Menschen wie du und ihr: Werner.

3  02.05.2005

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CapriTonne

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Werner.

Werner besitzt vier paar Hosen, mag Nescafé mit Dosenmilch und hört, wenn er in der Garage an seinem Vectra herumschraubt, eine Musikkassette von den Geschwistern Hofmann.

"Um die Mal in echt zu sehen", er kratzt sich dabei im Nacken, "würde ich zu Fuß nach Düsseldorf gehen."
Um dies richtig zu würdigen sollte man wissen, dass Werner in Korbach wohnt, mitten in Nordhessen, nördlich des Edertalstaudammes, beileibe "kein Kinderteller an Fußweg", so Werner.

Werner ist 36, bezeichnet das als bestes Alter, konkretisiert jedoch nicht, wofür. Seine besten Freunde heißen Rolf, Jochen und Lothar, und wenn die vier "ein Fass aufmachen", dann "poppt der Papst, dann zockt der Zar, dann brennt der BUSH", er grinst dann, "verstehst du, so wie der Ami." Er zeigt mir Photographien. Die vier am Balaton. Die vier in Ischgl. Die vier auf Ibiza. "Ballermann ist mir zu prollig", immerhin. Es ist ihm sehr wichtig, dass ich erwähne, dass sie dort nicht nur saufen und herumkrakeelen, sondern auch, wie im letzten Jahr, eine Kirche besichtigt haben, eigentlich eine ganz, ganz kleine Kapelle, irgendwo am Wegesrand, auf dem Weg "nach unten".
"Unten", das war ein Strandabschnitt, wo die Frauen apfelknackige Brüste haben und herzförmige Pos, eben nicht wie am Ballermann, auch, wenn er noch nie da gewesen ist.

In seiner Freizeit, neben dem Vectra und neben seinem kleinen Schrein, der unzählige Photographien und Zeitungsschnipsel der beiden Hofmann-Damen beinhaltet, da sammelt Werner Bierfilze und Schlümpfe aus dem Überraschungs-Ei, "manche kosten bestimmt ein Vermögen", mindestens aber vierhundert Euro, "schon verrückt, oder?", er schüttelt begeistert den Kopf und zeigt mir einen, den er in unterschiedlichen Gussversionen besitzt.
"Den Schwatzschlumpf gibt es einmal mit roter Zunge, einmal mit Einbuchtung, aber nicht bemalt und dann gibt es die ganz ohne Einbuchtung, die wurde einfach vergessen."
Bei der letzten Tauschbörse hat ihm dafür jemand einen Nigelnagelneuen Fallrückzieherschlumpf angeboten, aber den habe er nur ausgelacht, "einen herzlosen Schlumpf aus dem automatischen Bemalungssystem kann er sich sonst wohin stecken". Werner strahlt, wenn er seine Sammlung begutachtet.

Claudia, seine Exfreundin, hat das nie verstanden, und da sie auch sonst herzlich wenig mit ihm gemein hatte, war sie irgendwann fort, als er aus Dortmund nach Hause kam, natürlich von einer Tauschbörse.
Die Whitney-Houston-CD, die Bohlen-Biographie, die Lavalampe: alles weg, was er ihr einmal geschenkt hatte, alles. An Anita oder gar Alexandra Hofmann ist sie ohnehin nie ran gekommen, aber wer kann das schon. Neulich, da war er ganz schön betrunken und eigentlich hatte ich ihm versprochen, das nicht zu schreiben, da hat er gemeint, dass sie, die Claudia, ihm nicht ein einziges Mal einen geblasen hat, "das sagt doch wohl alles darüber, dass die mich überhaupt nicht richtig geliebt hat, oder?"

Ich habe ihn einmal gefragt, welche Bücher ihn am meisten beeindruckt haben, welche Autoren er besonders mag, welche drei Exemplare er auf die berühmte Insel mitnehmen würde, da hat er mich ganz schelmisch angeschaut und meinte "weißt du doch, dass ich auch ohne Mallorca auskomme, und wenn du noch so oft fragst." Irgendwann im Laufe des Abends habe ich dann nachgehakt und habe zumindest herausbekommen, dass das letzte Buch der Struwwelpeter war.
Bitte, nur um Missverständnissen vorzubeugen, ich möchte nicht behaupten, dass man nur durchs Lesen zu einem angenehmeren Menschen wird. Einige der unangenehmsten Menschen, die ich persönlich kenne, lesen auch.

Einmal, nur einmal die Alexandra Hofmann, im luftigen Kleid, auf der Schaukel am Waldspielplatz, er, Werner, deut sie an und wenn sie danach ganz erhitzt den Kopf in seinen Schoß legt und an dem Magnum-Eis knabbert, das er ihr spendiert hat, da sagt sie zu ihm eine Stelle aus einem ihrer schönsten Lieder.
"Mit dir möchte ich die Sterne zählen und dazu tust du mir fehlen. Ich denk' dass du nicht d'rüber lachst, sondern sagst, dass du gern' mitmachst. Mit dir möchte ich die Sterne zählen das Kompliment gib' ich nicht jeden, denn Du bist für mich der Bua, dem ich das traue zu."

Ich drücke dir die Daumen, Werner.


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Werner und "Speedy", der Vectra
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unwahrscheinIich

unwahrscheinIich

12.03.2013 11:23

Großartig.

utophilea

utophilea

13.03.2006 22:46

gestern hat mir onkel werner seine schlumpfesammlung gezeigt. abba ich darfs nie nich niemandem sagen....

Josie76

Josie76

03.03.2006 19:06

Na, du hast ja Freunde.

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