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Wer ist Täter - Wer ist Opfer ?

1  03.03.2002

Pro:
Nix

Kontra:
Verhalten des Vereins, Die Tat an sich

Empfehlenswert: Nein 

tgierich

Über sich: Alles nur eine Frage der Zeit: Wann geht denn mal das Produkt der Woche kaputt?!?

Mitglied seit:01.05.2000

Erfahrungsberichte:264

Vertrauende:206

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 194 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nachdem ich heute die Sonntagsspiele der Bundesliga in Ran verfolgt habe, ist für mich ein Ereignis in den Vordergrund gerückt, welches im weitesten Sinne nichts mit Fußball zu tun hat. Eine Aussage von Andreas Brehme, Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserlautern, vor dem heutigen Spiel gegen den VFL Wolfsburg, sorgte bei mir für ein unbegrenztes Unverständnis: "Wir wollen am Sonntag auch für Hany spielen und Wolfsburg besiegen"

Doch vor welchem Hintergrund wurde dieser Satz gefällt. Kurze Rekapitulation der Ereignisse im vergangenen August: Der 32-jährige Verteidiger Hany Ramzy zieht in einer Kaiserlauterner Kneipe eine Frau zu sich heran, und zwingt sie unter körperlicher Kraftanwendung zur sexuellen Nötigung. Die Frau, eine flüchtige Bekannte des Fußballers, aber auch Fan des 1. FC Kaiserslautern erstattet Anzeige und in der vergangnen Woche ergeht das Urteil gegen den Ägypter. Er wird zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Verein reagiert darauf prompt und meiner Meinung angemessen. Hany Ramzy wird vom Fußballclub mit sofortiger Wirkung suspendiert, und eine Begnadigung von Vorstandschef Jürgen "Atze" Friedrich ausgeschlossen. Doch in den nächsten Tagen kommt es zur Salami-Taktik. Man denke über eine Begnadigung nach, sofern sich Ramzy öffentlich entschuldigen würde. Und prompt kam er zu einer Darstellung seitens Ramzy auf der Homepage des 1. FCK (Nachzulesen auch unter www.FCK.de).

In dieser Darstellung verliert der Fußballer nur am Rande ein Wort der Entschuldigung bei der jungen Frau. Er stellt mehr in den Vordergrund, wie leid es ihm tut, den Verein in diese Situation gebracht zu haben, und das er sich bei seiner Ehefrau für die Unterstützung bedankt. Abschließend bittet er den Verein reumütig, die Entscheidung zu überdenken, und ihm eine neue Chance zu geben.

Nach Abschluss des heutigen Bundesligaspiels wurde von Axel Friedrich auf einer Pressekonferenz verkündet, dass der Spieler Hany Ramzy mit einer "empfindlichen" Geldstrafe für karitative Zwecke belegt, und zur Mitarbeit in der Fritz-Walter-Stiftung verdonnert wird. Was heißt das? Rückzug des Verein auf Raten? Wiedereinstellung des Spielers?

Wenn man einmal den Tatbestand der Handlung von Ramzy betrachtet, so handelt es sich hierbei nicht um ein Kavaliersdelikt. Sexuelle Nötigung ist kein Pappenstil, und sollte von der Öffentlichkeit geächtet werden. Wenn man die Tat auf das "normale" Berufsleben überträgt, so ist hier die Konsequenz für einen Angestellten die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. So auch zunächst geschehen im Fall Ramzy.

Doch was nun geschieht, ist ein Armutszeugnis für den Verein und hoffentlich kein Exempel für die gesamte Liga. Der Verein mit seiner Führung übt hier den geordneten Rückzug Stück für Stück, mit dem Ziel den Vorfall im Sande verlaufen zu lassen. In zwei bis drei Wochen wird über den Fall kein Mensch mehr sprechen. Nur was hinterlässt dieser Vorfall in den Augen der Öffentlichkeit?

Nun zunächst einmal sind Sportler Vorbilder für die Öffentlichkeit, oder sollten es zumindest sein. Der Eindruck, der nun entsteht ist, das es sich bei sexueller Nötigung um eine Art "Dumm-Jungen-Streich" handelt. Dumm gelaufen, aber eine Entschuldigung in der Öffentlichkeit und die ganze Sache ist wieder vergessen. Sicherlich eine "sehr gute" Vorbildfunktion des Sportler Ramzy für unsere Jugend.

Auch zweifelhaft ist die Aussage des Trainers Andreas Brehme. Bei ihm scheint es zu einer Art Realitätsverschiebung gekommen zu sein, in dem er an die Mannschaft mit den Worten appelliert: "Wir wollen am Sonntag auch für Hany spielen und Wolfsburg besiegen". Sieht er etwa Hany Ramzy als Opfer der weiblichen Reize? Wird es seine Mannschaft demnächst motivieren mit den Worte: "Jetzt geht?s raus und packt den Weibern an die Möpse"? Andreas Brehme, sicherlich nicht das intellektuelle Genie unter den Fußballtrainern, kehrt hier die Situation gefährlich um: Ramzy ist nicht der Täter, sondern das Opfer!

Der Vorstand zeigt in dieser ganzen Affäre auch keine Größe. Zunächst zeigt er mit konsequentem Handeln in Form der Suspendierung Stärke und Härte in der Situation, die auch angemessen erscheint. Doch nach und nach bröckelt diese Stärke ab, und der Vorstand wird weich. Ist dies ein weiteres Indiz dafür, wie die Fußballvereine schon von den Spielern abhängig sind? Fußballspieler sind durch ihre Position in der Öffentlichkeit derart exponiert, dass sie sich auch im privaten Leben keinen Fehltritt leisten sollten. Falls es doch passieren sollte, könnten sie auch Größe zeigen, die Konsequenzen aus ihrem Fehltritt zu ziehen, und nicht um Gnade zu winseln, die an dieser Stelle nicht angebracht ist.

Vielleicht kann man an dieser Stelle auch einmal die Parallele zum Drogenkonsum des Christoph Daum ziehen. Sein Fall wurde in der Öffentlichkeit so hochstilisiert, dass er praktisch eine Art Arbeitsverbot als Trainer in der Bundesliga hat. Aber was ist mit den Spielern? Durch die Handhabung dieses Falls auf die lockere Art, erhalten die Spieler praktisch einen Freibrief für weitere Taten. Denn mit Geld lässt sich ja alles wieder gut machen, und die öffentliche Entschuldigung gibt es auch noch dazu.

Vielleicht ist auch das Klima in der Pfalz daran nur Schuld, dass Ramzy zum Busengrabscher wurde. Der Spieler Taribo West beispielsweise, steht im Verdacht seine nigerianische Frau verprügelt zu haben. Verfahren läuft noch. Oder der Trainer Andreas Brehme selbst: 1996 wurde er mit 1,16 Promille am Steuer seines Autos erwischt. Oder gar die Sexaffäre des Mannschaftsbusfahrers 1994. Er nutzte die Pause vor einer Schule zu einem kleinen Schläferstündchen mit seiner Freundin. Pech nur, dass Schüler an die Tür klopften. Der Fahrer wurde fristlos gefeuert. Die Pfalz scheint wohl ein Pflaster mit eigenem Rechtsbild zu sein.

Für mich ist das Verhalten des Vereins und seiner Verantwortlichen ein Armutszeugnis für das Rechtsempfinden. Da werden wieder einmal aus Tätern Opfer, und aus dem Opfer wird vielleicht sogar der Täter. Der Verein kann sich aus dieser Situation nur retten, in dem er bei seinem ersten Entschluss bleibt, Hany Ramzy freizustellen. Denn sexuelle Nötigung ist kein Kavaliersdelikt, der in der Öffentlichkeit unterstützt werden darf. Und eine Rüge für den Trainer in Hinblick auf seine öffentliche Äußerung, wäre auch angebracht.

Verlierer in dieser Situation ist einmal wieder der Sport, der den Menschen soviel Freude bereitet. Meine Bewertung bezieht sich Tat von Hany Ramzy, das Verhalten des Vereins und die Äußerung von Andreas Brehme.

Euer Tom

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mozarteum

mozarteum

11.11.2007 21:00

d'accord! lg detlef

Michi_01

Michi_01

14.10.2002 22:22

Hatte schon, bevor ich an besagter Stelle angekommen war, an Daum gedacht. Das hätte man meiner Meinung nach wesentlich eher verzeihen können...aber dieser Typ...hätte höchstens noch die Erlaubnis für Kreisliga C verdient...und das mit nem riesigen Presseaufgebot.

Schini

Schini

04.05.2002 18:17

Gabs da nicht auch mal was ähnliches mit Patrick Kluivert? Wiederlich!!! Lg, Schini

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