Prämierter Erfahrungsbericht

der etwas andere "Urlaub" ;-)

4  15.08.2001

Pro:
Erhaltung der Bausubstanz und verbessern der Wohnqualität

Kontra:
eine Unmenge Arbeit

Empfehlenswert: Ja 

PeterPan2

Über sich: Linke Hand im Gips, daher momentan etwas ciao-unlustig.... Aber keine Bange, ich hole alles nach!

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Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater vor gut 25 Jahren mal sagte, nachdem er das Haus meiner Großeltern umgebaut hatte: „Nie wieder einen Altbau sanieren. Lieber zusammenschieben und neu bauen.“ Dieses Jahr stand ich vor der gleichen Aufgabe, diesmal handelte es sich um das Haus meiner Schwiegereltern aus dem Jahre 1930. Zusammenschieben fiel also erst einmal wegen Bodennebels aus ;-). Oh Gott, dann bleibt ja nur die Sanierung, wie erkläre ich das meinem Vater..... Der denkt doch sicherlich, ich habe ein schlechtes Langzeitgedächtnis. Aber letztlich blieb mir keine Wahl, und somit fiel vor 3 Monaten der Startschuß zu einem Umbaumarathon, der noch immer andauert.


Das Haus

Das Haus ist ein Bau aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise, so daß an allen Enden die Sparzwänge der Bauherren offenkundig werden. Es ist ein zweigeschossiges Wohnhaus, mit Vollkeller und Dachboden. Das Mauerwerk besteht aus sogenanntem Hohlraummauerwerk, was aus 2 Reihen Steinen mit einem Luftspalt dazwischen besteht. Das äußere Mauerwerk besteht aus gebrannten Tonziegeln und ist noch recht gut erhalten. Das innere Mauerwerk wurde mit Kalksandsteinen hochgezogen mit einem „Sparmörtel“, welcher derzeit bereits fortgeschritten zerbröselt ist. In den letzten 10 Jahren wurde bereits der Fassadenputz und die Fenster erneuert, sowie eine Gasheizung allerdings ohne Warmwasserbereitung eingebaut. Das Dach wurde vor ca. 30 Jahren einmal neu gedeckt. Alles andere, also Abwassersystem, Elektroleitungen, Fußböden, Türen usw. waren immer noch auf dem Stand von 1930. Dazu kam ein massiver Schimmelbefall der Innenwände im Erdgeschoß. Also viel zu tun.


Wo fängt man am besten an

Da das Dach noch fast völlig intakt ist, haben wir uns entschlossen, mit dem Keller und den Innenwänden anzufangen. Da das Mauerwerk nicht mehr das beste ist, haben wir uns entschlossen, den Keller nicht in einem Schritt abzudichten, sondern immer nur Teilstücke zu bearbeiten, damit uns nicht irgend wann ein Teil des Giebels absackt. Zeitgleich wurde mit der Ausbesserung des Mauerwerks innen begonnen. In diesem Zuge wurden selbstverständlich die alten zweiadrigen Stromleitungen ersetzt und die Abwasserrohre erneuert. Nachdem ich von Anfang Mai bis Mitte Juli vor allem neben meiner „normalen“ Arbeit, an dem Haus gewerkelt hatte, konnte ich nun in meinem dreiwöchigen Jahresurlaub die größeren Aufgaben angehen.


Die Innenwände

Das größte Problem hier waren der Schimmelbefall, die Brüchigkeit des Mörtels und der nicht ganz saubere Einbau der neuen Fenster. An den Stellen des stärksten Schimmelbefalls wurde der Putz komplett abgestemmt. Hierbei leistet ein Bohrhammer mit Aufsatzmeißel eine hervorragende Arbeit. Aufgrund der schlechten Putzqualität kam natürlich an vielen Stellen gleich an der halben Wand der Putz mit hinterher. Dabei kamen dann unzählige tote Elektroleitungen und Wasserrohre zum Vorschein, welche aufgrund von irgend welchen Umbauten einfach liegen gelassen wurden. Diese wurden natürlich entsorgt. Anschließend wurden die Wände das erste mal mit einer Antischimmellösung vorbehandelt. Danach ging es an das „ausflicken“ des Mauerwerks. Lockere Steine wurden herausgezogen und mit frischem Zementmörtel neu eingesetzt, Schornsteinöffnungen vermauert und lockere Fugen neu mit Mörtel verschmiert.


Fenster und Fußboden

Besonders schlimm sah es im Bereich der Fenster aus. Offensichtlich hatte die Baufirma, welche vor ca. 8 Jahren die Fenster erneuert hatte, ziemliche Gewalt angewendet. Mehrere Reihen Steine lagen nur noch locker im Mauerwerk oder waren provisorisch mit Bauschaum befestigt. Somit wurden die Fensterflanken und die Fensterbretter neu gemauert. 3 Fenster wurden in diesem Zusammenhang gleich erneuert, da diese noch aus den 80ern übrig geblieben waren. Nachdem die Wände solcherart „stabilisiert“ waren, wurde der Fußboden, genauer gesagt die Dielung herausgenommen. Das Erdgeschoß soll komplett gefliest werden, und in 3 Räumen gleichzeitig eine Fußbodenheizung eingegossen werden. Nur im zukünftigen Wohnzimmer, soll die dortige Dielung erhalten bleiben und abgezogen werden. Vor dem Gießen des Fußbodens sollte man auf alle Fälle, die notwendigen Rohre für Wasser und Abwasser durch die Fußböden verlegen, damit nicht hinterher wieder aufgestemmt werden muß. Wir haben jedenfalls an den erforderlichen Stellen zumindest die Rohre im Boden eingelassen.


Elektro und Putz

Nachdem die ganzen vorbereitenden Maßnahmen abgeschlossen waren und der Wohnbereich nunmehr nackt war, wurden sämtliche Kabel neu eingezogen aber noch nicht aufgeklemmt. Steckdosen und Schalter wurden neu mit einem Bohrhammer mit einer 82mm Bohrkrone gesetzt. Die meisten alten Dosen wurden verschmiert, nur einige alte Verteilerdosen konnten wieder genutzt werden. Nach Abschluß der Elektroarbeiten konnte nun endlich verputzt werden. Hierfür entschlossen wir uns zu Gipsputz, welcher sich auch von Laien mit ein wenig Übung auftragen läßt. Sehr zufrieden waren wir mit dem Wico Maschinengipsputz 150G, während ich von dem ähnlichen (aber teureren) Putz von Knauf abraten möchte, da er sich ungleich schwerer verarbeiten läßt. Der Zeitpunkt, an dem der Gipsputz anzieht und gewaschen werden kann, ist bei dem Wico Putz viel besser erkennbar.


Der Keller

Etwa zeitgleich mit den Putzarbeiten fingen wir an, den Keller zu sanieren. Da wir wie gesagt schrittweise vorgehen wollen, wurde zuerst nur der Anbau (Wandlänge ca. 10m) ausgebuddelt. Ca. 1,30m tief und 50cm bis 80cm breit, war der entstandene Graben. Was sich da an Mauerwerk zeigte, war teilweise haarsträubend. Wild eingelegte Ziegel, Lücken im Mauerwerk, an einer Hausecke eine Mauerflucht von ca. 30cm auf einer Kellerbautiefe von wie gesagt 1,30m. Von einer Abdichtung ganz zu schweigen. Wir haben zuerst das Mauerwerk 2 Tage trocknen lassen, anschließend mit einem Drahtbesen grob gereinigt, danach Lücken ausgebessert. Nach weiteren 2 Tagen wurde die Außenwand verputzt, um die Unebenheiten auszugleichen. Dabei wurde eine Kunststoffgaze eingelegt, damit der Putz nicht reißen kann. Nach der Trocknung des Putzes wurde zuerst ein Voranstrich aufgetragen.


Die Abdichtung

Wir haben uns für die Abdichtung Produkte der Firma Ultrament ausgewählt, die es bei Hornbach auch derzeit im Sonderangebot gibt. Der Voranstrich heißt Ultrament Dicht-Voranstrich und wird mit einer großen Deckenbürste aufgetragen. Empfehlenswert für diese Arbeit ist auf jeden Fall alte Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen, Arbeitshandschuhe sowie Schuhe, die man danach schlimmstenfalls entsorgen kann. Glaubt mir, das klebrige Zeug ist äußerst anhänglich ;-). Das Werkzeug kann hinterher sofort mit klarem Wasser gereinigt werden, aber für Kleidung und Schuhe ist es meist zu spät. Das Gesicht bekommt man mit Nitroverdünnung sauber, aber nicht jede Haut verträgt diese Tortour. Nach der Trocknung des Voranstriches (ca. 2 Stunden) kann sofort die Dichtmasse aufgetragen werden. Wir haben Ultrament Isodämm gewählt. Das kostet im 30l Eimer 79,- DM und reicht etwa für knapp 10m². Für den Anbau haben wir 1,5 Eimer benötigt. Die Dichtmasse ist auf Bitumenbasis und viel zäher als der Voranstrich. Sie wird mit der Maurerkelle in einer Dicke von ca. 3mm aufgetragen. Für die Klebewirkung gilt das gleiche, wie beim Voranstrich ;-). Diese Beschichtung soll 3 Tage austrocknen, aber bereits nach 2 Tagen konnten wir Styrodurplatten darauf kleben und die Grube wieder verfüllen. Wenn aber keine zusätzliche Styrodurschicht aufgeklebt wird, würde ich mit dem zuschütten lieber 3-4 Tage warten. Wenn die Gefahr von drückendem Wasser besteht (hoher Grundwasserspiegel) wird sogar empfohlen, die Dickschicht doppelt auszuführen, nein danke mir hat einmal schon gereicht ;-).


Die inneren Kellermauern

Zusätzlich muß natürlich auch die Feuchtigskeitssperre innen ausgebessert werden. An einigen Stellen war diese durchlässig geworden. Dies ist eine Arbeit die man sich nur mit einigem handwerklichen Geschick zutrauen sollte, damit die Wände nicht absacken. Eine Fuge möglichst dicht über der Erde muß dafür mit einer Videa-Schrotsäge aufgeschnitten werden, eine wahrhaft schweißtreibende Beschäftigung. Spätestens alle 50cm wird dann ein Holzkeil in die Fuge getrieben, damit die oberen Steine nicht absacken. Anschließend wird dann unter zeitweiliger Entfernung von maximal jeweils einem Keil, eine Mauerwerkssperrfolie eingezogen. Die Fuge wird danach mit einer dünnflüssigen Zementmörtelschlemme zugeschmiert. Frühestens nach Durchtrocknung von 3 Tagen werden dann die Keile entfernt und die frei werdenden Löcher ebenfalls zugemacht.


Was vom Urlaub bleibt

Tja das war meine etwas andere Urlaubsberichterstattung ;-). Es bleibt noch viel zu tun. Diese Woche werden noch die Heizschlangen der Fußbodenheizung verlegt, am kommenden Wochenende der Estrich gegossen. Dann wird tapeziert, gefliest, die Elektrik angeschlossen usw. Ich hoffe aber bis zu meinem nächsten Urlaub Ende Oktober mit den meisten Arbeiten fertig zu sein, so daß wir dann eventuell doch mal eine Woche verreisen können. Na und nächstes Jahr kommt dann noch die Kellerabdichtung des übrigen Hauses, das Dach, der Wintergarten, die ....... Oh Gott und dieses Jahr ja die Türen noch und der ...... Na mal sehen ;-).


Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen, daß ich nicht alle Aspekte einer Altbausanierung bis ins Detail erläutern konnte, aber dafür reicht ein solcher Bericht nun mal nicht aus. Bei Bedarf kläre ich offene Fragen gern auch per E-Mail.


Viele Grüße vom Bauarbeiter Peter, der jetzt schon richtige Maurerhände bekommen hat ;-).


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Hedwig_2010

Hedwig_2010

12.06.2013 17:54

Tja, so kann es gehen :-))

Sommergirl-Mary

Sommergirl-Mary

09.07.2009 18:45

das ist etwas was ich auch gerne mache

gerrhosaurus78

gerrhosaurus78

31.03.2008 22:22

Was tut man nicht alles, wenn man einen Altbau hat, der saniert werden muss? LG, Daniela

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