Allgemein - Tipps & Tricks

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Auslandssemester - einmal von der anderen Seite
Erfahrungsbericht von NorthPole76 über Allgemein - Tipps & Tricks
03.06.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Perönlichkeitsfördernd, man lernt neue Leute kennen, Networking
Kontra: wenn schlecht organisiert, dann wirds stressig

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ein Auslandsstudium ist immer, oder zumindest fast immer, eine feine Sache – man hat die Möglichkeit ein oder auch mehrere Semester an einer Partneruniversität zu studieren, neue Leute und mitunter Kulturen kennen zu lernen, oft macht man in seiner persönlichen Entwicklung einen riesigen Schritt nach vorne und vieles mehr.
Ich habe selbst mehrere Auslandsaufenthalte hinter mir, sowohl an Universitäten, als auch arbeitend und durfte vor allem in Skandinavien, aber auch in den USA meine Zeit verbringen.

Meine Studienzeit ist jetzt zwar schon einige Zeit her, aber ganz kann ich mich dem Thema Auslandsaufenthalt immer noch nicht verschließen, denn ich bin derzeit verantwortlich für die fakultativen Auslandssemester unserer Studenten und Lektoren.

Aus diesem Grund möchte ich diesen bericht einmal von der anderen Seite schreiben, nicht aus Sicht der Studierenden, die ein Auslandssemester absolvieren werden, sondern von der Seite jener, die dieses Semester koordinieren – und ich glaube, dass dabei der eine oder andere nützliche Tipp dabei sein.

Unsere Institution bekommt derzeit Incoming-students (= Studierende die von Partneruniversitäten an unsere Institution kommen) aus den USA, aus Asien, Mittel-/Südamerika und natürlich Europa. Dieser Mix bringt mit sich, dass verschiedene Kulturen und teilweise auch Weltanschauungen aufeinander treffen.
Aus diesem Grund versuchen wir schon von Anfang an, die Incomings auf einander einzustimmen und ein amicales Klima zu schaffen. Wichtig dabei ist aber auch, dass die Studenten anderen Kulturen gegenüber offen gesinnt sind und zwar nicht nur der Kultur des Gastlandes, sondern auch den verschiedenen Kulturen ihrer Mit(gast)studenten. Das kann anfangs durchaus zu Problemen führen, aber dass das kommende Semester ein erfolgreiches wird, dafür sind ja auch wir da und bisher ist es uns immer gelungen die Studenten in ein gemeinsames Boot zu holen.

Wichtig ist aber nicht nur der Kontakt zwischen den Internationalen Studenten, mindestens ebenso wichtig ist das Integrieren der Internationalen in die Heimatstudenten (damit meine ich jene Studenten, die bei uns Vollzeitstudieren). Deshalb haben wir ein sogenanntes Buddy-System eingeführt, bei welchem jeder Incoming einen sogenannten buddy bekommt, der aus jenem Studienprogramm kommt, in welchem der Incoming studiert. Dieser buddy ist vor allem in der Anfangsphase mit den Behördenwegen (Meldewesen, Aufenthalt, Bankkonto,...) behilflich und zeigt dem Incoming wo was zu finden ist. Auch hier sind wir immer vom guten Willen des Incoming’s abhängig, denn wenn dieser auf die Hilfe des buddy’s nicht anspricht, oder diese einfach nicht annehmen will, dann hilft das alles nicht und es wird früher oder später zu Problemen führen.

Ein Sprichwort sagt, dass der erste Eindruck der bleibenste ist und dass dieser Eindruck über alles entscheidet. Das mag vor allem dann richtig sein, wenn man in einem für sich fremden Umfeld ist und sich mit den day-to-day operations erst vertraut machen muss. Meist ist es auch so, dass die Incomings per Flugzeug kommen und nur in den seltensten Fällen richtig mobil sind.
Aus diesem Grund veranstalten wir eine Woche vor dem eigentlichen Semesterbeginn eine sogenannte Orientierungswoche, in welcher wir mit den internationalen Studenten Ausflüge und Touren unternehmen und ihnen damit ihre zeitweilige Heimat etwas vertrauter machen und näher bringen wollen.
Ein angenehmer Nebeneffekt ist natürlich auch die Tatsache, dass solche Ausflüge das Kennen lernen maßgebend fördern.

Aber es soll nicht nur das „lockere“ Leben den Auslandsaufenthalt bestimmen, das studieren soll insgesamt nicht zu kurz kommen und andere Sichtweisen können manchmal auch nicht schaden.
Da möchte ich den Tipp geben, dass man sich die möglichen Vorlesungen wirklich im Vorhinein genau ansieht und abwägt, welche Vorlesungen tatsächlich hilfreich und notwenig sind und welche vielleicht weniger.
Oft passiert es, dass Incoming students nach einem Monat die Vorlesungen wechseln wollen und in andere Vorlesungen einsteigen möchten. Dies ist zum einen organisatorisch nicht immer einfach durchführbar, bringt aber auch oft Probleme mit den Heimatinstitutionen mit sich, da diese einen Kurs-/Vorlesungswechsel mitten im Semester nicht gut heißen. Natürlich kann es vorkommen, dass man sich mit einer Vorlesung verschätzt hat und im Normalfall ist das dann auch kein Problem, diese zu wechseln. Nur wenn man von sagen wir sieben Vorlesungen fünf tauschen will, dann ist das oft ein Zeichen, dass man sich vor dem Auslandssemester wenige Gedanken zu eben diesem gemacht hat.

Der vielleicht wichtigste Punkt den man sich vor dem Auslandssemester überlegen sollte, neben der inhaltlichen Relevanz, ist die mögliche sprachliche Barriere.
Wir bieten den Großteil unserer Vorlesungen in Deutsch an, haben aber im Sommersemester immer eine sehr große Auswahl an englischsprachigen Vorlesungen. Leider passiert es aber immer wieder, dass Studenten im Wintersemester zu uns kommen und dann Probleme mit den deutschsprachigen Vorlesungen bekommen. Wir versuchen zwar immer sicher zu gehen, dass die Deutsch, aber auch die Englischkenntnisse auf einem entsprechend hohen Niveau sind, nur leider überschätzen sich manche Studierende immer wieder.
Daher seit euch wirklich im Klaren, ob ihr in der angebotenen Vorlesungssprache am benötigten Level seid. Natürlich soll das Auslandssemester auch eure sprachlichen Fähigkeiten verbessern, aber das ist eigentlich nur dann möglich, wenn schon ein gewisses Vorwissen vorhanden ist. Und glaubt mir, es gibt nichts schlimmeres, als einen Studierenden der nach ein paar Wochen wieder die Heimreise antreten muss, weil er den Vorlesungen einfach nicht folgen kann.

Was natürlich auch wichtig ist, ist dass ihr gut untergebracht seid. Denn wenn schon die Bleibe nicht funktioniert, dann kann der gesamte Auslandsaufenthalt eine Katastrophe werden – ich spreche leider aus Erfahrung.
Erkundigt euch rechtzeitig bei eurer Gastinstitution wer die accomodation organisiert, ob ihr selbst darum kümmern müsst, oder ob diese direkt von der Gastinstitution gestellt wird. Erkundigt euch auch bezüglich der Kosten und lasst euch diese vielleicht schriftlich bestätigen. Oft passiert es, dass man vor dem Auslandssemester andere Mietpreise genannt bekommt, als dann tatsächlich zutreffen. Das kann das Budget ganz schön strapazieren.
Erkundigt euch auch, welche Stipendien euch zustehen – wenn das nicht eure Heimatuniversität ohnehin macht – und geht sicher, dass ihr alle Unterlagen rechtzeitig und vollständig einreicht. Verlasst euch nicht darauf, dass man euch benachrichtigt, wenn Unterlagen fehlen. Es ist besonders bitter wenn man Bescheid bekommt, dass man ein Stipendium nicht bekommt, weil irgendein Formular gefehlt hat und man eigentlich noch Tage Zeit gehabt hätte, dieses Formular zu besorgen.

Und last but not least geht sicher, dass ihre alle Modalitäten bezüglich eines möglicherweise benötigten Visums erfüllt. Gerade wenn ihre einen Studienaufenthalt in den USA plant, geht sicher dass ihr euch rechtzeitig um ein Visum bemüht.
+++ Einschub +++
Ich komme gerade von einer Konferenz in Baltimore, wo unter anderem die kommenden Visabestimmungen in den USA ein Thema waren. Selbst von den Amerikanern wird befürchtet, dass es immer schwerer werden wird, sogar ein Studentenvisum zu bekommen. Das Problem könnte unter Umständen nicht einmal das „Bekommen“ sein, sondern eher das „rechtzeitige Bekommen“. Gerade aus diesem rund wird es wichtig sein, dass man mit dem Visum nicht bis zur letzten Sekunde wartet.
+++ Einschub Ende +++


Wie gesagt, dieser Bericht ist sicherlich nicht der „übliche“ für diese Kategorie, aber vielleicht waren gerade zwischen den Zeilen ein paar Tipps für euer Auslandssemester dabei. Zusammengefasst kann man also folgendes festhalten:
- seid offen für neue Erfahrungen und Kulturen. Nicht alles was anders ist muss automatisch schlecht sein. Manchmal hilft es über seinen Schatten zu springen
- überlegt euch genau welche Vorlesungen ihr besuchen und nehmen wollt. Das vereinfacht euch, aber auch der Gastuniversität einiges und führt zu einem reibungslosen Aufenthalt bei
- kümmert euch rechtzeitig um Sachen wie Unterkunft und Visum, damit ihr vor der Abreise keine bösen Überraschungen erlebt

Und das wichtigste: seid immer nett zu eurem International Coordinator ;o)
   
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