Allgemeines zum Diaphragma

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Erfahrungsbericht von FlatArt über Allgemeines zum Diaphragma
16.07.2004


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Kompletter Erfahrungsbericht

Die Geschichte der Verhütung ist eine Geschichte von Missverständnissen... dies zu ändern ist mein Anspruch ;-)

Die Übersetzung des Begriffs "Diaphragma" lautet schlicht und ergreifend "Zwerchfell". Das sich in unser aller Körper befindliche ist natürlich nicht Ziel dieser Betrachtung: mir Schlingel geht es heute um das Scheiden-Diaphragma.

Wissen.de liefert dazu folgende Kurzbeschreibung: "Technik zur Empfängnisverhütung; eine Kunststoffkappe, die in die Scheide eingeführt und über den Gebärmutterhals gestülpt wird. Das Diaphragma muss individuell angepasst werden."

Vielleicht liegt es ja genau daran, dass es hier dazu noch keinen Bericht gibt. Als Vorreiter auf jedwedem sexuellen Teilgebiet fühle ich mich allerdings dazu berufen, mal wieder Erster zu sein. Denn wie Ihr sicherlich alle wisst, ist die Geschichte der Verhütung ist eine Geschichte von Missverständnissen.

Aber im Ernst. Da man sich als halbwegs aufgeklärter und zudem an der Gesundheit der Frau/Freundin interessierter Mann auch damit beschäftigen sollte, ob es Alternativen zur Pille gibt (welche schließlich eine hormonelle Belastung des Körpers ist), so stellt sich auch die Frage, ob dabei das Diaphragma eine Lösung sein könnte. Also kann Mann mit zum Gynäkologen gehen, um sich gemeinsam das Für und Wider aus dessen Sicht anzuhören. Nun ist gerade ein Gynäkologe im besonderen Sinne der Arzt des Vertrauens und insofern sollte man dessen Ausführungen a) Gehör und sogar b) Glauben schenken können.
Aber wie so häufig im Leben bekommt man auf eine Frage zwei Antworten. Wenn ich im Internet dazu recherchiere sogar noch mehr. Beim Diaphragma (auch Scheidenpessar genannt) variieren die Kritiken von empfehlenswert bis bedenklich. Das ist in der Tat eine große Kluft. Vielleicht kann ich mit dem diesem Bericht etwas Licht ins Dunkel bringen. Eine Empfehlung kann er natürlich nicht sein, da jede Frau anders ist. In den Hinweisen zu Anwendung und möglichen Problemen werdet ihr erkennen, was für Kriterien es gibt und wie sie sich auswirken.

Aber zuerst werden wir rein verhütungstechnisch mal historisch, denn kaum einer wird ahnen, wann die erste Methoden erdacht und "eingesetzt" wurden.
Tatsächlich müssen wir zurück zu den ägyptischen Pharaonen, wo bereits Methoden einer Barriere vor dem Gebährmutterhals probiert wurde, damals noch Gräser oder Algen. Die Griechen und Römer waren da schon einen Schritt weiter und benutzten in Olivenöl getränkte Watte. Auch überliefert, jedoch nicht klar einer bestimmten Kultur zuzuschreiben ist die Benutzung einer halbierten Zitrusfrucht. Scharfe Sache dies, aber irgendwie wohl das erste tatsächliche Diaphragma (zumindest vergleichbar).
Ein Deutscher, der Berliner Anatomieprofessor Dr. Adolph Wilde erkannte, dass die Maße jeder Frau (auch was das Innere betrifft) auch unterschiedlich sind und begann Verhütungskappen anzupassen. Dafür machte er (!) Wachsabdrücke vom Gebährmutterhals der jeweiligen Frau und formte die entsprechende Kappe sozusagen maßgeschneidert. Damit kann Dr. Wilde wohl für sich in Anspruch nehmen, der Erfinder des modernen Diaphragmas zu sein.
Die "Mutterideologie", die zu Zeiten des Nationalsozialismus über Deutschland herzog, drängte jegliche Verhütung ins gesellschaftliche Abseits. Als in den Fünfziger Jahren dann die Pille Einzug hielt, da war es um das Diaphragma geschehen.
Ein Wiederaufleben als alternative Verhütungsmethode kam erst mit den Siebzigern, als zum ersten Mal die Nebenwirkungen der Pille stärker hinterfragt und diese als beste Lösung angezweifelt wurde.

Aber was genau ist nun ein Diaphragma? Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Gummimembran, einem Kondom nicht unähnlich. Auf den beigefügten Bildern werdet ihr sehen können, dass diese Membran wie ein Kondom für ein sehr dickes und zudem sehr kurzes Glied aussieht. Der elastische Ring hält es direkt vor dem Gebährmuttereingang und verwehrt den Spermien den Weg in den Uterus. Diaphragmen gibt es in verschiedenen Größen. Die Zuordnung der korrekten Größe sollte der Frauenarzt vornehmen, das Einsetzen kann dann von der Frau oder ihrem Partner kurz vor dem Verkehr durchgeführt werden (ebenfalls auf einem der Bilder ersichtlich). Wichtig ist hierbei, dass die Entnahme frühestens nach 8 Stunden erfolgen darf, da sonst noch Samenfäden in der Scheide überlebt haben können, die dann doch noch zum unerwünschten Endergebnis führen. Da sich keine Frau und noch weniger ihre Gebährmutter auf die Größenschubladen S, M oder L reduzieren lässt, wird immer dazu geraten, den Rand des Diaphragmas mit spermienabtötenden Cremes (Spermiziden) einzureiben. Nur die Kombination aus Pessar und Creme kann die Verhütungssicherheit in Richtung 100% befördern. Erreichen kann es auch dieses Komplettpaket nicht. Zuviele Faktoren spielen hier mit: die Größe des Gebährmutterhalses, das nicht korrekte Einsetzen des Diaphragmas, das nicht vollständige Bestreichen mit der Creme. Die Fehler können vielfältig sein. Auch (wie bei einem Kondom) verlangt ein Pessar eine sachgerechte Lagerung ... nicht der Sonne aussetzen, nicht über (oder unter) Zimmertemperatur usw.
Ein Vorteil ist indes, dass aufgrund der kurzen Verweildauer des Diaphragmas im Körper der Frau kaum Entzündungen zu befürchten sind. Einige Frauen berichteten von Harnwegsinfektionen, doch kann das nicht von dem Pessar herrühren. Vielmehr muss eine unsaubere Lagerung oder Benutzung befürchtet werden. Sollte eine Überempfindlichkeit zu einer verwendeten spermiziden Creme vorliegen, so gibt es Alternativen mit anderen Inhaltsstoffen und gleicher Wirkung.
Allein eine Latexallergie würde natürlich zu unabwendbaren Nebenwirkungen führen und ist ein komplettes K.O.-Kriterium gegen die Anwendung dieser Methode.

Weiterhin auf der "Haben-Seite": speziell Frauen, die keinen ständigen Partner oder aus anderen Gründen nur ab und zu Geschlechtsverkehr pflegen, können von dieser Methode profitieren. Einschätzungen befragter Frauen ergaben, dass das Anbringen als leicht eingeschätzt wird. Hinzu kommt, dass ein Pessar kaum Platz benötigt und somit leicht in jeder Handtasche zu verstauen ist. Das Maßnehmen des Arztes ist normalerweise einfach, kurz und kaum zu spüren. Nach einer (gewollten) Schwangerschaft oder bei größeren Gewichtsschwankungen sollte das Anpassen vonseiten des Arztes erneut vorgenommen werden.

Allerdings muss hier auch erwähnt werden, dass das An- bzw. Einpassen eines Diaphragmas nicht zur ärztlichen Pflicht-Ausbildung gehört und somit vielleicht erklärt, warum einige Frauenärzte Barriere-Methoden grundsätzlich ablehnen... Sie haben einfach keine Erfahrung damit.

Zur Benutzung: die Frau sollte dies in jedem Fall und bestmöglich unter Beisein des Gynäkologen üben. Für den alltäglichen Gebrauch muss eine gewisse Routine erarbeitet werden, doch ist dies leicht und währt nicht viele Versuche. Das Pessar selbst ist elastisch und lässt sich so ohne Schwierigkeiten einführen. Frühestens 2 Stunden vor dem Akt, spätestens 10 Minuten davor. Nicht vergessen, die spermienabtötende Creme aufzutragen. Erst 8 Stunden nach dem Akt entfernen. Wenn das Diaphragma richtig sitzt
wird es weder von der Frau noch vom Mann bemerkt.

Eine ausführliche Gebrauchsanweisung liegt jedem Pessar bei und sollte die wichtigsten Fragen beantworten.

Weiterführendes Broschürenmaterial liegt sicherlich beim Frauenarzt aus, diverse Hersteller bestücken die Praxen eigentlich ausreichend (s. Bild) damit. Tiefer in die Materie zum Diaphragma und anderen non-medikativen Methoden kann man mit dem Buch "Verhütung: Welche Methode passt zu mir?" einsteigen. Für bereits 7,90 Euro (gebraucht) bei Amazon zu haben.

Das Fazit also heißt:
Trotz Beachtung aller Besonderheiten bleibt ein Restrisiko einer unerwünschten Schwangerschaft. Nix mit einhundert Prozent Sicherheit, leider.Dennoch stellt es eine Alternative zur Pille dar. Speziell für Frauen mit Unverträglichkeit gegenüber den Inhaltsstoffen der Pille kann es empfohlen werden, Latexallergie-Betroffene sind natürlich wieder "raus".

Em Ende haben wir oben erwähntes Pro ... wenn man (Frau) die Möglichkeiten und Einschränkungen einer Verhütungsmethode kennt, dann kann man (Frau) für sich besser einschätzen, was man probieren kann und was "durchs Netz fällt". Ich hoffe, insofern war meine kleine Abhandlung hilfreich!

Und dass es mir nicht zu Missverständnissen kommt ;-)

PS: Übrigens gibt es einen Hollywood-Thriller in dem ein Diaphragma eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt: "Aus Mangel an Beweisen" mit Harrison Ford.


PPS: Um eventuellen Diskussionen vorzubeugen: ich werde im Rahmen meines ciaotischen Schaffens noch andere Verhütungsmethoden beleuchten ... auch solche, bei denen der Mann die Verantwortung trägt.

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© FlatArt 2004

   

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