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Kein Nachruf

1  13.01.2005

Pro:
wir haben ihn begleitet

Kontra:
er hat uns verlassen

Empfehlenswert: Nein 

*Master

Über sich: Ich bin der mit dem blauen T-Shirt ; das fellige Etwas war Djamal, gest. 25.12.2004 ...

Mitglied seit:16.02.2000

Erfahrungsberichte:21

Vertrauende:33

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Nein, eher ein kleiner Abschiedsversuch.
Die letzten drei Wochen mit Djamal unserem Hund.
Djamal war ein afghanischer Windhund; ein Hund, vom Wesen her eher wie eine Katze: Er gab nicht „Pfötchen“, „Sitz“ machte er nur, wenn wir ihm ein kleines Leckerli anboten. „Bei Fußgehen“ war überhaupt nicht sein Ding. „Platz“ war ein Befehl, der ihm überhaupt nicht gefiel, weil „Platz“ machte er da -und dann- wenn er dazu Lust hatte.

Kurz und Gut: Er war eine eigene Persönlichkeit.

Am Freitag, 03.12.04
sitze ich morgens am PC und lese meine Emails, da knallt die Tür gegen die Wand und ich erschrecke und schreie: Djamal, geht das nicht etwas leiser?
Ich dachte, er hätte irgendetwas umgeschmissen, weil er was suchte.
Als ich mich umdrehe, sehe ich ihn auf der Seite liegend hinter mir.
Sein Blick ist auf mich gerichtet und ich denke: „Da stimmt was nicht.“ Ich stehe auf und gehe zu ihm.
„Was hast Du??“ „ Komm steh auf.“ Ich versuche ihn etwas anzuheben und er gibt ein nie gehörtes Jaulen von sich.
Was ist los, was hat er, warum steht er nicht auf???
Ich prüfe wie er liegt, bemerke sein schweres Atmen, fühle an seinem Bauch wie sehr sein Herz schlägt und versuche ihm beruhigend zuzureden.

Aber was soll ich tun? Irgendwo in seinem Hundezimmer muss die Telenummer von seinem Tierarzt sein. Ich laufe in das Zimmer und suche und suche und da kommt Djamal an mir vorbeigetaumelt und legt sich auf seine Matratzen.
Mhm. Geht es ihm besser??
Ich setze mich zu ihm und streichele ihn, rede mit ihm.
Er liegt da, den Körper an die Wand gelehnt, sieht mich an und hechelt schnell.
Mir gehen alle möglichen Gedanken durch den Kopf: Soll ich sein “Frauchen“ bei der Arbeit anrufen? Wie fühlt sich die Schnauze an? Sind seine Augen klar? Stirbt er??

Tja, und dann steht er auf und „wackelt „ ins Wohnzimmer und legt sich aufs Sofa.
Ich bin erleichtert, denke, dass er sich vielleicht was verdreht hat und beschließe den Tag abzuwarten und dann abends mit seinem Frauchen das zu besprechen.

Ich gehe wieder ins Arbeitszimmer und sehe, das Djamal das erste Mal, solange ich ihn kenne in die Wohnung gekackt hat. Während ich das Malheur beseitige, überlege ich was es sein kann, dass der Hund so etwas macht. Ein Hilfeschrei??

Als sein Frauchen nach Hause kommt, schildere ich ihr in abgeschwächter Form den Vorfall und meine, dass wir mal guggen wollen, ob er mit uns rausgeht zum „Gassimachen“.

Kurze Rede - langer Sinn, er humpelt, bewegt sich äußerst langsam und vorsichtig und wir beschließen sofort zum Tierarzt zu fahren.
Dort geht sein Frauchen mit ihm zur Untersuchung und wir bekommen ein Schmerzmittel für ihn und die Aufgabe zu beobachten, wie sich sein Zustand bis zum kommenden Montag entwickelt.

Am Montag, 06.12.04
fahren wir wieder zum Tierarzt, weil Djamal noch immer humpelt, er scheint zwar schmerzfrei zu sein, aber es ist nicht mehr der Djamal, wie wir ihn kennen.
Der Tierarzt empfiehlt eine Röntgenuntersuchung, der wir sofort zustimmen.
Wir lassen unseren Kranken da und hoffen in 2 Stunden ein positives Ergebnis zu erfahren.

Das Ergebnis ist, das Djamal vom Knochenbau her gesund ist, aber: sein Herz, es ist übergroß, behindert andere Organe usw.
Ich habe noch nie ein Röntgenbild von einem Hund gesehen, aber dieses große Herz auf dem Bild verdrängte alles, was um ihn herum war und macht mir Angst.

Ein Herzmittel sollen wir im zukünftig geben, und sehen, wie er sich die nächsten 4 Wochen entwickelt.

Na, dass war was: ab sofort bekommt Djamal 2 mal am Tag eine Pille. Diese wird immer in feinster Leberwurst versteckt und wir glauben, dass es ihm gut bekommt.

Jeden Tag beobachte ich ihn, prüfe ob irgendetwas Ungewöhnliches mit ihm ist, ob er hinkt, ob er plötzlich hechelt, wie sein Stuhlgang ist.
Aber, es ist phantastisch, er frisst auf einmal wie ein Scheunendrescher, säuft wie ein Loch und liegt am liebsten auf dem Sofa in seiner Lieblingsstellung: Auf dem Rücken und alle vier Beine von sich gestreckt.

Beim Spazierengehen zieht er mich den Berg rauf, tollt mit anderen Hunden rum und ich bin glücklich.
Man hat ja schon schlimmste Sorgen gehabt. Man wusste nicht, ob er diesen Winter noch übersteht. Man hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet.

Eine Woche vor Weihnachten habe ich stolz wie Oskar noch eine 10 Kilo Tüte Hundefutter gekauft, weil so wie Djamal jetzt herumtollte, musste der noch einige Jahre vor sich haben. Mit mir. Mit seinem Frauchen. Mit uns.

Am ersten Weihnachtstag um 11:55 Uhr,
ich will gerade etwas zum Mittagessen zubereiten, kommt Djamal wie üblich in die Küche marschiert und erbettelt ein Stückchen Leberkäse.
Er geht wieder raus, Richtung Wohnzimmer und ich höre plötzlich meine Freundin rufen: „Komm her. Djamal hat irgendwas.“
Sein Frauchen steht da und hält den Hund fest, der anscheinend gerade zusammenbricht.
Sofort bin ich da, nehme Djamal und lasse ihn langsam auf seinen Teppichläufer sinken.

Wissen Sie wie das ist, wenn Ihr Tier Sie verzweifelt ansieht??
Ich streichel ihn, sage ihm, dass alles gut wird und weiß doch, dass es wohl Zuende geht.
Djamal schreit, einlanggezogener trauriger Schrei, ich bin verzweifelt, flüstere ihm ins Ohr, das wir bei ihm sind, dass er keine Angst haben muss.
Ich sehe wie er sich einnässt, wie er hechelt, sein ganzer Körper bebt und noch einmal schreit er auf.
Inzwischen hat sein Frauchen mit dem Tiernotarzt telefoniert und wir fahren los, Djamal im Kofferraum, denn vom Rücksitz hätte ich ihn nicht mehr hochheben können, Frauchen auf dem Rücksitz dem Hund zuredend und streichelnd und ich am Lenkrad.
Bei Notarzt trage ich Djamal auf den Behandlungstisch, wie schildern dem Arzt kurz die Umstände und der Tierarzt sagt uns, dass er sehr besorgt ist wegen des Herzrasens.
Djamal bekommt eine kreislaufstabilisierende Spritze und wir die Empfehlung ihn schnell nach Hause zu fahren, und ihn im etwas abgedunkelten Raum zur Ruhe kommen zu lassen, sollte es sich verschlechtern, dann sollten wir eine Tierklinik aufsuchen.

Wir fahren wieder zurück, kurz vor unserem Dorf, gibt es einen Weg, an dem Djamal immer gerne mit uns spazierenging, jedes Mal, wenn wir dort langfuhren stand er im Auto und wollte raus; selbst jetzt, versuchte er instinktiv sich zu erheben, noch einmal spazieren gehen.

Zuhause angekommen hebe ich Djamal aus dem Auto, trage ihn in sein Zimmer.
Auf seiner Matratze liegend beobachtet er mich, sein Atmen ist noch immer so schnell. Ich rede mit ihm und weiß es ist wohl unser letztes Zusammensein.
Wir sind bei ihm, streicheln ihn und versuchen zu sehen, was er gerade sieht: Sein Blick ist nach „Irgendwo“ gerichtet.
Er hat anscheinend keine Angst.
Angst haben sein Frauchen und ich.
Ich klammere mich an den letzten Strohhalm und rufe in der Tierklinik an um Djamal dort vielleicht wieder gesundmachen zu lassen.
Das Telefon klingelt, die Tierklinik meldet sich und in dem Moment ruft meine Freundin“ Er ist Tod!! Ich glaube er ist Tod.“

Ich versuche dem Doktor am Telefon zu sagen, dass es sich erledigt hat und gehe wieder zu Djamal und seinem Frauchen.
Es ist nur noch Djamals Körper da. Er ist fort.
Es ist 12:55 Uhr

Wer mag kann unter www.thazi.de ein wenig von Djamal sehen.
Die Nachrufseite ist aber noch nicht da

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
larshermanns

larshermanns

15.05.2005 16:55

...

Zwergimama

Zwergimama

01.02.2005 17:50

Einfach nur ganz arg traurig...

BabyBloxberg

BabyBloxberg

28.01.2005 17:10

Die Trauer und die Tränen sind wohl der Preis den man für das schöne Gefühl, von einem Tier geliebt zu werden bezahlen muss... wunderschön geschrieben, ich glaube, Djamal war sehr glücklich bei Euch... Gruß Barbara

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