Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Absolut nichts |
| Kontra: |
Absolut alles |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Einleitung:
Noch ein Bericht aus dem wahren Leben. Man hätte ihn auch nennen können: "Es gibt nichts, was es nicht gibt".
Abends gegen 22.00 Uhr geht das Telefon bei Dieter. Um die Zeit bei Hausbereitschaft konnte es eigentlich nur der Kriminaldauerdienst sein: "XY-Straße brennt Wohnung, 3 Züge Feuerwehr aus, 2 Kinder schwer verletzt, eines im Krankenhaus, eines wird im Notartwagen vor Ort behandelt. Fahr da mal hin."
Ich fuhr also ins Präsidium, zog mir Schutzkleidung an, nahm den Einsatzwagen mit allerlei Gerätschaften drin und fuhr mit Sonderrechten in den Stadtteil Hamburg-Wilhelmburg, da war es nämlich.
Dort das übliche Szenarium: Überall zuckten Blaulichter (meines natürlich auch), alles abgesperrt, jedenfalls für den Fahrzeugverkehr, in der Straße 9 große rote Autos der Feuerwehr, auch ein Rettungswagen und ein Notarztwagen.
Hunderte von Schaulustigen wurden mühsam an der Brandstelle von Polizisten auf Distanz gehalten.
Eigentlich sind die Einsatzkräfte immer froh, wenn denn nach dem Brand der Brandermittler von der Kripo kommt. So auch hier. Ich durfte vor fahren bis an die Brandstelle. Der eigentliche Brand war bereits gelöscht. Ich meldete mich überall an und schaute noch mal schnell in den Notarztwagen. Drin wurde ein kleines Mädchen mit dunkler Hautfarbe behandelt.
Oben, im 2. Obergeschoss eines Miethauses, hatte es im Bereich der Wohnungstür einer 2-Zimmer-Wohnung gebrannt.
Vom Angriffstrupp der Feuerwehr hatte ich schon erfahren, dass die Tür und die dahinter befindliche Garderobe gebrannt hatten. Aus der Wohnung, aus einem Kinderzimmer, dort aus den Betten hatte der Rettungstrupp zwei kleine Mädchen gerettet. Eines wurde ins Krankenhaus gebracht, eines wird im Notarztwagen behandelt. Über den Verbleib der Mutter ist nichts bekannt.
Brandortbefund:
Im Treppenhaus lag ein Haufen Brandschutt. Unten erkannte man den Rest eines Türblattes.
Oben drauf lag Putz, welcher von der Treppenhaus- und Wohnungsflurdecke abgeplatzt war.
Die Wohnung selbst war schlicht und einfach eingerichtet. Über einen Flur gelangte man in das Wohnzimmer, in dem wohl auch die Mutter schlief und von dort ab ging's in eine kleine Küche und ein kleines Zimmer, welches das Kinderzimmer war. Zwischen Flur und Wohnzimmer war die Tür entfernt worden. Die Tür zum Kinderzimmer stand während des Brandes offen. Alles war rußgeschwärzt. Die Hitze hatte Plastikteile verform und zerschmolzen.
Ich schaufelte vorsichtig den Putz vom Brandschutt, um nach unten zu kommen. Dann wurde deutlich, dass das Türblatt von innen sehr starke Brandzehrungen aufwies, von außen gar nicht. Oben im Türblatt dürfte sich ein kleines Fenster befunden haben, wie bei den anderen Türen des Hauses auch.
Noch unter dem Türblatt fand ich eine kleine Holzplatte, welches vor die Scheibenausnehmung passte. Einige kleine Nägel schauten hervor und im Türblatt waren kleine Löcher am Rand der Scheibenausnehmung zu sehen. Dieses Holzplatte war vom Brand fast überhaupt nicht betroffen. Hm - man muss sich vor Ort auch erst mal die Gedanken sortieren.
Anmerkung:
Ich hatte es ja schon mal erklärt. Der Job des Brandermittlers ist deshalb so einzigartig, weil er, wenn er an eine Brandstelle kommt, zunächst noch gar nicht weiß, ob denn überhaupt eine Straftat den Brand verursacht hat. "Brandstiftung" - außer der fahrlässigen- ist zwar ein Verbrechen. Aber erst einmal muss die Ursache des Brandes gefunden werden. Schließlich gibt es ja auch Brandursachen, die in sonst was für einem Bereich liegen. Ich will das mal so stehen lassen.
Als mir immer deutlicher wurde, dass die kleine Holzplatte wohl vor dem Brand heraus gebrochen sein müsste, möglicherweise ja aber auch schon vorher auf dem Boden lag und ich schon die Etagennachbarn fragen wollte, überschlugen sich die Ereignisse:
Die Mutter der Kinder kam herauf. Sie hatte sich schon eine Weile bei Nachbarn im Erdgeschoß aufgehalten. Sie erzählte mir, dass sie die Wohnung am Abend verlassen hatte, nachdem ihre beiden 3 und 5 Jahre alten Kinder eingeschlafen waren. Sie habe sich von ihrem Mann, dem Vater der Kinder, scheiden lassen. Er war ein Farbiger, daher sind beide Kinder auch dunkelhäutig. Vor geraumer Zeit habe sie einen Mann kennen gelernt. Der habe sich auch immer liebevoll um die Kinder gekümmert. Sie fühlte sich aber immer mehr von ihm eingeengt und habe daher vor geraumer Zeit die Verbindung zu ihm angebrochen. Er habe das nicht akzeptiert und sie bedroht und verfolgt. Vor kurzem hat er die Scheibe der Wohnungstür eingeschlagen. Darum hat die eine Holzplatte zur Sicherheit vorgenagelt.
Die Frage, warum sie denn in dieser Situation die Kinder allein gelassen hat, habe ich ihr spontan nicht gestellt………………
In dieser Phase des Gesprächs erschien der Notarzt in der Wohnung. In seiner Begleitung ein Rettungssanitäter mit einem Behandlungskoffer.
Irgendwie war klar, was kam. Der Arzt machte der Mutter mit schonenden Worten deutlich, dass der Kampf um das Leben der Kleinen verloren war. DAS KIND WAR TOT. Das ist in jeder Hinsicht der Super-Gau und aus polizeilicher Sicht auch,
Die Frau wurde zur Behandlung wieder zu den Nachbarn gebracht, wo sie vorher auch schon war.
Da kam ein Polizist hoch und erklärte, dass unten ein Mann auffällig war, der sich ziemlich aufgeregt unter den Schaulustigen befände und immer wieder versuche, in den Notarztwagen zu schauen. Man habe schon seine Personalien festgestellt, er heißt……………………….
"Sofort vorläufig festnehmen. Grund: Verdacht der besonders schweren Brandstiftung. An der Wache bitte keinen Kontakt zu irgendwelche anderen (also keine Sammelzelle). Kein Tatvorwurf!"
Es war der Bekannte, oder ehemalige Freund der Mutter
Die Sache begann höchst interessant zu werden!
Ich ging, nachdem ich alles gesichert und fotografiert hatte, zu den Nachbarn. Die Mutter hatte sich einigermaßen beruhigt und hatte auch ein Medikament verabreicht bekommen.
Ich fragte vorsichtig, wie es denn dem anderen Kind im Krankenhaus geht. Da hatte noch gar keiner dran gedacht mal nachzufragen. Der Nachbar stellte eine Verbindung her. Dort wollte man aber nur der Mutter Auskunft geben.
Auf einmal sackte sie zusammen und schrie nur noch. Es war schon klar. Ich nahm noch mal den Hörer, erklärte, wer ich war und man sagte mir, DASS DAS KIND VERSTORBEN SEI.
Draußen stand noch der Notarztwagen. Der Arzt kam gleich wieder herein und musste die Mutter wieder versorgen.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ging mir auch ganz schön an die Nieren - sagt man wohl.
Weiterer Verlauf.
Danach fuhr ich ins Präsidium, duschte, zog mich um und kümmerte mich erst einmal darum, was wir denn da für ein "Früchtchen" festgenommen hatten.
Oh je, jede Menge sog. kriminalpolizeiliche Erkenntnisse, hafterfahren und ein echter Knacki. Das auffälligste: Er hatte 2 Jahre vor diesem Ereignis die Tür seiner damaligen Freundin aufgebrochen, weil sie nicht öffnete und danach, als er feststellte dass sie nicht zu hause war, die Wohnung angezündet. Er war zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden, jedoch stand die Revisionsentscheidung noch aus. Vor Gericht hatte er, weil eben alles gegen ihn sprach, zu guter Letzt noch ein Geständnis abgelegt und war recht glimpflich davon gekommen.
Nun wäre auch dem doofsten Polizisten klar, dass der richtige auf der Wilhelmsburger Wache sitzt. Jetzt nur noch beweisen und- womit aus der Aktenlage kaum zu rechnen war - ein Geständnis bekommen. Ich rief noch nachts einen für mich damals älteren Kollegen an und bat um seine Unterstützung. Ich wusste, er war ein raffinierter Vernehmungstyp. Wenn überhaupt einer ein Geständnis holt, dann er.
Gemeinsam fuhren wir zur Wache in Wilhelmsburg.
Vernehmung/Geständnis
Es herrschte eine sehr bedrückte Stimmung in der Wache. An keinem der Kollegen war der Vorfall so leicht vorübergegangen. Als wir den sog. sicheren Raum betraten, schrie der Mann sofort herum: " Die haben mich Kindermörder genannt. Ich bin keine Kindermörder!" Na ja, so in dem Stil. Wir beruhigten ihn und setzten uns zu dritt auf die Pritsche. Und jetzt folgte das, was man nicht lernen kann:
Mein Kollege erklärte ihm kurz, warum er denn hier ist, weil er schließlich der Bekannte der Mutter ist und schon mal die Scheibe und so weiter. Dass er keine Aussage zu machen braucht, habe er ja schon zig Mal gehört und so weiter.
Über den Brand sprach mein Kollege überhaupt nicht! Wie war's denn früher in der Schule?
Er: "Nie richtig zur Schule gegangen" Der Kollege schlägt die flachen Hände auf seine Oberschenkel und sagt "Oh, Scheiße" - immer Stress mit deinem Vater?" Er: "Ja, immer" Kollege: "Oh Scheiße - nie richtig ne Frau kennen gelernt?" Er. "Ne nie so richtig", Kollege: "Oh Scheiße -….." Das Spielchen ging eine ganze Weile hin und her. Plötzlich, so nach etwa 20 Minuten hält der Mann es wohl nicht mehr aus und fragt ganz leise:" Was ist mit den Kindern?" Mein Kollege schlägt sich kräftig auf die Schenkel und sagt ganz laut: OH SCHEIßE"
Der Festgenommene springt auf, rennt zum Zellenfenster und schreit: "Ich komm nie wieder aus dem Knast, ich komm nie wieder aus dem Knast"!
Zack, das war das Geständnis!
Hm, das fand ich damals schon recht lehrreich. Wir haben ihn dann gleich noch per Diktat vernommen. Er machte glaubhaft, und ehrlich, ich habe es ihm auch abgenommen, dass er nicht damit gerechnet hat, dass seine Bekannte die Wohnung verlassen hat, ohne die Kinder mit zu nehmen. Er liebte die Kinder, das hatte ja auch die Mutter schon gesagt.
Nachdem er geklingelt hatte und niemand öffnete, die Wohnung auch dunkel war, riss er die Platte ab, die seine Bekannte vor die Scheibenöffnung genagelt hatte und hat Kleidungsstücke angezündet, die gleich hinter der Tür hingen.
Noch am gleichen Tage wurde von einem Richter Untersuchungshaft verhängt.
Die Kinder sind nicht verbrannt, sondern an Rauchgasvergiftung und thermischem Inhalationstrauma verstorben. Atmet man heiße Luft/Rauchgase ein, verletzt die Lunge von innen.
Das Ganze ging mir damals so nahe, ich hatte auch anschließend immer wieder Kontakt mit der Mutter und versuchte ihr in vielerlei Dingen behilflich zu sein, dass ich sogar an der von der Presse aufmerksam verfolgten Beerdigung der Kinder teilnahm.
Urteil:
9 ½ Jahre Freiheitsstrafe unter Einbeziehung der Vortat (hatte ich ja beschrieben). Auch das Gericht nahm ihm ab, dass er den Tod der Kinder nicht vorsätzlich oder sogar billigend in kauf genommen hat. Gleichwohl erhielt er eine relativ hohe Freiheitsstrafe, weil das Gesetz ausdrücklich bestimmt: " Mit Freiheitsstrafe nicht unter 1 Jahr (dann ist es immer ein Verbrechen) wird bestraft, wer - unter anderem - in einem von Menschen bewohnten Gebäude einen Brand legt………(verkürzt dargestellt) Eine Qualifikation tritt dann ein, wenn dabei ein Mensch zu Tode kommt.
Ich wurde als Zeuge vor Gericht gar nicht gehört. Das ist selten und deutete darauf hin, dass alles stimmig war und der Angeklagte ein Geständnis - auch vor Gericht - abgelegt hat.
Dieter am 17. 4. 07
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358 Tage nach 30
Bewertung für Alles was die Welt nicht braucht von
Glejo
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sehr hilfreich
24.11.2006
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dahmane
Pro: Nein
Kontra: Nein Nein
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sehr hilfreich
24.10.2006
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Dr_Labude
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Kontra: endet
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23.10.2006
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Schiller1971
Pro:
Kontra:
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07.07.2006
(09.07.2006)
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Nine19
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sehr hilfreich
01.04.2007
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