Single Malt Whisky

5  05.12.2001 (21.05.2006)

Pro:
spricht für sich

Kontra:
nix

Empfehlenswert: Ja 

hr.biernot

Über sich: der Gelassene nützt seine Chance besser als der Getriebene - Thornton Wilder

Mitglied seit:30.10.2000

Erfahrungsberichte:198

Vertrauende:127

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 152 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

So, wie schon versprochen nun der zweite Teil meines Berichtes über Geschichte und Herstellung des Wasser des Lebens, wie es auch genannt wird. Diesmal geht es vor allem um die Herstellung des Whiskys.

Die Grundelemente eines echten Single Malt Whisky sind Torf, Wasser, Gerste und Hefe. Durch die Massenproduktion des Whiskys heute, ist Schottland heute leider nicht mehr in der Lage, alles Gerste selber anzubauen. Cirka 50% des Bedarfs muß aus England, Kanada oder Australien importiert werden. Dies hat allerdings einen weit geringeren Einfluß auf das Endprodukt als das verwendete Wasser. Viele Destillen haben ihre eigene Quelle, Wasserlauf oder Bach, daher unterscheiden sie sich auch in ihrem Geschmack. Als ich das erste Mal bei der Glen Grant Destille in Rothes einen solchen Wasserlauf sah, war mein erster Gedanke - und das soll später mal Whisky werden? Das Wasser hatte eine ziemlich bräunliche Färbung und es kostete zu Beginn schon etwas Überwindung duschen zu gehen, wenn solches Wasser aus der Leitung kommt. "g" Tatsache ist allerdings, das es in Schottland oft ein sehr reines Wasser gibt, meist ohne irgendwelche Inhaltsstoffe. Experten sind der Ansicht: das beste Wasser für die Whiskyherstellung entspringt im Granitgestein und läuft anschließend über den Torf. Das wäre zumindest eine Erklärung für die braune Färbung des Wassers.

Wie entsteht nun das "Wasser des Lebens" wie der Whisky auch bezeichnet wird? Die einzelnen Schritte sind das Mälzen, Maischen, Fermentieren, Brennen, Reifen und zum guten Schluß das Abfüllen.

1.Mälzen

Im September und Oktober kaufen die Destillen die Gerste ein. Sie muß frisch, reif und trocken sein, damit sich ja kein Schimmel bilden kann. Um sicher zu sein, das sich keine Steinchen oder Erde mehr unter der Gerste befindet, wird sie nun noch einmal gesiebt und zusätzlich auch noch einmal getrocknet.

In riesigen Behältern, den sogenannten Steepers, wird die Gerste für cirka zwei bis drei Tage mit Wasser vermischt. Danach wird das Wasser wieder abgelassen und die Gerste nun auf dem sogenannten Mälzboden ausgebreitet. Mindestens eine Woche, längstens zwei, bleibt die Gerste nun dort um getrocknet zu werden. Zusätzlich muß sie mehrmals am Tag gewendet werden. Teilweise geschieht das noch mit Hand, es soll auch schon Firmen geben, bei denen das automatisch geschieht. In dieser Zeit fängt die Gerste an zu keimen und es entsteht das sogenannte Grünmalz. Während dieses Prozesses werden Enzyme freigesetzt, bei denen die Stärke in Zucker umgewandelt wird.

Danach wird dieser grüne Malz auf sogenannten Darrofen zum rösten ausgebreitet. Dabei wird der Keimvorgang nun unterbrochen. In der Vergangenheit wurde der Ofen meist mit Torf befeuert, da es unter anderem auch riesige Torfvorräte in Schottland gab. Mittlerweile wird teilweise aus Kostengründen auch Koks bzw. Steinkohle verwendet.

Ganz fortschrittliche Destillen darren im Heißluftofen. Hier durchströmt heiße mit Torf aromatisierte Luft die Gerste. Der ganze Vorgang dauert cirka einen Tag, danach hat das Getreide einen Wasseranteil von unter drei Prozent. Durch den ganz eigenen Torfrauch erhält der Whisky bereits seinen späteren Geschmack. Andere Destillen lassen sich ihre Gerste in speziellen Mälzereien mälzen und beziehen von dort dann das fertige Malz zur Weiterverarbeitung.

Auf der Insel Islay (im Südwesten Schottlands) wird meines Wissens nach noch ganz traditionell vorgegangen, hier mag man von den neuen Methoden gar nichts wissen. Ehrlich gesagt kann ich das sehr gut verstehen, denn die neuen Methoden müssen nicht unbedingt besser sein.

2. Maischen

Die jetzt fast trockene Gerste wird nun in einer ganz speziellen Maschine noch einmal gesäubert und dann in eine Mühle gemahlen. Der hieraus entstandene Grist sollte nicht zu fein sein und wird nun zusammen mit heißem Wasser in riesige Maischbottiche gefüllt. Es kann durchaus vorkommen, das solche "mash tuns" ein Fassungsvermögen von 500.000 Liter und mehr haben!

Durch das heiße Wasser geht es weiter mit der Umwandlung von Stärke in Zucker. Das Wasser hat zwischen 60 + 70 Grad und wird nun weiter auf bis zu 80 Grad erhitzt. Dabei muß die Maische ständig umgerührt werden. Drei bis viermal wird die Maische nun abgelassen, wobei allerdings nur die Würze (Wort) aus den ersten beiden Abstichen in bereitstehende Auffangbehälter, den sogenannten "underback", kommt. Der dritte und vierte Abstich kommt wieder in die Maischbottiche und wird für den nächsten Maischvorgang verwendet. Die Würze die nun übrigbleibt, ist eine klebrige, heiße und ziemlich süße Flüssigkeit.

3. Fermentieren

Nun läßt man den Wort erst mal etwas abkühlen, weil sich ansonsten der Zucker zersetzen würde. Dann kommt sie in die sogenannte "Wash Backs", die durchaus ein Fassungsvermögen von über 50.000 Litern haben können. Früher waren sie meist aus Holz, heute kommen aber auch Edelstahltanks zum Einsatz. Nun wird Hefe zugesetzt, die dafür sorgen soll, den Zucker in Alkohol umzuwandeln. Durch diesen Prozeß entsteht Kohlendioxyd, das wiederum dafür sorgt, das alles anfängt zum gären. Es brodelt und schäumt dann auch sehr stark. Der ganze Vorgang dauert cirka zwei Tage, danach gibt es eine relativ klare Flüssigkeit, die aus Wasser, Hefe und etwas Alkohol besteht.


4. Destillieren

Nun kommen wir zum wichtigsten Teil - das Destillieren. Hierbei wird nun die Flüssigkeit in die erste Brennblase, dem wash still, gefüllt und anschließend zum sieden gebracht. Alkohol hat einen niedrigeren Siedepunkt als z.B. Wasser. Also steigt nun die Würze als Dampf auf, passiert ein Kühlrohr und wird dann in einem Behälter gesammelt. Damit haben wir einen ersten Roh - Whisky oder Baby-Whisky, einen sogenannten low wines. Anschließend wird das neugewonnene Kondensat direkt in die zweite Brennblase gefüllt (low wines still). Die Prozedur beginnt wieder von vorne, nur das die zweite Brennblase wesentlich kleiner ist, als die erste.

Anschließend muß das Destillat nun durch den Spirit Safe. In der Regel ist dies ein mittelgroßer Glaskasten, der von der Steuerbehörde verplombt wird und auch nur in deren Beisein geöffnet werden darf. Nun hat der Still Man bzw. Brenner seinen großen Einsatz. Er muß nun entscheiden, ob das Destillat zurück in das Auffangbecken und neu destilliert werden muß, oder ob die Qualität ihren Anforderungen gerecht wird. Dies Entscheidung zu treffen, setzt ein hohes Maß an Erfahrung voraus, denn sie kann dann nicht mehr zurückgenommen werden. Ist dies geschehen wird die glasklare Flüssigkeit nun in Holzfässer zum Reifen gefüllt. Wenn der Whisky in die Fässer kommt besitzt er einen Alkoholgehalt von cirka 70%. Durch die Zugabe von Quellwasser wird dieser Pegel auf cirka 60% gesenkt. Dieses muß natürlich auch unter der Aufsicht der Zollbeamten geschehen.

5. Reifen

Das schottische Gesetz schreibt vor, das ein Scotch Whisky mindestens drei Jahre im Faß lagern muß, bevor in den Handel gelangen darf. Es gibt allerdings nur recht wenige Anbieter, die sich daran halten. (Gott sei Dank) Die meisten lassen ihr Lebenswasser mindestens acht, oft aber zehn Jahre oder meist noch länger im Holzfaß. Länger als zwanzig Jahre sollte er allerdings nicht im Faß gelagert werden, weil dann die Gefahr besteht, das er den Holzgeschmack annimmt. Ich habe mal irgendwo im Fernsehen davon gehört, das die Lagerzeit auch von der Größe des Fasses abhängig ist. In einem 150 Liter Faß braucht der Malt cirka acht Jahre, in einem 300 Liter faß dagegen cirka 10 Jahre bis er reif ist.

Ganz wichtig ist natürlich auch das Holz aus dem die Fässer gemacht werden. Traditionell bevorzugt werden natürlich Fässer in denen vormals ein Sherry gelagert wurde. Ein heller Sherry hat zur Folge, das der Whisky nachher einen blassen Goldton hat, wurde vorher ein dunkler Sherry gelagert, wird der Whisky viel dunkler, fast bernsteinfarben und auch das Aroma ist ganz anders. Es gibt mittlerweile einige Destillen, die ihren Whisky in anderen Fässern lagern. Hier werden z.B. gerne welche genommen, in denen vormals Portwein gelagert wurde. Nach amerikanischem Gesetz, darf dort kein Faß noch einmal verwendet werden, in dem schon einmal Whisky ausgebaut wurde. Dieses Gesetz findet in Schottland keine Anwendung - so kann es dort schon einmal vorkommen, das Fässer verwendet werden, in denen zuvor Bourbon gelagert wurde! (z.B. Glenmorangie)

Einen kleinen "Nachteil" haben die Holzfässer natürlich, denn im Verlauf des Reifeprozesses verdunstet ein Teil des Whiskys, unter anderem durch die Luft, die immer wieder an die Fässer gelangt. Dieser Teil des Whiskys der dort verloren geht, wird angel`s share, also Peters Anteil genannt. "ggg" Es wird geschätzt, das dieser Anteil verloren gegangenes Lebenswassers zwischen zwölf und fünfzehn Millionen Litern pro Jahr liegt!

6. Abfüllen

Nach acht, zehn, zwölf oder eben halt fünfzehn Jahren kommt dann der Zeitpunkt, an dem der Whisky in die Flaschen verfüllt werden soll. Um eine einigermaßen adäquate Trinkstärke zu bekommen, wird der Whisky oft nochmals mit Quellwasser verdünnt, bis er in einem Bereich von 40 bis 43% Alkohol gelangt. Es gibt aber auch einige Firmen, die ihren Whisky so abfüllen, wie er im Faß war, d.h. er kann durchaus zwischen 50 und 60% Alkohol haben.

Anschließend werden die Flaschen nun sachgemäß gelagert bis sie in den Verkauf kommen. Die allermeisten Destillen bringen ihren Whisky als Blended auf den Markt, d.h. sie werden mit einem oder mehreren Whiskys verschnitten.

Es gibt leider immer weniger Brennereien, die einen reinen Single Malt Whisky herstellen und dann auch verkaufen. Zwischen den einzelnen Single Malts gibt es allerdings auch große Unterschiede. Ein Single Malt aus den Lowlands schmeckt wesentlich leichter als z.B. einer aus Islay oder auch aus den Highlands. Ich selber mag eigentlich beide Varianten, mal die mittlere aus der Speyside Region, mal ein Talisker von der Isle of Skye.

Wer noch nie einen Single Malt Whisky getrunken hat, für den ist einer aus den Lowlands wahrscheinlich richtig zum einsteigen. Mit der Zeit kann man dann selber ausprobieren, welche Variante einem besser zusagt.

Zum guten Schluß möchte ich vor allem noch eines sagen: Wer die Zeit und vor allem auch die Möglichkeit hat, sich einmal eine echte Destille anzusehen, sollte diese Chance auf jeden Fall nutzen. Es ist auf jeden Fall sehenswert, einmal vor Ort zu sehen, wie der Whisky entsteht. Der dort herrschende Geruch ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig (bedingt durch die Gärung), es sollte Euch allerdings nicht von einem Besuch abhalten.

Ich hoffe Ihr wißt jetzt alle, wie der Whisky hergestellt wird und hoffe es hat Euch Spaß gemacht zu lesen. Für Tips und Hinweise bin ich jederzeit dankbar.

Viel Spaß beim Lesen


Peter
Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsorenlinks
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
t.schlumpf

t.schlumpf

21.07.2007 16:38

Jetzt müsste auch der größte Abstinenzler in Versuchung gekommen sein ;o))

sternchen1960

sternchen1960

06.12.2006 12:54

klasse Info!

Minimilka

Minimilka

22.08.2006 07:56

Super erklärt! Das meiste wusste ich allerdings schon, da mein Freund ein Whisky Freund ist und ich mir schon ettliche Vorträge anhören musste ;)

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 498 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (2%):
  1. sternchen1960
  2. Zankafein
  3. Heksen

"sehr hilfreich" von (98%):
  1. t.schlumpf
  2. lenah21
  3. Minimilka
und weiteren 146 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.