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Ende Februar 1969 wurde in Helsinki das Cellokonzert von Einojuhani Rautavaara uraufgeführt; das ist jetzt auch schon wieder fast sechsundreißig Jahre her. Wie kann man es so lange miteinander aushalten? „Na ja“, sagt Bill Murray in ‚Lost in Translation’, „ein Drittel der Zeit schläft man. Das sind dann schon mal zwölf Jahre.“
Natürlich würden wie nicht gerne zwölf Jahre Liebe verschlafen wollen…
I.
1
Ein vergrübelter Beginn: das Cello spielt sich erst einmal ein. Es ist ein sehr rauher Ton, eine finstere Sprödigkeit, die mich immer fasziniert hat. Es klingt wie in den Kellern des Schlosses, von dem Du in Deiner Fassung des Märchens von „Allerleirauh“ geschrieben hast. Dann stellen sich die Bläser schroff dagegen. Rautavaara kann es nicht verhindern – sie klingen verschämt romantisch gegen das grummelnde, spröde Cello. Vielleicht ist es diese unzerstörbare Romantik, die das Cello dazu verleitet – keine zwei Minuten sind vergangen seit dem schroffen Beginn –, eine glühende, fast inbrünstige Kantilene auszuprobieren. Nur mal ausprobieren, aber nicht festlegen.
Es hilft nichts. Von nun an verspüren wir nichts anderes mehr, als den Wechsel und die Gleichzeitigkeit von Intensität und Schroffheit, und auch das plötzliche, fast abweisende Ende klingt fast wie ein verschämtes Augenzwinkern darin.
Es ist gut, wenn die abweisende Schroffheit nicht vergeht. Wir sind einander fremd, Liebster. Immer wieder wird es Überraschungen geben, gute und böse, ja, auch die. Das ist nicht tragisch. Es ist komisch, zuweilen auch schmerzhaft, und fast immer ist es ungeheuer erotisch. Ich liebe die Gleichzeitigkeit und den Wechsel von Intimität und Fremdheit, und dann diesen wunderbaren dunklen Ton: wenn Rilke die Liebenden mit einer Geige vergleicht, dann bin ich lieber ein Cello, ja…
2
Viel Harfe in diesem Largo, das klingt, wie von gewaltigen Wellen getragen. Hero und Leander. Aber das hat heute kaum noch einer gelesen, nicht wahr? Es ist so wunderbar berauschend, sich auf eine solche Weise geliebt zu wissen, nämlich angenommen und aufgenommen. Auch das. Ich möchte mein Leben in Deines einfügen, und ich will, daß Du Dein Leben in meins einfügst, nicht ununterscheidbar, sondern als ein selbständiges Teil eines größeren Werkes, das gleichwohl nicht mehr sein muß als die Summe seiner Teile, denn wir beide, Du und ich sind darin.
Heute träumte ich, daß ich am Fenster eines Zimmers stand, das ich noch nie gesehen habe, und deshalb weiß ich auch nicht, wie ich es mir erträumt habe; vor mir lag eine weite Landschaft, Weideland mit Büschen, kleine Hügel, Bäume, dahinter der Fluß, dahinter…
Du standest hinter mir und hieltest mich umfangen, meine Brüste, während Dein Mund meinen Nacken hinauf wanderte und auf mein Ohr zu, und Du mich etwas fragtest, was ich nicht hierherschreibe, aber ich habe es nicht vergessen, Liebster, es war wie das allmähliche Verstummen der Instrumente nach sechs Minuten vielleicht, man hört nur noch ein leises Rauschen, wie den Puls im eigenen Ohr, damals, als Du mich fast an Deiner Garderobe erwürgt hättest… und das melodische Zirpen der Harfe, wie eine Grille in einem besonnten Kornfeld…
3
…und dann, bevor ich wußte, wie mir geschah, packten Deine Hände ein klein wenig fester zu, und mich überrollte eine lange, lange Welle von Lust mit einer Schaumkrone von Angst darauf, es ist die Angst, daß es zuviel für mich wird und ich Dir nicht sein kann, was ich sein will, ganz gleich, was Du erzwingst: es ist eine heitere, unbeschwerte Musik, die ein klein wenig Angst mit sich bringt, so wie das Cello hin und her springt, und irgendwann haben wir den Schluß überhört, es ist so ruhig, aber vielleicht spielen sie nur woanders weiter, der Cellist und sein Cello, wo er in Ruhe daran arbeiten kann, seinem Instrument genau die Töne zu entringen, die der hören will.
II.
Wenn Liebe zur Gewohnheit werden soll, dann müssen wir uns so aufeinander einlassen, Liebster, wie wir es von Anfang an getan haben. So viel geschieht mit sonderbarer, fast traumwandlerischer Sicherheit, weil wir einander vertrauen, weil Dein anderer Name Geduld ist und meiner Ungeduld, und weil wir beide darüber lachen können, auch wenn es manchmal weh tut, das Lachen, nur das Lachen, denn die andere Welt, in der wir auch leben, die geht ja weiter wie eh. Wir machen einander Kummer, wir verstehen nicht alles, auch übereinander und voneinander nicht, und, sonderbar schon wieder, ist das gar nicht schlimm.
Wenn andere Menschen uns das zumuten würden, was wir. sehr selten, aber zuweilen leider doch einander zumuten, wir würden rasen vor Zorn. Hier freilich ist das nur ein interessantes Kräuseln der Wasserfläche, es ist nur der Wind… Das werde ich nie begreifen, aber vielleicht liegt es daran, daß niemand von uns sich gehen läßt. Die Liebe hat ihre eigenen Formen der Höflichkeit. Eine Abscheu vor leichtfertiger Gedankenlosigkeit und davor, sich selbst und das eigene unvermeidliche Elend hemmungslos auszuleben. Das hat mich am meisten beeindruckt, glaube ich, diese Höflichkeit des Herzens, die sich nur leisten kann, wer stark ist.
Was das ist?
Zuhören können und manchmal den Mund halten – und sich nicht ärgern, wenn der andere zu viel redet und ich zu wenig: es wird auch wieder anders sein. Aber das gelingt nur, weil es immer wieder anders ist. Ich habe nie das Gefühl gehabt, daß einer von uns immer zu kurz kommt. Meistens kommt keiner zu kurz. (Das gilt, Du weißt das, nicht nur beim Reden. Oder beim Zuhören.)
Lachen können. Ich lache gerne, aber ich habe noch nie so viel und so unbefangen gelacht wie bei Dir. Und umgekehrt. Das kann man weder üben noch lernen. (Und dabei bist Du einer der wenigen Männer, der seinen Witz selten aus Anzüglichkeiten zieht, der, wenn ich es recht bedenke, viele Gelegenheiten übersieht, wo er witzig sein könnte. Ist das nicht sonderbar?)
Eine lustvolle Phantasie haben. Ja, auch das. Ich genieße es, begehrt zu werden. Noch mehr genieße ich es, wenn Du mir in den unmöglichsten Augenblicken beweist, daß Du mich noch immer begehrst. Manchmal ist es nur eine kleine Geste, die mir zeigt, wie gerne Du mich um Dich hast: etwas Besitzergreifendes darin, eine Andeutung davon, wie stolz Du auf mich bist.
Ach ja, die Wertschätzung. Wir können erzählen, was wir wollen, und alles Mögliche mit unseren Händen anstellen, aber wirklich wunderschön ist das plötzliche Bewußtsein, daß mein Liebster wirklich stolz auf mich ist. Ich meine nicht dieses widerliche Befummeln und Inbesitznehmen in der Öffentlichkeit. Was ich meine, geht weit darüber hinaus. Es ist dieses Funkeln in Deinen Augen (ein anderes als das Funkeln von Begehren und schnell ausbrechender Wildheit), das Vergnügen darüber, daß es mich gibt und daß ich so bin, wie ich bin. Weil ich gut aussehe, weil ich etwas Kluges gesagt oder getan habe, weil ich weise bin, weil ich gut bin, weil ich anpacken kann, wo andere reden. Du siehst, was ich aus meinen Möglichkeiten mache, Liebster, und freust Dich daran – und dann wunderst Du dich, daß mich Lust und Angst anfallen, ohne daß ich etwas dagegen ausrichten kann (noch wollte ich es, wenn ich könnte), wenn Du mich solche Dinge fragst…
Auf der CD ist noch die sechste Symphonie – ich glaube, er hat bisher acht geschrieben –, nach Motiven seiner Oper über Vincent van Gogh. Eine ungeheure Musik. Gewalttätig, verrückt, sehnsuchtsvoll, leidenschaftlich, so farbenfroh, wirbelnd und glühend wie die Bilder, die er gemalt hat.
Wenn Liebe zur Gewohnheit wird, muß sie so sein, denke ich. Ich bin froh, daß sie uns zur Gewohnheit geworden ist, und daß wir sie in jedem Augenblick als ein Geschenk nehmen, das wir uns selbst und einander machen. Wir arbeiten daran so lustvoll, so konzentriert und so angestrengt wie in der Zeit, als wir nur verliebt waren. Anders geht es nicht. Und hier ist doch schon die Arbeit Lust und Freude genug, nicht wahr?
* [Wenn Liebe zur Gewohnheit wird]
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Anke.Braun1
Pro: .......................................................................
Kontra: .....................................................................
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sehr hilfreich
08.05.2005
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Wenn das Herz zerspringen will
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Maedbjda
Pro: nichts
Kontra: Eine einzige Tragödie
Zerstört, am Boden liegend und sich nur noch nach Ruhe sehnend, so möchte ich den Gemütszustand meiner Frau und unseres ältesten Sohnes beschreiben. Vielleicht helfen mir diese Zeilen. Was war geschehen?
Vor 4 Jahren trennte sich unser ältester Sohn vo ...
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sehr hilfreich
06.02.2006
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Das leben ist lang, aber doch viel zu kurz
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Freelancer007
Pro: Siehe Bericht
Kontra: Siehe Bericht
Hallo Liebe Ciao Leser/in,
ich dacht ich schreib mal einen Bericht über Liebe, Glück, Trauer und Verlust eines Lebens.
Für uns ist es alles so selbstverständlich, wir stehen morgens auf und gehen zu Arbeit kommen Abends wieder nach Hause, haben unsere ...
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sehr hilfreich
16.07.2004
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Geschenketipps - Öfter mal nix Neues!?
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nb13
Pro: Denkanstösse für unkreative Parfümschenker
Kontra: noch lange nicht ausgereift und alles
So, nun ist es bald soweit. In 1,5 Monaten werde ich 30 und mein Freund hat offenbar sooo ein tolles Geschenk für mich (T A) und ich habe keine Ahnung, was es ist. Auf jeden Fall wird es kein TANGA sein.
Ich muss gestehen, ich habe noch nie ein w ...
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sehr hilfreich
28.07.2004
(10.11.2004)
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muss es denn immer so kompliziert sein?
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Women_of_the_Tigers
Pro: alles
Kontra: nichts
Aus gegebenen Anlass*fg*, schreib ich heute einen Bericht, den ihr mir ja selbst beschert habt durch eure doch so schönen KP Einträge. Und dazu schreib ich euch heute hier mal meine Gedanken nieder. Bevor ich dies aber tue möchte ich mich bei Mela ga ...
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sehr hilfreich
11.04.2008
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