Alpmann Schmidt (Repetitorium)

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Vielfalt des Lernens
Erfahrungsbericht von Vicomte über Alpmann Schmidt (Repetitorium)
04.03.2007


Produktbewertung des Autors:   


Pro: effektive Examensvorbereitung durch abgerundetes Angebot auf angemessenem Niveau
Kontra: nicht eben günstig

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

1. Problemstellung

Ich war ein junger Student der Rechte, ein Erstsemester in einer kleineren Universitätsstadt, als mir ein Examenskandidat erklärte, Jura, das habe er anfangs auch nicht geglaubt, doch es sei wirklich so, lerne man erst beim Rep. Ohne dass wir uns an dieser Stelle der Frage widmen müssen, wer oder was ein Rep ist und wo man es bekommen kann, ziehen wir den Umkehrschluss und stellen fest: An der Uni lernt man Jura nicht. Zumindest nicht so, wie es im Examen dann geprüft wird, und zumindest nicht, wenn der junge Mann mit seiner Behauptung wirklich Recht hatte.

Richtig ist, dass es, um die erste juristische Staatsprüfung zu bestehen, weder genügt, alle universitären Vorlesungen zu besuchen, noch alle Übungsklausuren mitzuschreiben. Jura ist vielmehr ein Studium, das, wie vermutlich andere Studiengänge auch, in erster Linie viel Arbeit außerhalb der Hörsäle bedeutet. Denn didaktische Kompetenz ist keine Voraussetzung für einen Lehrstuhl und eine Vorlesung behandelt regelmäßig nur die Grundlagen eines Gebietes. Richtig ist somit auch, dass der hoffnungsfrohe Examenskandidat in seiner (meist einjährigen) Examensvorbereitung noch irgendwas anderes tun muss als sich über die zahlreichen Veranstaltungen seiner Universität zu erfreuen, die in der Vergangenheit besucht hat.


2. Lösungsansatz: das Repetitorium

An dieser Stelle kommt das Repetitorium ins Spiel, also der Wiederholungsunterricht, von Studenten liebevoll Rep abgekürzt. Gemeint ist ein privates Rep und nicht die gleichnamigen Veranstaltungen der Uni, die es vielerorts ebenfalls gibt. Ein Rep ist eine (meist ebenfalls einjährige) Kursreihe, die recht teuer bezahlt werden muss, aber nicht unerschwinglich ist. Hier bekommt der am Ende oft gar nicht mehr so hoffnungsfrohe Examenskandidat den Stoff in mundgerechten Häppchen serviert, z.B. zwei oder drei Mal die Woche zu mehreren Stunden. Die Reps bieten darüber hinaus auch Printmedien und sonstige Lernhilfen an, die teils kursbegleitend ausgeteilt werden, teils aber auch im Handel frei erhältlich sind.

Die Angebote der verschiedenen Reps überschneiden sich zum Teils, zum anderen Teil aber unterscheiden sie sich auch von einander. Die ursprüngliche Idee des Reps, den Examensstoff im Unterricht zu wiederholen, ist jedenfalls längst ergänzt durch die Idee des Repetierens etwa mit Skripten, sei es nun begleitend zu oder anstatt der Teilnahme am Kurs.


3. Das Alpmann'sche Angebot und seine Qualität

Alpmann/Schmidt ist einer der beiden großen Repetitoren, die man in ganz Deutschland finden kann. Das Angebot umfasst derzeit im Wesentlichen Folgendes:

a) Kurse

In vermutlich allen Kursen bei vermutlich allen Repetitoren geht es vor allem darum, gemeinsam, d.h. in einer größeren Gruppe, Fälle zu bearbeiten. Ein fiktiver Sachverhalt nach dem anderen wird juristisch gewürdigt, weil dies der Aufgabe auch im Examen entspricht. Alpmann/Schmidt geht nach eben dieser Methode vor, was mir persönlich nur bedingt gefallen hat. Die Besprechung eines Falles in einer großen Gruppe ist nicht eben das, was ich unter effizientem Lernen verstehe. Natürlich handelt es sich hier um eine Typfrage. Viele schwören auf eben diese Methode und brauchen auch den Druck, der sich auf dieser Weise aufbaut. Oftmals ist wohl die Gefahr, jederzeit vor vielen Leuten zu jeder Frage etwas sagen können zu müssen, mehr Motivation als das Staatsexamen, das zumindest anfangs noch in weiter Ferne zu liegen scheint.

Selbst wenn ich mich bemühe, die Qualität der Alpmann-Kurse gewissermaßen objektiv zu beurteilen, stoße ich schnell an meine Grenzen. Die vier verschiedenen Dozenten waren verschieden gut. Und was nützt es etwa einem potenziellen Kursteilnehmer in München, wenn er erfährt, wie mein Rep in Köln gewesen ist?

Was sich vermutlich bundesweiter Einheitlichkeit erfreut, ist das Niveau. Einer der Dozenten kündigte am Anfang an, das Niveau der Fälle, die man besprechen werde, sei "etwas über dem Examensniveau". Diese Einschätzung möchte ich hiermit unterstreichen. Und damit liegt das Niveau auch genau auf der richtigen Höhe. Meiner Meinung nach sollte man immer etwas anspruchsvoller lernen, als die Prüfung am Ende sein wird. Dann fällt diese nämlich umso leichter.

Nicht zu verachten sind die kursbegleitenden Materieln. Es handelt sich zum ersten um die schriftliche Fassung der im Kurs besprochenen Fälle, zum zweiten auch um Übersichten über alle Rechtsgebiete. Diese Übersichten können zwar Bücher und Skripte nicht ersetzen. Sie helfen aber ungemein, den roten Faden zu finden und zu behalten, der sich in Lehrbüchern oft gut versteckt. Außerdem machen die Übersichten deutlich, welches die für die Examenskandidaten wichtigsten Fragen sind; auch das geht aus einem Buch oft kaum hervor.

b) Skripte

Die Skripte von Alpmann/Schmidt können Kursteilnehmer zwar zu erheblich reduzierten Preisen beziehen; sie sind aber im Übrigen für jedermann erhältlich. Ich halte sie für die Examensvorbereitung für das Beste, was der Buch- und Skriptemarkt zu bieten hat. Die Darstellung setzt, auch wenn es sich um Literatur zum Wiederholen handelt, im Grunde keine Vorkenntnisse voraus. Nicht alles ist sofort verständlich, aber welches Lehrbuch oder Skript, das alle für das Examen wesentlichen Fragen behandelt, kann einen solchen Anspruch schon erheben?

Die meisten Autoren der Skripte, die leider nicht eben günstig sind, verfügen über eine ordentliche didaktische Begabung und können sich verständlich ausdrücken. In vielen Skripten erleichtern Übersichten das Sichzurechtfinden, und in allen finden sich zahlreiche umfangreiche Beispielfälle, die nicht nur dem Verständnis dienen, sondern auch gleichzeitig das Vorgehen in einer Klausur erläutern. Man kann gar nicht oft genug betonen, dass es im juristischen Examen bei weitem nicht reicht, Wissen bereitzuhalten; die Art der Darstellung ist eine Kunst sui generis.

Ich habe meine Sammlung von Alpmann-Skripten noch nach Abschluss des ersten Examens komplettiert. Ich bin von ihnen überzeugt!

c) Klausuren

Klausurschreiben sollte unbedingt geübt werden. Zugegebenermaßen: Ich habe das nicht getan und mein Examen trotzdem mit ordentlicher Note bestanden. Ich gebe aber zu, dass mir ein gewisses Training die Angelegenheit noch erleichtert hätte. Und bei aller Bescheidenheit glaube ich und glauben auch die meisten Juristen, dass Klausurtraining in aller Regel unabdingbare Voraussetzung für ein erfolgreiches Examen ist.

Wer sich zum Kurs anmeldet, schreibt dort in der Regel auch Probeklausuren, die sogar korrigiert und benotet werden. Wer sich nicht beim Rep anmeldet, kann an den Klausurkursen der Universitäten teilnehmen oder eben auf das Angebot von Alpmann/Schmidt zurückgreifen. Kostenlose Fälle mit kostenpflichtigen Lösungsvorschlägen gibt es auf der Website. Und wer will, kann gegen Gebühr einen Klausurenkurs buchen. Die Klausuren werden dann nach Hause, die vom Bearbeiter erstellte Lösung zu Alpmann/Schmidt und Korrektur und Benotung wiederum nach Hause geschickt. Soweit ich die Fälle kenne, immerhin habe ich mir einige angesehen, bieten sie die Möglichkeit, Klausurenschreiben mehr oder minder unter Examensbedingungen zu üben. Ich habe wie gesagt zum erstem Examen darauf verzichtet, werde im zweiten Examen aber nun definitiv am Klausurenkurs von Alpmann/Schmidt teilnehmen.

d) Cards

Absolut überzeugend sind die ebenfalls frei im Handel erhältlichen Alpmann Cards, also die Karteikarten, die es zu den meisten Rechtsgebieten gibt. Sie bieten eine wunderbare Hilfe dafür an, die Stofffülle des Examens durch ständiges Repetieren zu bewältigen. Die Darstellung ist sehr prägnant, und wer mit einer Information nichts anzufangen weiß, greift dafür eben auf ein Skript oder Lehrbuch zurück. Durch die Karten behält er aber den Überblick. Insofern eigenen sich sie in Kombination mit Büchern und Skripten auch dazu, ein neues Thema anzugehen, von dem man noch nie zuvor gehört hat. Wohlgemerkt: Allein auf die Cards kann man sich in diesem Fall nicht verlassen. Darin liegt aber ja auch nicht ihr Sinn.

e) RÜ

Die Rechtsprechungsübersicht ist eine monatlich erscheinende Zeitschrift, in welcher aktuelle Gerichtsurteile erläutert werden. Sie kann abonniert werden. Kursteilnehmer erhalten sie kostenlos.

f) Memocheck

Die Memochecks behandeln die Rechtsgebiete mit Fragen und Antworten. Sie dienen also der Selbstkontrolle. Derzeit sind neben den gedruckten Versionen nach einigen Jahren Pause auch die Memochecks für den Computer wieder im Kommen. Der User lässt sich also vom Computer abfragen.


4. Zwischenfazit

Ich halte den Besuch eines Reps nicht für eine notwendige (und übrigens noch weniger für eine hinreichende) Bedingung, das juristische Staatsexamen zu bestehen. Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass der Stil der Rep-Kurse vielen Studenten beim Lernen hilft. Gänzlich überzeugt bin ich von den sonstigen Angeboten von Alpmann/Schmidt, etwa den Cards, die mit dem Besuch der Kurse nichts zu tun haben und welche die Examensvorbereitung wunderbar unterstützen können. Günstig sind die Angebote von Alpmann nicht, ihr Geld wert sind sie allemal.


5. Konkurrenzbetrachtung

Wenn ich Alpmann/Schmidt aber grundsätzlich auch empfehlen kann, so ist damit noch nichts zu der Frage gesagt, ob es auch andere empfehlenswerte Repetitoren gibt oder vielleicht noch bessere, so dass man dann eigentlich diese, die besseren, empfehlen müsste. Tatsächlich bin ich in meinem gesamten Studium nur mit den beiden ganz großen Repetitoren in Berührung gekommen, nämlich mit Alpmann/Schmidt und mit hemmer.

Zu hemmer kann und will ich mir kein abschließendes Urteil erlauben, aber sehr wohl ein paar Eindrücke schildern (da ich mich nur zu Unterschieden zu Alpann äußere, sage ich auch über Alpmann wieder etwas aus). Sie waren für mich ausschlaggebend, mich für die Kurse von Alpmann/Schmidt anzumelden. Sie sind auch der Grund dafür, dass ich inzwischen, also auch für die Vorbereitung auf das zweite Examen, nur noch auf Alpmann/Schmidt setze und in keinster Weise mehr auf hemmer. Wohlgemerkt ist auch das wieder eine Typfrage. Es gibt aus Gründen, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann, Menschen, denen hemmer mehr zu liegen scheint. Wer diesen Bericht hier also liest, um sich für das eine oder das andere zu entscheiden, der möge weitere Meinungen einholen oder sich am besten ein eigenes Bild machen (Skripte vergleichen, Probehören bei den Kursen usw.)

Bemerkenswert ist an hemmer zunächst der Stil. Mich hat dieser stets etwas an eine Psychosekte erinnert. Was in einem Lehrbuch oder Alpmann-Skript Klausurhinweis genannt würde, heißt in einem Skript von hemmer doch glatt "hemmer-Methode". Auch die Einführung in jedem Skript vermittelt einen solchen Eindruck. Man solle sich den "Ersteller" der Klausuren als "imaginären Gegner" vorstellen. Was er wolle, sei der "Sound", und "main-street" sei der rote Faden, welcher der Klausur zugrunde liege. Mit dem Korrektor müsse nun der "bestmögliche Konsens" erreicht werden. Ein großes Fragezeichen schwebt über dem Haupt des Lesers, der sich (wie ich) nur für knallharte Fakten interessiert (was sich im Jurastudium übrigens gut macht).

Die Skripte konnten mich, obwohl ich es immer wieder mal mit ihnen versucht habe, auch sonst nicht überzeugen. Ich halte sie didaktisch für wenig wertvoll und habe auch kein Verständnis für den exzessiven Gebrauch von Fremdwörtern, die bei weitem nicht alle zur Allgemeinbildung gehören und daher zum großen Teil erst einmal nachgeschlagen werden müssen. Vieles kann man mit deutschen Wörtern ebenso treffend und auch schön sagen.

An den Kursen von hemmer habe ich nie teilgenommen, wohl aber mal an einer Probeveranstaltung. Ob es nun der Examensvorbereitung dient, wenn der Repetitor die Hände ballt und sagt: "Feuer, Leute!" (so eine Art "Chacka!"), stehe dahin. Aber auch hier dürfte gelten, dass wohl jeder Dozent anders ist.

Eines kann hemmer gewiss: Seine Kunden von sich selbst überzeugen. Ich habe mich nicht mit vielen hemmern-Kunden unterhalten, aber gleich zwei Mal gehört, dass für hemmer das im Verhältnis zu Alpmann/Schmidt höhere Niveau spreche. Gehirnwäsche?

Was ich nun aber wirklich unverschämt finde, ist die hemmer'sche Werbung mit den Noten der eigenen Kunden. Denn hier werden nur absolute Zahlen präsentiert, z. B: "Von '91 bis '99 7x sehr gut, 57x gut [...]". Diesen Angaben fehlt jede Aussagekraft! Wie viele Examenskandidaten hat es insgesamt gegeben? Wie viele davon haben hemmer-Kurse besucht? Schneiden hemmer-Kunden im Schnitt besser ab als Examenskandidaten ohne Rep oder von anderen Reps? Diese Fragen drängen sich auf, und der Kunde wird, indem er mit den absoluten Zahlen abgespeist wird, für dumm verkauft. Die Tatsache allein, dass x hemmer-Kunden die Note y erreicht haben, sagt rein gar nichts aus. Und hemmer scheint zu denken, dass die Jurastudenten zu dumm sind, das zu bemerken.


6. Fazit

Ich kann Alpmann/Schmidt nicht nur absolut, sondern auch im Vergleich mit hemmer vorbehaltlos empfehlen. Wer sich für hemmer entscheidet, muss damit keinen Fehler begehen. Wer sich aber für Alpmann/Schmidt entscheidet, begeht ihn ganz gewiss nicht. Denn seriöser Still, d.h. ohne "Alpmann-Methode", kann nicht schaden. Das Niveau aber ist genau auf der richtigen Höhe und das vielfältige Angebot lässt keine Wünsche offen. Mein bester Freund im zweiten Examen wird jedenfalls Alpmann/Schmidt sein.

Letztlich ist und bleibt es eine Typfrage, ob man sich für Alpmann/Schmidt oder hemmer entscheidet oder ob man ganz auf Repetitorien verzichtet. Und schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit, die Angebote miteinander zu kombinieren, etwa den Kurs vom einen zu besuchen, die Skripte aber überwiegend beim anderen zu kaufen. So oder so: An der eigenen Arbeit führt kein Weg vorbei. Auch ein Rep ersetzt nicht das eigene Lernen. Das und nur das ist es, was unabdingbare Voraussetzung für das Bestehen der juristischen Staatsprüfung ist.    

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