Sperrmüll für Idealisten
21.07.2008
Pro:
Schnäppchen . . .
Kontra:
. . . die man aber mühsam suchen muss
Empfehlenswert:
Nein
 MissVega
Über sich:
Die Welt macht dem Menschen Platz, der weiß, wohin er geht.
Mitglied seit:28.02.2007
Erfahrungsberichte:538
Vertrauende:109
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 68 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es ist schon erstaunlich, wie viele alte Bräuche und Traditionen sich bis in unsere (Neu)Zeit halten, wohingegen simple Tugenden wie z. B. nicht mit vollem Mund sprechen oder Hosen nicht auf Kimme tragen fast ausgestorben scheinen. Entweder wird man mit Nahrungsbrocken bespuckt oder man erhält sehr unfreiwillige Einblicke in die mittig gelagerte Rückseite von Menschen, die es offensichtlich (Männlein wie Weiblein) schick finden, wenn jeder weiß, dass sie auf Unterwäsche verzichten und einem somit Aussicht auf meist fahle halbe Hinterteile samt Kimme gewähren. Aber ich schweife ab… …Obwohl, gar nicht mal, wenn es um den allgemeinen Ekelfaktor geht. Denn alleine das Wort "Flohmarkt" hinterlässt ja schon so ein diffuses, juckendes Gefühl. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir sowohl die Wortschöpfung als auch das "Event" an sich den Hochwohlgeborenen anno fuffzehnhundertirgendwas zu verdanken haben. Da haben die Adligen die ungewollten Puffhosen und Brokatjäckchen, die zerrissenen Mieder und langen Winterschlüppis aus dem saisonalen Kleiderschrank gezupft und den weniger Begüterten als huldvolle Gabe anheim gestellt. Heute haben wir für solche angemuffelten und verschmähten Textilien diese grünen Müllcontainer, auf denen seltsamerweise "Kleiderspenden" steht. Sei's drum, durch die Weggabe der ranzigen Stoffgebilde wechselte auch der ein oder andere adlige Floh den Besitzer und musste sich nun an verwarzte Unterschichtler hängen. Tja, mit Hygiene hatten sie es alle nicht so im Mittelalter.Flohmärkte gibt es immer noch, allerdings wurde das vormals nur aus Kleidern bestehende Sortiment gewaltig aufgestockt. Somit findet sich auf diesen Märkten heutzutage alles, von dem der momentane Besitzer meint, es lasse sich noch der ein oder andere Euro damit verdienen. Die bei ebay wollten den Schrott zwar noch nicht mal ins Sortiment aufnehmen, aber das macht ja nix, irgendein Dummer wird sich schon finden für die Videokassetten von 1981, das halb zertrümmerte Puppenhaus und das aus 23 verschiedenen Teilen bestehende Edelstahlbesteck, dass man in der Kantine zusammengeklaut hat. Ich verstehe diese ganze Flohmarkt-Kultur nicht, wenn ich ehrlich sein soll. Ok, das Argument, dass da Leute kaufen, die ganz wenig Geld haben und dringend einen Liegestuhl / mottenzerfressenen Schal / ockerfarbene Schuhe mit schwitzigen Einlegesohlen brauchen, lasse ich noch gelten. Obwohl die mittlerweile auch zum Roten Kreuz abgewandert sein dürften oder immer noch kopfüber in den grünen Containern stecken und verzweifelt den zweiten Schuh suchen. Aber der zweiten und dritten Kategorie (Sammler und Fanatiker) stehe ich mit sorgsam in Falten gelegter Stirn gegenüber. Das können doch nicht alles Messies und Irre sein.Die Motivation der Verkäufer kann ich ebenfalls noch - bei großzügig ausgelegtem Verständnis - nachvollziehen. Die entrümpeln halt wahlweise Dachboden oder Keller, kippen den ganzen Plunder auf eine Wolldecke oder einen wackeligen Tapeziertisch und setzen sich mit ner Thermoskanne Kaffee mit Schuss und einem mehr oder weniger guten Buch auf einen Klappstuhl und hoffen einfach mal das Beste. Vielleicht finden sich ja ein paar Idioten, die einem den Schrott aus zwei Dekaden (und das müssen nicht zwingend die letzten beiden sein) abkaufen, so dass man nicht extra die Jungs von der Sperrmüll-Abfuhr anrollen lassen und saftige Gebühren dafür zahlen muss. Wobei natürlich der Gewinn meist nicht in Relation zu Aufwand und Standgebühren steht. Wenn man Glück hat, geht man leicht angetüdelt, mit zwei Kartons weniger und + 3,50 nach Hause. Wenn man Pech hat, regnet es, man muss vom Kaffee nur auf Klo und verkauft noch nicht mal die hässliche orange Glasklumpen-Lampe mit braunem Tonfuß, die geschätzte 30 kg wiegt. Was treibt nun aber die Kategorien zwei und drei zu ihrem seltsamen Verhalten? Ich weiß es nicht, aber die Sammler tauchen in meiner Wahrnehmung immer nur tief gebückt auf, wie sie von Warenauslage zu Warenauslage pirschen, mit der Lupe im Anschlag und auffällig versuchen, unauffällig zu wirken. Sie haben 7,50 im Portemonnaie, aber vorsichtshalber noch 1.000,- in der rechten Socke, man weiß ja nie, ob einem nicht doch noch Meißener's Suppenschüssel von 1824 vor die Lupe klappert. Was natürlich nie passiert. Und wenn doch, dann kostet die auch 1.000,-, somit hat sich der Flohmarkt-Sinn für den Sammler eh erledigt, da könnte er nämlich auch - ohne Rückenschmerzen zu bekommen - ins nächste Antiquariat pilgern.In der Regel findet sich nämlich auf Flohmärkten nur Mumpf. Und diese Second-Hand-Klamotten-Geschichte finde ich einfach partiell bäh. Die meisten Sachen sind schreiend hässlich und uralt und irgendwie habe ich das Gefühl, dass man diesen typischen Flohmarkt-Müffelgeruch nie ganz rausgewaschen bekommt. Das riecht immer ein bisschen nach tote Oma und Mottenkugeln. Und sie werden fast ausnahmslos nur in absoluten Unfarben angeboten, von eitergelb bis hin zu rotzgrau. Und warum genau sollte ich gebrauchte Schuhe einer mir unbekannten Person kaufen? Da schlägt doch jeder Hautarzt die Hände über dem Fußpilz zusammen. Und was genau will ein erwachsener Mann mit einer ganzen Tüte voll von Nylon-Strumpfhosen, die er sich für fünf Euro gekauft hat??? Aber vom Hygienischen mal abgesehen…und somit kommen wir zur dritten Kategorie, den Fanatikern, wer um Himmels willen lädt sich die Taschen regelmäßig mit dem Tand voll, der auf allen Flohmärkten angeboten wird? Und damit meine ich nicht die 50er Packung Batterien oder die "Original"-DVDs oder Mehrfachsteckdosen, die alle von irgendwelchen Lastern gefallen sind. Wer kauft diesen ganzen anderen Schrott? Das hässliche Plastik-Puppengeschirr in grün mit braunen Tupfen drauf, dass schon bei der Verkäuferin für traumatische Kindheitserinnerungen gesorgt hat. Die zerknitterten, befleckten und welligen Schundromane, die Saftpresse mit Wackelkontakt von 1974, die Puzzles, wo grundsätzlich 1 bis 16 Teile fehlen, verrostete Taschenmesser, angeschlagenes Geschirr, das natürlich nie vollzählig ist, unbeschreiblich hässliche Blumenvasen, alte, ausgeleierte Ledergürtel, verstaubte Plastikblumen, Gesellschaftsspiele, die schon lange keine Gesellschaft mehr gesehen haben, eingedellte Vogelkäfige, mit den Füßen bestickte Lampenschirme, kaputte Schlitten, verkalkte Kaffeemaschinen, Kalender von 1991 (???) und Kartenspiele, wo alle Asse fehlen - wie signifikant. Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen, aber dadurch wird's ja auch nicht besser. Keine Ahnung, warum man so was haben muss oder will, ich begreife es einfach nicht. Oder wird das am Ende gar nicht verkauft und landet bis in alle Ewigkeit immer wieder im Keller des Besitzers? Man denkt nur, die Leute kaufen so was, tun sie dann aber gar nicht… Muss ich noch mal drüber nachdenken.Wie auch immer, dieser ganze Floh(markt)zirkus bleibt suspekt und unrentabel für mich. Für Verkäufer zuviel Aufwand, zu wenig Gewinn, phasenweise unendliche Langeweile und dann muss man auch noch mit irgendwelchen Idioten um einen Preisnachlass von 50 Cent feilschen. Für Käufer die Suche nach dem einen Gegenstand, den sie in 90% der Fälle doch nicht finden, aus Frust aber etwas anderes (abscheuliches) kaufen und somit noch mehr Gerümpel in der Bude stehen haben. So, ich geh jetzt mal in meinem Pippi-Langstrumpf-Buch blättern. Als ich das Cover gesehen habe, hatte ich einen Nostalgie-Flash. Das gleiche Buch hatte ich früher nämlich auch. Dies hier hab ich letztens ganz günstig gekauft… auf dem Flohmarkt. Müffelt zwar ein bisschen, aber hey, es ist Pippilotta-Rolgardina-Pfefferminza-Ephraims-Tochter-Langstrumpf. Und ich hab's nicht gesucht, sondern ganz zufällig da gefunden…
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
21.08.2008 04:17
Och naja so übel find ich solch Flohmärkte garnicht. Bei uns gibts z.B. einmal im Monat einen auf einem riiiesigem Realmarkt Parkplatz, da stöber ich scho mal gern bisle rum =) Klar wird da auch ne Menge Ramschzeugs angeboten das keiner wirklich brauch oder wo keiner weiss wo es wirklich herstammt, hab aber dennoch meine Freude dran :P Gruß Fischi ><((°>
13.08.2008 17:15
Gesellschaftsspiele *räusper* ... ich ... *hust* ;-)
09.08.2008 13:29
Ich war vor Jahren mal auf nem Flohmarkt, und auch nur, weil ich dachte, dort bietet jemand Sachen an, die uns geklaut worden sind - aber leider haben wir unseren Kram nicht mehr wiedergefunden, dafür aber jede Menge alte Vorwerk-Staubsauger, die jemand an der Haustür wohl nicht losgeworden ist. und es jetzt auf diesem Weg probiert hat.