Ihr habt es gewußt!
25.12.2011
Pro:
Widerstand
Kontra:
Mitläufer
Empfehlenswert:
Nein
 equimaxx
Über sich:
Lesen gefährdet die Dummheit....
nach 6 Jahren Pause bin ich wieder da! Werde von Zeit zu Zeit ma...
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Schon klar. Es kann keiner sagen, er hätte es nicht gewußt. Alle haben es gewußt. Viele haben sogar mitgemacht, aber was viel schlimmer ist: Alle haben geschwiegen. Keiner hat sich aufgelehnt, oder wenn da doch einer war, der es gewagt hat, sich dagegen zu stellen, wurde er ausgelacht, im besseren Fall, oder sogar gemobbt. Dabei wurde sogar in der Zeitung darüber berichtet, man konnte es gar nicht überlesen. Ich kannte einen, der sich nicht beirren ließ, der Widerstand geleistet hat. Er hat alle boykottiert, die mitgemacht haben, er hat sie angeprangert, immer wieder, er wurde nicht müde, „seht her“, hat er gesagt, „seht doch hin, was hier passiert!“. Als ich ihn kennen lernte, das muß so im Juli oder August gewesen sein, hielt ich ihn einfach für einen etwas seltsamen Vogel, der Geister sieht, wo keine sind. Irgendwann jedoch war mir klar – das war real, dieser Widerstand hatte etwas an sich, etwas eigenes, sich nicht in die formlose Masse einzureihen, sondern sich dagegen aufzulehnen. Mehr noch – dieser Widerstand war notwendig!Und doch - Mein Bekannter ist an seinem eigenen Widerstand zerbrochen. Erst haben sie nur über ihn gelacht, dann bekam er Briefe. Harmlos zunächst, mit freundlichen Einladungen, sich doch zu beteiligen. Dann wurden sie deutlicher, schrieben ihm, er könne sich doch gar nicht entziehen, alle würden doch schon mitmachen. Er sei quasi der Einzige in seiner Nachbarschaft, der sich noch verweigert. Von seinen Nachbarn wurde er schon seltsam angesehen, sie drehten sich um, wenn er auf der Straße war, und selbst gute Freunde wollten ihn nicht mehr mitnehmen, wenn sie auf ihre Streifzüge gingen. Dann, einige Wochen später, kamen die ersten Teams persönlich bei ihm vorbei. Wiederum freundlich zunächst, boten sie ihm Gespräche an, er solle seine Haltung doch noch einmal überdenken. Gern würde man ihm helfen, auf den rechten Weg zurück zu finden. Er müsse sich nur öffnen.Mit der Zeit wurde der Ton rauer. Bei facebook gab es die ersten Einträge über ihn, er fühlte sich permanent beobachtet. Sein E-Mail-Account begann, überzuquellen. Irgendwann ging er nicht mehr an sein Telefon, weil ständig diese Leute anriefen, die ihm unmißverständlich klar machten, daß er mit dieser Einstellung, mit dieser Verweigerung, mitzumachen, in Gefahr geriete. Er wäre selbst verantwortlich, wenn er bald völlig isoliert wäre. Er bekam Angst. Das war der Zeitpunkt, als er beschloß, nicht mehr an die Tür zu gehen, wenn es schellt. Zu groß war die Angst, dort könnten sie wieder stehen, ihn bedrängen, in die Ecke drängen, ihm keinen Ausweg mehr lassen. Den Briefkasten leerte er schon lange nicht mehr, er hatte einfach genug davon. Jeden Tag waren Briefe von ihnen darin gewesen, mal vorsichtig – anfragend, mal auffordernd, er empfand sie mittlerweile als Bedrohung. Den Fernseher und das Radio meldete er ab. Auch eine Tageszeitung war nicht mehr nötig, schließlich nahmen sie auch dort Kontakt zu ihm auf. Die Isolation nahm zu. Tagelang, wochenlang. Es muß die Hölle gewesen sein. Gestern habe ich ihn besucht. Ich hatte mich gewundert, daß seine Fenster verdunkelt waren, und das Schlimmste befürchtet, also brach ich die Tür auf, nachdem ich über Berge von Prospekten in seinem Flur gestiegen war. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Schon Tage hatte er nichts mehr gegessen, getrunken, mit keinem Menschen mehr gesprochen. „Nächstes Jahr“, sagte er, „nächstes Jahr gebe ich den Widerstand auf. Sie sollen ihren Willen bekommen. Nächstes Jahr mache ich mit, von Anfang an. Ich halte das nicht mehr aus, diese furchtbare Einsamkeit“. Ich erschrak furchtbar. Gerade er, dieses Bollwerk der Verweigerung, dieser überzeugte Widerstandskämpfer, dieses Vorbild für mich, ER wollte aufgeben, sich der breiten Masse anschließen?Um dies zu verhindern, gründete ich eine Selbsthilfegruppe, und unser erster Flugzettel erschien: Ich lese Euch mal ein paar Zeilen daraus vor: Flugzettel der Selbsthilfegruppe „Weihnachten ist nah!“ Blickt auf die Aldis und Lidls dieser Welt, die uns schon seit August wieder mit Stollen bedrängen, und natürlich die Spielzeugverkäufer, die die neue PS3 schon im Juli für Weihnachten ankündigen! Leistet Widerstand! Seid fest im Glauben und schließt Euch uns an!Wir glauben weiter daran, daß höchstens eine Frau, niemals aber Geiz geil sein kann, wir wollen nicht geholfen werden, wir helfen uns selbst! Aus Protest essen wir Stollen im Sommer und trinken Glühwein im Freibad! Wir trotzen dem Winter und grillen auch Silvester! Eis gehört in die Eisdiele und nicht auf die Straße! Schnee gehört nach Kolumbien und nicht unter unsere Räder!Kälte soll aus der Klimaanlage kommen, und nicht vom Himmel! Leistet Widerstand! Und behauptet nie wieder: Ihr hättet es nicht gewußt!!!
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06.01.2012 09:00
Bis zu dem Moment, wo es explizit erwähnt wurde, musste ich da unweigerlich an facebook denken...
29.12.2011 14:23
die WEIHNACHTSSATIREN nehmen überdies überall überhand
25.12.2011 20:24
BEHA