Pissstop …
21.07.2008
Pro:
ja . . .
Kontra:
ja . . .
Empfehlenswert:
Ja
 chinook_1
Über sich:
Mitglied seit:26.10.2006
Erfahrungsberichte:61
Vertrauende:42
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet
Wenn Menschen für viel Geld in ein Land fahren, in dem Armut, Unterdrückung, Bettelei, Betrug und Misswirtschaft an der Tagesordnung sind, dann muss man dieses Verhalten als äußerst fragwürdig bezeichnen. Wenn Menschen ihre Freizeit freiwillig in Gegenden verbringen, in denen sie die Sprache noch weniger beherrschen als in ihrer Heimat, dann ist das merkwürdig. Wenn sich diese Menschen dazu noch Wochen in einem hässlichen, muffigen und schlecht belüfteten Zimmer aufhalten und sich den Strand mit noch hässlicheren, muffigeren und noch schlechter belüfteten Landsleuten teilen, ja, dann haben diese Menschen womöglich `ne Schraube locker. Warum zum Geier fahren Menschen in ein Land, in dem unberechenbare, vollbärtige Männer mit bösartig glitzernden Augen an der Macht sind? Okay. Letzteres trifft eher auf Kurt Beck zu, weniger auf Peter Harry Carstensen. Aber noch einmal: Warum zum Henker fahren Tausende von Menschen mitten in der Woche - z.B. kurz vor Fronleichnam - an die schleswig-holsteinischen Küsten der Nord- und Ostsee und verstopfen tagelang die elendigen Autobahnen?!? Was feiern die da eigentlich an Fronleichnam? Die Silberhochzeit Jesu? Warum feiern die den auf der Autobahn?!? Hat das Ausland gar nix mehr zu bieten? Was ist denn mit den traumhaft schönen, angesengten Krombacher-Bierwäldern, irgendwelchen schiefen Türmen im müllverseuchten Euro-Stiefel oder den Sangria-Eimern in der deutschen Kolonie? Mannomann. Oder fahren die gar nicht und machen nur Urlaub auf der Asphalt-Buckelpiste? Sind das alles anonyme ADAC-Tester? Das würde einige, natürlich pünktlich zur Reisezeit auf den Markt geschmissene Testergebnisse des ADAC erklären. Ich persönlich liebe ja Statistiken und Testergebnisse. Schön finde ich zum Beispiel immer wieder die Ergebnisse der Pisa- und Welternährungsstudien, die die Lage unserer Nation realistisch darzustellen versuchen. Demnach ist die eine Hälfte der Deutschen zu dick, und die andere Hälfte ist zu doof um festzustellen, dass sie zu dick sind. Ist so, unumstößlich, sagen die Statistiken. Und da scheint ja was dran zu sein - oder warum suchen denn so viele deutsche Autobahnurlauber Autobahnraststätten auf, trotz genauer, zum Teil niederschmetternder ADAC-Raststätten-Intensivstudien? Sozusagen der ultimative Gourmet-Führer der gelben Engel für den gestressten, deutschen Urlauber, der seine auf den Rücksitz quengelnden Gören auf der Autofahrt nach Rimini kurzfristig mit `nem Kilo Pommes Schranke ruhig stellen will und dem baltischen Brummi-Fahrer die letzte Gelegenheit geben soll, nach 48 Stunden Dauerfahrt noch `ne Einkaufsstätte für `nen Six-Pack Bier als Reiseproviant für die nächsten 48 Stunden zu finden. Meinetwegen auch für die Gören. Es ist aber auch wirklich zu enttäuschend, was den Testern auf den Autobahnraststätten geboten wurde. In den letztjährig getesteten 65 Anlagen gab es gerade mal einen Streichelzoo, eine Grillstelle, eine Außendusche, ein Solarium, zwei Mal Liegestühle, ein paar Spazierwege und kostenpflichtige Massagestühle. Es gab weder leicht bekleidete Boxenluder auf den Parkplätzen, noch ein Bingo-Animationsprogramm vorm Kuchenbuffet. Autoscooter mit einem 40-Tonner durfte auf dem Parkplatz nur auf Anfrage gespielt werden, ein menschlicher 40-Tonner nahm den ganzen Tag die Außendusche in Beschlag, einen Präparator für ausgesetzte Autobahnhunde und Autobahnsolarium-Nutzer gab es gar nicht. Und die Grillstelle befand sich noch nicht einmal im Streichelzoo. Wie unpraktisch. Oder war das etwa das Solarium?Absoluter Loser der getesteten deutschen Anlagen im Jahr 2007 war der Autohof Tornesch. Dort gab es lediglich ein Holzboot als Kinderspielecke im Innenbereich. Die Kinder, die zu blöd waren, das Schiff zu entern, mussten wohl oder übel auf dreckigen Restaurantfußböden oder in schmutzigen Toiletten "Somalia-Pirat" spielen und ihre Geiseln auf den Klobrillen fesseln. Die Toiletten haben dort zum Glück keine automatische und extrem gründliche Brillenreinigungsvorrichtung, die Auswirkungen wären sonst fatal. Sogar Cabrio-Fahrer, die vier Stunden hinter einem Viehtransporter im Elbtunnel standen, wünschten sich nach dem anschließenden Besuch des Autohofes augenblicklich ein Schwein auf den Beifahrersitz. Glücklich können sich diejenigen schätzen, bei denen das - mehr oder weniger familiär bedingt - eh zutrifft. Fast zeitgleich zu den ADAC-Untersuchungen beklagen übrigens Ärzte und das Gesundheitsministerium die Impfmüdigkeit der Bundesbürger. Jetzt wissen wir auch warum. In Anbetracht der Raststätten-Tests hätten eine Gelbfieberimpfung und `ne Hepatitis-B-Prophylaxe mehr denn je eine Berechtigung. Heißen die fleißigen Helfer des ADAC eigentlich deshalb gelbe Engel? Egal, vor allem in Italien ist es ratsam, sich vor Reisebeginn eine Überdosis des medikamentösen Auslaufstopfens Granu Fink zu genehmigen, um nicht Autobahnklos aufsuchen zu müssen und sich etwas einzufangen. Meist nimmt man dort mehr zu sich als man abgibt, das schlägt irgendwann auf die Substanz. Wie sind eigentlich die italienischen Nationalspieler zur Fußball-EM 2008 angereist? Doch nicht etwa mit dem Reisebus, oder? Besondere Vorsicht ist übrigens dann geboten, wenn Euch vor dem Autobahnklo eine Kakerlake mit weißem Schutzoverall und Atemschutzmaske anfleht, sie mitzunehmen!Wenigstens war das Essen dort gut, also im Restaurant, nicht auf'm Klo. Bei der Pasta trumpfen sogar italienische Parasiten-Chill-Out-Begegnungsstätten richtig auf, während man sich bei manch anderer Raststätte wünscht, dass Schlachtabfälle zukünftig farblich markiert werden. Ist das eigentlich in Dänemark schon gesetzlich vorgeschrieben? Wenn ich das lausige Abschneiden einiger dänischer Raststätten beim ADAC-Test-2007 mit der Farbe der dänischen Würstchen namens Røde Pølser in Verbindung bringe, kann ich mir das zumindest gut vorstellen. Vielleicht sind die Schweine im Elbtunnel auch schon rot eingefärbt gewesen, in welchem Auto auch immer. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass in Deutschland schon Fleisch eingefärbt wird. Allerdings in Fleischfarbe, um Verwechselungen mit den Salatblättern oder den Gurken im Döner vorzubeugen. Mal ehrlich, wissen denn Konsumenten dieser Wundertüten überhaupt noch, wie frisches Fleisch aussieht? Nicht alles, was grün aussieht, ist vegetarisch. Wahrscheinlich freuen sich die Unwissenden sogar über die große, besonders farbenfrohe "Salatportion" im Döner, der gelegentlich sogar eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln scheint und offenbar so versucht, mit dem Esser zu kommunizieren. Dieses Phänomen kann aber höchstens Bauchredner erfreuen, die für ihre Auftritte noch eine dritte Handpuppe benötigen … Die mangelnde Frische mancher Speisen wurde übrigens auch vom ADAC beklagt. Wie und was da nun genau getestet wurde, weiß ich nicht im Einzelnen. Vielleicht kann sich derjenige glücklich schätzen, der noch Frittenfett aus diesem Jahrtausend erwischt hat oder die Friteuse nicht neben dem Wickeltisch stand. In diesem Fall würde dem Begriff "Kinderteller" allerdings eine ganz neue Bedeutung zukommen. Ach ja, wo wir gerade bei Wickeltischnebenprodukten sind: die Kötbullar in den schwedischen Raststätten sollen angeblich auch nicht so lecker gewesen sein. Im dänischen Tappernøje West wäre es sogar angebracht, wenn der Autobahnpfarrer das Schnitzel servieren würde. In Italien ist wenigstens wickeltischtechnisch das Weltbild noch vollkommen in Ordnung. Diese befinden sich so gut wie immer in der Damentoilette, gleich neben der Gammelkäseaufbereitungsanlage … Mancher wäre im Autohof Spreenhagen schon froh, wenn es wenigstens das gäbe. Dort konnten die Tester so gut wie gar nix Positives finden. Vor allem das Essen ist mies. In das Restaurant zog kürzlich ein Reifenhändler ein, auch wenn einige Gäste geschmacklich keinen Unterschied zwischen den Breitreifen und der vor einem Jahr gegessenen Currywurst feststellen konnten. Behinderte benötigen eine Machete, um sich von den überwucherten Behindertenparkplätzen über nicht vorhandene Fußwege zu den nicht vorhandenen Behinderten-Toiletten durchkämpfen zu können. Okay, eigentlich nicht notwendig. Bei den Hygienewerten der Toilettensitze kommen die Kloschüsseln wahrscheinlich sogar auf Zuruf direkt ans Auto gelaufen. Genauso schmutzig waren die Toiletten in der ebenfalls mit "sehr mangelhaft" bewerteten Raststätte Bad Bellingen West - trotz Toilettenmann, dessen Aufgabe eigentlich sein sollte, dem unheimlichsten Ort des Universums zu Leibe zu rücken- dem WC-Rand. Dort sieht's immer aus wie nach dem Urknall, obwohl ich mir den Schöpfungsprozess irgendwie anders vorgestellt habe. Gut, der Mensch ist ein Jäger und Sammler. Aber zwischendurch mal spülen wäre schon ganz schön! Immerhin gab es eine Hundehütte mit Napf im Außenbereich. Wobei es natürlich sehr gefährlich ist, einen leeren Napf bei derart dreckigen Klos öffentlich aufzustellen … Natürlich sind nicht alle Raststätten und Autohöfe schlecht. Im Gegenteil. In Burghaslach könnte man beim Anblick der sauberen Anlage sogar vermuten, dass die Reinigungsfahrzeuge ausgesetzte Hunde gleich mit wegsaugen. Ganz nebenbei: der ADAC hat auch Tiertransportbehälter getestet. Die sicherste Methode ist der Transport einer verschlossenen Box im Kofferraum. Darf man nur nicht dort vergessen, den penetranten Verwesungsgeruch bekommt man auch mit mehreren Duftbäumen nur schlecht wieder weg. Mancher genervte Rimini-Fahrer, der unterwegs keine Pommes-Bude gefunden hat, nutzt übrigens derartige Boxen gerne auch anderweitig … Bei den ADAC-Tests vermisse ich allerdings Angaben darüber, ob man beim Besuch der sanitären Anlagen erst an einem Türklosteher oder an einem Drehkreuz mit Münzeinwurf vorbei muss, um ins Schlaraffenland der Urinale zu gelangen. Manch Autofahrer mit überkreuzten Beinen hat nicht unbedingt die Muße, im letzten Moment noch nach Kleingeld für die Pinkel-Maut zu suchen oder mit dem Klo-Mann zu diskutieren, der zugleich hauptberuflich noch die Funktion eines Türstehers in einer Dorfdisco ausübt und einfach nicht aus seiner Haut kann. Aber vielleicht wird das auch bald überflüssig werden. Angesichts der hohen Kraftstoffpreise wäre es eh angebracht, auf Ethanol-Antrieb umzusteigen. Dann könnte man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, sich auch ein paar Six-Packs als Reiseproviant genehmigen und den leeren Tank selbst voll strullen, wäre halt so `ne Art Öko-Einspritzung. Man bräuchte auch keine gelben Engel mehr, die mühsam Autobahnklos testen müssen. Man ist schließlich dann selbst einer …
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
17.02.2011 21:42
Oh ho ho, da wird ja ordentlich ausgekeilt in alle Richtungen auf sehr intelligenteArt und Weise. Wenn ich mir jetzt auch nicht ganz schlüssig bin, wohin die Reise geht. Was hingegen ich gerade als Frau bermeken möchte, ist gerade die WC Situation in Ländern wie frankreich, Italien, Spanien. Da soll ich also stehend in ein Loch unter mir pissen, meine Füße in ein Abtrittsmuster daneben gestellt. Ich frage mich, wie das technisch gehen soll, ohne beim pinkeln meine Hosenbeine zu bestrahlen. der Türgriff, um sich in einer Hocke festzuhalten, ist meistens so weit entfernt, dass es nicht geht. Und hat mal einer daran gedacht, dass man auch groß muss? Nöh. Und wie das im stehen geht? Es ist schon unglaublich, dass Europa der Welt vermachen will, wie alles geht und außerhalb von Deutscvhland trifft man auf die abartigsten Tois, die Frau sich vorstellen kann. Ehrlich gesagt, ich mache mein gescjhäft in Fra und Spa auf einem rastplatz hinter nem Baum, ich will mir doch nicht die Krätze holen oder im stehen ahah müssen. Dass allerdings beim ADAC kritisiert wird, dass auf Autobahnraststätten kein Kindererlebnisfun ist, auch originell. dafür haben wir zumeist vernünftige Tois. Bh und LG Loewie
13.02.2011 12:02
Wahres amüsant wiedergegeben. :L_)
19.01.2011 08:36
*lach* Neulich las ich von einem Pissoir mit eingebautem Computerspiel, das in japanischen Herrentoiletten eingebaut wurde. Zielt man(n) auf Drucksensoren können Spielfiguren bewegt werden. Nach Deinem Bericht zu urteilen geht es auch billiger und in 3D. Einfach nur auf die Kakerlaken zielen, die bewegen sich dann auch ;-)