L wie Leben...
11.06.2001
Pro:
-
Kontra:
Ich wünsche keinem diese Erfahrung !
Empfehlenswert:
Nein
 Cookie78
Über sich:
Mitglied seit:30.07.2000
Erfahrungsberichte:83
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 48 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Normalerweise schreibe ich fröhliche und witzige Meinungen, doch diesmal möchte ich ein ernsteres Thema anschlagen! Der Anlass ist ein sehr trauriger – meine Mutter ist Anfang Juni diesen Jahres mit 49 Jahren an Krebs verstorben. Wer hier nicht weiter lesen möchte, dem sei das gerne gewährt, wer ein nicht nützlich geben möchte – ich habe nichts dagegen. Ich möchte mit dieser „Meinung“ auch kein Mitleid erwecken. Ich schreibe hier nur meine Gedanken, Ängste, Wünsche nieder! <><><><><><><><><><><><><><><> Man denkt immer, das Krebs nur die anderen haben und denkt nichtmal im entferntesten daran, das es mal die eigene Familie treffen könnte. Wenn es dann doch passiert ist man demnach sehr erschrocken, geschockt und ziemlich hilflos!Meine Mutter war immer stark – körperlich wie seelisch! Ich hätte niemals gedacht, das sie diese Krankheit bekommen könnte. Ich hab mir immer vorgestellt, das sie in ein paar Jahren zusammen mit mir, meinem Mann und ihren Enkeln gemütlich am Tisch sitzt und plauscht. Doch ihre Enkel wird sie niemals sehen, auch nicht wenn ich heirate. Sie wird auch niemals mehr mit mir Geburtstag oder Weihnachten feiern. Am 15. August habe ich Geburtstag – ich werde 23 Jahre und wohne weit weg von meiner restlichen Familie. Hier in NRW hab ich nur meinen Freund meine wenigen, aber sehr guten Freunde und einen Vater, den ich seit über 3 Jahren nicht gesehen habe. Manch einer wird jetzt denken, dass das mehr ist wie manch ein anderer hat und diese Leute haben recht! Doch seit der Scheidung meiner Eltern hatte ich lange nur meine Mutter die für mich gleichzeitig der Vaterersatz war. Allein das bindet sehr. Seit dem ich 20 bin lebe ich in meiner eigenen Wohnung, was die Bindung zu meiner Mutter aber nur verstärkt hat! Als ich noch mit meiner Mutter zusammen lebte, hatten wir viele Differenzen – sie hatte ihren Dickkopf und ich meinen! Doch wir haben uns doch immer gut verstanden. Seit meinem Auszug ist sie dann neben der Mutter auch meine beste Freundin geworden – was wünscht man sich mehr? Ich wünsche mir eine Mutter die immer für mich da ist! Und jetzt ist sie tot...Sie hinterlässt ein grosses Loch in meinem Leben, meinem Herzen und ich weiss nicht, wie ich es füllen soll. Mein Freund und meine Freunde sind immer für mich da, doch sie können – auch wenn sie es versuchen – nicht meine Mutter ersetzen. Sie ist weg und das für immer! Mir bleibt nur ein Grab, das ich nur ein paar Mal im Jahr besuchen kann, da sie in Süddeutschland beerdigt wird. Ein Grab antwortet auch nicht, wenn man mal einen Rat braucht oder lacht und weint mit einem – alles das kann ich nicht mehr mit ihr machen. Wenn ich mal eine ruhige Minute habe, dann denke ich an sie! Sie fehlt mir! Sie fehlt mir sehr! Es tut weh. In der Seele, in jeder Pore meines Körpers! Hört das jemals wieder auf? Momentan geht es mir gut. Wirklich gut! Ich habe viel Stress, die Wohnung aufzulösen, zu Behörden wegen irgendwelchen Unterlagen zu besorgen und ihre alte Wohnung zu vermieten. Das lenkt ab und ich bin froh drum! Wenn mir das alles abgenommen würde, ginge es mir schlechter. Ich will gar nicht dran denken, wie schlecht! Warum habe ich die Überschrift „L wie Leben...“ genommen und nicht „K wie Krebs...“ oder „T wie Tot...“? Ich will es Euch sagen. Ich will Leben! Ich will das erleben, wozu meine Mutter keine Zeit mehr hatte. Ich will Leben – meine Mutter würde es so wollen! Sie hat mich zu einer körperlich wie seelisch starken, selbstbewussten, lebenslustigen Frau erzogen und sie würde wollen, das ich so bleibe! Ich will Leben! Wenn ich mich jetzt in eine Ecke verziehen würde und die ganze Zeit heulen würde... – das wäre nicht ich! Das wäre der extreme Gegensatz zu meiner Einstellung in jeder noch so schlechten Lage das Gute zu sehen – Always look on the bright side of life! Mein Leitsatz, der mir schon oft geholfen hat! Meine Lebenseinstellung – vielleicht für manche etwas naiv, doch ich bin nicht unvorsichtig – bei weitem nicht. Manchmal Leichtsinnig, doch jeder hat seine Fehler! Auch ich!Meine Familie – sie ist für mich fast nur telefonisch vorhanden – Tante in Stuttgart und Oma in Karlsruhe. So oft wie in den letzten Woche hab ich sie glaub ich noch nie gesehen – ich wünschte ich hätte meine Verwandten nicht gesehen und hätte dafür noch meine Mutter. Ein Wunsch der ungehört und unerfüllt im Wind dahin geweht wird... Meine Oma und Tante haben letzte Woche in der Wohnung meiner Mutter geschlafen. Als ich am Morgen nach dem Todestag meiner Mutter in die Wohnung kam, habe ich mir vorgestellt, das wenn ich um die Ecke komme, meine Mutter, meine Tante und Oma da stehen, mich blöd angrinsen und mir ein lautes „Verarscht“ um die Ohren klingt – auch nur ein frommer Wunsch! Leider... Doch es war schön, das sie da waren. Wir haben viel geredet, Fotoalben angeschaut, alte Geschichten erzählt und gelacht. Das hat geholfen, doch Ende letzter Woche mussten sie wieder fahren und in der Wohnung wurde es wieder leise. Jetzt habe ich ein Radio hier. Alleine in der stillen Wohnung würde ich verrückt werden! Heute habe ich sogar so lange getrödelt, bis ich sicher war, das ich nur ca. eine halbe Stunde in der Wohnung alleine bin (eine Freundin kam zum helfen vorbei). Jetzt bin ich schon 3 Stunden allein und das Radio dröhnt mir um die Ohren und mein Freund überschüttet mich mit Küssen per ICQ. Doch lange werde ich hier nicht mehr bleiben – ich will und kann nicht! Ich stelle mir immer vor, das meine Mutter um die Ecke kommt und im nächsten Moment sehe ich sie wieder auf ihrem Sterbebett im Krankenhaus liegen und weiss, das sie nie wieder um die Ecke kommen wird. Ich war bei Ihr als sie gestorben ist – Ihr letzter Atemzug – ein Stich in meinem Herzen. Und dann kann ich mich kaum noch daran erinnern, nur das ich lange geweint habe – mehr nicht... Den Tag habe ich nur noch vage in Erinnerung – Verdrängung nennt man das wohl. Ist das gut so oder sollte man sich daran erinnern? Ich weiss gar nicht ob ich mich erinnern will. Meine Grossmutter ist gerade aus dem Zimmer gegangen und ich war mit meinem besten Freund alleine bei Ihr – jetzt genau in diesem Moment wo ich diese Worte schreibe vor einer Woche ist es passiert. 21:40 Uhr. Diese Woche ist im Flug vergangen. Werden die nächsten Tage, Wochen, Jahre auch so schnell vergehen?Ich weiss es nicht! Niemand weiss es! Was ich weiss, ist das ich Leben will! Ein Leben, das meine Mutter nicht mehr leben kann! Für sie, für meine Mutter! Ich liebe sie und werde sie immer lieben! Sie fehlt mir so verdammt! <><><><><><><><><><><><><><><> Man sagt, das es hilft, darüber zu reden oder zu schreiben. Darüber geredet habe ich viel und jetzt habe ich mir auch vieles von der Seele geschrieben. Manch einer mag der Text ein wenig wirr erscheinen, doch ich habe es so geschrieben, wie mir die Gedanken gekommen sind. Ich hoffe, es hat Euch nicht allzu sehr gestört! Für diejenigen, die bis hier her gelesen habe, danke ich, das ihr Euch Zeit genommen habt, meine Gedanken, Wünsche, Ängste zu teilen. Ich denke es hat mir wieder ein wenig geholfen, doch es wird noch lange dauern, bis es nicht mehr so weh tut! Ich danke Euch für Eure Zeit! Liebe Grüsse, Cookie
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
30.03.2002 07:34
Ups, tschuldigung, habe gerade ein paar kleine Probs mit der Maus!
30.03.2002 07:33
So etwas ist wirklich sehr schrecklich, ich bin nur froh, dass bei uns noch alles in Ordnung ist.
30.03.2002 07:33
So etwas ist wirklich sehr schrecklich, ich bin nur froh, dass bei uns noch alles in Ordnung ist.