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Da sitze ich nun in einem Zimmer des Lhasa Hotels und mein erster Blick fällt auf die Sauerstoffflasche für den Notfall. Da man mit allem rechnen muss, liegt sie griffbereit in jedem Zimmer neben dem Bett, genau wie der Hinweis, dass sich im Ernstfall ein Arzt im Hotel befindet, falls dieser ... Bericht lesen





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1-6 von 1.120 Erfahrungsberichten    
> Alle 1120 Alles mit L... Erfahrungsberichte anzeigen
Akklimatisation in Lhasa - Tibet (2. Teil)
Erfahrungsbericht von Kuechenmonsterle über Alles mit L...
20.02.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: .  .  .  siehe 1 .  Etappe
Kontra: .  .  .  siehe 1 .  Etappe

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Da sitze ich nun in einem Zimmer des Lhasa Hotels und mein erster Blick fällt auf die Sauerstoffflasche für den Notfall. Da man mit allem rechnen muss, liegt sie griffbereit in jedem Zimmer neben dem Bett, genau wie der Hinweis, dass sich im Ernstfall ein Arzt im Hotel befindet, falls dieser notwendig werden sollte. Wenn ich ganz ehrlich bin, am Anfang wurde das Thema AMS (Acute Mountain Sickness) von mir nicht so ganz ernst genommen. Sätze wie "es ist OK die Höhenkrankheit zu bekommen, aber es ist nicht OK daran zu sterben" wurden großzügig überlesen. Was konnte schon passieren? Ein wenig Kurzatmigkeit … eventuell etwas Schwindel … leichte Kopfschmerzen? Mir ging es doch prächtig …noch … nur wusste ich es bis Dato nicht. Die Mineralwasserflasche war mein ständiger Begleiter und ich versuchte so viel als möglich in mich hineinzuschütten. Das war im Prinzip der einzige Rat, den mir mein Hausarzt in Deutschland mit auf die Reise gegeben hat. Mindestens vier Liter Mineralwasser pro Tag! Die Bottle immer in Reichweite hatte ich doch ab und an Schwierigkeiten dieser Menge Herr zu werden. An manchen Tagen kam ich mir vor wie eine wandelnde Wasserleitung, was mir den Spitznamen "Waterdepartment" einbrachte.

Die Koffer waren schnell ausgepackt … ein klein wenig ausruhen im Hotelzimmer … sicherlich eine gute Idee. Dabei konnte ich in den ausliegenden Broschüren und meinen Reiseführern blättern und so die eine oder andere Information sammeln. Aha! … Das Lhasa Hotel soll das einzige Hotel sein, welches einiger maßen internationalen Standard anbietet. Ehemals der Holiday Inn Group angehörig, wurde es 1997 der Regierung zurückgegeben und bekam den alten Namen zurück. Der Standard ist seit dieser Zeit zwar gesunken, jedoch sind die Angebote immer noch ausreichend. Was ich allerdings sehr bemängeln muss ist die Bereitstellung von Getränken. Lediglich ein kleiner gefüllter Wasserkocher steht zur Verfügung. Minibar ist groß angekündigt, aber nicht gefüllt. Wobei man in einem Hotel dieser "Preisklasse" zumindest Softgetränke erwarten dürfte. Mehrere Restaurants, wobei wir leider nicht die Gelegenheit bekamen alle zu testen. Eine größere Delegation hatte sie reserviert und so blieb für uns nur das der "Allgemeinheit" übrig. Man konnte zwar "A la Carte" bestellen, doch das angebotene Buffet war ausreichend. Nichts umwerfendes … eher Massenabfertigung. Was sicherlich darauf zurück zu führen ist, dass sehr viele Reisegruppen (auch aus Deutschland) dort Station machen.

Im Hotelzimmer hatten wir das Fenster so gut wie den ganzen Aufenthalt immer geöffnet, weil die Heizung nicht zu regulieren war. Draußen knapp über 0 Grad bekamen wir die Raumtemperatur kaum unter 22 Grad. Dafür saß ich im Restaurant mit meiner zweit dicksten Jacke … andere Gäste bevorzugten sogar ihren Anorak.

Nach dem Abendessen wollten mein Mann und ich noch ein klein wenig das Hotel auskundschaften. Es gab zwar eine Bar in die man sich setzen konnte, aber Alkohol? Den sollte man vielleicht im Moment vermeiden.
Auf der Empore sah es ziemlich viel versprechend aus … dort war ein Touristenshop zu erspähen … hüpfte mein Herz jetzt nicht ein klein wenig höher … ich wühle für mein Leben gern. Allerdings hielt das Hochgefühl nicht lange an … Preise die sogar zu unverschämt waren um überhaupt in Verhandlung zu treten, ließen uns bald den Rückwärtsgang einlegen. Nichts mit dem ersten Einkauf auf Tibetischem Boden.
Da habe ich zum allerersten Mal so einen ganz komischen Druck im Kopf verspürt. Kein Kopfweh wie sonst und auch kein Migräneschmerz, zu seltsam um ihn beschreiben zu können. Für alle Fälle gab es in unserer Reiseapotheke "Aspirin Effect". Aspirin ist angeraten und dieses Pulver kann man ohne Wasser einnehmen. Einfach aufreißen und schlucken. Kaum eingenommen … schon besser … nur zum Schlafen war es einfach viel zu warm. Wobei die Schlaflosigkeit uns den ganzen Aufenthalt in Tibet begleiten sollte. Auch ein Symptom von Höhenkrankheit, allerdings nichts ernst zu nehmendes. Man schläft zwei Stunden und wälzt sich dann bis zum nächsten Morgen unruhig von einer auf die andere Seite. Nur witziger Weise ist man trotzdem ausgeruht.
Die Nacht war um und Zeit für das Frühstück … nur, mir war echt nicht danach und so bat ich meinen Mann alleine zu gehen. Dem übrigens nichts anzumerken war … im Gegenteil, der sah aus wie das blühende Leben selbst.
Nun mussten härtere Mittel angewandt werden … vielleicht war es ja doch Migräne? Vor lauter Kopfschmerzen und anderer Wehwehchen, wusste ich gar nichts mehr. Es sollte nur ganz schnell wieder besser werden. Schnell waren die Tabletten aufgelöst und getrunken. Prima! Nun durfte ich mich auch noch übergeben. Aber auch hierfür hatte mir die Apothekerin in Deutschland den richtigen Tipp gegeben "Reisegold". Bereits nach der ersten Tablette ging es mir besser und mit jeder Stunde des Tages kam der Unternehmungsgeist zurück. Was auch notwendig war bei dem vollen Programm.
Mehr als leicht angeschlagen stieg ich in den Jeep, der uns zur Drepung Monastery brachte. Ungefähr 8 Km westlich von Lhasa gelegen, war dieses Kloster zu damaligen Zeiten, mit bis zu 10.000 dort lebenden Mönchen, das größte der Welt.
Überfälle der Könige von Tsang und auch die Mongolen trugen dazu bei, dass dieses einst so stolze Kloster dem Verfall preisgegeben wurde. Zum Glück konnte die Kulturrevolution nicht noch mehr zerstören und seit einiger Zeit wird hier sogar der Wiederaufbau vorangetrieben. Wesentlich intensiver als in den anderen ansässigen Klostern von Lhasa. Das hat aber nichts mit den Chinesen zu tun, sondern ist auf den Einfluss der dortigen Gemeinden zurückzuführen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit scheint hier wesentlich stärker verankert zu sein.
Den Grundstein für Drepung legte 1416 der Mönch Jamyang Choeje und innerhalb eines Jahres nach Fertigstellung beherbergte das Kloster bereits 2.000 Mönche. 1530 wurde dann vom zweiten Dalai Lhama der Ganden Palace errichtet. Dieser Palast war Sitz, bis der fünfte Dalai Lhama (der mächtigste der Dalai Lhamas … er hatte nicht nur die religiöse Macht, sondern auch die Politische Gewalt inne) den Potala erbauen ließ. Hier liegen auch der zweite, dritte und vierte Dalai Lhama begraben. Man bezeichnet Drepung als Mutter -Kloster, da von dort aus die ersten Dalai Lhamas regierten. Im frühsten 17. Jahrhundert beherbergte das Kloster zeitweise zwischen 7.000 und 10.000 Mönche, heute nur noch bis zu 600.

Durch wie viele Kapellen und Kapellchen wir durchgeschleust wurden, ich kann es nicht mehr beschreiben. Es waren einfach zu viele. In Erinnerung geblieben ist mir jedoch, dass man in jeder Kapelle bezahlen muss, sofern fotografiert werden möchte. Preise reichen zwischen 20 und 40 Yuan (also zwischen 2 und 4 Euro), teilweise noch darüber. Selbstredend kostet der Eintritt in das Kloster auch extra.

Bei dieser Gelegenheit kann ich gleich das Thema "Eintritt" zur Sprache bringen. Sicherlich wird der eine oder andere sich darüber aufgeregt haben, dass man als Tourist nicht ohne Bezahlung die Klöster betreten darf, die Pilger schon.
Diese Menschen kommen oft von weit her um die Butterlampen mit Yak-Butter bzw. Yak-Öl am Brennen zu halten, damit die Seelen ihrer verstorbenen Angehörigen den Weg durch die Dunkelheit finden.
Teilweise stehen Mönche da und schöpfen das Zeug wieder ab, da es sonst überlaufen würde. Durch verschüttetes Öl ist der Boden an manchen Stellen rutschig und es ist ratsam auf seine Schritte zu achten. Gerade bei den vielen schmalen ausgetretenen Holzstufen oder Leitern findet man sich sehr schnell ein Stockwerk tiefer. Manche Treppen kosteten mich mehr als Überwindung hinauf zu krabbeln, aber wie sagte mein Mann immer wieder um mir Mut zu machen: "That's Part of the Game!" Was so viel heißt wie " an den Strand kann sich jeder legen"
Noch eine weniger schöne Erinnerung sind Ratten welche aufgrund der Opfergaben (es wird nicht nur Geld und Yak-Butter dargeboten, sondern auch alle möglichen Arten von Körnern) überall in den Kapellen zu finden sind. Teilweise laufen sie zwischen den Besuchern herum und keiner scheint sich daran zu stören. Zum Glück bin ich nachtblind und habe bei dem herrschenden Zwielicht nur wenige Nager entdeckt. Mein Mann konnte sich nicht verkneifen mir davon zu erzählen … was meine Freude an den Besichtigungen etwas dämpfte. Dann gibt es dort doch wirklich eine Kapelle wo man uns Frauen nicht erlaubt einzutreten … das steht sogar groß über der Tür … zur Freude meiner Begleiter. Dann eben nicht. Angeblich soll in dieser Kapelle eine männliche Gottheit "wohnen" die sehr eitel ist. Wenn nun eine Frau eintritt könnte er sehr böse werden und ihr Schaden zufügen … sozusagen "Zickenalarm" auf männlich.

Was mich noch fasziniert hat, waren die hingeworfenen Geldscheine. Egal in welcher Kapelle … überall, teilweise sogar auf dem Boden verstreut. So etwas habe ich bisher wirklich noch nie gesehen. Da kommen die Pilger manchmal mit Bündeln von kleinen Scheinen, andere wiederum (und das war wirklich sehr beeindruckend) haben einen größeren Geldschein in die Opferschale oder den Schrein geworfen und sich einfach das Wechselgeld wieder heraus genommen. Oder aber, es steht ein Mönch parat der wechselt und gegebenen Falls auch die Sache mit dem Fotografieren regelt.
Bei den Massen an Geld lag natürlich die Frage nahe, wie oft im Jahr werden die Opfergaben zusammen gesammelt? Ich konnte es fast nicht glauben, aber das geschieht täglich. Unsummen die hier zusammen kommen, wobei nicht alles davon den Klöstern gehört. Sechzig Prozent muss an die Regierung abgegeben werden.

In jedem von uns besuchten Kloster überrannten uns die Pilger. Ich sage extra "rannten" denn die Gläubigen rennen wirklich die meiste Zeit durch die Gegend, zwar organisiert, aber ohne Rücksicht auf Verluste. Wurde mehrfach gezwickt und geknufft, allerdings mit einem Lächeln des Verursachers, wenn ich nicht schnell genug aus dem Weg ging. In der einen Hand oft die Thermoskanne mit flüssiger Yak-Butter wird in der anderen fleissig die Gebetsmühle gedreht und dabei "Om Mani Padme Hum" vor sich hingemurmelt. Die Pilger können sich auch keine Zeit lassen … bis sie alle Kapellen durch haben dauert es oft bis zu einem ganzen Tag. Wir dürfen zum Glück einige "Heiligtümer" in Drepung auslassen, so nicht
die Pilger.
Man möge mir verzeihen, wenn ich nach einer Weile von Buddhas und Protectors nichts mehr wissen wollte und mich nur noch nach frischer Luft sehnte. Auf dem Weg zurück zum Jeep wieder vorbei an Scharen von Bettlern, die sich teilweise auf jeder Stufe bis hinauf zum Kloster versammelt haben. Manchmal sind es Kinder die als Gruppe gemeinsam singen und sich gegen einen kleinen Obolus gerne fotografieren lassen.
Bettler, auch etwas an das man sich nur schwer gewöhnen kann. Nicht das Betteln welches im Moment etwas zurück schrecken lässt, sondern die massive Art mit der vorgegangen wird. Teilweise hilft nur die Flucht zurück ins Auto, da den "grabschenden" Händen kaum auszuweichen ist. Viele stehen aber auch nur vor dir und murmeln "guchi guchi" (please, please).

Natürlich gibt es auch in Tibet Händler an allen Ecken und Enden, besonders vor den Eingängen der Klöster bieten sie ihre Waren an. Dort werden Decken ausgelegt und darauf alles Mögliche ausgebreitet. Mit den Worten "Looky Looky … very cheap" werden die Touristen aufgefordert stehen zu bleiben. Man wird belagert, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt, als wenigstens mal zu schauen.
Keine Ahnung wie geschehen, aber meine Füße waren noch nicht richtig zur Ruhe gekommen, da hatte ich schon die ersten "Kunstgegenstände" in den Händen. Jeder wollte mir natürlich gleich versichern, das gibt es in ganz Tibet nicht mehr und sicherlich war daher auch der genannte Preis so astronomisch hoch. Uns ist fast die Luft weggeblieben und ohne zu zögern wurde dieser von uns (ohne rot zu werden) um ein vielfaches reduziert. Nachdem die Händlerin am Schluss noch ein Armband als Freundschaftsgeschenk um mein Handgelenk gebunden hat und mir ganz viel gute Wünsche mit auf den Weg gab, kann der Verdienst nicht so schlecht gewesen sein. Am Anfang hatte ich wirklich ein schlechtes Gewissen beim Handeln, aber unser Guide bestärkte mich darin. Im Gegenteil wird es sogar erwartet, nicht überall, aber das findet jeder schnell heraus. Nur eine einzige Regel ist zu beachten, immer freundlich bleiben. Die Tibeter sind recht geschäftstüchtige Kaufleute, genau wie die Chinesen und deshalb kann sich ein Einkauf etwas in die Länge ziehen. Nur nicht schwach werden, gegebenenfalls einfach desinteressiert weiter gehen … erst wenn niemand folgt, dann ist die Geduld des Händlers erschöpft. Ist der verlangte Preis immer noch zu hoch, gibt es den gleichen Artikel sicherlich ein paar Stände weiter. Man darf nicht vergessen, sobald wir Touristen aufkreuzen blinken die Dollarzeichen in den Augen der Tibeter auf.

Die erste größere Besichtigung hatten wir hinter uns gebracht und jetzt war Zeit etwas für den Magen zu tun. Unser Guide fuhr mit uns in ein Chinesisches Restaurant, welches in der Innenstadt von Lhasa zu finden ist. Nach einem sehr guten Essen konnte es mit den Besichtigungen weitergehen. So gut wie keine Beschwerden mehr zu spüren, genoss ich den anschließenden Bummel über den einheimischen Markt und konnte mich überhaupt nicht an den vielen Dingen satt sehen.

Eines Tages machten wir uns auf den langen Weg unseren Traum zu erfüllen … und … die Reise ist noch lange nicht zu Ende.
Vielleicht hat es euch gefallen, dann sieht man sich wieder ... also bis zum nächsten Mal.

   

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