GayB@shing - Die Schlampen sind müde

5 11. Jun 2004

Pro:
Spiel, Spaß und Spannung; witzig, unterhaltsam und nicht zu ernst zu nehmen

Kontra:
Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpchen .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

andrekuhlemann

Über sich: Nasenlöcher adé, Sonne ahoi!

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Es kommt die Zeit im Leben eines jungen Menschen, da merkt er, dass das Internet nicht nur voller nützlicher Informationen über mathematische Gleichungen und die Wunder des Lebens, sondern auch mit widerlichen, selbstdarstellerischen, zeitweise sogar schrecklich pornographischer Menschen voll gepackt ist.
Und da junge Menschen auf so etwas mehr stehen, als auf langweilige Seiten über Politik, Weltgeschehen, Wissenschaft und anderes Wichtige dauerte es nicht lange bis ein knackiger, haariger Kerl aus dem mittelhohen Norden und ein waschechter, ebenso knackiger Rheinländer für sich daraus eine neue Freizeitbeschäftigung kreiert haben, um die einsamen Stunden vorm PC gemeinsam zu erhellen – das GayBashing.

Begriffskunde:

Eigentlich bezeichnet GayBashing, das absichtliche Verprügeln schwuler Mitbürger nur wegen ihrer sexuellen Orientierung. Da eine neue Trendsportart, aber nun mal eine Bezeichnung benötigt und die natürlich aus Trendgründen dann Englisch sein muss, passt dieser Begriff dann auch hier wie die Faust aufs Auge, womit sich der Kreis wieder schließt. Hier geht es jedoch nicht um das brutale, körperliche Schlagen, sondern eher um die positive und negative Schlagwörterauslassung über eben jene Menschen, die sich öffentlich im Internet präsentieren und somit damit rechnen müssen gemustert zu werden

Zutaten:

*eine Internetplattform mit bebilderten Profilen. Am besten eignet sich hier gayromeo.com, für Anfänger kann man auch ciao empfehlen, da es, auch wenn viele Heteros es vielleicht nicht merken, mehr Kontaktbörse für die schwule Welt ist, als manch eine rein schwule Seite.

*Ein Messengerprogramm. Vorzugsweise den Yahoo-Messenger, da er mehr und passendere Smilies als etwa ICQ bietet. Zudem bedarf es bei ganz seltenen Fällen das „Falling Hearts-Environement“ von Yahoo, um extremes Bildgefallen visuell noch zu unterstützen.

*einen geistig und geschmacklich ähnlich gesinnten Menschen. Da ich der eben erwähnte Rheinländer bin, ist das Gegenstück hier der liebe Nordmann zomtech, den ich, wie könnte es auch anders sein, bei ciao und nicht bei gayromeo kennengelernt hab.

Vorbereitung:

Der PC wird hochgefahren. Der Messenger wird gestartet. Es wäre eine Überraschung, wenn der Partner im Geiste mal nicht on wäre, er wird angeschrieben und los geht’s. Weiterhin müssen beide Personen ihren Browser starten und gayromeo.com aufrufen.

# Für Anfänger sei gesagt, dass sie, falls noch nicht geschehen, ein Profil bei gayromeo erstellen sollten. Man kann zwar auch ohne dieses die meisten anderen Profile anklicken, doch macht dies nur halb so viel Spaß #

Hat man nun ein Profil, bestückt man das mit aussagekräftigen Bildern, die je nach Mut an Zeigefreudigkeit variieren können. Dabei sollte man beachten, welche Zielgruppe man ungefähr ansprechen möchte. Schnell mal ein falsches Bild hochgeladen und das Profil wird nur noch von notgeilen, ollen Kerlen aufgerufen, was dem Negativ-Bashing zu gute kommen würde, aber doch der Partnersuche in der Quere stände, die trotz all dem Spaß nicht vergessen werden darf.

Die ersten Schritte:

Gayromeo verfügt über die Funktion aufgelistet zu bekommen, wer sein Profil angeschaut hat. Beim Start sollte man zuerst immer schauen, welche Männer denn nun Interesse am Profil gezeigt haben, sie werden durchgeklickt und meistens schnell wieder zugeklickt, denn trotz des gängigen Klischees, dass alle Schwulen gut aussehen, können alle Schwulen das negieren. Doch bietet gerade das wieder Futter für unsere eigentlich vorgesehene Tätigkeit. Ganz große Perlen der Männerwelt, werden per Nickname im Messenger eingetippt und an den Spielpartner übersendet. Dieser schaut sich die Person mittels Nicknamesuchfunktion an und schreibt ein Kommentar an den Absender wieder per Messenger, ein Dialog entsteht in dem auf oberflächlichste Weise gelästert oder bei gefallen auch geschwärmt wird.

Es geht weiter:

Zu der Auflistfunktion gibt es auch einige Geschöpfe, die einem auf gayromeo eine Message zukommen lassen, hier kann dann mit dem Spielpartner über Sinn, Unsinn, Absichten und Antwortmöglichkeiten diskutiert werden. Da selbst nette Menschen oft durch falsche Aussagen abgeschreckt werden ist dieser Austausch ungemein hilfreich, um seine Chancen zu steigern. Messageaustausch mit weniger tollen Zeitgenossen erheitert dabei mittels Schadenfreude den Spielpartner a la „Baaah, guck mal wer mich angeschrieben hat“. Mag alles oberflächlich klingen, ist es aber auch. Aber man lebt ja nur einmal und wer einen Dialog mit „Lust? Zahle auch“ anfängt, hat auch nicht verdient nett behandelt zu werden.

Der besondere Kick dabei ist das obketive Namedropping, also das schreiben eines Nicknames ohne zu sagen, ob es sich dabei um einen netten oder einen ekligen Menschen handelt. So bleibt der Überraschungseffekt beim dem Spielpartner immer groß. Wird mir hier eine anschmachtungswürdige Augenweider vorgesetzt, die in den Trophäenschrank gehört oder muss ich mich erschrecken, wenn ich das Profil öffne?

Während über den Ekelfaktor einiger Männer sicher nicht zu streiten ist, sieht es in Grenzfällen schon anders aus. Es würde sicherlich auch Spaß machen, wenn die Spielpartner einen komplett unterschiedlichen Geschmack hätten, aber wenn sich Geschmäcker grob überschneiden liegt der Reiz darin nette Männer rauszusuchen und zu schauen wie er dem anderen gefällt, was durchaus zu hitzigen Diskussionen führen kann. Vorteil bei unserer Konstellation ist die geographische Ferne, so dass wir uns nicht bei der Männersuche in die Quere kommen können.

Ziel des Spiels:

Ein eigentliches Ziel hat diese Beschäftigung eigentlich nicht, denn hier ist der Weg das eigentliche Ziel. Das Lästern, das Schwärmen, das bemitleiden und lustig machen über verschmähte Angeschriebene oder verschmähbare Anschreiber ist hier die Glückseligkeit der GayBasher. So können die Emotionen, von kindisch Freudigem „Aaaaaah, der hat mich angeschrieben, was antworte ich denn jetzt, dass er mir wieder antwortet?“ bis zum Angewidertem „Aaaaaah, der hat mich angeschrieben, was antworte ich denn jetzt, dass er mir nie wieder antwortet?“

Abwandlungen:

Es gibt auch Trockenphasen in denen wirklich kaum erwähnungswürdige Menschen online sind, dann muss man mit kreativen Ideen das GayBashing aufpeppen. So geschehen vor wenigen Wochen durch eine Partnerverlinkung. Auch wenn zomtech und ich uns bis jetzt nur online und telefonisch unterhalten haben kamen wir auf die Schnapsidee, uns als Partner gegenseitig zu verlinken und zudem die Headline „Zwei Einsame suchen einen einsamen zum einsamen“ zuzulegen. Schnell war die Langeweile vergessen, denn kamen neue wahnwitzige Dreierangebote und Messageüberflutungen von offensichtlichen Angeboten und übermäßige Parallelklicks in beiden Profilen a la „Na Super, jetzt hat der mich auch angeklickt, musstest du den zu mir locken?“. Zudem konnte man seine Freunde schocken, dass man auf einmal nicht nur über Nacht und ohne Ankündigung sein Singledasein verloren hat, sondern auch von brav in weniger brav gewandelt ist. Hier darf man auch, wenn man dennoch weiterhin normale Angebote bekommen will, dieses Spaß nicht übertreiben, denn ist der Ruf erst ruiniert…

Eine weitere Ausarbeitung von GayBashing weitet das Geschehen von der Online- in die Offlinewelt aus, in dem man von Dates berichtet und schwärmt und schwärmt. Gerade hier kommt das eben erwähnte „Falling Hearts“-Environement vom Yahoo-Messenger häufig zum Vorschein, damit auch jedem klar ist, dass das Treffen ein voller Erfolg war.

Auch eine kleine Competition „Wer findet das widerlichste Bild, das lächerlichste Profil oder die beste Message-Trophäe“ ist immer wieder eine willkommene Abwechslung. Und hier erschließt sich auch wieder ein Vorteil des Yahoo-Messengers, denn gibt es hier wirklich die treffendsten Smilies von *sabber* bis *würg* die ganze Bandbreite, die man benötigt. Besonders auffällig ist hier auch, die unterschiedliche Verarbeitung des Geschehenen. Im hohen Norden scheint einem durch den häufigen Gebrauch des „rote Wangen“-Smilies eher mal die Schamesröte ins Gesicht zu zeigen, während der Rheinländer an und für sich den coolen Sonnenbrillen-Smilie locker hinnimmt, um mit Erfolgen zu prahlen.

Weiterhin gibt es die klassische Abwandlung des Offline-GayBashing, in dem sich die Objekte der Begierde auf die Fernsehwelt ausweiten. Besonders hervorheben muss man hier natürlich den Dienstagabend ab 23:15 Uhr auf Vox. „Six Feet Under“ bietet wunderbares Potential zum Schwärmen. „Hach, sind die ein süßes Paar. Der farbige Polizist ist aber auch…. hach“.

Fazit:

Schließlich kann gesagt werden, dass das GayBashing weniger eine Freizeitgestaltung als eine Berufung ist. Selten lagen Mitleid und Schadenfreude, Neid und Mitgefühl so Nahe beieinander. Wenn das erste und letzte am Tag eine gepflegte Konversation mittels eines Messengers und das Thema Männer ist, dann weiß man, dass man süchtig ist und ein gayromeo-Serverausfall der Super-Gau schlechthin ist. Also wer zickig genug ist, manchmal gerne auf Schlampe macht und sich und den Rest der Welt nicht zu ernst nimmt wird seine helle Freude daran haben, die nicht abgebauten Hormone so auszuleben.

Widmung:

Dieser Bericht ist zomtech gewidmet, dafür, dass er weiß ein kraulfähiges Brusthaar zu schätzen, mir die ein oder anderen Schätze hat zukommen lassen und immer da ist, wenn es darum geht etwas loszuwerden, was eigentlich keinen interessiert.
 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
sannahschnuffi

sannahschnuffi

13.09.2007 15:09

Das geht aber nicht nur bei gayromeo - dieser schwulen Frischfleischtheke, wie es mein bester Freund bezeichnete -, sondern auch auf hetero-Kontaktseiten. Eine Patentierung ist also nicht gerechtfertigt ... Aber man kann auch sein Glück dort finden - womit ich nie gerechnet hätte.

The-Wishmaster

The-Wishmaster

21.08.2006 02:04

*lach* Also ich glaub dafür bin ich viiiiiiiiiiiiiiel zu brav und anständig.... ;)

StonerMcT

StonerMcT

25.06.2006 12:16

Ich hatte ja schon Schlimmes befürchtet. Aber dass die Schwulen nun schon selber...Gibt es denn gar keine Solidarität mehr in der Community? *ggg* Gruß Sabine

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