Almost Famous - Fast berühmt

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Lebensfreude pur: Billy Miller - I will write!

5  15.07.2002 (26.11.2004)

Pro:
Brillianter, lebensnaher und gleichzeitig abgedreht - spannender Film  -  Lebensfreude pur auftanken

Kontra:
Keine

Empfehlenswert: Ja 

peregrinus

Über sich: Warum sind in Deutschland die andern schuld, wenn man selbst zu doof ist zum Denken? Ach Mutti, Mutt...

Mitglied seit:31.05.2002

Erfahrungsberichte:205

Vertrauende:101

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 89 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Rock'n'Roll ist ein Mythos.
Rock'n'Roll ist ein Geschäft.
Rock'n'Roll ist ein Lebensgefühl.
Rock'n'Roll ist irgendwie mehr als nur Musik.
Rock'n'Roll ist ein bißchen wie Magie.

Wer sich mal auf Rock-Konzerten ausgetobt hat, den Stars auf der Bühne zugejubelt, Autogramme erjagt und spätabends mit schweißnassen Hemd und in aufgekratzter Stimmung nach Hause ging - oder sonstwohin -, hat diese Magie gespürt. Den Mythos erlebt.

Und besonders ist der zu beneiden, der das in den 70ern tat, als sich die 68er, die nicht zu radikalen Politniks mutierten, etwas naiv vielleicht, aber mit viel Schwung ins Leben warfen. Als es Aids noch nicht gab, Drogen nur im Bewußtsein spießiger Eltern schädlich waren und Massenarbeitslosigkeit und Umweltzerstörung noch nicht die Grundstimmung der Menschen vermiesten. Schön, auch die 70er sind ein Mythos.

Wo "Sonnenallee" in der musikalischen Provinz spielte, geht "Almost Famous" direkt an die Wurzel. Held der (teils authentischen) Geschichte ist William Miller, ein fünfzehnjähriges Wunderkind, der Musikkritiken für lokale Blätter schreibt und eines Tages vom Rolling Stones Magazine einen Auftrag für eine 3000-Wörter-Story bekommt. Er geht mit der Band "Stillwater" auf Tour, erlebt Konzerte, Backstageleben, Streitigkeiten und den Sex'n'Drugs-Alltag hinter den Kulissen.
Dadurch, daß der junge Starreporter in der Pubertät ist und sich ausgerechnet in ein ebenfalls mitreisendes Groupie namens Penny Lane verknallt, wird die Story nicht unkomplizierter, wie auch die ebenso besorgte wie übereifrige Mutter ("Keine Drogen!!!") Williams Leben mit ihren ständigen Anrufen nicht einfacher macht.

Der


REGISSEUR

Cameron Crowe hat hier eigene Erlebnisse verarbeitet - und hat ein ungemein vielschichtiges Werk geschaffen. Seit langem gibt's mal eine Liebesgeschichte aus dem Leben, die weder überzogen ist noch aufgesetzt wirkt, ein Bandporträt, das kein überlanges Video ist, einen Film übers Erwachsenwerden, der leicht und locker rüberkommt, kurzum, eine derart spannend umgesetzte Story direkt aus dem Leben. Für's Drehbuch gab's dann auch einen wohlverdienten Oscar.

Die

CHARAKTERE


wirken bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt. Star der Story ist der Filmneuling Patrick Fugit, der die Figur des William Miller ebenso gekonnt-linkisch wie facettenreich spielt. Billy Cradup verkörpert die zweite Hauptfigur, den Band-Gitarristen Russell, immer mit genug Profil, um weit über die Rockstar-Klischees hinauszukommen. Als Groupie Penny Lane sehen wir Kate Hudson - die die naive Begeisterung ebenso rüberbringt wie die spätere Desillusionierung. Alle drei Figuren entwickeln sich während des Filmes weiter - und das glaubhaft. Es gibt ein gutes Dutzend weiterer wichtiger Rollen, von Williams Mentor, dem "Creem"-Herausgeber Lester Banks (Philip Seymour Hoffman), über seine ältere Schwester, die ihm die ersten Platten geschenkt hatte, zu Williams erwähnter Über-Mutter und natürlich den anderen Bandmitgliedern.

Es wimmelt an Insidergags und Anspielungen (Manager: "Mick Jagger wird mit 50 auch nicht mehr Rock'n'Roll spielen!"). Man merkt jeder Szene und jedem Song an, daß hier ein echter Fan zugange war. Selbst die anfängliche Staraufzählung und der Abspann sind geschickt eingebunden worden, für das Sammeln eines ganzen Parkplatzes voller 70er-Jahre-Autos und die vielen Details muß man der Requisite ein großes Lob aussprechen - und auch dafür, uns mit den schlimmsten Geschmacksverirrungen der Zeit verschont zu haben.

Die Geschichte von dem Arbeiterjungen Billy Elliot, der gegen alle Widerstände Tänzer wurde, hat eine ganze Welle an zweit- bis drittklassigen Tanzfilmen in die Kinos schwappen lassen.
Hier ist die Chance, einen adäquaten Nachfolgefilm um ein anderes "Wunderkind" zu sehen, der genauso dicht am Leben dranbleibt, ebenso herausragend gedreht wurde und ebenso energiegeladen und lebendig 'rüberkommt.


KURZUM

Der Film macht einfach Spaß, ohne flach zu sein - und das auch Leuten, die die 70er nur aus Erzählungen kennen. Frisch, spannend, vielschichtig, keine Klischeeansammlung - wie der Film in die Mainstreamkinos kam, ist mir ein Rätsel. Unbedingt anschauen!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Flavius

Flavius

06.03.2005 18:35

Kurz und bündig , mit viel Herzblut geschrieben. Gefällt mir gut, dein Bericht. Der Film war mir aber einen Tick zu langatmig, da mag ich die "verruchteren" Filme über die 70er, wie Studio75 oder NaWieHiessErDennNoch ("DirkDiggler" und Burt Reynolds...) doch sehr viel lieber! Gruß von Flavius

logan

logan

15.01.2005 01:28

mehr braucht man zu dem film nicht zu sagen, der bericht trifft direkt den kern der sache. wie der film in die mainstreamkinos kam, ist mir überhaupt kein rätsel. selbst der windigste kommerzorientiere topmanager im film- & verleih-business erkennt eine richtig gute story, und richtig gute storys gehen immer gut im kino. der menschelnde aspekt kommt auch nicht zu knapp, ein mythos braucht nur noch etwas mehr pulver im trailer, und wenn das volk weiß, dass ein rock'n'roll-mythos-film läuft, wird es auch reinrennen. und wenn der film besser ist, als unbedingt nötig, nimmt man das eben in kauf.

Lord_Doombringer

Lord_Doombringer

22.12.2004 21:12

Sauberer Bericht zu einem Film, auch wenn das nicht meine Geschmacksrichtung in Sachen Filme ist ^^

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  1. jassy2005
  2. Flavius
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