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DER MUNDGERUCHTEST oder: DIE NASA AUF MEINEM SOFA

5  21.07.2006

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Empfehlenswert: Ja 

mary-p

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:501

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 27 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

DER MUNDGERUCHTEST oder: DIE NASA AUF MEINEM SOFA

Eines Freitags, also genauergesagt heute, schrieb ich meine letzte Klausur und als ich leicht geschwächt und erschöpft, aber auch ein wenig erleichtert zum Podest eierte, um meine Klause abzugeben, stellte ich fest, dass mein Leben keinen Sinn mehr hat. Nichts mehr zum Lernen - wie werde ich nun meine Nachmittage verbringen?

Ich war mit der Gesamtsituation nicht gerade zufrieden, also ging ich nach Hause und wollte mich in meiner Arbeitslosigkeit so etwas Prolligem wie Fernsehen schauen widmen. So mit voll lahm auf dem Sofarumhängen und Talkshows gucken und idiotische Soaps auf Viva et cetera pp. Für dieses Programm bin ich nur leider zu gebildet. Mir wurde so langweilig beim Fernsehen, dass ich wieder Wasserabkochen ging, was wahrscheinlich die einzige Tätigkeit ist, die ich am Wochenende betreiben werde, um ein paar behinderte Kolibakterien im Wasser zu killen, diese Hurensöhne. Aber das nur nebenbei.

Was in diesem Moment viel weltbewegender war: Ein Geruch, der mir nicht unbekannt war, umschmeichelte die ganze Zeit meine Nase. Wie ich in Psycho gelernt habe (womit wir wieder beim Lernen wären) ist der Mensch zwar dazu fähig, Millionen von Gerüchen zu unterscheiden, aber er ist nicht gerade beschenkt, wenn es darum geht, sich Gerüche zu merken oder wiederzuerkennen. Lange überlegte ich unterschwellig hin und her, woher dieses kostbare Odeur wohl kommen mag, bis es mir schließlich wie eine Abrissbirne in die Matschbirne knallte: Das war nichts anderes als die Körperausdünstung meines ehrenwerten Mitbewohners, die sich da ungefähr in das beigegemusterte Sofa REINGEFRESSEN hatte.

Man muss dazu wissen, dass mein MB wesentlich mehr Zeit vor dem Fernseher verbringt als ich. Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, auf einem beknackten Marktforschungsfragebogen eine Aussage auf die Frage "Wie sieht ihr Fernsehkonsum pro Woche aus?" müsste ich wohl die Antwortmöglichkeit "a) Gar nicht bis null komma fünf Stunden" angeben. Mein MB dagegen würde wohl das höchste Item wählen müssen "60-70 Stunden" (Das setzt sich zusammen aus jeweils acht Stunden abends nach der Arbeit plus ungefähr zweimal 12 Stunden am Wochenende. Er ist schon ein kleines Phänomen. Ich würde bei so hohem Konsum vermutlich ein paar kleine Ticks entwickeln, zum Beispiel mit den Zähnen die Hornhaut von meinen Füßen schaben oder von meinen Ellbogen. Ach, wenn ich's mir recht überlege, sollte ich mehr fernsehen.).

Und da er so viel Zeit vor der Glotze verbringt, ist es kein Wunder, dass der Urmensch in ihm begonnen hat, das Kanapee zu markieren. Na gut. Das hat wohl funktioniert. So schnell werde ich dort nicht mehr sitzen. Es sei denn, ich befolge den Rat, den ich mir selbst während einem Gespräch mit meiner kleinen Schwester gegeben habe: "ja richtig. höchstens mit gasmaske und astronautenschutzanzug." (auf die tröstende Feststellung, dass ich mich jetzt wohl nicht mehr aufs Sofa traue).

Nun bedenke man aber bitteschön, bevor man vielleicht diese Methode aufgrund ähnlicher Probleme ausprobiert: Im Astroanzug fernzusehen ist nicht besonders ästhetisch. Ich meine, Fernsehen und Ästhetik liegen ja von vorneherein schon soweit auseinander wie zwei Füße beim Spagat, aber ein bisschen Federboa, um das Niveau zu heben, kann ja nicht schaden. Für mich als heimliche Ästhetin und Besitzerin von zwölf Federboas, mehreren Paaren Mary Jane-Pumps, sieben Cocktailkleidern und einer stolzen Sammlung Swarotzidiamanten versteht sich von selbst, dass der Astroanzug nicht in Frage kommt.

Das Gespräch mit meiner Schwester ging jedenfalls so weiter:

Sie (zum Thema Astroanzug und Ästhetik): "stimmt wohl. kann man aber viell zum trend machen"

Ich: "wäre auch gut, wenn -piep!- das tun würde. ich meine, gut für seine mitmenschen. im anzug kann er in ruhe vor sich hindünsten..."

Sie: "stimmt... riecht ja keiner außer viell er. viell würde er dann mal mitbekommen, wie es ist mit so jemandem zu leben. so ein astronautenanzug ist viell vergleichbar mit dem mundgeruchtest, wo man sich so an die hand haucht und dann schnuppert. könnte vom prinzip her ähnlich ausfallen"

Und wie clever ist das denn bitteschön? Das nenne ich mal eine operante Konditionierung in Reinform! Auf so eine Idee muss man erst mal kommen! Sappalot! Ich sehe es ja schon kommen, wie ich in einem meiner unzähligen Cocktailkleider mit einer Federboa um die Birne geschlungen und Pumps an den Füßen und der Gucci-purse in den schwitzigen Händen da sitze und gebannt auf das mir fremde Medium Fernsehen starre (ich würde vermutlich ein wenig nach vorne gebeugt sitzen, da ich so verzaubert wäre von diesen sich bewegenden Bildern, dass ich sie mit jeder Faser meines Körpers aufnehmen wollen würde) während mein MB in einem Astronautenanzug neben mir sitzt, asthmatische Atemgeräusche wie ein Tiefseetaucher von sich gibt und durch eine kleine Vakuumklappe Pommes mit Ketchup Richtung Verdauungstrakt schiebt, während ich gebannt an meinem Sektglas herumknabbere.

Ich sehe schon: Dieses Modell scheint sehr erfolgsversprechend. Morgen gehe ich zum Patentamt und danach verkaufe ich es in die ganze Welt an alle, deren Mitmenschen noch nicht begriffen haben, was die drei Buchstaben gebtmireinDee gebtmireinE gebtmireinO bedeuten. Und schon sehr bald wird der Astroanzug einen festen Platz an der Gaderobe jedes Haushalts haben...

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
topware2002

topware2002

18.08.2006 00:34

SH...! Grüßle Jürgen

dcbe

dcbe

10.08.2006 01:27

Baaaaaaaaaaaa. Brauchst Du noch ein Sofa? Lege gerade zwei Wohnungen zusammen, und hätte da noch eins übrig. Und schöne große Tische (2). Und Stühle. Alles ganz sicher wohlriechend...

logan

logan

07.08.2006 15:59

eine andere marktfähige idee wäre das gewinnen einer hochprozentigen sofaessenz auf alkoholischer basis, aus der sich vermutlich ein wirksames deo zur postkoitalen abschreckung von one-night-stands fertigen ließe.

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