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Windhosen - Gar nicht so selten!

3  18.04.2001

Pro:
Seltsames Erlebnis .

Kontra:
Kann sehr gefährlich sein .

Empfehlenswert: Nein 

Papth

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:202

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es muss wohl 1975 gewesen sein, in jenem heißen und trockenen Sommer, der in Norddeutschland so verheerende Waldbrände brachte. Ich lag mit meiner Schwester und meinem Vater auf der Decke im Freibad Düsseldorf-Benrath, als dieser in aller Ruhe sagte: "Guckt mal da!", ganz so, als sei eigentlich gar nichts Besonderes zu sehen.

Zunächst bemerkte ich nur, dass in einiger Entfernung unter den unzähligen Badegästen eine gewisse Unruhe herrschte. Einige rannten aufgeregt umher, andere zeigten lebhaft kommunizierend in eine bestimmte Richtung. Doch plötzlich wurden zahllose Gegenstände wie von Geisterhand in die Höhe gerissen. Es waren Decken, Handtücher, ja sogar Beutel mit Proviant. Sie sausten nach oben und kreisten vermutlich in einer Höhe von ungefähr hundert Metern.

Wenige Sekunden später ertönte ein Ohren betäubendes Pfeifen. "Runter von der Decke!", sagte mein Vater nun etwas hektischer. Dann packte er unsere ganzen Sachen darauf, klappte die Ecken zur Mitte und umfasste den "Berg" mit seinen Armen. So gut wir es als Kinder konnten, unterstützen wir ihn. Derweil flogen auf der Terrasse des Freibad-Restaurants reihenweise Stühle, Tische und Sonnenschirme um. Inzwischen war auch mir mit meinen elf Jahren klar geworden, dass wir soeben Augenzeugen einer Windhose wurden. Ein eigenartiges Erlebnis!

Die Windhose zog weiter und überquerte dabei das Nichtschwimmerbecken. Ich sehe noch heute, ein Vierteljahrhundert später, glasklar ein kleines weinendes Mädchen vor Augen, an dem dieses "Gespenst" nur wenige Meter vorbei zog. Dabei spritze enorm viel Wasser auf.

Schließlich kam dieses unheimliche Etwas, das nur aus Luft besteht, uns recht nahe, und wir spürten einen gewaltigen Sog. Um uns herum flogen die Decken, Kleidungsstücke und andere Gegenstände derer, die zu diesem Zeitpunkt nicht an ihrem Liegeplatz waren. Einiges davon wurde noch mit nach oben gerissen. Schließlich brach die Windhose knapp neben der nahe gelegenen B8 zusammen. Zum Glück fiel der ganze Plunder noch auf die Liegewiese. So hatten die Eigentümer es relativ leicht, sie wieder zu bekommen, und der Autoverkehr wurde nicht gefährdet.

Dieses ungewöhnliche Erlebnis veranlasste bestimmt 90% der Freibadbesucher, sich ganz schnell auf den Heimweg zu machen. Viele waren schockiert, und manch einer befürchtete, dies müsse wohl der Vorgeschmack auf ein schlimmes Unwetter gewesen sein. Doch was steckte wirklich hinter dieser Windhose? Eine Kaltfront jedenfalls nicht. Es blieb den Rest des Tages über sonnig und heiss. Und gerade in der intensiven Sonneneinstrahlung lag wohl der Grund: Diese hatte den frisch asphaltierten und daher dunkelschwarzen Schulhof des nahe gelegenen Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums stark aufgeheizt. Die energiegeladene Luft war aufgestiegen und hatte die vergleichsweise kühle Luft über den Liegewiesen und Wasserflächen angesaugt. Ein solcher Prozess kann sich selbst beschleunigen. Dann entsteht der gefürchtete Luftschlauch mit Saugwirkung.


Ganz anders war die Situation etwa zwanzig Jahre später: Eine schwache Kaltfront verdrängte die sommerliche Hitze. Zunächst hatte sich der Himmel bedrohlich verfärbt, so dass ich glaubte, meine geplante Radtour ausfallen lassen zu müssen. Doch es fielen nur einige Tropfen Regen, und ein ebenso kurzer wie heftiger Wind tobte sich nur wenige Sekunden lang aus. Wie so oft prägte sich die Gewitterfront erst über dem Bergischen Land richtig aus, was man in solchen Fällen wunderbar an den riesigen Blumenkohlwolken sehen kann, die sich über den Hügeln auftürmen. Die Luft war nun angenehmerweise um einige Grad abgekühlt, und Richtung Westen war es hell. Ich konnte also mit dem Rad in die Rheinauen fahren. Dort erwartete mich ein Überraschung: Zwei ungefähr dreißig Meter hohe Pappeln waren total zerfetzt über die Landschaft verstreut. Hier hatte sich wohl vor weniger als einer halben Stunde eine Windhose ausgetobt, von der ich zum Glück sagen konnte, sie nicht aus nächster Nähe erlebt zu haben!


Doch es geht noch viel extremer, sogar in Düsseldorf: Im März 1989 war ich gerade auf dem Heimweg von meiner Ausbildungsstätte, als ein sehr bedrohliches Gewitter aufzog. Der Himmel war düster und teilweise gelb-braun, was ein sicheres Zeichen für Hagel ist, auch wenn er nicht da herunter kommen muss, wo man sich gerade befindet. Die ersten dicken Regentropfen fielen schon herab, als ich mich unter den Eingang eines Supermarktes flüchtete. Nun kam ein regelrechter Wasserfall vom Himmel. Dann lebte auf einmal der Wind gewaltig auf, und mit lautem Getöse konnten die anderen Schutz Suchenden und ich in etwa einem Kilometer Entfernung einen ausgewachsenen Tornado vorbeiziehen sehen! Das war ein richtig gruseliger Anblick! Schon Fotos von einem solchen Riesenrüssel haben etwas Unheimliches, aber live ist das wirklich unglaublich!

Am nächsten Tag erzählte mir eine Kollegin, wie sie eine Stunde später nichts ahnend nach Hause wollte: Ihre Straße war komplett gesperrt, überall agierten Polizei und Feuerwehr, der Boden war übersäht mit Fragmenten von Bäumen, und die Dachwohnung ihres Nachbarn lag zerdeppert auf dem Bürgersteig!

Dieser Tornado hat innerhalb von zwei Minuten einen Schaden von mehr als 50 Millionen DM angerichtet. Auf dem "Südfriedhof" wurden zahllose Bäume zerstört, die um 150 Jahre alt waren. Glücklicher Weise gab es keine Toten, anders als bei dem vergleichbaren Tornado 1957. Damals wurde unter anderem das Dach einer Kirche heruntergerissen, und zwei Menschen kamen um's Leben.

Tornados kommen in Düsseldorf wahrscheinlich vier Mal pro Jahrhundert vor. Genau kann man es nicht sagen, denn dazu wären genaue Aufzeichnungen über mehrere Hundert Jahre nötig. Kleinere Windhosen gibt es sehr viel häufiger. Die Allermeisten finden irgendwo im Gelände statt und werden gar nicht bemerkt, vor allem, wenn sie nicht durch das Ansaugen von Erde oder die Verbindung zu einer Wolke als "Rüssel" zu sehen sind. Ein solches Naturschauspiel mitzuerleben, ist schon ein Ereignis, das man nie vergisst!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
GillBates

GillBates

20.04.2001 14:25

Solche einmaligen Naturschauspiele wird man wahrscheinlich bis ins hohe Alter nie vergessen. - Gruß GB

bertramlaibach

bertramlaibach

20.04.2001 02:10

Ich hab schon ne kleine Windhose gesehen.Ist schon imposant... Gruß bertramlaibach

Gerli-Mausi

Gerli-Mausi

19.04.2001 16:50

*gg* Fantastische Geschicht! Hab noch nie eine Windhose erlebt, vor allem nicht im Schwimmbad!!! Gruß

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