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Richtig fahren kann Leben "sparen"

5  17.06.2010

Pro:
großer Sicherheitsgewinn durch Gefahrenbewußtsein und Fahrübungen im Grenzbereich

Kontra:
ist ziemlich teuer, wenn man es selber bezahlen muss

Empfehlenswert: Ja 

thomas_kretschmer

Über sich: Email : Pferdefreund1966@gmx.de Tel. 0157-774 99 143 ( Ausland : +49157-774 99 143 )

Mitglied seit:17.12.2003

Erfahrungsberichte:194

Vertrauende:46

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 90 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wie auch schon an anderer Stelle auf der CIAO-Plattform angemerkt habe ich bei Fahrwettbewerben 1995 (AUDI TROPHY) und 2007 je ein Auto gewonnen, und zwar einen AUDI A6 (bei dem ich die Hälfte aber noch dazuzahlen musste, weil der gewonnene Sachpreis ein anderes Fahrzeug war) und einen OPEL VECTRA CARAVAN.
So sah ich der Aktion „AUTO BILD sucht den besten Autofahrer“ optimistisch und mit großer Spannung entgegen. Allerdings war ich mir im klaren darüber, dass ich als bedächtig fahrender Autofahrer schnelles Kurven und Fahren überhaupt nicht gewohnt bin. Zudem fahre ich durchgängig nur schwach motorisierte Autos, die für sportlichen Fahrstil gar nicht ausgelegt sind.

Die Aktion „AUTO BILD sucht den besten Autofahrer"

Aus allen Bewerbern wurden 1.500 ausgelost, die auf ganz Deutschland verteilt in 30 Vorausscheidungen bestehen mussten. Die 30 jeweiligen Tagessieger zuzüglich 10 „Quotenfrauen“, also 40 Pokalanwärter werden am 03. September in Baden Baden zum Finale antreten, wo es wieder ein Auto zu gewinnen gibt. In der AUTO BILD wird darüber zu lesen sein. Die…
…Fahrtechnikanlage Wüschheim im Hunsrück..

…liegt verborgen im Wald und besteht aus einem Rundkurs für Hochgeschwindigkeit und mehreren Plätzen für Einzeltrainings, Hallen, Garagen, Prüfständen und mehreren Verwaltungs- und Aufenthaltsgebäuden mit Besprechungsräumen usw.
Zunächst musste ich meinen Teilnahmetermin verschieben, weil ich zeitgleich eine Dienstreise hatte. Das klappte problemlos. Die Anfahrtskosten musste jeder Teilnehmer selber tragen, erhielt vor ort dann aber Frühstück, Mittagessen und ein paar Werbeartikel. Außerdem kann die Teilnahme ja einem Sicherheitstraining gleichgestellt werden, dass üblicherweise mindestens 300€ kosten würde. Somit profitiert jeder schon allein durch seine Teilnahme und hat ausserdem eine Gewinnchance, die viel höher ist als bei Preisausschreiben oder Lotterien.
Nachdem festgestellt wurde, dass 10 Teilnehmer unentschuldigt fehlten und sich damit um eine statistisch gesehen erstklassige Gewinnchance brachten ging es um 09 Uhr los. Mehrere Personen nahmen übrigens zum wiederholten Male an dieser Aktion teil, die es seit 20 Jahren gibt.

Einweisung : Ihr seid sowieso schuld

Es wurde das Tagesprogramm bekanntgegeben und jeder Teilnehmer musste eine Erklärung unterschreiben, dass er für grob fahrlässige und vorsätzliche Schäden aufzukommen hat sowie überhaupt an allem schuld ist, wenn’s schief geht und auch keine Ansprüche stellt, wenn ihm in einer Kurve der Kopf wegfliegt. Es wurden die Führerscheine gecheckt und die Mitarbeiter des AUTO BILD-Teams vorgestellt.
Dann wurden die Teilnehmer auf zwei Gruppen verteilt und es ging an die Fahrzeuge.
Wir fuhren fort mit FORD

Das FORD-Werk in Köln hat die Autos gestellt die da wären : FORD KA 69 PS und FORD FOCUS ST 225 PS in Serien-Strassen-Version. Letzterer hatte 6 Gänge, einen 5-Zylinder-Turbosportmotor und fuhr

Bilder von Alles mit R...
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Unsere Autos : der Sport-Focus besitzt Sportfahrwerk, Breitreifen, ESP und einen tiefen Schwerpunkt. Aber auch der KA fuhr sich recht sicher.
auch so schnell wie er aussah…für einen Teilnehmer zuuuu schnell…dazu später mehr.
Morgens um 10 ist die Welt noch in Ordnung

Von 10 bis 13:30 Uhr führten wir probeweise zu zweit die Ausscheidungstests durch, die am Nachmittag –wenn es dann „ernst“ werden sollte- den Tagessieger ergeben sollten. Zu mir stieg „Andreas“ ein und gleich bei der ersten Proberunde brachte er die Reifen zum Schreien. Da wurde mir klar : Mit dem Konkurrenten musst’e rechnen…Andreas war Berufskraftfahrer und fuhr auch privat recht „zügig“, wie er mir mit einem breiten Grinsen gestand. Aha, alles klar.
Insgesamt kamen uns die Testrunden schon stressig vor, weil man wechselweise die beiden Fahrzeuge doch recht rabiat im Grenzbereich bewegte. Das war ziemlich ungewohnt und man musste sich an die fremden Autos ja auch erst mal gewöhnen.
Ein Steuerberater hatte im Parcours einen Blackout und semmelte seinen Sport-FOCUS in die Büsche (siehe Foto). Ergebnis : Flanke aufgeschlitzt, Stoßstange vorne zerrissen, Spur verstellt, Flüssigkeiten tropften auf den Asphalt, Servolenkung ausgefallen. Der „verletzte“ FOCUS schleppte sich mit letzter Kraft noch zur Garage, wo er sofort vom AUTO BILD-Team weggeschlossen wurde, ehe ich noch Fotos von ihm machen konnte. Der Fahrer stieg zitternd aus, hielt sich die Hände vors Gesicht und kämpfte mit seinem Schock.
Aber welch brutale Ausscheidungskämpfe uns dann am Nachmittag erwarten sollten, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht ahnen…
Mittagspause

Nachdem es morgens belegte Brötchen gegeben hatte servierte man uns gegen halbzwei dann Reis mit Dillsauce, Fisch und Salat. Ich habe kaum etwas gegessen, weil ich keinen Hunger hatte und auch sonst zu müde geworden wäre, zumal die Sonne bereits unbarmherzig vom Himmel brannte und die ersten Erschöpfungssymptome spürbar wurden. Einige Teilnehmer waren schon jetzt fertig, verschwitzt, hatten Kopfschmerzen und so weiter.

Und dann wurde es ernst : Einzeltest Nr. 1 – kurbeln, bis das Gehirn wegfliegt

Schließlich wurden die Wettkampfbedingungen bekanntgegeben. In vier Einzelprüfungen, darunter eine Theoretische sollte gesiebt werden…
Meine Gruppe war dazu auserkoren, sofort die Fahrzeuge zu besteigen und den ersten Testparcours zu fahren.
Es war ein Hütchen-Parcours abzufahren, der uns in abgewandelter Form schon vom Vormittag bekannt war. Neu war, dass die Fahrer neben dem Auto stehend eine Stoppuhr auslösen, zum Fahrzeug rennen, einsteigen und sich anschnallen mussten. Dass der halbe Parcours auf nassem und tierisch rutschigen Asphalt verlief war uns schon vom Vormittag bekannt. Am Ende musste das Fahrzeug in einer Pylonengasse (Hütchengasse) sauber abgestellt, ausgestiegen und die Stoppuhr angehalten werden. Erschwerend kam für mich hinzu, dass ich den Parcours morgens noch mit dem Sport-FOCUS gefahren war und jetzt das Ganze mit dem KA wiederholen, also mich umgewöhnen musste.
Die ersten Testfahrer ließen es seltsamerweise recht gemütlich angehen, vor allem die wenigen teilnehmenden Frauen.
Egaaahal – sterben müssen wir alle maaahal…

Dann kam ich an die Reihe: ich knallte mit der Linken den großen roten Stoppuhrknopf, hechtete zum FORD KA. Im Reinspringen griff ich schon nach dem Gurt, welcher sich prompt genauso dämlich verhakte, wie ich das bei anderen Fahrern zuvor belustigt beobachten konnte. Ich knallte den ersten Gang rein und gab gleichzeitig Vollgas und ließ sofort mit durchdrehenden Reifen die Kupplung kommen. Mir war klar, dass man beim richtigen Anfahren Zeit herausholen konnte, wenn die Anfahrdrehzahl hoch war und den Wagen nach vorne reißen konnte. Auf diesen Vorteil hatten die meisten Konkurrenten verzichtet und sind nur mit mittlerer Drehzahl losgefahren.
Den zweiten Gang zog ich hoch bis ca. 60 km/h und musste schon beim ersten Pylon feststellen, dass der KA nicht so gut auf der Strasse lag wie der Sport-FOCUS. Ich riss am Lenkrad, musste die Geschwindigkeit leicht drosseln durch Reduzieren der Gasstösse. Die Reifen wimmerten um Gnade und schrien vor Schmerzen – egaaaal. Sterben müssen wir alle maaal. Es klappte aber ganz gut bis auf die letzte Kurve, die ich zu stark abbremste, weil ich den Druckpunkt des Bremspedales falsch eingeschätzt hatte. Trotzdem : drittbeste Zeit – 48 Sekunden.
Kollege Andreas hatte die beste Zeit – 46 Sekunden. Deeer war gu-huuut…

Einzeltest Nr. 2 – Fragen zum Abgewöhnen

Dann mussten wir im Saal der Fahranlage innerhalb 20 Minuten einen Führerschein-Fragebogen ausfüllen. Die Fragen waren teilweise kniffelig…rot blinkender Pfeil im Andreas-Kreuz ?!?!? HÄÄH ? Nie gesehen…War ich vielleicht froh, dieses grässliche gelbe Teil nur zum Spaß ausfüllen zu müssen…
Einzeltest Nr. 3 : ächz…stöhn…schwitz…Eis-Ersatz „Edelstahl“

Und wieder hatte ich das Pech, diese Übung, die ich am Vormittag mit dem FOCUS schon ganz gut absolvierte jetzt auf dem KA machen zu müssen, während die anderen überwiegend ihr Trainingsfahrzeug hatten : Einfahren in eine Pylonengasse mit frei wählbarer, möglichst hoher Geschwindigkeit, dabei Geschwindigkeitsmessung, anschließend zweimaliges Hindernisausweichen und Vollbremsung. Das ganze auf wasserbesprenkelten Edelstahlplatten, die Glatteis simulierten mit um 85% reduzierter Traktion (Strassenhaftung). Klappte überraschend gut, aber dann patzte ich auf den letzten Metern…ich blieb, nachdem alle Hindernisse erfolgreich umkurvt waren nicht bis zum Stillstand auf der Bremse stehen…peng...keine Wertung ! Null Punkte.
Ich hatte eindeutige Konzentrationsprobleme, denn die Hitze zermürbte alle Teilnehmer zunehmend. Es gab kaum Schatten, keine Sitzgelegenheiten und die enorme Anspannung vor und während der Tests kostete unheimlich viel Kraft.

Einzeltest Nr. 4 : jägermeister-oranger Wahnsinn auf 2 Rädern

Die ultimative Härte kam dann am Schluss : ALLE Teilnehmer fuhren aus Sicherheitsgründen nun nur noch auf dem FOCUS ST Turbo, weil der im Gegensatz zum FORD KA „ESP“, also das elektronische Antischleuderprogramm besaß (Elektronisches Stabilitäts-Programm). Aufgabe : Einfahren in eine Pylonen-Gasse mit möglichst hoher Geschwindigkeit, ausweichen nach links in eine seitlich verschobene Gasse und nochmals nach rechts in eine dritte Gasse, dann Vollbremsung an definiertem Punkt.
Jetzt begann sich das Nervenflattern endgültig auszubreiten. Ein Teilnehmer mit schlechten Ergebnissen fuhr wütend vorzeitig heim, eine Fahrerin würgte ihren FOCUS sechs mal hintereinander ab, stieg heulend aus und ging einfach weg, andere brausten mit Hochgeschwindigkeit und heulendem Fünfzylindermotor nur Zentimeter an wartenden Probanden vorbei…die Nerven lagen blank.
Der Geschwindigkeitsrekord bei dieser Übung lag bei 74 km/h. Wer schneller war bis dato, säbelte unweigerlich die Pylonen um. Ich stellte mir die Frage, ob ich mit hoher Geschwindigkeit auf Risiko gehen sollte. Da aber jeder umgesäbelte Pylon 5 Straf-Kilometer kostete, entschied ich mich für einen Kompromiss. Gewinner war der, welcher die höchste Geschwindigkeit realisierte, ohne Hütchen umzufahren.
Das Anfahren der extrem schmalen Pylonengasse (Hütchengasse) war bei knapp 70km/h schon eine kniffelige Sache. Ich riss das Lenkrad erst nach links, dann noch mal nach rechts und musste mich fest ans Lenkrad krallen, da sich bei dieser Geschwindigkeit sehr hohe Seitenkräfte entwickelten. Zeitweise hob ein Hinterrad vom Asphalt ab.
Jedenfalls erwischte ich in beiden Durchläufen je ein Hütchen – und das bei nur mittlerer Geschwindigkeit…Der Kandidat, der morgens seinen FOCUS versemmelt hatte, kroch geradezu durch diese Übung – wollte offensichtlich kein Risiko eingehen…verständlich. Der Ford FOCUS lag klasse auf der Strasse und bot alle technischen Voraussetzungen für hohe Fahrsicherheit. Mängelursache war also immer der „Faktor Mensch“.
Ergebnis

Ich landete im Wertungs-Mittelfeld auf Platz 25. Beim Führerschein-Test war ich –wie 80% aller Teilnehmer- durch die Führerscheinprüfung „gefallen“. Die Nullpunkte-Aufgabe Nr. 3 warf mich zusätzlich zurück. Und als dann bekannt gegeben wurde, dass es einen neuen AUTO BILD-Rekord bei Prüfung Nr. 4 gibt stand der Sieger fest : Es war der Fahrer, der mit seinem Sport-FOCUS tatsächlich mit 78 km/h durch die drei versetzten Pylonengassen gekracht ist und den bisherigen Geschwindigkeitsrekord um 4 km/h ausgebaut hat. Der muss geflogen sein !!! Bei der Sieger-Ehrung stellte sich dann heraus, dass dieser jener einer ein Amateur-Rennfahrer war, der seit seiner Kindheit Schleuderstrecken sogar mit verbundenen Augen fährt. Gratulation und Applaus.

Fazit : Korn ohne Zorn und ein Bier ohne Zier

Kaum ein Autofahrer ist sich darüber bewusst, was es bedeutet, über eine Tonne Stahl auf Fahrgeschwindigkeit zu beschleunigen und dann plötzlich in eine gefährliche Verkehrssituation zu kommen. Wie tragisch sich rutschiger Asphalt, Eis, ein sich aufschaukelndes Fahrzeug auswirken und wie endlos lang Bremswege mit jeder weiteren Geschwindigkeitserhöhung werden sollte jeder Autofahrer austesten, BEVOR ihm ein Kind vor die Räder läuft ! Gute Reifen, Bremsen und Stoßdämpfer, schnelle, beherzte Reaktionen und ein bischen Erfahrung mit Grenzsituationen bedeuten einen erheblichen Sicherheitsgewinn.
Ich jedenfalls habe meine Grenzen deutlich zu spüren bekommen. Ich war am Abend körperlich total am Ende und so erschöpft, dass ich erstmal ein Bier und ein paar Korn kippte, bevor ich in mein Auto stieg und nach Hause fuhr *grins*.

Danke für’s Lesen, Kommentieren und Werten und allzeit gute Fahrt wünscht Euch Euer Thomas.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Fifima

Fifima

12.07.2011 23:56

Nach einem Jahr kommt dann auch meine Bewertung hinterhergezuckelt, damit dieser Bericht mal Platz auf meiner Wartebank macht...

TumblingDice

TumblingDice

06.08.2010 20:25

erstaunlich, dass noch 20% die theoretische Prüfung bestanden hätten. Waren bestimmt Fahranfänger...

Ringer93

Ringer93

24.07.2010 20:10

bg

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