Claude!!!
13.09.2003
Pro:
Alles außer . . .
Kontra:
. . . Claude ! ! !
Empfehlenswert:
Ja
 MSBBonn
Über sich:
tach auch!
Mitglied seit:29.01.2003
Erfahrungsberichte:83
Vertrauende:124
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Eines schönen Samstages trafen wir uns, um die geplante Luxemburgtour in Angriff zu nehmen. Eigentlich macht unser Motorradclub jedes Jahr eine gemeinsame Fahrt übers Wochenende mit allen Mitgliedern, derer sind nur noch sechs. Da aber immer irgendjemand eine mehr oder wenige gelungene Ausrede parat hat, blieben auch dieses Jahr nur 4 Menschen männlichen Geschlechts übrig. Treffpunkt war 9.30 an einer Tankstelle. Ich beeilte mich nicht sonderlich, da einer von uns grundsätzlich und immer zu spät kommt. Dieses Mal kam er nur 5 Minuten später, wir waren erstaunt über seine relative Pünktlichkeit, als er uns eröffnete, „noch mal kurz“ in den gegenüberliegenden Baumarkt zu müssen um Spanngurte für sein Moped zu kaufen, die er nach 20 Minuten auch schon verzurrte.Also, Abfahrt... W., unserer Ingenieur und Testfahrer bei einer Motorradzeitschrift hatte einen Streckenplan ausgearbeitet, der große Straßen ausließ und uns über kleine verwinkelte Eifelsträßchen in die Ardennen führen sollte. Nur haben professionelle Motorradfahrer die Angewohnheit, sehr gut mit ihren Maschinen umgehen zu können. Nach über teilweise 20 Jahren auf dem Motorrad dachten wir das eigentlich von uns auch, werden aber immer wieder eines besseren belehrt. Und so versuchten wir so gut es ging, hinter W. her zu kommen, was uns auf geraden Strecken immer, auf den kurvigen Sträßchen aber niemals gelang. Würden wir ihn nicht besser kennen hielten wir ihn für einen Wahnsinnigen, wie er in den Kurven überholte und beinah unmögliche Radien zog. Die Sonne strahlte vom Himmel, auch wenn es schon recht kühl war, so fuhren wir in nun sehr zügigem Tempo durch die Eifel Richtung Belgien. Kurve um Kurve, kleine verwinkelte Straßen, durch Wälder, an Seen vorbei erfuhren wir eine herbschöne raue Landschaft, immer auf Straßen, die wir noch nie zuvor gefahren hatten. Eine kurze Frühstückpause in einer Gegend, bei der wir nicht wussten, war sie noch deutsch, schon belgisch oder luxemburgisch, auf jeden Fall zahlten wir in Euro, einer der wenigen guten Eigenschaften dieser seltsamen Währung.Dunkle Wolken zogen auf, mir (und auch den anderen) tat nach 6 Stunden schon langsam der hintern weh und die Beine wurden steif als W., frisch und munter, sich selbst Eisenarsch- Spätbremser W. nennend, uns eröffnete, nur noch um den einen Stausee herum und dann würden wir uns um ein Nachtquartier kümmern. Inzwischen schüttete es in Strömen, das passte ja zum Stausee dachten wir uns, als es schlagartig wieder aufhörte und die Sonne herauskam. Dank unserer guten Klamotten warten wir trocken geblieben und landeten in einem winzigen Ort in den luxemburgischen Ardennen namens Esch sur Sure, in dem es sogar 3 Hotels gab. Eines lud uns mit großen Schildern „Bikers welcome“ ein, dort zu nächtigen, die Tür blieb uns aber wegen der Betriebferien verschlossen. Eines überschritt unser gesetztes Budget um ein vielfaches also blieb „le Postillion“, ein anmutiges 3-Sterne-Hotel, das uns auch gerne 2 Doppelzimmer mit Frühstück anbot. Die Zimmer waren annehmbar und wir buchten sie für eine Nacht. Raus aus den dicken Klamotten, rein in das quirlige Leben des kleinen Bergdorfes, das in 15 Minuten durchschritten war. Eine alte Burgruine lud uns zum klettern ein, in der Ruine der Burgkapelle fanden wir deutliche Anzeichen von schwarzen Messen. Also ein paar Fotos gemacht, wie Biker entspannt zwischen Ruinenteilen saßen, als der nach einem anstrengenden Tag verständliche Hunger sich bemerkbar machte. Es blieb wieder nur die Außenterasse des Postillion übrig, die ausgewählte heimische Speisen und Getränke feilbot. Die angepriesene Getränkeauswahl war riesig, bestimmt 30 verschiedene Biere aller Geschmacksrichtungen, denn Belgien war nahe, die Speisenauswahl war dagegen um so dürftiger, gerade mal 7 Gerichte tummelten sich auf der dadurch mehr als übersichtlichen Speisekarte.Nach 20 Minuten Sitzens bemühte sich, nee, er bemühte sich eigentlich gar nicht, ein griesgrämiger Mensch, Kellner kann man ihn beim besten willen nicht nennen, namens Claude heran um uns in Französisch nach unserem Begehr zu fragen. Nun ist unser französisch nicht gerade dazu angetan, Konversation zu betreiben. Wir bestellten also in deutsch vier Cordon bleu und entsprechende Getränke. Claude knallte uns die Gläser und Flaschen ohne eine Miene zu verziehen auf den Tisch. Belgische Biere schmecken manchmal sehr lecker, also beschlossen wir, einige davon zu probieren, die erneute Bestellung scheiterte aber daran, dass Claude in englisch etwas wie „I only speak french“ brabbelte, uns aber trotzdem wir auf den Namen des Bieres in der Speisekarte zeigten, nicht übers Herz und uns die gewünschten Getränke brachte. Leicht angesäuert erwarteten wir also das angepriesene Essen, das Claud uns ebenso kommentarlos vor die Nasen setzte, was sich als einem gefüllten Schnitzel ähnliches Produkt darstellte, völlig fade und ungewürzt, dazu wurden fettige Pommes Frites gereicht und eine kleine Salatschüssel für vier ausgewachsene hungrige Biker. Kurz und gut, wir verschlangen das Essen, das wenigstens teuer war und sahen zu, dass wir eine gemütlichere Wirtschaft aufsuchten, eine, in der wir auch freundlich behandelt wurden. Diese fanden wir in einem winzigen Café, nur von Einheimischen besucht, in dem sich das halbe Dorf versammelt hatte und im TV ein Fußballspiel verfolgte und dieses mit letzebuergischen Kommentaren untermalte. Das Bier war lecker und wurde freundlich serviert, wir wurden freundlich behandelt und erst als die Wirtsleute freundlich aber nachdrücklich die Aschenbecher zusammenräumten, denn wir waren inzwischen die einzigen Gäste, verließen wir mit guten Wünschen bedacht dieses nette Etablissement, um uns für die anstehende Nacht zu rüsten, lag doch wieder ein anstrengender Motorradtag vor uns.Das Frühstück im Hotel war um Klassen besser als das Abendessen, was mich besonders freute, da ich grundsätzlich nicht frühstücke, meine Freunde stopften sich aber Kalorien aller Art in die Bäuche, um den anstrengen Kurven besser gewappnet zu sein. In der Nacht hatte es stark geregnet, jetzt aber schien wieder die Sonne, wegen den nassen rutschigen Straßen ließen wir es aber langsam und eher vorsichtig angehen. Doch umso trockener die Straßen wurden um so mehr drehten wir am Gashahn, bis die Stiefel wieder über den Asphalt schleiften um uns an die Haftungsgrenze unserer Reifen zu erinnern.Und so fuhren wir wieder durch verschlafene Dörfer und verwinkelte Sträßchen, kaum unterbrochen durch Zigaretten- und Kaffeepausen, ließen größere Orte wie Diekirch und Vianden links oder rechts liegen, hielten nur an Tankstellen, um uns jetzt auf der Heimreise noch mit preiswerten Zigaretten und Benzin zu versorgen um wie immer nach einer solchen Tour festzustellen: „Das müssen wir viel öfter machen...“ Wobei in diesem Fall ein Zusatz erwähnt werden sollte, der von uns allen rückhaltlos unterstrichen wurde: „...allerdings in einem Hotel ohne Claude!“ Wen es interessiert, hier der ungefähre Streckenverlauf, allerdings immer auf kleinen Nebenstraßen. Gefahrene Strecke ca. 700 km, Zeit ca. 2 Tage: Bonn, Bad Münstereifel, Blankenheim, Stadtkyll, Bütgenbach, St. Vith, Wilverdange, Wiltz, Ettelbruck, Mersch, Walferdange, Junglinster, Echternach, Bitburg, Prüm Gerolstein, Dahlem, Blankenheim, Bonn.© msbbonn
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10.06.2010 22:29
Ich glaube das kommt vom schlechten Trinkgeld, den der Deutsche dem "Claude" hinterlässt ;-) Vielleicht begreift der gute Kellner nicht, dass wir Deutschen einen guten Service gewohnt sind und dementsprechend tippen ;-)! merci@knopfi
22.07.2004 19:40
Da kommt mir gleich die Geschichte mit französisch Ciao in den Sinn, wo mich einer, nach meinem ersten (und letzten) Bericht runtermachte, wegen grammatikalischer Fehler...:-(( Doch erlebt habt ihr ja so einiges dort. Lieben Gruß, Patrick
01.07.2004 01:30
Claudes gibt es überall... witzig, dass Du den Bericht nach ihm benannt hast!! Grüssle mona