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What is love? Baby, don’t hurt me, ...

3 23. Jun 2002 (24. Jun 2002)

Pro:
-  -  -

Kontra:
-  -  -

Empfehlenswert: Nein 

MauriceAC

Über sich: t.b.a.

Mitglied seit:28.03.2002

Erfahrungsberichte:215

Vertrauende:39

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Warnung vorab:

Der nun folgende Text kann vielleicht zu deutlich werden, sowohl in Inhalt als auch Sprache, wer damit ein Problem hat, bitte jetzt aufhören zu lesen. Der Rest: go on...

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„What is love? Baby, don’t hurt me, don’t hurt me, no more...” – oder: von Liebe, Treue und anderen merkwürdigen Begebenheiten...


Was habe ich doch letztens wieder für schreckliche Musik ertragen müssen. Freitag Abend, die lokale Großraumdisse. Wer’s mag.
„What is love? Baby, don’t hurt me, don’t hurt me, no more...” schallte es da auf die Tanzfläche und ich fühlte mich zurück versetzt in meine schlimmste Jugend. Pickel, das erste Bier, leider nicht der erste Sex, dafür Mädels, die einen toll fanden, man sie selber aber natürlich nicht, denn die hatten ja Titten. Böses Wort, ich weiß, überlesen oder weiter Emma kaufen & sich aufregen. Schlimme Zeit. Schlimme Musik. Schlimmer Headaway. Kopf weg? Hieß der echt so, oder schreib ich nur den Namen falsch. Das gibt mir jetzt zu denken & sollte es euch auch tun, aber nicht zu lange, denn: weiterlesen müsst ihr schon noch....

Das Lied lief also auch Freitag. Schön das ich schon ein Kölsch getrunken hatte. Respektive: ich war total besoffen. Ja ich vertrage nicht viel, was aber an dem Tag echt zum Vorteil gereichte. Und so konnte ich selbst auf abscheulichste Lieder, eben auch jenes weinerliche „don’t hurt me, don’t hurt me, no more“, meine Beine in nie gesehener Abartigkeit bewegen. Tanzen sage ich jetzt nicht; ich kann nicht tanzen, das bescheinigt mir ein jeder, seitdem glaube ich das auch mal. Doch ich war ja nicht allein. Der Rest war ebenso unfähig Rhythmus oder ähnliches in der Musik auszumachen. Außer einer natürlich – Tom*. Aber der tanzt ja auch, Verein, na klar, warum bekomm ich immer die ab?

Nun also kurz zu Tom. Tom ist süß, sieht scheiße gut aus, ist 19, schwul, man könnte sagen er ist ne Megaschwuchtel (nicht das ich drauf stehe, aber wenn man denn mal besoffen ist ?), kann gut tanzen und fand mich an dem Abend ganz nett. Oder besser toll, Liebe auf den ersten Blick, ich bin nicht mehr Single seit heute Abend, yuhu, Glückwunsch, oops, jetzt hab ich ja nen neuen Freund. Es kam also wie es kommen musste. Hetendisco, er und ich in einer Ecke, Zunge an Lippen, Zunge in Hals, Heten gucken blöde, haben aber keine Wurfgegenstände dabei und lassen uns ins Ruhe. Ca. 124 küsse später geht’s nach Hause. Ich zu mir; er zu sich. Jawohl, nicht immer gleich f***** am ersten Abend, das gehört ja nicht (oder doch?).

Dann liegt man also in seinem Bettchen um 8 Uhr morgens, die scheiß Vögel halten nicht die Klappe und schreien rum wie blöde, wollen einen nicht schlafen lassen, und man denkt: wow, kein Single mehr. Glücklich schläft man nicht ein, aber man schläft ein.

Und man wacht dann auch auf, der nächst Tag. Wollte er mich schon erreichen? Schon ne SMS bekommen? Fehlanzeige, also wartet man bis zum Abend und meldet sich selbst. Nee, geht nicht, sehn uns nicht heute, ok. Ok, gut, aber morgen, bestimmt. Morgen war gestern, wir haben also Montag (ist da wer mit gekommen? *g*). Wieder nichts. Tolle Beziehung denkt man ab & zu, aber soll man ja nicht, das ist ja böse. Böse ist dann auch das was man am Abend macht. Man geht in den chat, woher man Tom kennt (Ja, Chatbekanntschaften, ich kann das auch nicht wirklich empfehlen...). Aber unter anderem Namen, denn Tom könnte ja da sein; bingo, ist auch da. Aber spreche ich ihn nun an, den Freund, den `“love on first sight“- Bekenner? Nee, das wäre arschig, aber da geht auch schon das nette kleine Fenster auf. Er war’s.
„Hi“
„Hi“
„wie geht’s?“
„geht so, hab langeweile.“
„ich ja auch, komm gerade erst von der arbeit“
„ach so“
„und was machst du so spät noch hier?“
„gar nichts bestimmtes, wollte nur sehen wer noch so online ist...“
„na ja, ich brauch jetzt erst mal was zum rauchen, trinken und was zum ficken...*g*“
„klingt toll.“
„welcher teil?“
„der letzte; suchst du live....?“
„yep, suche ich....“

Ok, hier blende ich das halbwegs originalgetreue Chatprotokol mal aus. Das war also Tom, 3 Tage zusammen und wollte schon jemand anderes zum f***** haben. Nicht das wir schon gef**** hätten, nö. War mir dann auch zu blödm, die Sache und ich haute auch schon bald wieder aus dem Chat ab.

2 Tage später, seine SMS: „Warum meldest du dich denn nicht? (...)“ Meine, welche ich in einem Anfall von Nettigkeit tippte: „Weil du lieber andere Kerle vögeln willst als mit mir zusammen zu sein...“. Böse ich weiß, aber böse liegt mir eben.

“What is love? Baby, don’t hurt me, don’t hurt me, no more...” Das war keine Liebe, weh getan hat’s auch nicht. Man kennt das ja. Die ersten Tage lässt man sich eh auf nichts ein. Was ja schade ist, denn wie kann man noch offen an eine Person, an einen neuen Menschen heran gehen, wenn man so misstrauisch, so zurückhaltend ist....?

Was ja nicht von ungefähr kommt. So auch bei mir. Und jetzt hole ich etwas weit, wenn’s zu weit wird, blendet euer Gehirn aus, aus...

August 1999. Ein lauer Sommertag. Es ist scheiße warm, die Frisur ist im Arsch. Ein Gewitter zieht auf. Man war den Abend was trinken, reden, in der Stadt, in ner Kneipe, die man vorher nicht kannte & nachher nicht mehr kennen wollte. Dann ist es Mitternacht, vor seiner Haustüre. Er und ich im Auto, er muss aussteigen, ist ja mein Auto. Macht er aber nicht. Er bleibt sitzen und lächelt mich an, die Augen glitzern vom Licht der Laterne, im Autoradio läuft meine neue CD, Travis, „The Man Who“ . Etwas später läuft diese bereits zum 7 Mal, ausgestiegen ist er noch immer nicht. Dafür näheren sich gerade langsam unsere Lippen der erste Kuss, der erste von vielen.

Man kommt zusammen, am besten ohne Kleidung, den die verklebt ja. Man ist zusammen, am besten Tag und Nacht, den alleine einschlaffen, nein, das will man von nun an nicht mehr.

Aber Alltag kommt auf, ja, schon nach Woche 2. Nach Woche 3 muss dann mein Freund mit jemand anderes in die Kiste steigen. Ok, verzeihen wir das noch mal. Einmal. Na gut, zweimal, weil man ja nett ist.
Manchmal bekommt man auch etwas nicht mit, was man dann hätte ein drittes mal verzeihen müssen. Oder man macht beim fünften Mal Schluss, um drei Tage später erneut zusammen zu kommen, wieder ohne Klamotten wohl gemerkt.
Versöhungsf***** also. Ist nicht toll, macht man aber trotzdem. Machten wir noch öfters. Ca. 10 Mal. Sollte man nicht, denn man wird vieles dabei, nur nicht glücklich…
Mein Freund hatte mich also betrogen, öfters betrogen. Und ich verzieh es ihm immer wieder, immer hoffend, das es das letzt Mal war. War’s aber nicht. So auch vor gut 10 Wochen, also die selbe Masche an lief, mit der er die Kerle immer rum zu bekommen versuchte...
Handynummern tauschen, Kaffee trinken gehen, zusammen kochen, reden, lächeln, lügen, versprechen, betatschen, grabschen, und ach ja, dann schließlich noch ne Nummer schieben, denn das Gehirn, ja das hat man ja ins Eiskühlfach geschoben...
Zuhause sitze dann ich und male mir gerade aus wie ein anderer Kerl wohl gerade meinen Freund von hinten nimmt. Keine schöne Vorstellung. Und egal was man sagt, man weiß einfach was da gerade abläuft, wenn sein Handy aus ist, das sonst 24/7 an ist. Oder was geschieht, wenn er sich melden wollte, es aber nicht tut. Man weiß es.

Dann heult man rum. Nicht mehr so lange wie früher. Keine Tage und Nächte durch. Das kann man gar nicht mehr, denn man hat sich leider schon dran gewöhnt. Und auch gewöhnt hat man sich daran, das so was überhaupt vor kommt, das es passiert, das er fremd geht. Und man selber ja nicht, wie ich an der Stelle mal betonen möchte. Man ist ja anständig, herrlich, selbstgerecht, kann sich aber noch im Spiegel anschauen, aber nur an nem „good hair day“.

Wochen ist es nun her, dass ich endlich die Schnauze voll hatte und meinen Freund abserviert habe. Nicht ohne Tränen. Aber bei weitem nicht mit so vielen wie man es erwartet hätte und wie ich es immer befürchtete, was mich dann immer vor diesem letzten Schritt zurück hielt.

Endlich wieder Single, der Gedanke stellte sich dann nach gut einer Woche ein. Ich kann tun und lassen was ich will, Kaffee trinken mit wem ich will, weg gehen solange ich will, Freunde treffem, egal, was ich will halt, ficken wenn ich will & nicht ficken wann ich nicht will. Toll, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten tat sich erneut in meinem Kopf auf. Und vor mir tat sich eine alte, bekannte, aber doch erntrückte Welt auf...

Beziehung heißt Abstand nehmen, das merkte ich. Jetzt arbeite ich mich wieder ran. An alte Freunde, die den Kontakt abbrachen, da der Ex ja so seltsam drauf war. An neue Leute, Freunde kann man nicht genug haben, und ONS schon, aber nicht diese Woche, denn diese Woche, ja diese Woche will man noch mal leben und wenn das heißt 3, 4 Kerl flach zu legen, dann sei es so...

Doch dann merkt man manchmal auch eines: da fehlt doch was. Der Typ, neben dem man jeden Abend eingeschlafen ist. Oder vielleicht auch nur ein Typ....?

Und so endet man im chat, bei Tom, in der Disse oder auf nem Parkplatz oder wer weiß schon wo - und dann letztlich immer wieder bei sich selbst....

Liebe lernt man zu vergessen, denn man fragt sich ob man sie eh jemals wirklich kannte. Treue lernt man zu überschätzen, denn um einen herum glaubte man wohl doch leider als einziger an sie. Beziehungen lernt man nicht zu leben, den sich einlassen auf sie, das kann man schlicht und einfach vielleicht gar nicht mehr...

Hoffnung, die Aussicht auf Besserung. Die Aussicht auf Glück, den Menschen seiner Träume, die sollte man noch haben und wenn ich die jetzt noch über Bord werfen, dann lebe ich eh nicht mehr...

“What is love? Baby, don’t hurt me, don’t hurt me, no more...” fragt & bittet man manchmal still für sich alleine...


>>>>>>>>>>by MauriceAC `02<<<<<<<<<<


P.S.: Was will uns dieser Bericht sagen? Eben das trotzdem alles immer schlimmer werden kann und man ja selbst nichts dafür kann. Aber auch: Don’t give up hope, cause the best is still coming...


* Nein, nicht du Tom, ein anderer Tom. *lol*


 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Itchy205

Itchy205

12.11.2002 16:00

Deine Ehrlichkeit berührt. Und: "Glücklich schläft man nicht ein, aber man schläft ein." kenn ich auch. Ist aber zum Glück lange her. Fühlt sich ja schließlich weder gut an noch lohnt es sich wirklich - also lieber allein sein.

andrekuhlemann

andrekuhlemann

04.07.2002 20:53

Tragikomik und unfreiwillige Komik (a la "einschlaffen" ; ist das extra f Absicht oder ein freudscher Fehler?) sind wirklich die beste Zutat für einen fesselnden Bericht. Gruß André

dirtybeautytom

dirtybeautytom

26.06.2002 20:48

If I can't have you, I don't want nobody, baby... Ja. Tom

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