreckte:

Mit dem Ende des Nomadenlebens und dem Beginn der gezielten Landbewirtschaftung wurde auch der fruchtbare Boden um Köln herum zum Nahrungsgewinn genutzt. Als jedoch um 1200-1250 herum in Europa die Städtegründungswelle begann, stieg der u.a. der Getreidebedarf Kölns stark an; als Folge wurde in der näheren Umgebung auch vermehrt solches angebaut und fast ausschließlich in Köln verkauft. Dadurch wurde Kölns Status als "Marktplatz des Rheinlandes" bestätigt, da alle Waren des Umlandes nun den Weg über Köln nahmen. Zu diesen Waren gehörten als besonders bekannte Handwerksgüter zum Beispiel Goldschmiedearbeiten, Tuche, Tapisserien/Gobelins, Metall und dessen Folgeprodukte, Holzarbeiten und vieles mehr. Aber auch Waren von außerhalb Kölns, und sogar Deutschland, konnten durch eine Verschiffung oder einen Transport über Köln sozusagen "veredelt werden". Dies galt zum Beispiel für Heringe und andere Seefische aus den Niederlanden und Dänemark, die bei einer Qualitätskontrolle in Köln unter gegebenen Vorraussetzungen den "Kölner Brand" bekamen : Ein Brandzeichen von drei Kronen auf den Transportfässern, das europaweit als Qualitätsmerkmal oberster Güte bekannt war. Überhaupt galt Köln, seit seinem "offiziellen" Eintritt in die Städtehanse 1338, als Handelsstadt ersten Ranges und beanspruchte diesen Titel auch auf den Hansetagen, noch vor der "Gründungstadt" der Städtehanse, Lübeck. Unter der Führung dieser Stadt wurde fast der komplette Handel in Nord- und Ostsee kontrolliert, außerdem die Handelsreisen nach England groß aufgezogen. Gerade Köln mit seinem Reichtum an Gütern und seiner vorteilhaften Lage unterhielt Handelsbeziehungen nach Nowgorod, London, Brügge, Bergen, Stockholm, Stralsund, Königsberg, Neuss, Paderborn und zu vielen anderen Städten. Allerdings war Köln keine wirkliche Hansestadt, sondern eher "eine Stadt in der Hanse" . Das bedeutet, dass Kölns Verhältnis zur Hanse immer zwiespältig war. Dies zeigte zum einen an der späten Teilnahme der Stadt an den Hansetagen, obgleich sie bereits Mitglied der Vereinigung war, und zum anderen an dem mehrfachen Versuch, Lübeck die Position als ranghöchste Hansestadt streitig zu machen. Dennoch wurde Köln aufgrund seiner günstigen Lage und wirtschaftliche Situation sehr schnell zu einem Hauptverdiener der Hanse, die die Stadt als Zwischenlager und Umschlagsort nutzte.
Somit nahmen sehr viele der meist hochqualitativen Waren der Hanse früher oder später den Weg über Köln, was im Spätmittelalter zu der Ansicht führte, Produkte aus Köln zu kaufen sei besonders lohnend. Dies zeigt sich auch in der Bezeichnung vieler Waren als "kölnisch" oder "kölsch", welche Produkte sofort sachlich wertvoller machten. "Kölnisches Salz", obgleich aus Portugal, wurde fast doppelt so hoch gehandelt wie jenes ohne diesen Namenszusatz und "kölnisches Garn" war weltberühmt; allerdings versuchten viele Kölner auch, aus dieser Bekanntschaft Profit zu schlagen. So findet man in vielen zeitgenössischen Überresten Aussagen im Sinne von "Was dir ein Cölner heischet, das sollst du halv oder weniger bieten so wirst du niet betrogen" - ein eindeutiger Hinweis auf den Nutzen, den die Kölner aus ihrem gute Ruf zogen.
Ein Großteil der Waren in Köln wurde an den Rheinhäfen und dem östlichen Stadtviertel (Heumarkt, Alter Markt) umgeschlagen, wobei der Großteil der Waren das Rheinufer nicht verließ und lediglich gelöscht wurde, um umgeladen zu werden. Ab 1160 versuchte der Kölner Herrscher, dem entgegen zu wirken und für seine Stadt das Stapelrecht zu erlangen. Dieses verpflichtet jeden Händler, der auf dem Wasser- oder Landweg Waren durch die Stadt oder ihre unmittelbare Umgebung befördert, diese in Köln abzuladen und drei Tage öffentlich zum Verkauf anzubieten - ein Vorteil für die ortsansässigen Kölner Händler, den diese dann ab 1253 offiziell nutzen durften. Von nun an waren nicht immer lange Handelsreisen nötig, um ein bestimmtes Produkt zu erwerben, da das Angebot in der Stadt überaus vielfältig war. Nicht selten verließ ein Kaufmann die Stadt wieder, ohne noch etwas von seinen Waren übrig zu haben, da die Kölner Patrizier auch Höchstpreise für alle importierten Güter festlegten. Die wenigen Güter, die vom Stapelrecht befreit waren, mussten dennoch im Kölner Hafen gegen eine Gebühr über so genannten Kranen auf andere Schiffe umgeladen werden - natürlich kostenpflichtig.
Damit ist die Erteilung des Stapelrechts heute als Grundpfeiler der Finanz- und Wirtschaftskraft einzuordnen, die sich ohne dieses Privileg sicherlich nicht so rasant entwickelt hätten. Aber auch der ökonomische Wagemut der Kaufleute und die Qualität der in der Stadt produzierten Waren bildeten wichtige Stützen der Kölner Wirtschaft. Der Humanist Hermann von den Buschen lobte die Kölner am Ende des 15. Jahrhunderts überschwänglich mit den Worten "Besonnen, erfinderisch, fürsorglich, fleißig und arbeitsam ist das Volk, es verachtet untätige Muße, es ist maßvoll in seiner Lebensweise sparsam und auf seinen Vorteil bedacht, es hält sein Geld zusammen und gibt es [doch] mit vollen Händen aus, wenn es die Klugheit gebietet." Diese allgemeine Einschätzung führte dazu, dass den Kölnern in Wirtschaftsdingen oft großes Vertrauen entgegengebracht wurde. Daher wurde ab dem 12. Jahrhundert das eigene Gewichtsmaß der Stadt, die Kölnische Mark, im Mittelalter zur wichtigsten deutschen Grundgewichtseinheit und ab 1542 als Einheit für die Münzprägung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation festgelegt - ein Beweis für den seriösen Ruf der Kölner. In Köln selbst durfte später nur an einem Ort in der Kölnischen Mark gewogen werden, nämlich in den Kaufhäusern an den Märkten, die der Stadtrat ab dem 14. Jahrhundert gründete. Dieses Wiegemonopol erlaubte es den Kölnern, auch hier erneut Steuern von auswärtigen Händlern zu verlangen.
Insgesamt ist Köln also erst nach der Verleihung des Stapelrechts zu der Wirtschaftsgröße aufgestiegen, als die sie dann im Mittelalter bekannt war. Dadurch lagen die Haupteinkünfte der Stadt und ihrer Einwohner auch nicht in der Produktion, sondern in Tausch, Handel und Verschiffung der Waren. Dabei setzten die Kaufmänner und Stadtherren gezielt den guten Ruf und die vorteilhafte Lage der Stadt ein, um mit allen Teilen der westlichen Welt in Kontakt zu treten und besonders vielfältige Handelsbeziehungen zu unterhalten. Dadurch konnte Köln im Spätmittelalter eine wirtschaftliche Blütezeit erleben, die sich zu den reichsten Städten ihrer Zeit machte.

4.0 Reliquienkult in Köln

Vom Anfang des Frühmittelalters bis Mitte des Spätmittelalters begannen viele reiche deutsche Städte, zumeist Erzbistümer, regelrecht Reliquien zu sammeln. Das hatte verschiedene Gründe:
Erzbischöfe und Kaiser waren - ebenso wie das einfache Volk - bemüht, die Anerkennung und das Wohlwollen Gottes zu erlangen. Die Reichen und Mächtigen versuchten dies, primär während der Kreuzzüge von ca. 1000 bis 1300 n.Chr., oft durch den Rückgewinn christlicher Reliquien aus den Händen der morgenländischen "Heiden". Allerdings bestand auch zwischen einzelnen Städten ein reger Tausch und auch Diebstahl der, angeblich heilsbringenden, Reliquien.
4.1 Die Reliquien der Stadt

1164 kam die bis heute wohl bekannteste und meist verehrte Reliquie Kölns in die Stadt,
die Gebeine der heiligen drei Könige - auch das geschah im Rahmen der allgemeinen und europaweiten Anhäufung von Reliquien. In diesem Falle zeichnete sich der Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, dafür verantwortlich. Seitdem er 1159 von Friedrich I. Barbarossa zum Erzbischof gewählt wurde, versuchte er diese, für ihn überaus vorteilhafte, Stellung zu festigen und die Gewogenheit des Kaisers zu gewinnen. Da dieser überaus religiös war und seit seinem Bruch mit dem Papsttum 1155 versuchte, in Oberitalien die "Ronkalischen Beschlüsse" wieder durchzusetzen, die ihm Herrschaftsrecht über ganz Oberitalien gewähren sollten, beteiligte von Dassel sich an dem Feldzug gegen die freien Städte, die Widerstand leisteten. Im Rahmen dieses Feldzuges gelang Friedrich I. die Eroberung Mailands und von Dassel erhielt als Lohn für seinen Einsatz den größten Schatz, der in der (damaligen) Kirche des heiligen Eustorgius zu finden war: Die Gebeine der drei Weisen aus dem Morgenland, seit dem 9 Jahrhundert n.Chr. ohne nachweisbare Grundlage als Caspar, Melchior und Balthasar bezeichnet. Diese wurden 1164 nach Köln überführt und erschien Friedrich I. als die göttliche Rechtfertigung seiner Herrschaft, die der Papst ihm entzogen hatte. Zudem leitete er damit den Höhepunkt in der Reliquienverehrung der Stadt ein: zahllose Pilger kamen in die Stadt, Kunst, Handwerk und Architektur blühten mit dem Dreikönigsschrein, der Kölner Dom und dem Alter der Kölner Stadtpatrone auf.

Aber auch andere Reliquien sind im Laufe von Kölns Geschichte über längere oder kürzere Perioden in Stadtbesitz gewesen. Gemeinsam mit den Gebeinen der Drei Weisen wurden 1164 aus Mailand auch die von Gregor von Spoleto überführt, ebenfalls durch den Erzbischof Rainald von Dassel. Bis heute ist Gregor einer der kirchlich anerkannten Schutzpatronen der Stadt. Ebenfalls besonders erwähnenswert ist hier noch eine weitere Patronin der Stadt, die heilige Ursula, deren Überreste schon vor denen der Heiligen Drei Könige im Besitz der Stadt waren. Ihre Ankunft in der Stadt lässt sich ungefähr um 1000 n.Chr. herum ansiedeln und sie wurden seit ca. 1300 in der Kirche St. Ursula zu Köln aufbewahrt. Als im 12. Jahrhundert vor den Toren Kölns ein römisches Gräberfeld entdeckt wurde, nannte man es fälschlicher - (oder vielleicht sogar vorsätzlicher-) weise "Ager Ursulanus" (lat. = Feld der Ursula) und erklärte die dort gefundenen Knochen für die Gebeine der 11.000 Jungfrauen. Diese enorm hohe Zahl geht vermutlich allerdings nur auf einen Übersetzungsfehler zurück, als "XI.M.V." statt mit "undecim martyres virginales" (sinngemäß = elf jungfräuliche Märtyrerinnen) mit "undecim millia virgines" (= elf mal tausend Jungfrauen) übersetzt wurde. Somit konnte das Erzbistum Köln seinen Besitzanspruch auf eine Anerkennung dieser Reliquien durchsetzen und in der Folge eine gigantische Anzahl von Gebeinen höchst gewinnbringend auf dem florierenden Absatzmarkt verkaufen. Daher fanden sich bald überall in Deutschland, aber auch in ganz Europa Verehrungsstätten der 11.000 (beziehungsweise elf) Jungfrauen.

Eine weitere Reliquie Kölns, deren Ankunft sich allerdings nicht genau belegen und datieren lässt, ist das Haupt des Heiligen Vincent. Mehr als zwei Jahrhunderte nach dessen Erwerb wurde um 1463 von Johannes Bäli, im Rahmen seines "frommen Diebstahls" , das Haupt "mit Listen da dannen genommen"1 und in das Berner Münster überführt.
Neben diesen vier Reliquien rühmte Köln sich ebenfalls mit seinem Besitz aus dem Habe Petri: Erzbischof Bruno hatte in der Mitte des 10. Jahrhunderts (vermutlich aus Metz) dessen Stab und einige Glieder der Ketten, mit denen Petrus in Jerusalems Kerkern gefesselt war, in den Besitz der Stadt gebracht. Diese Gegenstände wurden bis zum Auftauchen der Gebeine der Heiligen Drei Könige 1164 als wichtigste Reliquie der Stadt gehandelt. Hinzu kamen des weiteren noch die Schädel der Märtyrer Felix und Nabor.

Die meisten dieser Reliquien gingen spätestens während der Säkularisation im Zeitalter der Aufklärung verloren, hatten aber jedoch bereits während des 15. Jahrhunderts an Bedeutung eingebüßt, als das Spätmittelalter langsam der Neuzeit wich.
4.2 "Tourismus" durch Wallfahrt?

Kölns große Popularität im Christentum war vor allem den zahlreichen und bekannten Reliquien der Stadt zu verdanken. Diese Reliquien veranlassten jährliche bis zu tausende von Menschen (im Spätmittelalter eine gewaltige Zahl, Köln selbst hatte um 1500 ca. 30 000 Einwohner) eine Wallfahrt in diese Stadt zu unternehmen und den Reliquien zu huldigen. Diese Wallfahrten galten zwar als heilsbringend, wurden aber oft nur aus religiösem Pflicht- oder Zweckdenken besucht, ermöglichten damit allerdings der breiten Bevölkerungsmasse zum ersten Mal eine Art von "Urlaub" im entferntesten Sinne. Zwar waren Lustreisen damals keineswegs unbekannt, jedoch nicht üblich und für viele Menschen auch einfach unerschwinglich. Selbst wer d

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
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knopfi.de

01.07.2009 09:15

Wow - Was geht denn hier ab? Da ist jemand offensichtlich Schottland-Begeistert! BH! merci@knopfi

RuHe2310

RuHe2310

03.04.2009 21:57

ganz ehrlich als ich mit lesen fertig war habe ich kurz nochmal angefangen aber merken kann ich mir das nieeeeee :-) SUPER - viele liebe Grüße

Spencer77

Spencer77

27.03.2009 18:36

Ein wunderschöner Bericht, der mindestens ein BH verdient hat, wenn nicht noch mehr. LG Sven

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