Terror in Madrid
11.03.2004
Pro:
?
Kontra:
Alles
Empfehlenswert:
Nein
 fania
Über sich:
Mitglied seit:18.10.2001
Erfahrungsberichte:199
Vertrauende:71
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 84 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mein Bericht, den ich heute abend einstellen wollte, ist fix und fertig, bereit zum Einstellen -bezeichnenderweise zum Film „Zurück nach Cold Mountain“ in dem es um die Unsinnigkeit des Tötens geht- und dennoch muss er warten. Ich möchte heute nicht einstellen, wie ich es sonst jeden Donnerstag tue. Keine Normalität. Einmal nicht. Heute könnte ich es einfach nicht. Die Welt schaut mehr oder weniger schockiert nach Spanien, wieder einmal wurde die „zivilisierte“ Welt von einem terroristischen Anschlag erschüttert mit dem niemand gerechnet hat, rechnen konnte, vielleicht auch einfach nicht rechnen wollte. Kann man mit ständiger Angst vor Anschlägen auch eigentlich leben?Was mir jetzt extrem auffällt, ist dieses abgestumpft sein der Menschen, seit jenem einen Tag im September. Dem 11. September als Jeder, der irgendwie konnte zuhause saß, weinte und trauerte, die Programme ihr normales Programm einstellten und nur noch berichteten. Zu viele Tote, die Angst danach, die Angst vor dem Terror, vor dem Sterben und die Angst vor dem Krieg. Gesprächsthema bis heute, ein Moment, der wohl jeden von uns stark beeinflusst hat. Ein Ausnahmetag, ein Datum, das jeder mit Gewalt und Schrecken, Terror und Tod verbindet, aber auch ein Datum, das die Welt veränderte. Heute schaue ich durch die Programme, Normalität. Da erfreut man uns mit Banalitäten der Stars und Sternchen, mit Musikvideos und täglichen Serien, Krimis, ab und an durchbrochen von einem kurzen Nachrichtenflash mit den neusten Theorien oder einer Sonderberichterstattung. Bis jetzt 190 Tote! 190! Über 1200 Verletzte! wovon noch zahlreiche vermutlich sterben werden, auch wenn ich bete, dass dies nicht der Fall sein wird. Madrid und ganz Spanien im Ausnahmezustand! Chirurgen dringend gesucht, Bluspenden benötigt, Gottverdammichnochmal reicht das nicht, diese verdammte Normalität einmal sein zu lassen?!? Wieviel mehr Tote braucht es denn noch? Wo fängt es an, dass es irgendjemanden berührt, die Geschichte jener Menschen und ihres Todes? So stark berührt, dass man zumindest einen kurzen Augenblick inne hält im Alltag? Waren die Toten damals mehr wert, mehr Achtung und Aufmerksamkeit wert, als die Toten jetzt? Ist der Tod und der Terror so normal geworden, alle so abgestumpft, dass es gar keinen mehr interessiert oder so uninteressant, dass man seine gewohnte Routine nicht aufgeben will? Oder aber war der 11. September ein solcher Schock, dass daneben jeder andere Terror untergeht, kleiner und unbedeutender erscheint? Verdrängung der Angst, der Trauer und der Versuch damit zu leben? Woran liegt es, dass der Alltag nicht einmal hierfür unterbrochen wird? Ich weiß es nicht, ich bin traurig, ich bin wütend und ich stehe immer noch unter Schock, glaube ich. Mit der Angst leben, der Trauer und der Wut und damit umgehen, dass will ich, aber abstumpfen und es Normalität werden lassen, zu unwichtig um den Alltag sein zu lassen, das will ich nicht und werde ich nicht. Ich bin verwirrt, ich bin traurig und ich bin schockiert, doch wirklich machen kann ich nichts, außer hierzusitzen und zu schreiben, zu wenig.
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19.03.2004 14:33
Man stumpft in der Tat ab, auch der anderen Seite braucht man das auch, um nebenher einfach noch sein eigenes, normales Leben leben zu koennen. Ich kenne das aus Erfahrung. Fuer mich gehoert es inzwischen, zum normalen Berufsalltag, Verletzte aus Terroranschlaegen zu sehen und ich habe mich einfach dran gewoehnt. Die ersten, die ich sah, waren die Opfer vom Bombenanschlag auf die Kaserne in Kuwait, da hat es mich wirklich noch geschockt.
17.03.2004 20:11
Da fehlen einem echt die Worte. Ich bin immer noch fassungslos, man will es noch gar nicht glauben :-(
17.03.2004 20:10
Was ich besonders erschreckend finde ist, das der Terror immer näher kommt.