Fliegengewicht - Leichter ist Besser!

3  03.05.2003

Pro:
Deutliche Verbesserung der Beschleunigung !

Kontra:
Für mich persönlich nichts, aber im Bericht mehr dazu !

Empfehlenswert: Ja 

NBKGFirestarter

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Hallo liebe Ciao-Mitglieder,

Nachdem ich Euch die letzte Zeit schon mit einigen Berichten zum Thema Automobiltuning genervt habe, möchte ich diese „Tradition“ mit meinem heutigen Bericht weiterführen.

Leider funktioniert das Einstellen dieses Berichtes nicht in der Kategorie "Tipps zum Tuning Allgemein" also stelle ich ihn hier ein...

In diesem Bericht verlasse ich die Pfade des alltäglichen Straßentunings ein wenig, und bewege mich mehr in die Richtung Motorsport.

Da mein straßenzugelassenes Sommerauto mehr einem Rennwagen als einem „normalen“ getunten Fahrzeug entspricht, habe ich natürlich alle erdenklichen Maßnahmen zur Gewichtsersparnis durchgeführt. Wobei dies sicherlich nichts für Jeden Tuning-Interessierten wäre, aber in dieser Beziehung habe ich einfach extreme Vorstellungen was mein Auto betrifft...

Einen Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich nicht erheben, dieser Bericht stellt lediglich meinen Wissens- und Erfahrungsstand dar.

Warum Gewichtsersparnis?
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Eine typische Entwicklung im Automobilbau der letzten Jahre bedingt das immer höhere Gewicht der Fahrzeuge. Durch zunehmend steigende Komforterwartungen von Seiten der Kunden gehen die Automobilhersteller dazu über, immer mehr Technik und Sonderausstattungen in Ihre Fahrzeuge zu bauen. Die Folge davon ist das immer höher werdende Gewicht der Fahrzeuge, und Gewicht will bewegt werden!

Deshalb wird bei der Gewichtsersparnis versucht, das Fahrzeug so weit wie möglich zu erleichtern! Natürlich bringt das nicht nicht nur Vorteile mit sich, sondern auch einige Nachteile. Aber darauf gehe ich später noch genauer ein!

Jetzt denkt Ihr Euch vielleicht: „Alles schön und gut, aber ob die paar Kilo dann wirklich so viel bringen?“ Hie möchte ich Euch zum besseren Verständnis einfach mal ein paar nette Vergleiche aufzeigen...

Die englische Sportwagenschmiede Lotus setzt seit Jahrzehnten konsequent auf sehr leichte Fahrzeugkonstruktionen, deshalb ist z.B. eine Lotus Elise trotz Ihrer vergleichsweise fast schon lächerlichen PS-Zahl von knapp 150 PS (im Vergleich zu einem Porsche oder AMG-Mercedes gesehen) durchaus in der Lage es in der Beschleunigung von 0-100 km/h mit diesen Fahrzeugen aufzunehmen! Dies mag jetzt vielleicht noch zu vage ausgedrückt sein, da ich ehrlich gesagt die genauen Fakten zu PS und Gewicht im Moment nicht vorliegen habe. (Wird aber noch nachgereicht!)

Deshalb ein Beispiel das ich genauer belegen kann: Der gute alte Kadett GSI 16V mit dem 2,0l 16V Motor und 150 PS benötigt für den Sprint von 0-100 km/h gerade mal 7,9 S. Der Kadett Baujahr 1990 hat ein Leergewicht von 1039 kg.

Zum Vergleich zwei moderne Kombis: Mercedes C320T Elegance mit 3,2l V6 Motor, 218 PS auf 1626 kg, Beschleunigung 0-100 km/h = 8,1 s. VW Passat Variant W8 mit 4l Achtzylinder, 275 PS auf 1866 kg, Beschleunigung 0-100 km/h = 8,7 s.

Alle genannten Werte beziehen sich auf Testberichte der Zeitung Auto, Motor & Sport.

Natürlich haben diese Fahrzeuge ganz andere Vorzüge als ein rostiger alter Kadett, und sie erreichen natürlich auch eine höhere Endgeschwindigkeit! Aber mir geht es hier lediglich um Beschleunigung durch Gewichtsersparnis, und deshalb erlaube ich mir diese Gegenüberstellung! Aus meiner eigenen Erfahrung mit meinem alten Kadett Gsi 16V, Gewichtsreduzierung um ca. 100 kg und Leistungssteigerung auf 217 PS laut Prüfstand, kann ich sagen, dass man es mit sehr vielen deutlich teureren und PS-stärkeren Fahrzeugen in der Beschleunigung aufnehmen kann.

Wie kann man Gewicht einsparen?
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Soll ich jetzt sagen den Fahrer auf Diät setzen? :)
Nee Spaß beiseite, es gibt vielfältigste Möglichkeiten um das Fahrzeuggewicht zu reduzieren, von einfach und günstig bis extrem und teuer!

Grundsätzlich fliegt alles aus dem Fahrzeug raus, was nicht benötigt wird!

Im Rennsport ist logischerweise nur die absolute Gewichtsreduzierung Ziel der Bestrebungen.
Da es aber auch Verrückte (wie mich z.B.) gibt, die Ihre Straßenfahrzeuge im Rahmen des Tuning um Gewicht erleichtern, sollte man sich genau überlegen was man vorhat!
Schließlich ist in einem komplett leergeräumten Innenraum der lediglich die nötigsten zum Fahren notwendigen Dinge enthält, kein Komfort mehr zu erwarten!

Da die Möglichkeiten sehr vielfältig sind, beschreibe ich Euch die an meinem Fahrzeug durchgeführten Maßnahmen, und gehe danach noch auf andere Modifikationen ein, die ich selbst nicht durchgeführt habe.

Modifikationen an meinem Fahrzeug:
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Zuerst habe ich begonnen alle meiner Meinung nach unnötigen Dinge aus dem Innenraum meines Fahrzeugs auszubauen. Ich habe einfach solange ausgebaut bis im Innenraum nur noch blankes Blech vorhanden war, und danach nur wieder eingebaut, was meiner Meinung nach nötig ist. Danach habe ich mich mit dem Motorraum und dem Rest der Karosserie beschäftigt.

- Ausbau aller serienmäßigen Sitze einschließlich der Rücksitzbank
- Entfernen aller Türverkleidungen und Dämmstoffe in den Türen
- Ausbau der Teppiche und Entfernen der Dämmung am Fahrzeugboden
- Entfernen aller restlichen Innenverkleidungsteile inklusive des Dachhimmels
- Entfernen aller Bitumenmatten in den Seitenteilen
- Entfernen der Motorraumgeräuschdämmung
- Ausbau der Mittelkonsole und von Teilen des Armaturenbretts
- Ausbau von Radio, Lautsprechern, Innenraumbeleuchtung und anderem Kleinkrams
- Entfernen von nicht mehr benötigten Leitungen im Kabelbaum
- Wegfall des kompletten Heckscheibenwischers
- Entfernen aller nicht mehr benötigten Metallhalter im Innenraum für z. B. Rückbank, Reserverad, usw...
- Ausbau des Reserverads
- Ausbau aller serienmäßigen Gurte und Befestigungen
- Ausbau von Heizung, Lüftung und der zugehörigen Belüftungsschläuche
- Ausbau der Servolenkung inklusive aller Anbauteile
- Ausbau des ABS inklusive aller Anbauteile
- Entfernen sämtlicher Zierleisten und Embleme am Fahrzeug
- Abbau der schweren Originalstoßstangen mit den Metallträgern
- Entfernen der Motorhaubendämmung
- Großflächige Belüftungsöffnungen in der Motorhaube und den Kotflügeln
- Wegfall des serienmäßigen Luftfilterkastens und der Ansaugschläuche
- Enfernen unnötiger Luftführungsbleche im Motorraum

Die Auflistung lässt sich natürlich noch weiter führen, aber im Moment fällt mir nicht mehr ein. :)

Eingebaut habe ich im Innenraum lediglich zwei sehr leichte Schalensitze (Gewicht ´a 5 kg), einen kompletten Überrollkäfig (Gewicht ca. 40 kg) und 6-Punkt Rennsportgurte, Feuerlöschanlage (Gewicht ca. 8kg)
Ansonsten beschränkt sich der Rest auf wirklich wichtige Dinge wie Lenkrad, Schaltung, Handbremse und die nötigsten Instrumente. Das Reserverad habe ich durch ein Pannenspray ersetzt, die Originalstoßstangen durch leichte Teile aus Glasfaserkunststoff.

Vielleicht fragt Ihr Euch nun, warum ich mir so einen Aufwand gemacht habe..

Dies hat in meinem Fall mehrere Gründe:

A) Ich bin verrückt, und jede Hilfe kommt zu spät! :)
B) Optisch gefällt mir mein leergeräumtes Fahrzeug besser, da ich ein totaler Rennsportfan bin, und echte Tourenwagenoptik erreichen wollte.
C) Durch den Einbau eines Turbomotors, anderer Achsen und Bremsanlage, eines Überrollkäfigs, der Feuerlöschanlage, breiterer Felgen und Räder, und einiger anderer Modifikationen ist einiges an zusätzlichem Gewicht hinzugekommen, dieses wollte ich „ausgleichen“.
D) Blankes Blech im Innenraum brennt schlechter im Falle eines Unfalls, als Unmengen an Plastik und Teppichen!

Welche Möglichkeiten gibt es sonst noch?
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Hier kann man sich so richtig austoben, vorausgesetzt man hat den richtigen Geldbeutel dafür!

- Austausch der serienmäßigen Scheiben durch Makrolonscheiben, bringt einiges an Gewichtsersparnis, ist allerdings sehr teuer! Im Straßenverkehr nicht zugelassen, da im Falle eines Unfalls die Retter die Scheiben kaum einschlagen können.

- Austausch von serienmäßigen Karosserieteilen durch Teile aus Carbon oder Glasfaserkunststoff. Angeboten werden z. B. Türen, Kotflügel, Motorhauben, Heckklappen, Stoßstangen usw. Sehr teuer und teilweise nicht straßenzugelassen. Nachteil ist die höhere Empfindlichkeit der Teile, eine Originalstoßstange gibt teilweise nach, die GFK-Teile dagegen brechen!

- Austausch sämtlicher Schrauben, Mutern, Beilagscheiben etc. durch Teile aus Aluminium oder Titan. Sehr extreme Form der Gewichtsersparnis, da hier an einem kompletten Fahrzeug vielleicht 2-3 kg eingespart werden. Sehr teuer!

- Entfernen von Material aus allen nichttragenden Karosserieteilen, im Prinzip werden Löcher in alle Blechteile gebohrt, die keine tragende Funktion haben. Hauptsächlich im Innenraum.

- Austausch von Plastikteilen im Motorraum durch Carbon-Teile, wie z.B. Airboxen.

- Verwendung von Fahrwerksstreben und Überrollkäfigen aus Aluminium. Teilweise Fahrwerksstreben aus Kohlefaser. Sehr teuer!

- Verwendung von Felgen aus Magnesium anstatt der gängigen Aluminiumfelgen. Ebenfalls sehr teuer!

- Motorenteile aus Titan, z.B. Zylinderköpfe usw.


Diese Liste lässt sich bestimmt noch beliebig fortsetzen, aber dies soll für einen kurzen Überblick genügen. Preise gebe ich bewusst keine an, da diese sehr stark schwanken, und es sich teilweise um Sonderanfertigungen handelt!

Wer sich etwas mehr über Rennsportteile und die Möglichkeiten informieren möchte, dem rate ich einen Besuch bei www.Risse-Motorsport.de oder www.sandtler-Motorsport.de .
Hier gibt es fast Alles zum Thema Rallye und Rennsport!


Welche Nachteile bringt ein abgespecktes Fahrzeug mit sich?
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Schwer zu beurteilen, da die Leute die Ihre Fahrzeuge derart modifizieren, keine Nachteile darin sehen. So geht es zumindest mir, man weiß schließlich im Voraus auf was man sich da einlässt!

Ich werde versuchen diesen Punkt aus der Sicht des „Normal-Autonutzers“ zu betrachten!

- Durch den Wegfall sämtlicher Dämmstoffe im Fahrzeug ergibt sich eine enorme Geräuschentwicklung im Fahrzeug, was auf einer längeren Autobahnfahrt mehr als nervtötend ist! Auf einer kurvigen Landstraße oder speziell auf der Rennstrecke ist der Fahrspaß durch das ständige hochdrehen des Motors aber sehr eindrucksvoll!

- Komfort gibt es überhaupt nicht mehr, da ja alles ausgebaut wird, was diesen bringt!

- Das Auto klappert an allen Ecken und Enden, da wie gesagt keine Dämmung oder Verkleidungen mehr vorhanden sind.

- Je nach der Zahl der ausgebauten Sitzmöglichkeiten ist natürlich der Alltagswert des Fahrzeugs gleich Null!

- Durch Wegfall des Kofferraums ist auch eigentlich keine Lademöglichkeit mehr gegeben.

- Ausbau der Servolenkung macht das Einparken gerade in Verbindung mit extremen Breitreifen zum Kraftakt.

- Es wird bereits zu einem Problem mal die Zigaretten irgendwo hinzulegen, da ja alle Ablagemöglichkeiten ausgebaut sind! :)

- Wegfall des ABS ist ein sicherheitsrelevanter Faktor, von dem ich ungeübten Fahrern absolut abrate!

- Je weiter man die Gewichtsersparnis treibt, um so teurer wird das ganze!


Im Klartext verliert das Fahrzeug dadurch eigentlichen jeden Nutzwert, und wandelt sich in Richtung Rennwagen. Allerdings kann man z.B. mit einem Porsche auch keine Umzugstransporte unternehmen...:)

Mein persönliches Fazit:
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Meinen gewohnten Standardsatz erspare ich Euch auch heute nicht: „Über Sinn und Unsinn des Tunings lässt sich sicher vortrefflich streiten, aber dies ist nicht meine Absicht. Ich will dem Interessierten lediglich einige Möglichkeiten zum Automobiltuning aufzeigen!“

Meiner Meinung nach bietet gerade die Gewichtsersparnis dem Tuninginteressierten einen sehr großen Spielraum, um die Fahrleistungen des eigenen Bastelobjekts zu steigern!
Der Ausbau von „unnötigen“ Teilen ist wesentlich billiger als jedes Motortuning, aber Gewichtsersparnis in Verbindung mit Motortuning macht doppelt Spaß!

Allerdings empfehle ich diese Form des Tunings ausschließlich Leuten, die Ihr Fahrzeug nicht für den Alltag benötigen, und es als reines Spaßfahrzeug nutzen. So wie es in meinem Fall ist!

>>>Ich freue mich immer über Kritik und Anregungen! Wer Fragen zum Tuning hat, darf mir gerne was ins Gästebuch schreiben.<<<

Liebe Grüße

Fire

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Dortmunder76

Dortmunder76

03.02.2004 16:07

Interessante Tuning Guide. Kann man wirklich fast als Tuning sehen. Wenn man Gewicht senkt, dann kann man noch was aus dem Wagen holen und die Wirtschaflichkeit verbessert sich ein wenig.

diva68

diva68

09.05.2003 14:30

hab grd nen salat mit tune-fisch gegessen. aber ob ich dadurch leichter werde...? *gg*

LittleScotchman

LittleScotchman

05.05.2003 21:38

Na, das würde meiner neuen Wanderdüne (so fühlt sich die Beschleunigung meines neuen C 250 D jedenfalls an) ja sehr gut tun ;-) Über den tatsächlichen Nutzen der Gewichtsreduzierung kann man wohl wirklich streiten, doch zu einem getunten Auto gehört ja schließlich auch die entsprechende Optik. LG, LittleScotchman

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