Werbung

1  20.08.2008 (19.08.2008)

Pro:
s . B .

Kontra:
s . B .

Empfehlenswert: Nein 

gudy2

Über sich: Ich werde nicht in euren Kreisen tanzen, weil ich eure Schritte nicht lernen will! Allen wirklichen ...

Mitglied seit:23.06.2002

Erfahrungsberichte:81

Vertrauende:110

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 159 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mein Freund die Werbung

Der schwedische Winterabend legt seine Dunkelheit neben mir ab, die guten Bücher sind ausgelesen, zum Basteln und Schnitzen an meiner selbstgebauten Stehlampe habe ich keine Lust mehr und so fällt mein Blick auf die alte Fernsehzeitung, die schon vor Wochen abgelaufen ist.
Nein, ich bin kein Freund des Fernsehgerätes, denn nur selten gibt es dort ein lohnendes Programm, außer dem aktuellen Weltgeschehen und selbst darin finden sich meistens doch eher Depressionen auslösende Berichte, die am Verstand der Menschheit zweifeln lassen.
Klar könnte ich jetzt mein Wohnzimmer tapezieren, meine Wiese mähen oder ein Buch über die schwedischen Winterabende schreiben, aber mir ist viel mehr nach Gemütlichkeit und nicht nach Arbeit.
Im Videotext erfahre ich dann, auch ohne Programmzeitschrift, dass es heute tatsächlich einen sehenswerten Film gibt und so bewaffne ich mich mit einem Apfel und einem leckeren Tee, um den Fernsehabend so richtig gemütlich zu gestalten.


Nach dem Abschluß der Tagesschau belehrt man mich zunächst, dass mir das Wetter von Yellowstrom präsentiert wurde, was mich nicht wenig verwundert, denn ich war der Meinung, dass es der Kachelmmann war, der hier gerade was über Hochs und Tiefs erzählt hat.
Vielleicht habe ich mich in den letzten Jahren zuviel mit Dingen beschäftigt, die mir sinnvoller erschienen, denn immer, wenn ich das Fernsehgerät einschalte, begegnen mir neue Welten, von denen ich nichts zu verstehen scheine.

Als ich pünktlich den Sender wechsle, um mir eindlich meinen Film anzuschauen, drückt plötzlich der mimiklose Dr.Best erstmal Zahnbürsten in eine Tomate. Er trägt einen weißen Schlachterkittel, um Seriosität zu demonstrieren und erzählt etwas von Zahnfleischbluten. Der, um die Zahngesundheit des Volkes so besorgte Jurist, unterstreicht seine Besorgnis mit dem Hinweis auf medizinische Tests, aber wann, wie und von oder an wem diese Tests durchgeführt wurden, vergisst er leider zu verraten. Welche Personen oder Lebenwesen wurden getestet? Gebissträger? Hunde, Katzen, Ratten, Mäuse oder Meerschweinchen, die ja auch des Öfteren für medizinische Tests herhalten müssen? Wo findet man die Testergebnisse? Man kann testen was immer man möchte, aber allein die Aussage, dass irgendetwas medizinisch getestet wurde, sagt gar nichts aus! Das Testergebnis von Onkel Doktor Best könnte natürlich auch lauten, dass man Zahnbürsten besser in holländische Fleischtomaten drücken kann, als in spanische Kirschtomaten. Somit bleibt das Testergebnis der Phantasie des eifrigen Werbefernsehnzuschauers überlassen und würde mich persönlich nie dazu animieren eine bestimmte Tomatensorte zu bevorzugen.

Während ich gespannt auf meinen Film warte, wird mir dank der Werbung klar, welch schreckliches Leben ich hier in den schwedischen Wäldern führe. Ich habe leider nicht die Möglichkeit, mich beseelt von Mon Cherie, im rosa Kleidchen, in gummizellenartigen Räumen rumzukugeln und mein Weekend feeling beginnt in einem hölzernen Badebottich, der in meinem Garten steht und jeden Freitag beheizt werden muss, damit das Wasser die nötige Badetemperatur erreicht. Im hinteren Teil des Bottichs steht ein Holzofen im Wasser, der mehrere Stunden befeuert werden muss. Das ist ganz sicher etwas aufwändiger, als einfach unter die Dusche zu hüpfen, aber dafür kann ich auch nachts bei -20 Grad den wunderschönen Sternenhimmel betrachten, Sternschnuppen zählen und den Geräuschen des Waldes lauschen.
Das ist natürlich nichts, gegen einen Zott Sahnejoghurt, der die ganze Familie samt Hund, in den atemberaubenden Zustand eines Kokainrausches zu versetzen scheint. Schon beim Öffnen des Bechers hüpft die Familie völlig beschwingt durchs Wohnzimmer und macht den Eindruck, als wollten sie die ganze Welt umarmen. Verdammt, ich wurde noch nie vom sahnigen Geschmack verführt, der mich unvermittelt meine Familie lieben und knuddeln ließ. Ich liebe diese Pappnasen einfach so, aber wahrscheinlich nicht richtig, denn wir sitzen freitags ja nur in unserem Bottich - schwatzen und lachen und dieser Zustand geistiger Umnachtung hält manchmal bis 2 oder 3 Uhr nachts an.

Im nächsten Werbespot erfahre ich dann, dass ich alt und verknittert bin und das eigentlich gar nicht sein müsste, wenn ich mir doch endlich Nivea Visage kaufen würde. Das halbnackte, faltenfreie Lächeln der Niveatante erinnert mich daran, dass ich gegen die meisten Produkte dieser Firma allergisch bin, aber ein rot verquollenes Gesicht wirkt natürlich faltenfreier und schließlich ist die Palette der Anbieter völlig sinnloser Cremes groß. Da wird sicher auch was für mich dabei sein.
Wenn ich also wollte, könnte ich mühelos mein Geld zum Fenster rauswerfen und mir einbilden, dass Q10 oder Aloevera das Gesicht in nur 30 Tagen 10 Jahre jünger aussehen lassen - nur frage ich mich, welchen Sinn es haben soll, mit 45 auszusehen wie 35?
An dieser Stelle einen Gruß an alle Passfälscher! Ihr seid die wahren Helden!

Weiter führt mich die Werbung, vorbei an wundervollen Haarcolorationen, denen die Natur als Vorlage dient und die ewig gute Laune versprechen, weil sie eine perfekte Grauabdeckung garantieren. Beim Anblick der quirligen Damen, die ihren Kopf rhythmisch von rechts nach links werfen, kommt mir unwillkürlich der Gedanke an eine Schüttellähmung, die man unverzüglich medikamentös behandeln sollte. Die neue, völlig natürlich wirkende Haarfarbe, die von Natur aus, wohl nur auf dem Kopf von Pumukel zu finden ist, scheint von einem rot-grün blinden Chemiker ertwickelt worden zu sein. Der arme Kerl hat, ohne sich dessen bewusst zu sein, den Feuerlöscher-Look kreiert, auf den einige modebewusste Damen so unglaublich stehen, um ihrem langweiligen Innenleben, wenigstens ein bisschen äußere Auffälligkeit zu verleihen.

Im nächsten Werbespot erzählt mir Heidi Klumm dumpfbackig etwas über die Düfte von Douglas und ich habe schon keine Lust mehr auf den Film, den ich eigentlich sehen wollte.

Deprimiert schleiche ich zum Kühlschrank und stelle fest, dass sich darin noch nichtmal die Wurst aus der Rügenwalder Mühle befindet. Kein Saft aus sonnengereiften Orangen, der schmeckt, wie frisch gepresst und auch nicht das schleimige Gesöff der Punika Oase, dass zwar die Zähne schneller faulen läßt, aber trotzdem tierisch glücklich macht, ist in meinem trostlosen Kühlschrank zu finden.
In meinem Bad bietet sich ein ähnliches Bild.
Als fanatischer WC Reiniger, besitze ich doch tatsächlich ein flüssiges Scheuermittel mit Zitronenduft. Aber, wie ich der Werbung entnehmen durfte, reicht das bei weitem nicht aus.
Ich bin also nicht nur alt und verknittert, sondern auch noch ein Erdferkel, dass es nicht so genau nimmt, mit der Hygiene. Durch die Werbung habe ich doch nun ganz klar den Hinweis bekommen, was zu tun ist. Desinfektionsmittel müssen her! Ich muss den Raum ja irgendwie keimfrei kriegen. Meine makellos sauber scheinende Toilette, betrachte ich nun mit anderen Augen. Sie strahlt mir hinterhältig im zufriedenstellendem Weiß entgegen, verbirgt mir aber die bakteriell verseuchten Schmutzränder, die sich im gesamten Bad ausbreiten können.
Ich gestehe, seit einigen Wochen zum Brillenträger mutiert zu sein und vielleicht stecke ich ja noch in der Gewöhnungsphase meiner Gleitsichtbrille, in der mir mein Optiker Schwindelzustände und schlechteres Sehvermögen ankündigte. Mit zunehmendem Alter hat vielleicht auch mein Geruchssinn nachgelassen, denn ob mit oder ohne Brille, die gefährlichen Schmutzränder, die einem das Leben so schwer machen können, bleiben mir verborgen. Da meine Sinnesorgane langsam ihren Dienst einzustellen scheinen, brauche ich zumindest Domestos und Sagrotan. Man will ja im Alter nicht völlig verkommen!
Vielleicht eignen sich diese reinigenden Wundermittel ja auch als Badezusatz, denn auf unserer Haut gibt es bestimmt Keime, auf die wir verzichten könnten und von Darmbakterien habe ich auch schonmal was gehört.


Endlich beginnt mein Film!
Die übertriebene Ankündigung, dass mir mein Film jetzt von der Dresdner Bank präsentiert wird, verwundert mich schon ein bisschen, denn ich dachte, ich hätte SAt1 eingeschaltet.
Aber.... die Dresdner Bank will mir jetzt gar keinen Film präsentieren, sondern einen Film Film. Nun brat mir doch einer nen Storch - so schlecht sind meine Ohren eigentlich nicht. Stottert der Ansager oder klemmt das Band?
Nach viel persönlicher Verwunderung geht es endlich los mit dem Film Film und ich platziere mich gemütlich in meinen großen Ohrensessel und knabbere meinen Apfel. So ein gemütlicher Fernsehabend ist doch was Herrliches!


Nach 20 Minuten gewinnt der Film Film endlich an Spannung und mein Apfel ist aufgegessen. Noch einen oder vielleicht eine Banane?
Nur 3 Sekunden habe ich meine Augen vom Fernsehgerät gelassen, um meine Banane zu schälen und als ich gespannt wie ein Flitzebogen wieder auf die Matschscheibe gucke, sehe ich, wie die Klitschko Brüder auf Liegestühlen rumhängen und über Tolstoi, schwere Kost und Kindermilchschnitten diskutieren. Was ist denn das? Ist mein Fernseher kaputt? Nein, noch immer SAT1, aber wo ist mein Film Film? Verwirrt schalte ich durch die Programme und erfahre, dass Somat nun einen Reinigungsverstärker für strahlenden Glanz hat, Müller jetzt einen Joghurt mit Fruchtalarm verkauft, meine Haare ganz dringend Aminosäuren brauchen, Calgon mit einem schnell aktiven Expressball ausgestattet ist, Pril, den Sodaeffekt mit Kraftsprudel besitzt und dass ich bei Kabel digital home den Anschluss nicht verpasse, weil ich mir weitere 30 schwachsinnige Sender ansehen kann.
Zurück zu SAT1 ist der Dresdner Bank präsentierte Film Film noch immer nicht zurückgekehrt.
Statt dessen grinst ein total verblödeter Vater der Kaffeetasse entgegen, die ihm von seinem verstörten Sohn gereicht wird. Die beiden scheinen am Feuer Brasiliens schon heftig gelitten zu haben. Die milde Harmonie der beiden zieht sich durch den ganzen Werbespot und erinnert mich an das Affenhaus im Wuppertaler Zoo. Wenn der Gorillapapa Zahnweh hat, muss man ihn narkotisieren und während der Papa schläft hüpfen die Affenkinder auf ihm rum.
So also muss man mit Kindern umgehen, die einem glücklich lächelnd eine fünf in Erdkunde unterschieben wollen!
Mein Sohn hat nie so eine milde Harmonie mit nach Hause gebracht, wenn er eine Note in den Teich gesetzt hat. Meistens kam er ganz klein und traurig nach Hause, weil ihm die Note nicht gefiel, brauchte ein bisschen Trost und Ermunterung und musste eben lernen, dass im Leben manchmal was in die Hose geht, die Welt sich aber trotzdem weiter dreht.
Nun erlebe ich in der Werbung dass ich mit meinen völlig veralteten Erziehungsmethoden total auf dem Holzweg war. Trost braucht hier niemand - eher psychiatrische Hilfe!
Ich bin und war nie ein Freund von Gewalt und darum frage ich mich, warum sich bei mir, beim Betrachten der idyllischen Halbfamilie das Bedürfnis einschleicht, dem Vater und gleich auch noch dem Sohn eine rein zu hauen.
Dann denke ich darüber nach, dass der kleine Junge ja auch noch ein Leben ausserhalb der Melittawelt besitzt, um das er ganz sicher nicht zu beneiden ist. Wieviel Hohn und Spott muss er wohl von seinen gleichaltrigen Klassenkammeraden ertragen, für den Quark den er da im Fernsehn abspulen muss? Auf sowas kann doch kein normaler Mensch stolz sein und was hat er für Eltern, die sowas zulassen?


Endlich taucht mein Film Film wieder auf, aber vor lauter Werbungsärgernis habe ich halb vergessen, worum es in diesem Film Film überhaupt ging. Nach ein paar Minuten bin ich allerdings wieder voll dabei. Wie gut, dass man mich vor Beginn des Filmes nochmal daran erinnert hat, dass der Film Film mir von der Dresdner Bank präsentiert wird und diese mir jetzt auch noch gute Unterhaltung wünscht. Vielen Dank!


Nach 20 Minuten der Unterhaltung taucht jedoch plötzlich und unerwartet Herr Gottschalk, im merkwürdigen Taucheranzug auf und erzählt etwas von Goldbären. Eine Horde kleiner Kinder leert seine Schatzkiste und Onkel Thomas muss nun wieder ins Wasser, um neue Goldbären an Land zu holen.
Ich finde, irgendwo ist Schluss mit lustig.
Den deutschen Krankenkassen fehlt Geld an allen Ecken. Inzwischen müssen die Krankenkassen den kleinen, stark übergewichtigen Goldbärenkindern, Milchschnittenmöpsen, Kinderschokoladenkugeln und McDonaldskanonen per Therapie beibringen, wie man richtig isst. Dabei erfahren die lieben Kleinen, dass in einer kleinen Tüte kuscheliger Goldbären ca. 85 Würfelzucker stecken und diese wiederum weder so besonders empfehlenswert für die Zähne sind, noch für eine halbwegs gesunde Ernährung .
Nee nee, jetzt nicht wieder alles auf die dummen Eltern schieben !!!
Eltern tragen gewiss ihren Anteil, aber ich wage zu behaupten, dass ihr geldgierigen, gewissenlosen Werbemacher den größeren Anteil tragt! Ich möchte hier nicht die Kinderproduzenten in Schutz nehmen, die das Fernsehgerät als Beschäftigungstherapeuten für ihre Kinder einsetzen. Das Motto, ich habe genug getan, als ich dich in die Welt gesetzt habe und nun such die Antworten auf deine vielen Fragen in der Sesamstraße, funktioniert nicht. Kleine Menschen brauchen ein bisschen mehr als die Barbie Tea Party, Ernie und Bert oder den Monstertruck von Martel. Sie brauchen Aufmerksamkeit, jemanden an dem sie sich festhalten können, auch wenn sie noch so cool tun und manchmal einfach einen Freund, der ihnen ohne erhobenem Zeigefinger, freundschaftlich einen Rat gibt.
Was sie jedoch absolut nicht brauchen sind Werbemacher, die sich klammheimlich in die Erziehung mischen, Kindern eine, gegen jede Vernunft sprechende Welt suggerieren und ihre wundervolle Phantasie zerstören, indem sie ein Wertesystem in kleine Köpfe pflanzen, dass nur ihnen allein Gewinn verspricht!
Onkel Thomas Goldbär, auch du trägst Verantwortung für die Gesundheit unserer Zukunft. Ist dir das nicht bewusst, wenn du dich für Geld, im Taucheranzug zum Volltrottel machst?
Ich gebe zu, es gibt witzige Werbung, aber was du da veranstaltest ist einfach nur grottenblöd und peinlich.


Nach der Goldbärenattacke hatte ich absolut keine Lust mehr auf den Film Film, der mir von der Dresdner Bank präsentiert werden sollte. Ich hatte die Nase gestrichen voll vom gemütlichen Fernsehabend und beschloss in Zukunft keine Sender mehr einzuschalten, in denen ich alle 20 Minuten darüber aufgeklärt werde, dass ich falsch versichert bin, meine Altersversorgung dagegen spricht, dass ich mich in 30 Jahren, irgendwo im Regen nackt im Strandkorb zu Tode freue oder das die Geschichte der Menstruation eine Geschichte voller Missverständnisse ist.
Natürlich sind mir im Leben Missverständnisse untergekommen, aber was meine Mestruation betrifft, so kommt sie ziemlich unmissverständlich alle 28 Tage und vergeht auch wieder, oder habe ich jetzt etwas falsch verstanden? Wo liegt das Missverständnis? Gibt es Männer, die traurig sind, weil sie keine monatlichen Blutungen haben oder Frauen, die glauben nur alle 2 Jahre menstruieren zu müssen?
Liebe OBs, euro Korken sind Mist, weil sie die Scheidenflora beschädigen können oder sie austrocknen und es so schneller zu Entzündungen kommen kann. Leider fehlt so ein Hinweis auf allen euren Verpackungen.
Und die komischen Always Ultra Plastikläppchen kleben am Hintern und zwicken im Schritt und das rechtfertigt ganz bestimmt nicht den fast doppelten Preis einer no name Binde, die hervorragend ihren Dienst tut. Warum sollen wir Frauen für eure Menstruationsklebestreifen so viel mehr Geld ausgeben? Ach ja, ich hatte fast vergessen, dass ich eure nervtötenden Auftritte im Werbefernsehn ja auch irgendwie finanzieren müsst.


Wütend und längst nicht mehr schockiert, betrachtete ich vor einigen Wochen, die Werbung einer Krankenkasse, die sich inzwischen Gesundheitskasse nennt. Was glaubt ihr, liebe AOKler, wie sehr sich eure Mitglieder freuen würden, wenn ihr verschiedene, notwendige Behandlungen eurer Mitglieder finanziell besser unterstützen würdet, anstatt die Monatsbeiträge der Einzahler in Fernsehwerbung umzusetzen? Worum geht es euch eigentlich, wenn ihr, eure eher durchschnittlichen Leistungen auch noch im Fernseher anpreist?
Ich vermute, dass ihr eure Mitglieder geringfügig mehr zufrieden stellen könntet, wenn ihr z.B. mal den jämmerlichen Beitrag für Zahnersatz erhöht.
Nach Ansicht der WHO bedeutet Gesundheit nicht nur das frei sein von Krankheit, sondern auch psychisches, physisches und soziales Wohlbefinden, aber wer kann sich wirklich noch wohl fühlen, wenn die Beiträge ständig steigen, die Leistungen aber eher rückläufig sind? Ich kenne die Preise für Werbespots nicht, sonst könnte man mal errechnen, um wieviel Prozent man die Mitgliedsbeiträge senken könnte, wenn man dieses Geld seinen Schutzbefohlenen zukommenm lassen würde.

Wer sich um diese oder ähnliche Themen zu viel Kopfzerbrechen macht, der erfährt aus der Werbung, dass ihm schnell geholfen werden kann, denn Aspirin die Medizin deines Lebens hilft schnell und wirkungsvoll.
Zunächst, liebe Gläubige, lasst euch sagen, es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung und es gibt, das verspreche ich euch persönlich in die Hand, keine Pille, die euer Leben regeln kann oder euch das Denken abnimmt!
Als Laie würde ich immer den Arzt befragen ob und wann Medikamente sinnvoll und angebracht sind - ganz besonders, wenn ihr eure Kinder damit füttern wollt.
Brauchen wir wirklich für jedes Wehwehchen eine Pille? Ist es nicht oft sinnvoller bzw. auch gesunder, die leichte Grippe mal mit Wadenwickeln, einem heißen Tee und ein bisschen Bettruhe zu kurieren?
Liebe Pharmakonzerne weltweit!
Ich weiss ja, wie schlecht es euch geht! Ich möchte hier mein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck bringen!
Ich verstehe absolut, dass es euch längst nicht mehr um das Wohlergehen der Menschen gehen kann, denn schließlich müsst ihr ja auch leben. Euer Überlebenswille ist sicher der Grund, weshalb ihr inzwischen nicht die Kranken, sondern die Gesunden als potentielle Kunden erkannt habt und viel lieber an irgendwelchen Life-Style Medikamenten rumexperimentiert.

Als Zeichen meiner Anerkennung und Wertschätzung möchte ich euch ein paar Zeilen widmen.


Die von der Tsetse-Fliege übertragene Schlafkrankheit, an der nach Einschätzung der WHO ca. 500.000 Menschen erkrankt sind, kommt im gesamten Tropengürtel Afrikas vor.
Gegen diese Krankheit gibt es nur wenige, meinst sehr alte Medikamente, die vor vielen Jahren entwickelt wurden.
Das Medikament Suramin ist nur in der Frühform wirkungsvoll und kam 1920 auf den Markt. Ein weiteres Medikament (Pentamin von 1940) zeigt ebenfalls nur in der Frühform Wirkung. Im Laufe der Krebsforschung wurde entdeckt, dass Pentamin bei bestimmten, durch Aids verursachten Infektionen, wirkungsvoll eingesetzt werden kann und seither steigt es ständig im Preis.
Ein weiteres, arsenhaltiges und giftiges Medikament, unter der 3-10 % der Patienten während der extrem schmerzhaften Behandlung, an den Nebenwirkungen versterben, ist Melarsoprol, das 1949 den Markt erreichte.
Ein weiteres Zufallsprodukt der Krebsforschung war 1985 das Medikament Eflornithin, dass sehr gut wirksam und nebenwirkungsarm, sogar noch im Spätstadium der Erkrankung, wenn der Patient schon ins Koma gefallen war, eingesetzt werden konnte.
Leider nahm die Pharmaindustrie dieses Medikament 1995 vom Markt, weil es unrentabel war.
Nach harten Verhandlungen übertrug der Konzern das Patent für Eflornithin der Who, die viele Jahre versuchte eine Produktionsstätte zu finden.
Ein weiterer Pharma-Konzern entdeckte im Jahr 2000, dass der Wirkstoff das Haarwachstum hemmt und brachte ihn als Creme gegen Damenbart auf den Markt. Natürlich kann man Patienten keine Enthaarungscreme in die Venen spritzen. Der Damenbartentfernungskonzern weigerte sich jedoch, die Produktionskosten zu übernehmen, für die Form der Behandlung, die vielen Tausenden von Menschen, das Leben hätte retten können.
Man hat viel lieber ein neues, gewinnbringendes Life-Style Medikament geschaffen, dass man besser im Werbefernsehn vermarkten konnte.
Die Schlafkrankheit zählt zu den Tropenerkrankungen, die 11,4 % aller weltweiten Erkrankungen ausmachen.
Die Forschung für Life-Style Medikamente ist im vollen Gange. Warum sollte man auch lebenswichtige Medikamente produzieren, wenn es doch viel lukrativer ist, Fettleibige medikamentös zu trösten, Damenbärte zu entfernen oder wieder richtige Kerle aus den Männern zu machen, deren Nudel Absturzprobleme hat?


Ich möchte hier nicht die Erektionsprobleme der Nation geringfügig schätzen, halte sie jedoch für das kleinere Übel!
Tragen wir nicht alle einen Teil der Schuld an einer Entwicklung, die sich immer mehr von Menschlichkeit und Humanität entfernt? Sind es nicht auch wir, die glauben, dass der neue Audi A sonstwas unser Seelenheil retten kann, weil wir mit ihm Sprungschanzen hinauf fahren können?

Was geben wir unserer Nachwelt weiter?


Nehmen wir uns die Zeit, unseren Kindern zu erklären, dass ein Minimum an Bildung und Allgemeinwissen niemandem schadet? Warum wundern wir uns über die "verrückte Jugend" wie es schon unsere Väter und Großväter getan haben, wenn wir einen großen Teil der Erziehung und Zuwendung dem Fernsehgerät überlassen?
Entsetzt stellen wir dann fest, dass unsere Kinder noch nichtmal wissen, was die komischen Kürzel SPD, CDU oder FDP zu bedeuten haben, geschweige denn, was so im Programm der einzelen Parteien zu lesen steht.
Zum Ausgleich sind allerdings die neusten Klingeltöne für das abgefahrene Nokia - Handy unglaublich wichtig, denn schließlich ist man nur dann cool, wenn man da mithalten kann.
Jeder Mensch hat das Bedürfnis dazu zu gehören, nicht ausgeklammert zu sein - auch unsere Kids!
Wenn ihnen im Elternhaus oder auch in der Schule, die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins versagt bleibt und wir ohne einzugreifen zulassen, dass die Manipulation durch Werbefritzen ungebremst auf sie einströmen kann, warum wundern wir uns dann, wenn es den Riesenaufstand gibt, weil wir den coolen MP3 Player mit Megaspeicher oder das neuste Handy mit 500 Klingeltönen nicht mehr finanzieren wollen/können?


Um unseren Gedanken Flügel wachsen zu lassen, braucht kein Mensch, egal welchen Alters, koffeinhaltigen Gummibärensaft von Red Bull. Wir brauchen sinnvolle Inspirationen, Menschen, bei denen unsere Ziele, Gedanken und Träume in guten Händen sind und lebensnahe Informationen, die es uns ermöglichen Dinge real einzuschätzen.
Werbung, in der Form, wie sie mir dargeboten wird, stielt mir meine kostbare Lebenszeit, versaut mir jeden Fernsehabend und versucht mir, mit plumpen, saublöden Sprüchen eine Welt einzuträufeln, die so gar nicht meinem Naturell entspricht.
Dash wäscht inzwischen so weiß, dass man sich geblendet abwenden muss, wenn sich einem jemand, im Dash-gewaschenen
Hemdchen nähert und die schlaue Art zu waschen ist erheblich teurer als ein Aldi-Waschmittel, ohne ein besseres Waschergebnis zu erzielen. Da wir unsere Unwelt noch nicht genügend mit Chlorreinigern, Tensiden, Säuren und Phosphaten belasten, brauchen wir laut Werbung noch ein bisschen Venis Oxi Action, dass wir zusätzlich zum Waschpulver jedem Waschgang zusetzen sollen, um porentiefe Reinheit zu erlangen.
Frucht - und Fleckenzwerge überschwemmen die Nation - wen interessiert es da schon, wenn mal ein Gewässer, überdüngt von Phosphaten, umkippt? Phosphate sind doch schrecklich umweltfreundlich, denn man findet sie schließlich auch in Blumendünger!
Das wir alle ganz hammerhart umweltfreundlich sind, können wir dann durch den Kauf eines Kasten Krombacher beweisen. Ja, damit hinterlassen wir unserer Nachwelt ein Stück Regenwald! Der Regenwald ist nämlich ganz schrecklich wichtig, denn wo sollten sonst abgehalfterte Promis Spinnen, Maden oder Heuschrecken knabbern und ihren Hintern im regenwaldigen Folienteich baden?

Oft, wenn mir die Werbung erklärt, dass ich aussehen muss, als wären die letzten 20 Jahre spurlos an mir vorüber geeilt, ich erfahre, dass mich ein Brotaufstrich, ein Parfüm, ein Auto oder ein Haushaltsreiniger zum besseren Menschen macht, frage ich mich, wer diesen Scheiß tatsächlich glaubt. Kann es sein, dass Kalkofe recht hat, mit der Aussage, dass Fernsehn doof macht?


Es grüßt euch ganz herzlich
eure Gudrun!

Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsorenlinks
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
celles

celles

01.04.2011 11:12

danke liebe gudy

gerrhosaurus78

gerrhosaurus78

07.04.2009 16:07

Werbung? Ein permanent beworbener Artikel wird von mir grundsätzlich nicht gekauft, zumal wenn es immer wieder total hohle Werbefilme sind, die keine vernünftigen und wirklich wichtigen Infos liefern. LG, Daniela

LSR_Online

LSR_Online

31.12.2008 07:55

Wieder mal ein exzellent kritischer und aufzeigender Bericht von dir ! Ich wünsch dir und deiner Familie alles erdenklich Gute für 2009. LG Wolfgang

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 711 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (30%):
  1. gerrhosaurus78
  2. lillystern
  3. Quasseltante
und weiteren 45 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (70%):
  1. jockel2001
  2. celles
  3. momo40
und weiteren 108 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.