Allgemeine Informatik - FH, Wiesbaden

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... Es wird also Zeit, meine subjektive und korrupte Meinung über den Studiengang Allgemeine Informatik bei Ciao zu dokumentieren. Vorwort: Der NC lag in meinem Immatrikulationssemester (WS 2001/02) bei ungefähr 3,5. Das sollte eigentlich den meisten genügen. Voraussetzungen brauchte ich ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von PruegelJoschka über Allgemeine Informatik - FH, Wiesbaden
15.04.2004


Produktbewertung des Autors:   

Gesamteindruck der Schule: gut 
Lehrniveau: mittelmäßig 
Qualität der Lehrkräfte: ziemlich kompetent, meist interessant 
Betreuung durch Lehrstühle: meistens entgegenkommend 

Pro: Gute Atmosphäre  .  .  .
Kontra: .  .  .  erst ab dem Hauptsudium

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich bin bereits im 6. Semester (SS 2004) auf der FH Wiesbaden. Ich habe also den größten Teil des Studiums hinter mir. Es wird also Zeit, meine subjektive und korrupte Meinung über den Studiengang Allgemeine Informatik bei Ciao zu dokumentieren.

Vorwort:

Der NC lag in meinem Immatrikulationssemester (WS 2001/02) bei ungefähr 3,5. Das sollte eigentlich den meisten genügen. Voraussetzungen brauchte ich keine, keine Praktika, keine Kenntnisse. Das Abi sollte genügen, wer sich z.B. mit HTML auskennt, der hat eigentlich schon genug Wissen. So war es jedenfalls bei mir.

Alles andere unter: www.informatik.fh-wiesbaden.de

Studium:

Es ist ein relativ großer Fachbereich mit angemessener Auswahl an Fächern. Alternativen bietet Uni-Mainz (mehr Mathe, mehr Theorie), FH-Bingen (kleiner, mehr Physik, E-Technik), TU-Darmstadt.

Das Studium gliedert sich in Folgende Abschnitte:
- Semester 1 bis 3 (Grundstudium mit Prüfungsleistungen wie Analysis, Algebra, Digital- und Elektrotechnik und Programmieren in C und C++, danach erhält man ein Vordiplom)
- Semester 4 bis 5 (Hauptstudium mit Prüfungsleistungen wie Softwaretechnik, Betriebssysteme, Rechnerarchitekturen, Rechnernetze, Datenbanken etc.)
- Semester 6 (Praxissemester, mit Praktikum in Betrieb)
- Semester 7 (Vertiefungssemester, mit Vertiefungsfächern aus einer Liste)
- Semester 8 (Prüfungssemester, Diplomarbeit- Schreiben mit Betreuung)
Natürlich ist es möglich das Praktikum im Ausland (Indien, USA) zu bestreiten. Es wird auch noch der Studiengang Medien Informatik am Standort Rüsselsheim angeboten. Es ist nur zum Wintersemester möglich, das Studium zu beginnen.

Vorlesung, Praktika ... :

Vorlesungsbesuche sind freiwillig (außer „Sitzscheine“).
Praktikumsbesuche sind zwingend (Aufgabenabgabe reicht nicht aus)
Übungsbesuche sind freiwillig
Seminarbesuche sind zwingend

Leistungen:

Prüfungsleistungen (PL), hier hat man nur 3 Versuche für eine erfolgreiches Bestehen, Noten stehen im (Vor-) Diplom.
Studienleistung (SL) , hier hat man unendlich viele Versuche, man braucht jedoch die Noten für das (Vor-) Diplom. Die SL Noten sind jedoch nicht darin aufgeführt.

1. Semester:

Ca. 250 Studenten stürmen jedes Wintersemester den Informatiker Olymp. Es sind viele „Krass Gucks’du“ dabei, die jedoch schon nach wenigen Tagen ihren Hauptstudienort in die Mensa verlagern, bis sie schließlich im 4. Semester endgültig aufgeben, genauso wie die vielen Leute, die eigentlich nur World und Excel kennen lernen wollten oder nur gerne Couterstrike im Netzwerk zocken. Nach dem Grundstudium bleiben nur die entschlossenen dabei.
Nach einer kurzen Einweisung beginnt die Fächerbelegung. Dabei kloppt man sich um einen lückenlosen Stundenplan und freie Freitage. Serverausfälle sind dabei vorprogrammiert. Zuerst sind Plätze in den Übungen rar, doch nach 2 Wochen leeren sich die Reihen und man kann problemlos zwischen den Übungen wechseln. Auch die Vorlesungen werden immer leerer, in Physik sitzen am Ende nur noch 3 Studenten ... statt der über 250 am Anfang.
- Analysis, PL (Funktionen, Ableitungen, Integrale, Reihen) + Übung
- Algebra, PL (Vektoren, Matrizen, Komplexe Zahlen) + Übung
- Programmieren 1, PL (Sprache C von Grund auf, fundamentales Wissen)
+ Praktikum (Beginnt mit Variablenausgabe, Endet mit Struktur und Zeigern)
- Einf. i. d. Recht, SL, Seminar (BGB, Recht im Alltag, bei Unfällen etc.)
- Einf. i. d. Informatik, SL (Ausblick auf das Studium, Binärmathe, Hexamathe, Geschichte, Bauteile ..) + Übung
- Englisch 1, SL, Seminar (Englisch im Alltag, Verständigung mit begrenztem Wortschatz, Grammatik)
- Physik, SL (Mechanik bis Stromlehre) + Übung
Anfang Januar beginnen die 2 Prüfungswochen. Dann Gibt es keine Lehrveranstaltungen mehr (Praktika sind beendet), nur Klausuren.

2. Semester:

Plötzlich fällt einem auf, das irgendwelche Leute zum Semesteranfang ende März nicht mehr da sind. Man fragt sich, was diese wohl jetzt versuchen zu studieren.
- Elektrotechnik, PL (Gleichstrom, Wechselstrom, ... ) + Übung
- Digitaltechnik, PL (von OR-Teilen bis zu Multiplexern, 0en und 1sen Logik) + Übung
- Informatik 1, PL (Verkettete Listen und Maps, Rekursion) + Praktikum
- Programmieren 2, PL (Sprache C++, Umstellung von C, Objektorientiertes Programmieren)
+ Praktikum (Beginnt mit Ein- und Ausgabe, am Ende objektorientiertes Email- Verzeichnis)
- Einf. i. d. Wirtschaftswissenschaften, SL, Seminar (BWL/VWL, Firmenstrukturen, Marktwirtschaft)
- Englisch 2, SL, Seminar (wie 1. Semester)
- Nummerische Mathematik, SL (Zahlendarstellung, Polynome, Näherung) + Übung
- Statistik, SL (Wahrscheinlichkeiten, Statistiken) + Übung
Auch hier gibt es die 2 Wöchigen Prüfungswochen.

3. Semester:

Für mich das schlimmste Semester. Trocken und Theoretisch.
- Informatik 2, PL (Automaten, Grammatiken, Berechenbarkeit) + Übung
- BWL Praktikum, SL (Spiel Caba2000 (Unternehmenssimulation)) oder
Informationselektronisches Praktikum (habe das andere gemacht)
- Graphentheorie, SL, (Graphen aus mathematischer Sicht, Distanzen, Richtungen) + Übung
- Informations- und Systemtheorie, SL (Signale, Transformationen) + Übung
- Liste M, SL, Seminar (Auswahl eines Faches aus Liste „Mathematik“)
z.B. Starrkörperbewegung, Vertiefung Analysis, Differentialgleichungen
- Liste P, SL (Auswahl eines Faches aus Liste „Programmieren“) + Praktikum
z.B. Pearl, Java, XML
Nach den Klausuren, solltet ihr nun das Vordiplom haben. Wer dieses nicht schafft, der kann zwar alle Veranstaltungen des Hauptstudiums besuchen, darf jedoch nur die SL-Klausuren mitschreiben. PL-Klausuren darf man nur mitschreiben, wenn man das Vordiplom hat, bzw. alle PLs des Grundstudiums bestanden hat und höchstens 2 SLs noch nicht bestanden hat.

4. Semester:

Ab hier fängt der Spannende Teil des Studiums an. In den Praktika werden Projekte verteilt, die man meistens im Team bewerkstelligen soll. Es sind nur Leute „vom Fach“ da und die Fächer sind Praxisbezogen. Die eine Hälfte der Studenten ist aus dem aktuellen Semester, die andere aus dem 6.
- Künstliche Intelligenz, SL (Erkennen von Figuren, logische Vorgehensweise)
- Liste W, SL, Seminar (Auswahl eines Faches aus Liste „Wirtschaft“)
z.B. eGovernment, Rhetorik
- Betriebssysteme, PL/SL (Semafore, Tasks, Client-Server, Grundlagen des Betriebsystems)
+ Praktikum (Linux-Shell-Befehle in C selberstricken)
- Operations Research, PL/SL (wieder Graphen, Sequenzen, habe leider eine Amnesie diesbezüglich) + Übung
- Rechnerarchitekturen, PL/SL (Prozessor, Speicher, Bus, Rechnerinnenleben) + Übung
- Softwaretechnik, PL/SL (Sprache VisualC++, UML , Programmieren an großen Projekten, Daten/View)
+ Praktikum (Adressenverzeichnis, Brettspiel+Dokumentation)
Gegen Ende des Semesters wird es vor allem in den Praktika recht hektisch. Doch viele Springen schon in der Zwischenzeit ab.

5. Semester:

Der Druck bei Projekten nimmt zu. Die Termine werden knapper, die Projekte umfangreicher und jedes Fach hat ein Praktikum. Die Zusammensetzung der Projektgruppen ist absolut ausschlaggebend für die Note. Die Praktikumsplätze sind rar, bei manchen Fächern bedeutet dies, daß man nächstes Jahr sehr schwer einen Platz als Wiederholer bekommt. Die Studenten sind deutlich weniger geworden. Das große AUDIMAX wird nicht mehr benutzt.
- Liste I, SL (Auswahl eines Faches aus Liste „Informatik“) + Praktikum
z.B. Php, Asp.net, CORBA, Sicherheit im E-Commerce
- Compiler, PL/SL (Scanner, Parser, Interpreter)
+ Praktikum (Compilerbau zu einer vorgegebenen Sprache in C mit Dokumentation)
- Datenbanksysteme, PL/SL (Zugriffsrechte, Multiuserfunktionalität, logische Datenspeicherung, Relationen)
+ Praktikum (Multiuser-Datenbank mit Eingabemaske zu einem bestimmten Thema, z.B. Stundenplan)
- Graphische Datenverarbeitung, PL/SL (Vektoren, Matrizten, 2D- , 3D-Raum, VRML, OpenGL)
+ Praktikum (Schriftliche Rechenaufgaben, VRML Animationen, OpenGL Animationen)
- Prozessdatenverarbeitung, PL/SL (Signal- und Komponentennahe Programmierung)
+ Praktikum (Interrupts, Clockprozessor, Speakerausgabe in C)
- Rechnernetze, PL/SL (Netzwerke, Kommunikation, Standards, Verfahren)
+ Praktikum (Laboraufgaben, Kommunikation Client-Server, Routerprogrammierung, Firewall etc.)

!!An dieser Stelle hört das sequentielle Studium eigentlich auf. Man kann nun das Praktikum machen oder das Vertiefungssemester vorziehen.!!

Vertiefungssemester:

Alle Fächer sind aus Liste V, mit Ausnahme von Datenschutz. Die Vertiefungsfächer setzten das Vordiplom und eventuell das vorausgehende Fach (PDV Voraussetzung bei PDV-Vertiefung). In den Veritefungsfächern gibt es keine Klausuren. Nur Aufgaben und Projekte.
- Digitale Bildverarbeitung, Liste V, PL/SL (Enschlüsselnung von Bildinformationen) + Praktikum
- Anwendung von Datenbanken, Liste V, PL/SL (Meta-Datenbanken) + Praktikum
- Datenschutz, SL, Seminar (Datenschutz)
Weitere Liste V Fächer sind Telekommunikation, Systemprogrammierung, Augmented Reality, Laborautomaten etc.

Örtlichkeiten:

Wiesbaden ist eine Stadt mit ca. 300000 Einwohnern, doch die Post geht da viel mehr in Mainz oder Frankfurt ab. Die FH hat mehrere Standorte. Der Standort mit dem Fachbereich weißt ein kostenloses Parkhaus vor, daß nur ganz selten ausgebucht ist und ist ca. 5 Minuten (Auto) von der Innenstadt entfernt. Alle nötigen Institutionen sind Vorort. Auch die Bibliothek, Mensa, Bafög-Amt etc. Das FSR ist steht‘s hilfsbereit und der Fachbereich wird ständig modernisiert und erweitert. Es gibt uralte Linux-Cluster, neuere Windows2000-Cluster und ganz neue Linux-Cluster mit Flachbildschirmen. Im Netzwerkabor stehen auch neue Rechner mit Flachbirdschirmen zur Verfügung. Für Graphische Anwendungen gibt es neue Rechner mit Geforce-Karten, 2 P4-Prozessoren und großen Bildschirmen. WLAN ist allgegenwärtig. In fast allen Räumen stehen Beamer und Overheads bereit.

Lehrkräfte und Leerkräfte:

Es gibt nur wenige Flaschen unter den Profs. Die Meisten sind recht cool und hilfsbereit. Nur wenige sind Arschlöcher. Die meisten sind keine extrem begabten Wissensvermittler, doch nur wenige reden langweiligen, unsinnigen Mist. Die Meisten sind den Studenten gegenüber freundlich eingestellt. Fast alle Skripte stehen im pdf-Format zum Download bereit. Die Restlichen werden entweder kostenlos verteilt oder als gegen angemessenes Entgelt gebunden verkauft. Im FSR kann man Mitschriften, Skripte, Altklausuren und RRZN-Skripte beziehen.
Die Assistenten sind sehr umgänglich. Die meisten betrachten einen wie einen wissensbedürftigen Fachkollegen und helfen gerne bei Problemen. Hinterhältigkeit und Hinterfotzigkeit seitens der Assistenten liegt im Promillebereich, Hut ab! Alles in allem ist man eher bemüht die Studenten zu unterstützen und nicht diese zu verjagen.

Nachruf:

Wer sich für das Studium entscheidet, ist mit der FH-Wiesbaden keinesfalls schlecht beraten. Am Anfang muß man seine Entschlossenheit zeigen und die trockene Theorie auswendiglernen, bevor man diese anwenden kann. Auch in Mathe- und Physikfächern muß man sich beweisen. Mit der Einführung in die Informatik bekommt man einen groben Überblick den allgemeinen Teil des Studiums.
Mit dem Hauptstudium beginnt der spannende Teil.

P.S.:

Es fallen außer den „Semestergebühren“ keine zusätzlichen Kosten an. Keine Eintrittspreise, Materialabgaben oder zwingende Anwendungs-/ Geräteanschaffungen. Man kann das Studium ohne einen Rechner daheim schaffen (ist man öfters auf der FH), ein Notebook ist absolut unnötig. Mit Stiften, Büchern, Taschenrechner, Lineal, Heften, Skripten muß man sich jedoch selbst versorgen, wobei die Bücher nur bedingt nötig sind.

Das Smesterticket umfaßt RMV und RNN Netze.

   
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Pro: breitgefächerte Ausbildung
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29.04.2000

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