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1  08.05.2004

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Sweetgirl19

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Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:34

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 132 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es schmerzt uns tief im inneren, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren. Manchmal ist es nur ein leichter Schmerz, und manchmal ist er so gewaltig, das wir unter seiner last verkümmern, zusammenbrechen, so massiv, das wir im Grunde gleich mit Sterben. Der Tod hat für uns etwas endgültiges, er setzt dem Leben ein ende und was dann mit uns geschieht liegt in ungewissen. Diese Unwissenheit erfüllt uns mit Angst, diese Frage "was kommt danach?" beschäftigt einen und dinge die wir nicht kennen, machen uns zuweilen nun einmal Angst. Der Tod ist überall um uns herum, er hält sich nicht fern von uns oder unserem Umfeld, und dennoch versuchen viele ihn <Tot> zu schweigen. Wenn man über etwas nicht redet, nicht nachdenkt, dann kann auch gar nichts passieren. Das ist kein Thema, das man so einfach beim Mittagessen beredet oder über das man einfach so irgendwo anschneidet. Es ist kein Thema, das man überhaupt ansprechen möchte.

Aber wenn es einmal zum Thema wird, ist es eins, das nur im Sande verlaufen kann, denn Antworten auf unsere fragen bekommen wir nicht, egal wie lange wir darüber Diskutieren, egal wie intensiv. Es gibt viele Vermutungen, viele Wege, den Tod in etwas Greifbares zu verwandeln, in etwas, vor dem wir uns nicht mehr allzu sehr Ängstigen brauchen. Aber mit Bestimmtheit werden wir es erst wissen, wenn es so weit ist, und wir aufhören zu Leben.

Aber bis es so weit ist, hat jeder unterschiedlich viel Zeit zum Leben vor sich, und während dieser Zeit machen wir viele unterschiedliche Erfahrung mit dem Tod in unserem Umfeld. Jeder kommt früher oder später irgendwie mit ihm in Berührung und muss lernen, damit umzugehen. Es ist meines Erachtens kein Zeichen von Schwäche, wenn man die last des Verlustes nicht tragen kann - es zeigt nur, wie sehr einem die Person am Herzen gelegen hat. Trauern ist wichtig, und man sollte solange wie es eben dauert, Trauern dürfen.

Niemand anderes als man selbst hat darüber zu entscheiden, wann der Richtige Zeitpunkt gekommen ist, zum Alltag zurück zu kehren. Damit möchte ich nicht sagen, dass es richtig ist sich dem Leben zu entziehen, aber es muss auch nicht Falsch sein. Man kann nicht einfach weiterleben, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Es erfordert einfach seine Zeit, dieses Ereignis zu verarbeiten. Denn mehr kann man nicht. Dieser Schmerz wird immer ein Teil von einem sein, man kann nicht darüber hinweg kommen, und wer würde das auch schon wollen? Darüber hinweg kommen hieße für mich, vergessen.

Man sollte sich nicht seines eigenen Lebens Schuldig fühlen. Es ist nicht Falsch, das man trotz allem seine Freude am Leben hat, es ist sogar richtig, denn im Grunde müsste man jetzt doppelt Leben um den Verlust wieder gut zu machen. Doch im Grunde kommt es auf einen selbst an, was richtig oder falsch ist, denn Trauer ist etwas Persönliches - wie das eigene Leben.

Der Tod ist nicht zu verstehen, es wird nie klar werden, warum manche Menschen so jung Sterben müssen und andere ein Jahrhundert von Jahren hinter sich lassen. Man kann ihn nur akzeptieren, denn er gehört zum Leben dazu, und wenn wir in ständiger Angst vor dem Sterben sind, wie sollen wir dann noch Atmen können?

Niemand weiß wie der Tod ist, aber wir sehen ihn als etwas schlimmes an, nicht nur, weil wir nicht wissen, was danach ist, sondern und ich denke vor allem, weil er uns geliebte Menschen nimmt und damit auch immer einen Teil von uns selbst. Menschen, ohne die wir uns kaum vorstellen können weiter zu leben. Und das macht ihn zu etwas Grauenhaften.

Wenn ich an Beerdigungen denke, dann ist er etwas Grauenhaftes. Menschen in engen Särgen unter einem Berg von Erde und Blumen zu begraben, sie dem verfall zu überlassen, der Jahre andauern wird, bis nichts mehr von ihnen übrig ist - jeder hat dazu seine eigenen Gedanken und vielleicht finden einige sogar darin irgendetwas Tröstliches.
Mir allerdings verursacht er schlaflose Nächte.
Jeder, der schon mal eigenhändig dabei geholfen hat, einen solchen Sarg mit einem geliebten Menschen zu Grabe zu tragen, der wird um diese Nächte wissen. Man kann das Gewicht in seinen Händen noch Tagelang später fühlen, das Herzklopfen, den vor Angst und Trauer zugeschnürten Hals, Tränen die man bei aller Beherrschung nicht aufhalten kann.
Das sind alles dinge, die den Tod für uns zu etwas werden lassen, das einfach Entsetzlich sein muss. Ich möchte an die Möglichkeit der Einäscherung nicht einmal denken, obgleich sie bei weitem angenehmer sein muss, als natürlicher Zerfall.

Es heißt, dass so lange man an die verstorbene Person denkt, sie nie stirbt, weil sie in unseren Herzen weiterlebt.
Doch manchmal frage ich mich, für wie viele Tote haben wir dort platz? Wann ist das Maß erreicht, an dem wirt den verstand verlieren, uns dem Wahnsinn zu wenden, um uns vor all dem leid zu retten, den jeder Tot einer uns wichtigen Person hinterlässt?

Vielleicht kommt es darauf an, wie eine Person stirbt. Ist es leichter, wenn man es weiß und noch etwas Zeit hat, Zeit, die man miteinander verbringen kann? Oder leichter, wenn sie von heute auf morgen einfach nicht mehr da ist?

Zum ersten kann ich leider nicht viel sagen, bislang hat mich ein solches Ereignis mehr überrannt. Der Tod an sich hat mich überrannt, denn als er erst einmal begann, sich in mein Umfeld zu schleichen, nahm er mir einige für mich sehr wichtige Menschen.
Im ersten Augenblick ist man wie betäubt und kann es einfach nicht glauben. Oft kann ich es nicht einmal heute, ein paar Jahre später, glauben. Es ist wie bei einem Filmriss, als ob ein stück fehlen würde - ohne das man einfach nicht bereit ist, das wissen anzunehmen. Man kann sich nicht auf den Tot vorbereiten, das ist meine Auffassung, egal wie viel Zeit man hat. Das einzige was einem Zeit ermöglicht, ist ein Abschied.

Das schwerste danach ist, seine Gewohnheiten zu ändern, je nach dem, wie viel Platz der verstorbene in dem Leben eingenommen hatte. Dinge, die man einfach schon immer zusammen gemacht hat, Orte, an die man zusammen gefahren ist, gemeinsame Hobbies, Sonntagsessen - dinge, die nun nicht mehr gehen, die einen nur noch Trauriger machen, die einem noch mehr den erlittenen Verlust aufweisen. Plötzlich sind überall Löcher, tief und hässlich erscheinen sie einem unüberwindbar.

Es gibt verschiedene weisen, wie einschneidend Verlust sein kann. Ich bewundere Menschen, die schnell wieder in die Normalität zurückfinden, und werfe ihnen bestimmt nichts vor. Jeder Trauert anders, jeder braucht seine Zeit - und ob viel oder wenig ist egal. Jeder ist nun einmal anders, genauso wie ich mir niemals anmaßen würde, demjenigen weniger Liebe zur Toten Person zu unterstellen. Aber gerade mit diesem Umgang zum Tod, entscheidet sich meiner Meinung nach, wie unser Leben weitergeht.

Ich gebe ganz ehrlich zu, mein Leben hat irgendwo geendet. An irgendeinem Punkt bin ich einfach stehen geblieben und habe dicht gemacht. Je weniger Leben um mich herum ist, desto weniger kann mir der Tod nehmen.
Es wurde mir leicht gemacht, durch einen Umzug, so konnte ich Freunde leichter zurücklassen. Jeder wird das kennen, es halten nur sehr wenige Freundschaften über eine gewisse Distanz. Während es den einen betrübt, hat es mich irgendwie befreit. Kontakte halte ich unpersönlich, meine Familie auf Abstand. Für den einen mag es Dummheit sein, für mich ist es der richtige Weg. Je weniger ich Menschen an mich heran lasse, desto weniger würde mich ihr Verlust Schmerzen. Ich weiß nicht, ob sich das eines Tages wieder ändert, bzw. ändern kann.

Ich sehe das Leben trotz allem als etwas Einzigartiges an, etwas, aus dem man unbedingt das Beste machen sollte. Denn vielleicht hat man nur einmal die Gelegenheit dazu. Doch ich hoffe auch, das sich der nun einmal unvermeidliche Tod am ende als etwas erweist, an dem wir wieder mit all denen umgeben werden, deren Schmerzlichen Verlust wir erleiden mussten. Ein Ort, an dem wir wieder alle zusammengeführt werden.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
comand

comand

23.05.2005 01:18

PGB

Tomatensalatmitei

Tomatensalatmitei

19.01.2005 16:47

... dann kommentier' ich ihn auch nicht. LG Tom

didiba

didiba

02.12.2004 23:48

Der Tod hat mich über Jahrzehnte nahezu wöchentlich begleitet. Äußerlich unberührt, aber innerlich oft doch betroffen. Neue Ereignisse haben die alten Risse überdeckt. Einmal war ich fast selbst betroffen (Bericht "der fast tödliche Arbeitsunfall"). Das machte richtig nachdenklich. Kürzlich war ich auf einem Seminar Todesbegleitung, also Begleitung in den denTod und wie gehe ich mit Hinterbliebenen um. Das waren wirklich ganz neue Erkenntnisse . Das Interessantest war die Feststellung, dass nahezu jeder anders mit dem Tod umgeht. Wie lange darf Trauer dauern? Darf jemand, wie jetzt in Hamurg passiert, mit Hilfe eines Rechtsanwaltes und auch selbst durch Handanlegung eine kleine Gedenkstätte an ein ermordenetes Mädchen vor dem Tathaus, in dem das Mädchen und jetzt die Mutter auch lebte/lebt in Form von Kerzen und Bildchen einfach wegräumen nach dem Motto "mal muss ja auch Schluss sein". Ich sage NEIN! jeder muss mit seiner Traer selbst fertigt werden. WANN sie endet, entscheidet er/sie selbst!

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