Altbausanierungen - Tipps & Tricks

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Thema: Geschossdecken und Deckensanierung Prolog Im Frühjahr 2006 wurden wir stolze Besitzer der lt. Denkmalverzeichnis ehemaligen Pension "Belvedere" im Altstadtkern einer kleinen Kurstadt. Seit 1998 leerstehend waren alle Fenster stark beschädigt bzw. komplett rausgerissen. Überall ... Bericht lesen





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Energetische Baumaßnahmen in einer 360 qm Backsteinvilla Bj. 1886
Erfahrungsbericht von AallRounder über Altbausanierungen - Tipps & Tricks
08.11.2009


Produktbewertung des Autors:   


Pro: m . E .  solides Endergebnis ohne Vergewaltigung der alten Bausubstanz
Kontra: verdammt viel Arbeit, aber zu Zweit oder zu Dritt m . E .  eher machbar als alleine

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Thema: Geschossdecken und Deckensanierung


Prolog

Im Frühjahr 2006 wurden wir stolze Besitzer der lt. Denkmalverzeichnis ehemaligen Pension "Belvedere" im Altstadtkern einer kleinen Kurstadt. Seit 1998 leerstehend waren alle Fenster stark beschädigt bzw. komplett rausgerissen. Überall regnete es durch und Wände und Decken waren schwarz verschimmelt. Aber der alte Charme des Hauses lugte trotz aller Schäden überall hervor: Eine robuste Backsteinfassade mit bröckelnden Stuckbändern und schönen Fensterfronten, nach hinten raus eine Art "Turm", der sich über drei Etagen erstreckt und herrliche große Zimmer mit Original Zargen und Türen. Auf zwei Etagen jeweils ca. 120 m² Wohnfläche, dazu der "Turm" in der 3. Etage mit 65 qm und ein zweigeteilter Anbau mit nochmals 65 qm Fläche.auf knapp 3.000 qm Grundstück mit einem Geländeniveauunterschied von bis zu ca. 10 m.

Das Haus sollte komplett in Eigenleistung saniert werden; eine große Aufgabe für nur einen Arbeiter. Als voll berufstätiger Familienvater, der noch dazu 50 km entfernt von der Baustelle wohnt, waren die Ausgangsbedingungen für mich als "AallRounder" nicht ideal. Trotzdem konnten im ersten Jahr ca. 1.300 Stunden, davon fast alle auf dem Dach, im zweiten Jahr 2007 knapp 1.900 Stunden, 2008 im Jahr der Geburt des "kleinen Bauleiters" nur noch 900 Stunden und in 2009 klägliche 800 Stunden geleistet werden.

Während der Bauarbeiten rekonstruierte sich die Bauhistorie Stück für Stück, obwohl leider immer noch vieles im Dunkeln liegt. In einer Keramikkapsel im Dachkasten lag eine Zeitung aus dem Jahre 1886, was auf das Jahr der Fertigstellung deutet. Unter der Schwelle im künftigen Bad im EG lag eine 10-Pfennigmünze aus dem Jahre 1876. Betrug die Bauzeit etwa 10 Jahre ? Der alte Grundriß wurde zum größten Teil durch den Abriß der nachträglichen Einbauten der 20er Jahre (?) wieder hergestellt. Dabei ergab sich, daß eine Teilung des Hauses in separate Geschosse nicht möglich ist, ohne Räume zu deplazieren oder zu zweckentfremden. Wer baut z.B. ein Schlafzimmer, wo sich die einzigen Zugänge zum Anbau und zur Terrasse befinden oder in einem ehem. Repräsentationsraum auf der Südseite ? Die alten Planungen und Gedanken der Erbauer kamen unweigerlich zum Vorschein. So gibts künftig die
Küche, wo sie anfangs war, die Bäder, wo sie vielleicht um 1920 nachträglich eingebaut wurden und die fast vollständig wiederhergestellte Enfilade der "Salons" im OG, wo sich 108 qm aneinanderreihen ...

Während der gesamten Bauarbeiten legte ich immer besonderes Augenmerk auf die "energetische" Gesamtsituation.

Thema Sanierung unter energetischen Gesichtspunkten

Als 3- bis 4- köpfige Familie ohne Manager- oder Polikergehälter in so einem Haus leben zu können, erfordert zu allererst die Begrenzung der Heizkosten. Ausgangssituation waren bereits abgetragene Kacheleinzelöfen, keine Heizkörper, keine Zentralheizung. Durch die Entkernung der kompletten hofseitigen Gebäudehälfte vom Boden bis zum Keller boten sich grundlegende Möglichkeiten für Dämmungsmaßnahmen. Die nicht entkernten und nur sanierten Bereiche wurden mit anderen Methoden dämmtechnisch verbessert. Bei allen Maßnahmen galten die Grundregeln: kein Polystyrol und keine Mineralwolle, keine vorgesetzten Rigipswände,
keine Dachstuhldämmung (Kaltdach als denkmalrechtliche Auflage), keine Kunststoff-Fenster, keine Fassadendämmung. Die Vorschriften der Denkmalbehörde zielten hauptsächlich darauf, die Gebäudehülle unverändert zu belassen. Die Ablehnung von Polystyrol-, Mineralwolle oder Gipskartonzugeklebten Wände widerspricht meiner Auffassung vom vernünftigem Bauen, so dass ich gerne freiwillig darauf verzichte.

Geschossdecken im entkernten Gebäudeteil

Den Decken kommt generell eine enorme Bedeutung zu, weil die warme Luft stets nach oben steigt. Wenn sie dort "abpfeift", kann der Raum nicht ausreichend erwärmt werden und "Totheizen" ohne die gewünschte Erwärmung des Raums ist die Folge. Durch die enormen Feuchteschäden mussten die Decken komplett bis auf die tragenden Balken rausgenommen werden.

Der gesamte Altaufbau mit Dielen - Schutt / Lehmpackung - Schwartenbrettern - Deckenschalung - Rohrmattengeflecht - Deckenputz war durchnässt bzw. von Schwarzschimmel befallen. Nur eine restlose Entfernung der zerstörten Substanz und Austrocknung der verbleibenden Balken und Mauern über die Dauer eines 4 Monate langen trockenen Winters schafften die Grundlage für einen Neuaufbau.
Die Holzbalkendecken wurden nach altem Vorbild, aber mit neuen Baustoffen wieder aufgebaut. Seitlich an die tragenden Balken kam so tief wie möglich eine imprägnierte
Konstruktionslattung. Statt der Schwartenbretter wurden Gipskartonplatten zersägt und als Schüttungsfläche für die Dämmung zwischen die Balken auf die Lattung geschraubt. So standen knapp 20 cm Höhe für die eigentliche Dämmschicht zur Verfügung.

Da Polystyrol (egal ob als Schüttung oder in Platten) die Feuchte blockiert statt reguliert und Mineralwolle aus künstlichen Fasern besteht, die im Gegensatz zu natürlichen Fasern leider Feuchte nur aufnehmen, aber nicht wieder abgeben können, schieden diese Dämmstoffe von vornherein aus. Dadurch hätte auf lange Sicht auch die Gefahr der Fäulnis für die Balkenlagen bestanden. Blähtonschüttung und mineralische Perlite dagegen bieten eine Feuchteregulierung ohne sich dabei negativ in ihrer Substanz zu verändern. Die aufsteigende Feuchte wird im Dämmstoff gebunden und später wieder abgegeben. Eine Klumpung oder Durchfeuchtung wie bei künstlichen Fasern ist dabei ausgeschlossen. Es findet auch keine gefährliche Feuchtesperrung statt, wie bei Polystyrol & Co. Der Einsatz einer Dampfbremse / Sperre entfällt, weil der Dämmstoff an sich nicht vor der Feuchte geschützt werden muss. Ein flächig genau definierter Taupunkt wird nicht gebraucht.

Die Blähtonschüttung wurde auf eine gesonderte Zwischenlage von Gipskarton aufgebracht, weil keine ev. Durchbiegungen riskiert werden sollten. Die Schüttung direkt auf die Deckenplatten für das darunterliegende Geschoss könnte sich vielleicht im Laufe der Jahre trotz des geringen Gewichts des Blähtons (Rohdichte 0,33) leicht wölben. Nach Einbringung der Schüttung konnte eine neue Dielenlage verlegt werden. Auf dem Boden blieb es dabei, während z.B. in der Küche noch Estrichelemente für das Verlegen von Bodenfliesen über die Dielung kamen. Die Decke im darunterliegenden Raum konnte auf einer separaten imprägnierten Lattung aus
Gipskarton gebaut werden (siehe folgender Abschnitt).


Geschossdecken im nicht entkernten Gebäudeteil

In den nicht durch eindringendes Regenwasser so stark geschädigten Gebäudeteilen, wo die originale Dielung erhalten werden konnte, war kein so grundsätzlich neuer Aufbau möglich. Trotzdem mussten die Sichtflächen der Decken komplett saniert werden, weil riesige Wasserflecken , abbröckelnder Putz und zahllose Ausbesserungen als Flickwerk keine gute Optik boten. In diesen Räumen gab es keinen Schimmelbefall an den Decken. Je nach Zustand wurde der Deckenputz mit dem Rohrgeflecht von unten aus entfernt, dass die Bretter der Deckenschalung zum Vorschein kamen. Bei den weniger stark beschädigten Decken, wo es lediglich auf die Verbesserung der Optik ankam, konnte der Aufbau incl. Putz erhalten bleiben. Mit der Sanierung dieser Decken wurde erst begonnen, nachdem das Gebäude ein dichtes Dach erhalten und während zweiter Winter ausgetrocknet war. Das war ein großer Vorteil des Umstands, dass sich die Arbeiten wegen meiner "Einmannfirma" so lange hinziehen: Ohne den technischen Aufwand des Einsatzes von Bautrocknern konnten die Gebäudeteile bis zu drei Jahren von selbst austrocknen, bevor sie saniert wurden. Das kam besonders den Wänden zu Gute.

Die Ziele der Deckensanierung waren, eine echte Altbauoptik zu haben und eine verbesserte Dämmwirkung sowie eine bessere Feuchteregulierung zu erhalten.
Bei 3,20 m Deckenhöhe im EG und 3,60 m im OG konnte getrost ein wenig abgehängt werden. Besonders das Kinderzimmer im EG sollte mit seinen 30 qm auf jeden Fall immer auf 18 Grad beheizbar sein. Deshalb griff ich hier auch als Fan von hohen Decken zur Radikalmaßnahme und hängte die komplette Decke auf 3 m Höhe ab. Dabei kamen hunderte Direktabhänger im Reihenabstand von 20 cm zum Einsatz, an denen auf und zwischen den Balkenpositionen parallel verlegte Lattung 4 x 6cm befestigt wurde. Auf der Querlattung wurden 9,5 mm starke Gipskartonplatten als Fläche für die Dämmung befestigt, von unten die 12 mm starken Decken-Gipskartonplatten. Als Dämmung wurde wieder aus den o.g. Gründen eine
Blähtonschüttung verwendet, die mit der Schippe abschnittsweise in die offene Decke geworfen und dann mit einem Richtscheit gleichmäßig abgezogen wurde. Dieses Verfahren hatte natürlich die Schwäche, dass die Decke nicht von oben erreichbar war. Da es keine Blähton-"Matten" gibt, die vorher befestigt und dann beplankt werden können, blieb das letzte 1m x 0,60 m Stück Decke ungedämmt, weil die Schüttung nicht durch die geschlossene Decke eingebracht werden konnte. Deshalb legte ich diesen Punkt an die innerste mittige Zimmerposition an die unkritische Wand zum Nachbarzimmer.

Bei den anderen Zimmern im EG verringerte ich die Deckenhöhe nur um 24 mm Lattungsdicke + 9,5 mm Gipskarton + 12 mm Gipskarton. Um hier eine möglichst starke feuchteregulierende und zugleich dämmende Schicht zu erhalten, griff ich zur Technik der Doppelbeplankung. Zwei Lagen Platten kamen um 90 Grad versetzt ohne Zwischenraum übereinander und ergaben eine Schichtdicke von 21,5 mm ! Bei 35 qm Raumgröße war das schon ein 3/4 Kubikmeter Gips, der jede Menge Wohnfeuchte aufnehmen und wieder abgeben kann !

Die Räume im EG bieten sich wegen ihrer geringeren Höhe und z.T. kleineren Größe auch als wärmeres "Asyl" in extremen Wintern an. Falls mein Konzept in den hohen großen Räumen im OG bei wochenlangem Dauerfrost und minus 20 Grad versagen sollte, kann nach unten "umgesiedelt" werden, während oben vielleicht 15 Grad gehalten werden können. Das wäre ein Extremszenario, dass an Schloss Versailles erinnert: Dort zog die Hofgesellschaft im Winter in sogenannte niedrigere "Zwischengeschosse", weil die riesigen Hallen völlig auskühlten. Die meisten anderen Monarchen bewohnten ihre großen Schlösser nicht im Winter. Auch der zweite Friedrich von Preußen hielt es im Alter nicht aus im kalten Sanssouci und zog im Winter ins nach dem siebenjährigen Kriege frisch erbaute "Neue Palais". Das lag u.a. auch an der ebenerdigen Bauweise von Sanssouci, von der Knobelsdorff immer abgeraten hatte.

Um auch bei Gipskartondecken eine Altbauoptik mit Putz zu erhalten, sparte ich mir das separate Spachteln der Fugen. Stattdessen überspannte ich die komplette Deckenfläche mit 4 x 4 mm Gewebearmierung und brachte einen 2-lagigen Gipsdeckenputz auf. Die 1. Lage wurde mit der Kelle aufgezogen, die 2. Lage wegen der Struktur als Streichputz mit dem Quast frisch in frisch. Bei 35 qm dauerte Lage 1 ca. 4 Stunden, Lage 2 nochmal 2 Stunden. Ohne Pause wegen der sonst entstehenden Absätze.

Epilog

Soweit zum Deckenaufbau mit verbesserter Dämmung und besserem Wohnklima im Altbau ohne Mineralwolle und Polystyrol. Falls Bedarf bestehen sollte (bin gespannt auf mein Feedback), kann ich die "energetischen" Technologien bei Fenstern, Innentüren, Innenwänden, Besonderheiten bei Wärmebrücken im Wandbereich, Fußböden im EG und
beim Heizungskonzept meines Altbauprojekts in Folgebeiträgen vorstellen.

Weniger "energetisch" ist das Thema "Bau von dreidimensionalen Deckenspiegeln", bei dem etwas aufwendigere Bauweisen von Decken zur Anwendung kamen.

   

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