Produktbewertung des Autors:
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Hilflosigkeit |
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Große blaue Kulleraugen in einem leicht zu großen Schädel. Die Zähne schief und krumm, das Lachen glucksend und lebensfroh.
Es ist morgens, halb acht. Ich bin gereizt, gewöhnlich schlafe ich bis halb zehn.
Dachte ich träume noch. Ob ich Erbsen und Möhren habe, will er wissen, der kleine Sohn meiner Nachbarin. Er hat eine leichte Behinderung, möglicherweise Trisomie21 in einer nicht allzu schweren Ausprägung. Ich gucke verdattert, es ist ja fast noch Nacht.
"In der Dose?" frage ich blöd. Er sagt nur: "Mama hätte sooooo gern Erbsen, sie weint sonst wieder".
Er beschreibt diesen Wunsch mit fuchtelnden Armen und funkelnden Augen. Erbsen und Möhren.
Ich habe aber weder Erbsen noch Möhrchen und in der Dose schon gar nicht.
Er fragt "warum", ich sage "darum". Wieder grinst er mich schief an und geht. Mit einem gurgelnden "Na gut. Voll schade".
Eine Stunde später stehe ich früher als sonst an der Bushaltestelle, seine Mutter fährt langsam, dem stockenden Verkehr an der Ampel folgend, im Wagen an mir vorbei. Vermutlich zur Schule, für den Kindergarten ist der schiefe Junge eigentlich schon zu groß. Der sitzt auf dem Rücksitz und macht Verrenkungen. Ich winke, er sieht mich nicht. Er hatte die Scheibe angehaucht und ein Mondgesicht reingemalt und versuchte durch die gemalten Augen durchzusehen. Rührend, wenn auch bitter.
Abschütteln. Komischer Start in den Tag. Wer weint wegen einer Dose Erbsen? Und das um 7:30.
Abends klingelt es wieder. Er hat eine Schramme an der Augenbraue. Er gluckst erst ein bisschen, verschluckt sich und zeigt mir die Schramme ganz genau. "Mit Blut", sagt er stolz.
Dann legt er los - winkend, tobend und stampfend. Ob er meinen Schuhschrank haben könne. Den Schrank, der vor meiner Wohnungstür steht, der gefällt ihm doch so gut und ich bräuchte ihn ja nicht. Sind ja nur Schuhe drin. Die Metallfront findet er besonders schön und legt wie zum Beweis einen Zeigefinger vorsichtig in eine metallene Rille, dann wieder auf seine blutverkrustete Augenbraue. Und wieder auf das Metall.
Ich gehe in die Hocke, Auge in Auge mit dem Zwerg, und erkläre, dass ich den Schuhschrank für meine Schuhe brauche, die sonst alle einzeln herumstehen würden. Das wäre nicht so schön.
Seine Mutter, blass und rotäugig, steht unvermittelt in ihrer Wohnungstür, kommt über den Flur und bellt:
"Kind!"
Sie nimmt ihn an der Schulter, zieht an ihm. Er streckt die Arme vor und will stehen bleiben. Sein Gesicht verzieht sich zu einer zornigen hässlichen Fratze. Er stolpert rückwärts, fällt auf den Hosenboden und gibt einen fremd klingenden Laut von sich.
Böse funkelt sie mich an, als hätte ich versucht ihren kleinen Mann in den Schrank zu sperren.
Sie zischt mich an: schließlich müsste ja nicht jeder wissen, dass sie sich mit diesem behinderten Kind keine Schuhschränke und Erbsen leisten kann. Oder etwa doch?
Die Worte drücken mich mit der Wucht eines rechten Hakens in die Wohnung zurück. Das Kind hindert sie an Erbsen und Möhren. Und an Schuhschränken.
War ich ihr zu nahe getreten? Ihre Tür fällt dumpf zu.
Am nächsten Morgen lege ich einen Schokoladenmarienkäfer vor seine Tür. Meine Kollegin ist eh zu fett, denk ich mir.
"Statt des Schuhschranks, kleiner Mann" schreibe ich auf einen Zettel und male ein Blümchen dazu. Eins, das ein bisschen schief ist. Ich hab ein gutes Gefühl. Auch wenn ich an die Mutter denke. Eine sehr hübsche Frau, ein bisschen ausgemergelt vielleicht, die müden Augen fallen als erstes auf. Ihre Stimme klingt, als wäre sie es gewohnt ständig ihre Position behaupten zu müssen, ihre Worte waren schnippisch, aber ihre Stimme klingt scharf, fast verletzend. Jung ist sie, vielleicht auch jünger als ich.
Als ich am Abend nach Hause komme, liegt der Marienkäfer zerdrückt und halbaufgerissen auf meinem begehrten Schuhschrank. Unter meiner Blume steht in Großbuchstaben geschrieben:
"BITTE NEHMEN SIE ABSTAND. ICH KANN UND WILL NICHTS SCHULDIG BLEIBEN".
Mir steigt die Wut kochend heiß hoch. Ich habs doch nur lieb gemeint - für den Jungen. Fühle mich in eine Ecke gedrückt, in die ich nicht hingehöre. Mit den Resten des Käfers auf der flachen Hand gehe ich zu ihrer Tür und möchte klingeln.
Und da höre ich das Weinen zweier Menschen. Ein klagendes Duett - ganz leise, unterbrochen von gurgelnden glucksenden Lauten.
Mit Gänsehaut stehe ich völlig hilflos in meiner Wohnung und die Schokolade schmilzt in meiner Faust.
…nichts schuldig bleiben. Wer ist wohl ihr wieviel schuldig geblieben….
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sehr hilfreich
09.09.2008
(10.09.2008)
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Pro: ---
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sehr hilfreich
02.05.2005
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Midlife crisis....crisis ? What crisis?
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sehr hilfreich
18.09.2005
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Musikreviews bei Ciao
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I...Loaded_Raft
Pro: Ausnahmen durchaus vorhanden; Netz des Vertrauens hilft Spreu von Weizen zu trennen; wer gut schreibt, schreibt gut - egal wie...
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Ein wenig Nostalgie gefällig?
Am 05.06.2000 wurde ein Bericht über das Album "Pet Sounds" der Beach Boys verfasst. Er war 168 Worte lang und ganz unter uns: Er war schlecht und wenig informativ. Interessanter war ein Kommentar eines Users, diesen Beric ...
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17.08.2004
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In a Man's Closet
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MissVega
Pro: Nee, diesmal nicht
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06.08.2008
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