~~~V wie VENLAFAXIN:Der regelmäßige Kampf um die "Drogen"~~~

1  29.11.2011

Pro:
evtl .  Kostenersparnis für die Krankenversicherung .  .  .

Kontra:
.  .  . oder deutlich höhere Kosten, unnötiges Leiden der Patienten

Empfehlenswert: Nein 

KLEINEKAFFEETANTE

Über sich: Anti - Pelz - Demo/Mahnwache in Würzburg gestern war Spitze. Viele waren sehr aufgeschlossen und fan...

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°°°GENERIKA: SINNVOLLE KOSTENERSPARNIS ODER RÜCKSICHTSLOSE MENSCHENVERSUCHE???°°°

Ich möchte hier über ein Thema schreiben dass mich persönlich stark betrifft und seit einiger Zeit sehr beschäftigt, und das ALLE angeht. Über Kommentare von Euch würde ich mich auch diesmal sehr freuen.

*VORGESCHICHTE:*

Während eines Psychiatrieaufenthalts im Sommer 2009 wurde ich auf persönlichen Wunsch nach dem ich in Internetforen über den verbreiteten Einsatz bei essgestörten PatientenInnen gelesen hatte, auf das relativ neue Antidepressiva (AD) Trevilor® eingestellt, nachdem ich mit dem zuvor verbreiteten Fluctin (Fluoxetin) keine ausreichende Besserung feststellen konnte und auch das von meinem Therapeuten vorgeschlagene AD keine ausreichende Wirkung zeigte.
°°°WAS IST TREVILOR®?°°°

Trevilor® ist ein AD der SSNRI – Klasse – ein selektiver Serotonin und Noradrenalin Wideraufnahmehemmer – welches die Rückaufnahme dieser stimmungsaufhellenden Neurotransmitter an im Zentralnervensystem sorgt. Das vermehrte Vorhandensein dieser beiden Stoffe sorgt für eine stimmungsaufhellende und angstlösende Wirkung. In Bezug auf Noradrenalin tritt die Wirkung allerdings erst bei höheren Dosen auf. Verantwortlich ist der Wirkstoff Venlafaxinhydrochlorid (Venlafaxin).

°°°MEINE ERFAHRUNGEN:°°°

Die ersten 3 Tage bekam ich 37,5 mg in unretadierter Form, um eine schnelle Wirkung zu erreichen. Das Gefühl würde ich ein bisschen mit Kiffen vergleichen, ich fühlte mich geflasht wie im Drogenrausch und auch das Aussehen mit meinen Superpupillen passt dazu, eine sehr häufig auftretende Nebenwirkung (ich warte nur drauf auf der Straße von Polizei oder Ordnungsamt angesprochen und zum Drogentest gebeten zu werden *lach*).

Danach bekam ich 75 mg Retardkapseln, später auf bis zu 225 mg hochdosiert. Ich fühlte mich gut damit, Gewicht und Essstörung machten mir weniger zu schaffen und ich konnte die meiste Zeit das Leben positiver sehen, auch wenn Rückfälle und schlechte Tage nicht zu verhindern sind, und es gehört ja auch irgendwie dazu dass es einem mal nicht so gut geht, ein Medikament wird nicht als „Glückspille“ für ein Leben im „Niemals endenden Drogenrausch“ entwickelt.

Vor 13 Monaten zog ich zurück nach Würzburg und hatte nach langer Zeit wieder eine eigene Wohnung in der ich mir ein „neues Leben“ und eine Zukunft aufbauen konnte, Alles schien perfekt.
°°°DIE BESTIMMUNGEN DER GESUNDHEITSREFORM UND DIE NEGATIVEN FOLGEN!°°°

Der Anfang vom Ende – im Dezember 2008 ist das Patent für den Wirkstoff Venlafaxin der Firma Wyeth abgelaufen und somit für die Konkurrenz freigegeben. Die Folge ist das nachgeahmte Produkte (Generika) in unretardierter und retardierter Form den Markt überschwemmen, hat Venlafaxin mit 25 % doch den größten Marktanteil bei den ADs und jeder will was vom Kuchen abhaben.

[Zitat Anfang:] Die Kassenärztliche Verordnung Bayerns (KVB) sagt hierzu:

... Retardformen von Generika genau so sicher wie Originale
Die Zulassungsbedingungen für Formulierungen mit verzögerter Freisetzung sind äußerst streng. So muss für diese generischen Arzneiformen nachgewiesen werden, dass die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes nach Einmalgabe, Mehrfachgabe, nach einer fettreichen Mahlzeit und auch bei Nahrungskarenz sowie bei verschiedenen Dosierungsstärken mit der des Originalpräparates vergleichbar ist und die Präparate somit bioäquivalent zum Original sind. Diese Maßnahmen und Zulassungsanforderungen gewährleisten, dass Retardformulierungen von generischen Substanzen genauso sicher in der Anwendung wie retardierte Originalpräparate sind.
...
Daneben bieten einige Generika-Hersteller auch zusätzliche Stärken und Freisetzungsformen an, wie zum Beispiel retardierte Kapseln mit einer Dosisstärke von 225 mg, die es zur Zeit nicht vom Originalanbieter gibt.
...
Die Preise sind weiter fallend, das Einsparpotential liegt bei bis zu 63%.
...
Wir empfehlen Ihnen grundsätzlich eine Wirkstoffverordnung zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit Ihrer Verordnungen. Verordnen Sie auf dem Rezept lediglich Wirkstoff, Stärke und Packungsgröße – der Apotheker muss in diesem Fall ein entsprechendes Rabattpräparat der Krankenkasse Ihres Patienten oder eines der tagesaktuell drei preisgünstigsten Präparate abgeben. [Zitat Ende:]

Diese „Sparmaßnahmen“ diverser Politiker, für Diätenerhöhungen sonderbarerweise immer genug Steuergelder da sind, gelten auch für Medikamentenverordnungen in anderen Bereichen.

Besonders bedenklich finde ich die Aussage dass retardierte Venlafaxingenerika die gleiche Sicherheit wie das Originalpräparat aufweisen. Das Patent für die Galenik (Zusammensetzung der Kapseln mit Wirkstoff und Hilfsstoffen sowie deren Freisetzung im Körper) läuft noch bis 2017, das einzige was übereinstimmt ist der enthaltene Wirkstoff Venlafaxin, auch wenn uns immer wieder erzählt wird dass die Präparate identisch und nur viel günstiger sind. Denn eben dieser Patentschutz für 6 weitere Jahre verhindert dass Hersteller X, Y oder Z eine Packung Trevilor® kaufen, diese im Labor analysieren und eine exakte Kopie produzieren können!

Auch finde ich es bedenklich dass 225 mg Kapseln zugelassen werden. Die zulässige Höchstdosis pro Tag beträgt zwar 375 mg, bevor die toxische Grenze erreicht ist, trotzdem ist Venlafaxin ein hochwirksamer und durchaus gefährlicher Wirkstoff, welcher mit Vorsicht zu genießen ist. Ich denke dass das Unternehmen Wyeth sich etwas dabei gedacht hat, die Höchstdosis auf 150 mg pro Kapsel zu beschränken und bei höheren Dosen die Einnahme auf 2 – 3 mal täglich zu verteilen. Auch hat Venlafaxin eine relativ kurze Halbwertszeit von 5 Stunden, und im Sinne einer bestmöglichen Behandlung und Hilfe für depressive Patienten halte ich es für äußerst wichtig, dass eine 24 Stunden – Wirkung so gut wie möglich gewährleistet ist und man nicht morgens im Depri Loch aufwacht und nicht aufstehen mag und die nächste Tablette nehmen.

Auch die Behauptung der „strengen Zulassungsbedingungen“ ist blanker Hohn!

Müssen für eine neues Medikament zahlreiche Studien durchgeführt werden, damit es eine Zulassung bekommt – eine Studie zur Unbedenklichkeit des Wirkstoffs beim Menschen, eine Therapieäquivalenzstudie unter engmaschiger ärztlicher Betreuung zu Wirkung & Verträglichkeit bei echten Patienten – gelten für Generika komplett andere Regeln, denn diese Studien kosten das Unternehmen Geld, und müssten die Konkurrenten auch eine Therapieäquivalenzstudie nachweisen und finanzieren, könnte man nicht so auf die Preisunterschiede und das vermeintliche Abzocken der Originalhersteller während des Patentschutzes pochen,
Bilder von Alles mit V...
Alles mit V... Venlafaxin - Alles mit V...
Wirklich ALLES das Gleiche???
sie wollen schließen ihre hohen Kosten finanzieren und Gelder für weitere Forschung im Sinne der Gesundheit und des Wohls der Patienten zur Verfügung haben.

Bei Generika läuft es wie folgt:

Man nehme 12 – 25 gesunde Männer – hab ich da was falsch verstanden? Unterscheiden sich Männer und Frauen nicht, zeigen sie nicht unterschiedliche Symptome, etwa bei Herzinfarkt? – ausschließlich Nichtraucher – viele künftige Patienten rauchen, gerade psychisch Kranke & gerade viele Essgestörte, weil sie damit den Hunger in einer anorektischen Phase unterdrücken können – gebe ihnen eine Venlafaxinkapsel, nehme ihnen stündlich Blut ab und kontrolliere wie viel Venlafaxin sich im Körper befindet. Stimmen die Daten zu 80 – 125 % mit dem Original überein, ist das Präparat zugelassen.
°°°WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE PATIENTEN?°°°

So wie die Dinge liegen kommt also aus der Klinik und ist auf Trevilor® eingestellt – Psychiatrien nutzen ausschließlich Originalpräparate – und geht dann zum Arzt um sich ein neues Rezept ausstellen zu lassen. Dort erhält man ein Rezept für Venlafaxin und in der Apotheke erhält man irgendein Produkt dass gerade vorrätig oder beim Lieferanten der Wahl im Sonderangebot ist – diese gibt es auch in der Pharmaindustrie, ich habe fast ein Jahr in einer Apotheke Praktikum gemacht und war unter anderem für den Wareneinkauf und die Lieferungen verantwortlich (Bestände im System aktualisieren und wegräumen der Ware) beliebt sind etwa im Winter Grippemittel zu selber Einpacken und Karton falten – im Extremfall also jeden Monat eine andere Packung. Nach den aktuellen gesetzlichen Bestimmungen von überdurchschnittlich intelligenten Menschen die nicht weiter denken können als Zahlen auf einem Blatt Papier zu vergleichen passiert es einem dann schon mal dass man eben mal 20 % weniger oder 25 % mehr Venlafaxin im Körper hat. Das kann zu einer zu schwachen Wirkung oder extremen Nebenwirkungen führen, die bei den „Kurzzeitstudien“ für Generika vielleicht nicht auffallen, aber wir reden hier nicht über eine neue Kopfschmerztablette, die man im mal im Akutfall nimmt, sondern um ein Psychopharmaka dass von Patienten über Monate, wenn nicht sogar Jahre eingenommen werden muss. Wie soll man bei einem ständigen Präparatwechsel, deren "Studienergebnisse" – schnellere oder langsamere Freisetzung – man natürlich nicht kennt die richtige Dosis nehmen? Wie soll man eventuelle Allergien oder Unverträglichkeiten bestimmter (Hilfs-)Stoffe erkennen?

Wenn überhaupt sollte der Hausarzt oder Psychiater auf ein Generika seiner Wahl umstellen, dass dann so auf dem Rezept steht, und eine engmaschige ärztliche Überwachung von anfangs 2 x pro Woche halte ich für dringend erforderlich, bis eine Wirkung und Verträglichkeit beim Patienten gewährleistet ist. Desweiteren könnte man Psychiatrien dazu auffordern neu erkrankte Patienten auf ein bestimmtes Generikum einzustellen, dort wäre bei auftretenden Problemen ein Arzt vor Ort und Hilfe gewährleistet, um die individuelle Dosis herauszufinden. Patienten einfach mit wechselnden Venlafaxinprodukten sich selbst zu überlassen und die Kopien direkt an unschuldigen Kranken auf Nebenwirkungen zu testen statt vernünftiger Studien halte ich für grob fahrlässig und rücksichtslos, es kommt mir fast wie „Menschenversuche“ vor.

>>Entschuldigung , wenn wir psychisch kranken Menschen nur ein lästiger Kostenfaktor sind, wäre es wirklich humaner es wie vor einigen Jahrzehnten zu tun und sie einfach auszurotten, das wäre mir lieber als für derartige Experimente missbraucht zu werden!!!<<

°°°NOVEMBER 2010: MEINE ERFAHRUNGEN UND „DER WEG ZURÜCK INS CHAOS“:°°°

Zuerst möchte ich gerne vorweg nehmen dass ich Trevilor® immer sehr gut und fast völlig ohne Nebenwirkungen vertragen habe. Es gab ein paar wohl unvermeidliche Eingewöhnungsschwierigkeiten, wie Kopfschmerzen und Verspannungen, diese unerwünschten Begleiterscheinungen sind aber nach 1 – 2 Wochen vollständig abgeklungen. Schlafstörungen hatte ich damals keine, was daran liegen mag, dass mein Arzt zuvor ein anderes AD angesetzt hatte, was ich abends bekam und welches sehr stark sedierend wirkt, heißt um 22 Uhr bekommen, Kontaktlinsen raus, Zähneputzen und nach einer halben Stunde war ich eingeschlafen. Dieses habe ich noch eine Weile weitergenommen.

Entgegen der Empfehlung vor der Einnahme von Trevilor® etwas zu essen hatte ich nie Probleme mit Übelkeit, obwohl ich sie von Anfang an auch in der Klinik morgens mit meinem ersten Kaffee genommen habe, eine halbe Stunde bis Stunde vor dem Frühstück. Auch wenn ich mal einen schlechten Tag hatte und die Dosis auf bis zu 300 mg erhöht habe oder mal eine zusätzliche Kapsel zusammen mit 1 – 2 Bier eingenommen habe gab es keine Probleme mit der Verträglichkeit.

Im November vergangenen Jahres ging meine Packung Trevilor® mal wieder zur Neige, und ich holte mir bei meinem Hausarzt ein neues Rezept (Trevilor® war auch aufgeschrieben). Hatte ich zuvor immer das Originalpräparat oder einen identischen Re-Import der Firma Wyeth, bekam ich diesmal ein Venlafaxingenerika in die Hand gedrückt. Nach dem ich meine anfängliche Skepsis überwunden hatte nahm ich ein paar Tage später eine Kapsel. Keine halbe Stunde später wurde mir übel und ich bekam Magenkrämpfe, sowie am nächsten oder übernächsten Tag Durchfall, was bis heute nicht 100 % verschwunden ist, mein Arzt meint aber dass ich sich mein Körper einfach für die jahrelangen Qualen, die AFM und das Chaos mit dem Essen rächt. Nach einem erfolglosen Versuch in der psychiatrischen Ambulanz wieder „reines ungepanschtes Trevilor®“ zu bekommen – in Gießen hab ich in der Psychiatrie-Ambulanz auch immer meine Originalrezepte geholt – habe ich für mich die Konsequenz gezogen es ohne Medikamente zu versuchen statt so zu leiden und meine Gesundheit zu ruinieren. Der Entzug von Venlafaxin war nicht so lustig, eigentlich soll man es schrittweise absetzen, aber diese Möglichkeit hatte ich nicht – es gab nur die Entscheidung Körper oder Psyche.

Die ersten Wochen ging es mir einigermaßen gut, hatte ich wohl noch einiges Venlafaxin im Körper dass noch eine Weile „nachgewirkt“ hat. Aber als meine Leber alles vollständig abgebaut hatte, ging es mir wieder zusehends schlechter. Bulimieanfälle, depressive Phasen und Suizidgedanken kamen zurück und die Abstände wurden immer kürzer, die Anfälle umso heftiger. Ohne einen sehr lieben Menschen der mir hier im PGB zur Seite gestanden hat, hätte ich das wohl nicht durchgestanden – einfach DAAAAAANKE!!!! Die Person die gemeint ist weiß es.

Anfang Juni wurde es dann so heftig dass ich dieses verdammte Venlafaxin nehmen wollte und meinem Leben ein Ende setzen. Immerhin hatte ich noch gut 90 Stück, alleine in meiner Wohnung wäre es aussichtslos gewesen dass mich jemand noch rechtzeitig findet. Da mein Freund jedoch zu Besuch war konnte er mich mit Gewalt davon abhalten mehr als 3 Stück zu schlucken. Immerhin hat das Venlafaxin mich beruhigt, es ist und bleibt eben eine starke „Psychodroge“ und ich wurde wieder „klar“ im Kopf. Mein Körper fand es weniger gut, ich hab kaum ne Stunde geschlafen, lag mit heftigsten Bauchkrämpfen wach – um halb 3 bin ich ins Bett, um 6 Uhr morgens wieder aufgestanden und Kaffee gekocht. Mir war den ganzen übel, ich hatte Krämpfe und extreme Kreislaufprobleme; bin nur besoffen rumgetorkelt und hab die meiste Zeit mit dem Laptop im Bett verbracht und auf Besserung gewartet.

In der Hoffnung dass es mir psychisch wieder besser geht habe ich einen erneuten Versuch mit Venlafaxin gemacht – nur eine einzige pro Tag, zuletzt waren es 3! Mein Körper wollte sich aber definitiv nicht dran gewöhnen, mehr wie 3-4 Stunden Schlaf waren nicht drin, die Kreislaufprobleme, Krämpfe und Übelkeit steigerten sich. Als ich am Tag 8 nachts würgend und spuckend über der Toilette hing, war für mich Schluss – nie wieder wollte ich eine Venlafaxinersatzkapsel schlucken, komme was wolle! Das nächtliche Erbrechen hielt noch 2 Tage an (ohne Venlafaxin!) und mein Hormonhaushalt geriet komplett durcheinander – am Tag 10 bekam ich meine Menstruation völlig unerwartet, gut 8 – 10 Tage zu früh. Auch das hat sich bis jetzt noch nicht ganz normalisiert.

Ich habe die letzte Venlafaxinkapsel am Mittwoch vor Pfingsten genommen und es hat bis nach dem verlängerten Pfingstwochenende gedauert, bis es mir wieder ein bisschen normaler ging.
°°°AUGUST 2011: WIE GING ES WEITER? DER AKTUELLE STAND°°°

Da es mir ohne Trevilor® nicht wirklich gut geht und ich psychisch sehr instabil bin, habe ich Ende Juni meinen Mut zusammen genommen und bin zu meinem Hausarzt und hab nach Trevilor® gefragt. Er hat im Computer geschaut wann ich das letzte Rezept geholt habe und war nicht wirklich begeistert durch das eigenmächtige absetzten. Bevor ich mit dem aufzählen aller schrecklichen Nebenwirkungen fertig war, hatte er einen Vermerk im Computer gemacht und mir eine „aut item“ – Rezept ausgestellt was besagt dass ich in der Apotheke nur Trevilor® erhalten darf und kein gepanschtes Billigzeug. Es gibt eben doch noch nette vernünftige Ärzte!

Ich habe jetzt wieder mein Trevilor® und es geht mir psychisch deutlich besser – als ohne, und die Verträglichkeit ist sehr gut wie zuvor. Ich nehme 150 – 225 mg täglich je nach Stimmung und Tagesform, nach so langer Zeit ist es schwer die optimale Dosis zu finden, mein Hausarzt ist da sicher kein Fachmann dafür und bei der Psychotherapeutin hier in Würzburg war ich erst einmal. Ich kämpfe noch ein bisschen mit Eingewöhnungsschwierigkeiten, vor allem Schlafproblemen. Trevilor® kann aufputschend wirken so dass ich tagelang nach 4 Stunden Schlaf aufwache und dann oft morgens um 6 hellwach und voller Tatendrang aus dem Bett hüpfe. Aber spätestens nach 2 – 3 Tagen fordert mein seine dringend nötige Erholung und es passiert dass ich mich dann den ganzen Tag erschöpft fühle und gar nicht vollständig wach, leistungsfähig und konzentriert. Bisweilen kommt es vor dass ich vom Einkaufen zurückkomme, völlig erschöpft aufs Bett falle um mich kurz auszuruhen und sofort einschlafe und erst nach 1-2 Stunden wieder aufwache.
°°°AUGUST 2011 BIS HEUTE: DER STÄNDIGE KAMPF UM REINES „TREVILOR®“ – BITTE KEINE GEPANSCHTEN DROGEN!°°°

Ich hatte mich im Sommer wohl zu früh gefreut – als ich Mitte August mein Folgerezept abholen wollte und an der Rezeption vorsprach, wurde ich sehr kritisch beäugt und bekam einen Vortrag wie teuer meine Medikation doch ist. Dann kam der Arzt dazu kurz vor der offiziellen Sprechstunde und ich hab nochmal die ganze Litanei mit den Nebenwirkungen aufgezählt und konnte dann schließlich doch mit einem >>aut item<< - Rezept die Praxis verlassen.

Meine Psych Nr. 1 hatte leider Null Verständnis für mein Problem, aber die gute Frau hat ohnehin noch einen gesonderten Bericht verdient unter >>Alles mit P: Psychiater die diese Welt nicht braucht<< oder noch besser wir richten eine extra Ärzte – Kategorie ein, für Krankenhäuser gibt’s das ja auch. Die Dame hat mir einfach ein paar Probepackungen der Firmen >>Henning<< und >>neuraxpharm<< in die Hand gedrückt und die Empfehlung doch einfach mal vorher zu frühstücken, Venlafaxin sei ja bekannt für Übelkeit, auch Trevilor® retard. Aber mit dem Originalpräparat gab und gibt es niemals Probleme bis heute, und mir wurde nachts übel, immer gegen Mitternacht, und ich hatte tagsüber gegessen, also bitte! *kopschüttel* Und ich hab nun mal eine Essstörung und morgens nach dem Aufstehen brauche ich einen Kaffee, eine Zigarette und meine Medikamente, und wenn ich dann ruhig und gelassen und die Drogen wirken kann ich auch an Essen denken. So und nicht anders komm ich mit dem Leben klar und das seit gut 2 Jahren die ich jetzt „klinikfrei“ bin. Die Probepackungen liegen selbstverständlich noch unangetastet bei mir rum, zu groß war die Angst vor neuerlichen heftigen Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten.

>>>Und wie nötig haben es Firmen eigentlich, dass sie ihre Medikamente verschenken müssen, damit evtl. ein Arzt einen Patienten findet der damit klarkommt???<<<

Ende September stand ich mal wieder ohne Medikamente da und hab dann telefonisch einen Tag vorher bei meinem Hausarzt abgeklärt ob ich ein neues Rezept für das Originalpräparat bekommen kann was glücklicherweise ohne größere Probleme zugesichert wurde, und erleichtert konnte ich dann am nächsten Vormittag meine Medikamente holen. Meinen Psychiater habe ich inzwischen gewechselt aber die Wartezeit für den Ersttermin beträgt in der Praxis 4-5 Wochen, solange konnte ich nicht warten.

Mein neuer Arzt auf Empfehlung meiner besten Freundin zeigt da zum Glück mehr Verständnis. Ich hab beim Ersttermin gleich mein Medikamentenproblem geschildert und er hat mir eine Packung >>Venlafaxin HEXAL<< aufgeschrieben, wenn es mit dem 2. Generika auch nicht geht sollte ich mich wieder melden, einige von den Trevilor® hatte ich ja auch noch. Da ich in den letzten Wochen sehr viel Stress hatte hab ich die Dosis um 50 – 100 % erhöht und so war auch diese Packung am Wochenende fast zu Ende. Ich hatte schon ein absolut ungutes Gefühl als ich die Packung in der Apotheke geholt habe, irgendetwas hat mir gesagt es ist das Falsche! Am Sonntag wo ich getrost zuhause bleiben kann und keine Einkäufe etc. zu erledigen sind, hab ich dann versuchsweise eine von den HEXAL – Dingern genommen, nachdem ich sehr lange mit mir und meiner Angst gekämpft habe. Diese haben die negativen Erfahrungen von Präparat 1 noch getoppt, nach nur 30 Minuten wurde mir heftig übel und ich bin würgend zur Toilette gerannt und hab mich anschließend den ganzen Tag nicht richtig wohl gefühlt, und das mit der Hälfte der üblichen Dosis, während ich an schlechten Tagen auch schon mal 300 mg (4 Kapseln) in einem Zeitraum von 2 Stunden nehmen kann ohne größere Probleme – es geht dann doch auf den Kreislauf und ich hab anschließend 12 Stunden oder etwas mehr geschlafen, aber kein Vergleich!

Am Montag also dann Psychiater angerufen und nach Originalmedikamenten gefragt – Notfalltermine bekommen registrierten PatientenInnen glücklicherweise innerhalb von 24 Stunden – damit ich es am Dienstag mit dem Arzt besprechen konnte. Trotz der Zusage beim ersten Termin hab ich die ganze Nacht wachgelegen mit Angstattacken und die Sorge ob ich mein Rezept bekomme hat mich nicht zur Ruhe kommen lassen. Die Alternative wäre wieder Betteln bei meinem Hausarzt gewesen. Um 10 hatte ich dann den Termin, noch eine Weile gewartet weil noch andere Patienten da waren, aber gegen 11 konnte ich glücklicherweise mit dem begehrten Stück Papier die Praxis verlassen. Dann in die nächste Apotheke zum Bestellen, Besorgungen machen und als ich das „richtige“ Medikament dann endlich in den Händen hatte ist die ganze Anspannung abgefallen und zuhause hab ich dann erst mal den Nachmittag verschlafen – die nächsten 4 – 6 Wochen sind gerettet! Ich hoffe einfach dass ich dann von meinem Psychiater ein neues Rezept bekomme ohne die zermürbenden Kämpfe die mir die Energie für wichtigeres rauben.

Auch beim Originalpräparat gibt es Einsparmöglichkeiten, ohne dass es zu Lasten der Patienten geht. Kostet Trevilor® retard welches in 10 x 10 Blistern offiziell für den deutschen Markt und die üblichen Normen hergestellt/gepackt ist ca. 192 Euro, so kosten EU - Re – Importe von Emra Med ca. 175 Euro und von Kohl Pharma nur ca. 162 Euro. Da nun alles Trevilor für den europäischen Markt von der

Wyeth Medica Ireland
Little Connell
Newbridge
Co. Kildare
Ireland

produziert wird, soweit man den beiliegenden Beipackzetteln glauben kann, bin ich da auch sehr flexible was die jeweiligen “Kartons” der Importfirmen angeht, solange der Inhalt stimmt und ich keine Unterschiede in Wirkung und vor allem auch Verträglichkeit bemerke.
°°°(WEITERE) RISIKEN DER „GESUNDHEITSREFORM“ UND MEINE MEINUNG ZU DEN (VERMEINTLICHEN) EINSPARUNGEN:°°°
200 Euro pro Monat (2400 Euro pro Jahr!) sind nicht wenig Geld für die Medikation einer chronisch Kranken, das ist mir durchaus bewusst, und auch dass meine Krankenversicherungsbeiträge das nicht abdecken, dazu kommen ja noch Arztbesuche für die Verordnungen, etc. Das Ersatzpräparat kostete nach meinen Internetrecherchen nur ca. 70 Euro.
*Trotzdem gilt es meiner Meinung nach folgendes zu bedenken:*

  1. Wenn derart heftige Nebenwirkungen wie Kreislauf- und Magen- Darmprobleme auftreten ist NIEMAND wirklich arbeitsfähig. Es müssen also die Kosten für die Arztbesuche (Krankschreibungen) gezahlt werden, nach 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber fällt für die Krankenversicherung unter Umständen Krankengeld an, dass finanziert werden muss. Wird das durch 130 Euro Ersparnis gedeckt?
  2. Ich weiß von einer Betroffenen in einem Internetforum dass Sie zusätzlich zum Venlafaxingenerikum MCP – Tropfen verordnet bekam um mit der extremen Übelkeit klarzukommen. Sind also zusätzliche Medikamente nötig gegen die Nebenwirkungen, verringert sich die Kostenersparnis beträchtlich.
  3. Ich bin wie eine Betrunkene durch den Supermarkt geschwankt um meine Einkäufe zu erledigen – kommt es zu einem Zusammenbruch und man verbringt ein paar Tage im Krankenhaus (Kosten knapp 400 Euro für Essen Betreuung durch das Pflegepersonal pro Tag! – ärztliche Untersuchungen und individuell erhalten Therapien und Medikamente gehen extra).
  4. Die hohe Wahrscheinlichkeit des Absetzens von Generika wegen der unverhältnismäßigen Nebenwirkungen, Gefahr von Rückfällen und erneute Klinikaufenthalte. Sind Mütter Betroffen – Venlafaxin findet auch häufig bei postpartalen Depressionen Anwendung – kommen für die Krankenkassen noch die Kosten für die Kinderbetreuung dazu.
  5. Wäre es zu einem Suizidversuch gekommen und mein Freund hätte mich rechtzeitig gefunden – wenn ich das Venlafaxin genommen hätte nachdem er eingeschlafen ist – und ich wäre auf der Intensivstation gelandet, auch dafür hätte das „gesparte Geld“ sicher nicht ausgereicht.
  6. Ich habe nur ein Dauermedikament, 2 – 3 Stück egal wie es aussieht. Generika unterscheiden sich nicht nur in den Hilfsstoffen und, sondern auch in Größe, Form und Farbe. Werden also nicht mehr Medikamente sondern nur noch „Wirkstoffe“ verordnet, würde das für psychisch sehr beeinträchtigte oder älteren Menschen bedeuten, gerade wenn mehrere Medikamente dauerhaft nötig sind, dass es leicht zu Verwechselungen und falschen Dosierungen kommt. Meiner Meinung nach könnten lebensgefährliche, aber zumindest klinisch behandlungsbedürftige, Folgen bald an der Tagesordnung sein.
°°°MEIN FAZIT:°°°

Mein Bericht bezieht sich zwar auf meine Erfahrungen mit Trevilor® /Venlafaxin, aber die Zulassungsbestimmungen für Generika und die Vorschrift ab sofort Wirkstoffe statt Medikamente zu verordnen, sind auch für alle anderen (dauerhaft) benötigten Medikamente übertragbar und daher geht das Thema ALLE an und kann JEDEN irgendwann betreffen.

Natürlich kaufe ich mir auch billiges Ibuprofen statt >>Dolormin<<, aber das nehme ich nur gelegentlich im Akutfall bei starken Kopfschmerzen, und wenn mir das eine Präparat von Firma X nicht sonderlich bekommt kann ein paar Tage später in die Apotheke gehen und nach Tabletten von Firma Y oder Z fragen.

Sollte aus Kostengründen die Umstellung auf ein Generikum in Erwägung gezogen werden, dann bitte auf ein spezielles Mittel unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle – nur so ist gewährleistet, dass Unverträglichkeiten auf bestimmte Hilfsstoffe erkannt werden, die Heftigkeit der Nebenwirkungen wird überwacht und es kann im Notfall eingeschritten werden und die individuell benötigte Dosis kann ermittelt werden, und das solange bis eine 100 %-ige Therapieäquivalenz gewährleistet ist! Abweichungen der Plasmakonzentration nach oben oder unten sind schließlich zulässig – und jeder reagiert anders. Einfach die Patienten mit einem neuen Medikament nach Hause schicken, wo es keine umfangreichen klinischen Studien gibt, halte ich für unverantwortliche, rücksichtslose Experimente mit chronisch (schwer) kranken Menschen. Und dieses Medikamentenhopping geht gar nicht!

Ich kann nur jedem raten in einem solchen Fall zum Arzt zu gehen, notfalls täglich, und über (neue) Nebenwirkungen zu klagen, sich ruhig krankschreiben zu lassen oder sich eben auch im Krankenhaus betreuen zu lassen. Ich werde mich nicht mehr allein abquälen, und vielleicht fällt es ja doch mal auf dass deutlich mehr Kosten anfallen wenn von einer Apotheke ein Generikum abgerechnet wird als in den Zeiten wo die Rechnungen für das „überteuerte“ Originalprodukt kamen. Es kann und darf nicht sein dass so mit der Gesundheit von kranken Menschen „gespielt“ und experimentiert wird, mit der „Menschenwürde“ im Grundgesetz und der gesetzlichen Krankenversorgung hat das nichts mehr zu tun. Man ist einfach nur ein lästiger Kostenfaktor der um jeden Preis verringert werden muss.

Danke für Alle Lesungen, Bewertungen & vor allem Kommentare!

©KK 08.11/11.11

PS: Auf dem Foto seht ihr eine Auswahl der Venlafaxinpräparate die ich bekommen habe - Trevilor ist die mit dem roten Aufdruck (ein W für Weyeth vermute ich und die 75 für die Dosisstärke). Die gelben sind unterschiedliche Produkte von 5 Herstellern, auch wenn sie gleich aussehen.

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GZacher

GZacher

06.04.2013 15:47

Excellent ...

vicki1011

vicki1011

10.05.2012 08:11

ich hoffe du bist nicht böse wenn ich dir nur ein sh gebe, auch wenn der bericht sicher unglaublich viel arbeit war. aber leider bin ich hier so einer ganz anderen meinung. klar hast du auch recht, aber generika sind total wichtig. Wenn die Patente für marktriesen ablaufen, können generika gemacht werden, und das fördert die Forschung für neue produkte, und davon profitieren wir alle. Und zum großteil sind generika wirklich das selbe und da braucht man keine wahnsinnig teuren studien, da sie schon jahrelang am MArkt waren, und dadurch besser getestet wurden, als man es in jeder studie machen könnte.

Marcel2012

Marcel2012

09.05.2012 02:32

du sprichst mir aus der Seele, wir sitzen in einem Boot ;)

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