So, heute komme ich zum wichtigsten Thema für Namibia-Interessierte - dem Essen. Ohne eine anständige Verpflegung hält man ja nicht lange durch und damit Ihr wisst, was Euch hier so erwartet, hier mein kleiner Einblick.
Zuerst sollte man betonen, dass Namibia keinen besonderen Anreiz für Vegetarier bietet. Namibia ist ein Fleischland. Unzählige Farmen produzieren bestes Rindfleisch, das nach deutschem Standard allemal als Biobauern-Fleisch durchgeht. Schafe und Ziegen werden auch reichlich angeboten, die entsprechen aber überhaupt nicht meinen Geschmacksrichtungen.Den besonderen Reiz auf einer gut sortierten Speisekarte machen die verschiedenen Wildsorten aus. Besonders empfehlenswert ist hier das Fleisch der Oryx-Antilope, auch Gemsbock genannt. Als Steak zubereitet (natürlich medium) kann man es fast mit einem stumpfen Löffel essen. Es ist unwahrscheinlich zart, saftig und leicht verdaulich. Den typischen Wildgeschmack, wie man ihn z. B. aus Deutschland kennt, wird man vergeblich suchen. Darüber bin ich jedenfalls ganz froh.
Springbock sollte man am besten als Geschnetzeltes essen. Mit einer tollen Rahmsauce und Champignons zergeht es förmlich auf der Zunge. Wer kein gesprengtes Fleisch mag, kann es auch mit einer Schulter versuchen. Lecker, aber im Restaurant kaum zu finden. Das Kudu ist ein riesiges Tier mit wahnsinnig viel Fleisch. Leider ist das meistens sehr zäh und es bedarf schon einer guten Kochkunst, um das wieder hinzukriegen. Als Steak sehr empfehlenswert, ich bevorzuge allerdings auch hier das Geschnetzelte.
Warzenschwein kommt dem europäischen Hausschwein geschmacklich sehr nahe, ist aber etwas intensiver im Geschmack und wesentlich zarter. Hier sollte man auf jeden Fall ein Filet bestellen.Strauss gibt es in den verschiedensten Variationen: Filet, Steak, Kebab, Goulasch, etc. Ich habe es einmal versucht, der Geschmack war für meine Begriffe aber etwas herb und fiel deshalb durch mein Beliebtheits-Raster. Allerdings ist auch dieses Fleisch sehr zart.
Zebra ist meiner Meinung nach etwas für Fans. Man schmeckt das Pferd schon ziemlich heraus. Auch hier habe ich es nach dem ersten Versuch sein lassen. Durch das eher feste Fleisch wird das Essen auch eher zum Geduldsspiel.Bleibt noch das Krokodil. Ok, es war nicht unbedingt meine erste Wahl, aber man sollte ja alles einmal versuchen. Mit einem Geschmack von 50% Huhn und 50% Fisch ist es eher gewöhnungsbedürftig. Und meist erwischt man auch ein recht knorpeliges Stück. Tja, probiert und fertig. Muss nicht wieder sein.
In manchen Restaurants (z. B. Joe's Beerhouse in Windhoek) bekommt man einen sogenannten Buschmannspiess. Das Teil hat gewaltige Ausmasse und man findet darauf: Perlhuhn, Krokodil, Strauss, Zebra und Kudu. Für Namibia-Anfänger eine nette Idee.Selbsverständlich habe ich die Fischliebhaber nicht vergessen. Schliesslich hat Namibia eine Küste und dort wird eine grosse Auswahl an Fisch und anderen Meerestieren gefangen.
Mein absoluter Favorit bei den Fischen ist der Kingklip. Ein wahrhaft hässliches Tier, das aber fantastisch schmeckt. Das Fleisch ist schneeweiss und sehr fest im Biss. Der Geschmack ist kräftig, aber nicht zu fischig. Mit einem Schuss Zitrone schmeckt der Kingklip doppelt gut. Gräten findet man kaum.Auch sehr empfehlenswert ist die Seezunge. In Deutschland kaum noch bezahlbar, wird sie hier sozusagen als Massenware auf den Markt geworfen. Ihr Fleisch ist eher etwas labberig, aber sehr würzig. Beim Essen muss man sich um die grosse Hauptgräte drumherum arbeiten, aber es lohnt sich. Auch hier gibt ein Schuss Zitronensaft den nötigen Pepp.
Wer auf Meeresfrüchte abfährt, wird hier reichlich belohnt. Fangen wir zunächst mit den Garnelen an. Man bekommt sie in allen Grössen, aber ich bevorzuge Tiger- und Kingprawns. Sie sind ca. 15 cm lang und so ist man nach einem 6-Stück-Teller schon gut satt. Meist werden sie fix und fertig angeboten, das heisst, sie sind bereits aufgebrochen und der ganze Düddelkram ist schon rausgenommen worden. Man muss also nur noch zugreifen und geniessen. Oft bekommt man verschiedene Saucen zum Tunken angeboten. Ich persönlich bevorzuge hier eine gute Knoblauchsauce.Crayfish, oder Langusten, sind immer ein besonderes Highlight. Nicht ganz preiswert werden auch diese Tiere mit einer guten Sauce angeboten. Da das Fleisch auch sehr zart ist, sind sie gut verdaulich.
Tintenfische gehören überhaupt nicht zu meinen Lieblingsspeisen, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man auch sie in allen Formen, Farben und Grössen bekommt. Ob gefüllt oder nur als Ring - für jeden ist etwas dabei. Allerdings erzielt man meiner Meinung nach den gleichen Effekt mit einem guten Kaugummi. ;))Austern und Miesmuscheln dürfen bei dieser Auswahl natürlich nicht fehlen. Bis jetzt habe ich es leider noch nicht geschafft, meinen Ekel zu überwinden und eins von beiden zu essen, oder besser gesagt zu schlürfen. Aber irgendwann schaffe ich das noch. Deshalb kann ich Euch hierzu nur die Meinung meiner Freunde mitteilen: Prima, Köstlich, Hervorragend, Lecker, etc. Sie schwärmen in den höchsten Tönen und wenn man sich an der Küste aufhält, sollte man sie so frisch wie möglich geniessen.
In den hiesigen Supermärkten wird neben dem Wild logischerweise auch Rind und Schwein angeboten. Wir bevorzugen ein schönes Rinderfilet, das hier durchaus bezahlbar ist. Und das schöne im Unterschied zu Deutschland ist: man packt ein Kilo Fleisch in den Topf und holt auch ein Kilo wieder raus. Die Küche wird nicht zur Sauna und der Geschmack ist viel intensiver. Hier arbeitet auch kein Bauer mit Aufputschmitteln.Tja, ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Abriss des namibischen Speiseangebots liefern. Es gibt sicherlich noch viel mehr zu entdecken. Aber das sei Euch selbst überlassen, wenn Ihr dieses Land einmal besucht. Es lohnt sich auf jeden Fall!
08.07.2004 13:31
Ich nehme von jeden was und mach mich jetzt auf den Weg. Öffne schon mal den Wein! ;-) Ciao Marco
28.04.2004 19:53
Ich muss leider noch 5 Monate warten bevor ich wieder warhog serviert bekomme.
24.03.2004 22:40
Meine Mitreisenden im Urlaub waren sehr skeptisch vor dem Urlaub. So - was gibts in so nem Dritte Welt Land denn zu essen , wir werden verhungern. Am ersten Abend waren wir in Joes Beerhouse und dann hatte sich das Thema erledigt. Allein die für uns spottbilligen Steaks in vorzüglicher Qualität sind ein Genuss, die heimischen Wildspezialitäten die Krönung. Übrigens läuft im DSF gerade eine Reportage über Namibia über eine Motorrad Reise in den Norden. Namibia wird dort sehr positiv dargestellt. Meine Erfahrungen waren auch nur positiv, Ich komme gerne wieder. Grüße, T.