Der schiefen Turm von Pisa
27.06.2005
Pro:
Kinder sind was tolles
Kontra:
für uns nix ;o)
Empfehlenswert:
Ja
 PunkyLady
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
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Vorwort: Sich heutzutage selbständig zu machen ist sicherlich ein Wagnis, aber der Wunsch war bei Eva (Harlekin34) und mir so groß, das wir den Schritt nach vorne in Angriff nahmen. Unser kleiner Buchladen, in dem wir uns auf Kinderbücher jeden Alters spezialisiert haben wurde am 11.01.2005 eröffnet. Natürlich muss man heute mehr bieten als andere und wir haben uns bewusst für Kinderbücher entschieden, da in dem Bereich einfach viel zu wenig getan wird, bzw. Kinder teilweise in Buchhandlungen gar nicht gerne gesehen sind, da sie ja vielleicht in Büchern blättern und die Seite verknicken. Unser bestreben ist es, das Kinder selbst in die Bücher schauen können, sich gerne mal in ein Sitzkissen lümmeln und ein paar Seiten lesen, oder sich Bilderbücher ansehen.. denn jedes Kind das die Möglichkeit bekommt, sucht sich selbst aus, was es gerne lesen mag und bekommt nicht, bzw. wenig von den Eltern auf' s Auge gedrückt.. solche Bücher liegen meist sehr schnell in der Ecke.Wir wussten von Anfang an, das wir gerne Lesenachmittage veranstalten wollen. Also setzten wir uns hin und formulierten unseren Aushang und machten uns auf die Suche nach einer lieben Leseomi. Na ja.. irgendwie kam Wochenlang gar kein Feedback, dann tauchten urtümliche Gestalten auf, die doch seltsame Vorstellungen von so einem Nachmittag haben und dann sogar Leute.. da war ich im Gegensatz ja schon eine Omi. Irgendwann sprach uns aber eine Kundin an und nach ein paar netten Gesprächen haben wir uns entschieden.. das ist unsere Leseomi und die Vorbereitungen konnten beginnen. Warum ich darüber schreibe?Ich war von diesem Tag einfach so begeistert das ich was darüber schreiben möchte und zum anderen möchte ich zeigen das man vieles möglich machen kann, ohne großen Aufwand, ohne das man riesige Verkaufsflächen benötigt und das gerade Kinder sowie deren Eltern, solche Aktionen unheimlich gerne und dankbar annehmen und uns auch bestätigen das dies einfach viel zu wenig gemacht wird... so was sollte nicht sein in der heutigen Zeit wo jeder über Pisastudien und sonstiges redet. Die ersten Vorbereitungen: Die Omi, die übrigens umsonst die Kids beschäftigt, muss natürlich auch ein Buch bekommen aus dem sie vorliest. Da wir unsere erste Lesegruppe sehr gemischt gestalten wollten, wurde das ein wenig problematisch. 3-7 jähre Mädchen und Jungen mit einem Thema zu unterhalten gestaltet sich nicht unbedingt einfach. Der Drache Kokosnuss ist eine feine Sache da die Geschichte sinnvoll, lehrreich und trotzdem sehr unterhaltend ist, aber mag das wirklich jeder? Letztendlich entschieden wir uns für ein Buch mit Gespenster und Spukgeschichten zum Vorlesen. Nun werden einige sagen.. wie kann man einem dreijährigen Kind
Bilder von Alles mit Ü...
so was vorlesen, aber Kinder sind fasziniert von solchen Geschichten und vor allem gibt es Bücher die auch genau auf dieses Alter zielen und es krabbeln eher selten Monster aus einer blutigen Tonne.. von daher also bitte keine Sorgen machen ;o)Warum haben wir die Altersspanne so flexibel gestaltet? Für uns ist das alles eine sehr neue Erfahrung und daher konnten wir einfach nicht einschätze wie viele Kinder uns wohl besuchen kommen. Sicherlich haben wir Flyer ausgelegt, Kindergärten angeschrieben und uns Namen und Alter bei den vorangemeldeten Zuhörern notiert, aber trotzdem wollten wir erst mal sehen wie die Resonanzen sind. Gleich Gruppen mit 3jährigen oder sonstigen zu veranstalten wäre sicherlich für den ersten Lesenachmittag, sowie für den zweiten fatal gewesen, denn es muss sich ja erst mal rumsprechen das wir solche Nachmittage veranstalten. Das Buch war nun ausgewählt und unsere Leseomi konnte sich mal reinlesen und sich die schönsten Geschichten aussuchen. Wir besorgten inzwischen etwas zu naschen und zu trinken für die Kids und sammelten zuhause unsere Decken und verfügbaren Kissen ein, damit die Kids es gemütlich haben.Im Geschäft wurde der Schreibtisch verrückt, der Sessel für unsere Omi platziert und störende Elemente aus dem Weg geräumt. Am Tag vor der Lesung wurden Luftballons aufgeblasen und ein Schild für die Tür angefertigt, da wir ja normale Öffnungszeiten haben und den Kunden den Zutritt ja nicht verwehren wollten, aber sie sollten dann doch leise eintreten, damit keine große Ablenkung erfolgt und das klappte auch ganz gut. Am Tag X war ich mächtig nervös. Einen Tag zuvor brodelte mein Magen schon und es wurde auch nicht besser während wir unseren Laden auf Vordermann brachten und dann auf unsere kleinen Gäste warteten. Showdown: Nachdem ich schon den ganzen Tag nervös durch die Gegend gelaufen bin und sogar Eva damit auf die Palme brachte, war es dann endlich soweit. Gegen 14 Uhr traf unsere Leseomi ein, die sichtlich nervös war, auch wenn sie es abstritt ohne Ende. Man merkte es einfach, aber da ging es ihr nicht besser als mir. Wir sprachen noch mal kurz den Ablauf ab, das bedeutet, wir legten uns in Sachen Buch fest und wie und wann wir loslegen.. alles was halt wissenswert ist und dann war es auch schon 14:15 Uhr und immer noch kein Kind da. Nun wurde ich schon wieder nervös.. was wenn gar kein Kind kommen möchte, was wenn wir doch nicht richtig Werbung dafür gemacht haben und so weiter.14:29 Uhr und das erste Kind betritt den Laden. Bis 15:00 Uhr haben sich dann ca. 13 kleine Zwerge eingefunden und wir notierten in unseren Köpfen, das der nächste Lesenachmittag eindeutig etwas später anfangen muss, da einige sich doch etwas abhetzen mussten und das soll ja nicht sein. Die Eltern standen anfangs noch etwas zweifelnd da, aber als sich die Kids die Schuhe auszogen ( was übrigens keine Pflicht war) und die unter ein Regal stopften und sich auf die Kissen und Decken auf dem Boden niederließen, waren einige Elternteile schon beruhigt und nachdem sich die Kids untereinander vorstellten wie alt sie sind und ob sie schon in Schule oder Kindergarten gehen, wanderten die ersten Eltern auch zur nahegelegenen Eisdiele oder machten Besorgungen und wir waren mit der kleinen Rasselbande alleine, die neugierig der Leseomi lauschten. Hat es allen gefallen?: Viele Kinder kannten sich schon untereinander, aber einige saßen zu Anfang doch noch etwas abseits und so ließen wir sie sich erst mal untereinander vorstellen. Namen wurden genannt, Alter und ob sie in die Schule, oder Kindergarten gehen. Danach waren alle schon etwas lockerer und unsere Lesomi las die ersten Geschichten vor. Gespannte Augen richteten sich auf die Leseomi, aber nicht alles ist perfekt und nicht immer sind Kinder daran schuld, wenn Unruhen entstehen ;o) Wir dachten das Kurzgeschichten immer gut ankommen, aber das Problem ist einfach, das die Kids sich schon hin und wieder mal gegenseitig ablenken und schon hat man automatisch den Faden verloren.5 Geschichten ließen sie sich gefallen und dann wurde es schon etwas unruhig in unserem kleinen Laden und die Kinder meldeten sich zu Wort das sie keine Gruselgeschichten mehr wollen, sondern lieber was mit Tieren, Krimis oder ähnliches. Schnell wurde ein anderes Buch gewählt, während eine kleine Getränke- und Naschpause eingelegt wurde. Wir merkten schnell das sehr kurze Geschichten nicht unbedingt gut sind bei so einer kleinen Horde und im Kopf arbeitete es schon für den nächsten Lesenachmittag ;o)Die Jungs waren schneller abgelenkt und schauten sich schnell noch ein paar andere Bücher in unserem Laden an, während andere der Leseomi über die Schulter schauten und die Bilder im Buch bewunderten und Fragen stellten und Fragen von der Leseomi beantworteten. Die Spannung fiel, weil wir schon merkten das einige sehr angetan waren und die ersten Eltern kamen zurück um ihre Kids aus unserem Laden zu eisen, was gar nicht so einfach war ;o) Die Kinder bedankten sich, alle ohne Ausnahme und ohne das die Eltern das verlangten, bei uns und bei der Leseomi und einige fragten schon beim hinausgehen, wann der nächste Lesenachmittag stattfindet.Irgendwie freute uns das ein Loch in den Bauch, auch wenn wir sofort über Verbesserungsmaßnahmen nachdachten. Kommt jemand wieder? Da wir diesen Mittwoch (29.06.2005) unseren nächsten Lesenachmittag haben, wissen wir das sich schon einige angemeldet haben und uns die Kids und deren Eltern das Feedback gaben, das alles wirklich super war und vor allem finden gerade die Eltern es klasse, das man so was ins Leben gerufen hat, da gerade Kinder in Buchläden doch oft sehr ungern gesehen werden und man eher das Gefühl hat, das die Eltern gerne kaufen sollen, viel Geld dalassen sollen, aber die Kids bitte zu Hause parken sollen.Es ist sicherlich nicht immer leicht, wenn so eine Horde zusammen kommt, aber allein die Bestätigung, das sie wiederkommen wollen.. das macht alles wieder wett. Für den nächsten Lesenachmittag wird eine längere Geschichte durchgearbeitet. Etwas mit Sinn, aber trotzdem schön und wir hoffen das die Kids wieder viel Spaß haben und da unsere Leseomi frisch erholt aus ihrem Urlaub kommt, wird sie sicher nicht mehr so nervös sein wie beim ersten Mal. Die Kids kennen sich schon untereinander und wir hoffen das noch einige mehr dazu kommen.Es hat sich mit Sicherheit schon rumgesprochen, denn einige uns noch fremde Menschen haben nachgefragt ob es stimmt, das wir so was veranstalten und wir konnten es mit gutem Gewissen bestätigen. Der Unglaube in manchen Augen ist auch recht nett ;o) Wir wissen jedenfalls das wir auf dem richtigen Weg sind, wenn wir Kindern etwas Abwechslung bieten und vielleicht haben wir irgendwann die Möglichkeit und die finanziellen Mittel ein Straßenfest zu machen mit Clowns, vielleicht einem netten Kinderbuchautor, und so weiter. Der Wille ist da, aber Sponsoren zu finden ist heutzutage sehr schwer, weil keiner mehr das Geld so locker in der Tasche sitzen hat und wir leider auch nicht so arg, aber irgendwie biegen wir da auch noch was hin ;o) Schlusswort: Kinder sind wirklich sehr dankbar, wenn man ihnen etwas bietet. Sicherlich ist das nichts für jedes Kind, aber man muss es rausfinden und gerade einige Eltern stellen Seiten an ihren Kids fest, die sie noch nicht kannten, weil sie es nie ausprobieren konnten. Jeder schreit rum, wenn er irgendwas für Kinder tun soll.. da werden Kindertage veranstaltet, die gut ankommen, aber danach atmet jeder auf, das der Tag rum ist, aber was ist mit dem Rest des Jahres? Kinder sind unsere Zukunft.. sagt sich leicht wenn man selbst keine hat, aber es ist einfach so und wenn ich mir heute so einige Jugendliche ansehe, dann bekomme ich unter meinen gefärbten Haare, wirklich wieder graue. Sie stellen alle Blödsinn an.. haben wir früher auch, aber wir waren im Vergleich zur heutigen Zeit richtig harmlos und brav. Was für uns damals die Klingelpost war, ist heute für Teens Rebellion und Sachbeschädigung und das ist sehr traurig, aber man muss sich auch fragen warum das so ist.Klar.. Eltern haben nicht immer die Zeit, weil sie beide arbeiten müssen, oder alleinerziehend sind, oder gar überfordert sind. Auch Lehrer kommen mit der Jugend nicht mehr zurecht, weil sie auf deren Bedürfnisse nicht reagieren können oder wollen, aber man kann auch mit kleinen Schritten was bewegen und das sehen wir ja in unserem Laden. Wenn ein Kind vor unserem Laden steht und sagt: Mama.. gehen wir in MEINEN Buchladen, dann lacht unser Herz und ist die schönste Bestätigung die man in seinem Arbeitsleben bekommen kann und wir hoffen das wir das noch oft hören können und noch lange so machen können.In diesem Sinne Eure © PunkyLady.
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06.08.2005 17:25
Ich finde es total schön, dass eure Lesenachmittage so gut ankommen : ) *Sarah*
16.07.2005 09:06
Tolle Idee! LG Margit
30.06.2005 11:10
Als Kind habe ich Bücher regelrecht gehasst...das war für mich irgendwie immer "toter Stoff", bei dem man sich ja auch noch snstrengen muss *lach*. Zumal die Bücher wenn überhaupt von den Eltern vorgeschrieben bzw. ausgesucht wurden und das hat mir schon damals echt nicht gefallen. Heute lese ich zwar immer noch recht wenige Bücher, aber dafür absolut gerne. Nun ja, die Themen bestimme ich ja glücklicherweise nun auch selber ;o). Schade fand ich allerdings, dass es bei uns in der Familie aber auch nirgends einen kleinen Ansporn zum Lesen gegeben hat. Meine Eltern kannten das Wort "Buch" eigentlich nur aus dem Lexikon, daher wurden auch niemals so schöne Geschichten vorgelesen. Hätte ich mir gewünscht damals... Ich finde es eine super Idee von euch beiden, dass ihr euer Ding weiterhin so durchziehen werdet und wünsche euch viele Kunden, gute Umsätze und natürlich noch viele nette Stunden mit euren Kids ;o). LG, Darky