Trennung

4  15.10.2001 (28.02.2002)

Pro:
immer mit offenen Karten spielen

Kontra:
Angst

Empfehlenswert: Ja 

Dr.Gaga

Über sich:

Mitglied seit:22.09.2000

Erfahrungsberichte:173

Vertrauende:55

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 195 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Liebe Leser!

Ich möchte heute gern über ein Thema schreiben, das doch recht unangenehm ist. Gestern habe ich mich von meinem Mann getrennt. Gründe für diese Entscheidung gab es mehrere. Heute einen Tag danach fühle ich mich einfach nur erledigt. Den Zustand kann man schwer beschreiben. Aber es ist keine Trauer. Vielleicht fällt jetzt alle Anspannung von mir ab. Seit Wochen habe ich mich mit diesem Gedanken herumgetragen. Aber ich muss auch dazu sagen, dass ich aus verschiedenen Gründen auf den richtigen Zeitpunkt warten wollte.

Mir ist auch klar geworden, dass man nur mit eindeutigen Worten zu diesem Schussstrich kommt. Oft ist es so, dass der Partner das gesagte nicht wahr haben will. Selbst das habe ich erlebt. Ich bin aber absolut nicht der Mensch, der nur wegen dem Familienzusammenhalt so weiterlebt. Ich schildere mal, wie man sich fühlt, wenn man solch einen Schritt tut. Vorausgehend muss ich noch sagen, dass ich ca 18 Jahre mit diesem Mann zusammenlebte. Das ist eine lange Zeit, die nicht von Höhen und Tiefen verschont wurde.


Ein Mann, der nicht viel redet, nicht auf meine Probleme eingeht und lieber zu Hause ist. Ich begann mit der Zeit auch seine Probleme nicht mehr ernst zu nehmen, denn warum auch. Ich erfuhr das ja auch schon jahrelang. Ich sagte einmal zu ihm, dass die Luft raus sei und ich Dinge für mich machen möchte. Ich stiess dabei auf harte Kritik. Hat mir aber nichts ausgemacht, denn ich wollte unbedingt etwas in meinem Leben ändern. Er sicher nicht. All die Jahre habe ich mich immer wie im goldenen Käfig gefühlt. Wisst ihr wie das ist, wenn man von Liebe erdrückt wird? Ich sagte mal zu ihm ---- Ich bin irgendwann nicht mal mehr in der Lage einen Parkscheinautomat zu bedienen ---- . Wenn man nichts allein machen kann, verkümmert man. Es ist ein grässlicher Zustand. Man traut sich nicht etwas zu sagen, weil man Angst hat, den Partner zu verletzen.

In der letzten Zeit habe ich mich dagegen gewehrt, weil ich das nicht mehr wollte. Dann entstanden grosse Spannungen. Es kam zu ewigen Diskusionen und mir wurde immer mehr klar, dass ich so nicht mehr weiter machen will. Dann begann eine sehr schwierige Zeit für mich. Ständig bekam ich Vorwürfe zu hören. Keine Nacht schlief ich mehr durch und essen wollte ich auch nichts mehr. Ich habe gemerkt, wie die Luft überall im Haus immer dicker wurde. Regelrecht zum ersticken.

Man lief aneinander vorbei ohne ein Wort . In letzter Zeit bin ich meinem Mann immer aus dem Weg gegangen, bin oft stundenlang lieber weggeblieben, nur um nicht mit ihm reden zu müssen. Ich sag euch nur eins, je länger man seinen Entschluss vor sich her schiebt, desto unerträglicher wird die ganze Sache.

Gestern war es dann endlich so weit. Drücken in der Magengegend, dann noch mal ne Zigarette und los gings. Die Knochen haben gezittert. Das war Angst, denn wenn eine Frau sich entschliesst, ihren Mann zu verlassen ist es für sie sicher viel schwerer. Männer können ja auch gewalttätig werden oder komplett ausrasten. Mein erster Satz----Ich trenne mich von Dir----Das ist entgültig. Puhhhh. Geschafft. Dann wurde es besser und ich sagte noch einige Dinge und musste auf Fragen eine Antwort finden.

Ich habe bei dieser ganzen Unterredung meine 14 jährige Tochter einbezogen. Kinder in dem Alter sind oft sehr vernünftig. Warum sollte ich sie belügen. Sie hat die Sache gut verdaut und darüber bin ich sehr froh. Heute geht es ihr gut. Bei vielen Dingen hilft einfach nur reden und das hat geholfen. Kinder wollen einbezogen werden, sie sind viel mehr enttäuscht, wenn man dies nicht tut.

Die Reaktion meines Mannes ging viel besser aus als ich dachte. Kein Brüllen oder sonstige Ausraster. Er hat schon was vermutet. Ja, ich sag euch ganz ehrlich---ich bin sehr froh, dass es vorbei ist. Nun freue ich mich auf die vielen neuen schönen Dinge, die da kommen werden. Es gibt aber noch genügend Probleme, die mit der Zeit gelöst werden müssen. Aber wer diesen Schritt geschafft hat, kann auch all die anderen schaffen.
Meine Bewertung bezieht sich darauf, dass man eine Trennung nicht herausziehen sollte, wenn man sich ganz sicher ist.


Herzlicht
Kerstin


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Ludgerus21

Ludgerus21

01.03.2002 00:23

Du hast sicher das absolut Richtige gemacht. So wie Du es geschildert hast, hatte ein Zusammenbleiben keinen Sinn mehr. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Man muss dann einfach besser den Schlusstrich ziehen, als sich endlos zu quälen. Eine Freundin von mir trennt sich jetzt schon seit 18 Monaten von ihrem Mann ... und ich als ihr Vertrauter muss sagen, dass mich das ewige Lamentieren allmählich nervt. Liebe Grüße, Ludger

Wanduhr

Wanduhr

30.11.2001 10:30

Hallo Kerstin, ich habe mir Deinen Bericht durchgelesen und muss sagen; dass Du die richtige Entscheidung getroffen hast. Ich habe mich vor drei Jahren von meinem Mann getrennt - sind jetzt seit einem Jahr geschieden -, die Zeit danach war schwer; aber ich fange wieder an zu leben und das ist gut so.... Ich wünsche Dir wirklich für Dein "Neuen Anfang" alles Gute ganz herzliche und liebe Wünsche Wanduhr (Heike)

Headhuntaz

Headhuntaz

30.11.2001 09:05

Deine Tochter hat das also mit 14 erlebt? Scheint bei jedem ein beschissenes Alter zu sein... ich würde das nicht einfach so wegstecken und ich glaube, ich würde dagegen einfach rebellieren... Liebe Grüße Matthi

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