Werde ich auch einmal so??? Bitte nicht !!!
18.09.2002
Pro:
ich weiß es nicht . . .
Kontra:
manchmal ist Altenpflege verdammt schwer
Empfehlenswert:
Nein
 LeaofRafiki
Über sich:
Neues unter leamom.blogspot.de - Füchschen ist am 08.03.11 morgens um 4:30 Uhr bei meiner Tierärztin...
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Werde ich auch einmal so? - Das frage ich mich immer wieder, wenn ich meine Mutter besucht habe oder mit ihr telefoniert habe. Gestern entgegnete mir ein Freund am Telefon: Nein, aber wir werden noch schlimmer..., weil wir gelernt haben, unsere Ansprüche zu formulieren. Wie werden wir werden, wenn wir alt sind?? Hoffentlich nicht so wie unsre Eltern, werden wahrscheinlich viele denken.Meine Mutter ist alt, sehr alt. Und noch älter. Älter jedenfalls als die 79 Jahre, die sie lt. Ausweis zählt. Meine Mutter ist krank, sehr krank. Nicht nur, daß sie wie ich Muskelschwund hat, nein sie ist auch krank im Kopf. So lange ich denken kann. Schon als Kind habe ich unter ihren Launen, ihren Aggressionen gelitten, aber u.a. darüber habe ich mich schon zum Thema sexuelleGewalt/Mißbrauch ausgelassen. Das letzte mal, als sie gegen mich die Hand erhob, mir mit der Faust die Brille von der Nase schlug, das sie zerbrach, da war ich Ende dreissig. Aber das ist Vergangenheit. Was jetzt zählt, ist die Gegenwart. Sie ist psychisch krank, sagte mein Vater wenige Monate vor seinem Tod, als ich ihn fragte, wie er es mit ihr aushält. Das (und wohl auch die Liebe zu ihr, die er mal empfunden haben muß), gab ihm die Kraft, ihre Pflege zu übernehmen, obwohl er selber schwer krank war. Er hatte Lungenkrebs. Einen Tag vor Heiligabend 1996, als ich bei meinen Eltern zu Besuch war, hatte er die Diagnose bekommen. Kleinzelliges Bronchialkarzinom und bereits Metastasen in der Leber. Inoperabel. Nach Weihnachten begann er mit der Chemotherapie, ambulant im nahegelegenen Stadtteilkrankenhaus. Meine Mutter setzte sich in ihren Rollstuhl, den sie bis dahin nur auf Reisen zu Museumsbesuchen benutzt hatte und stand nicht wieder auf. Es ging doch nicht an, daß jemand kränker war als sie, die Prinzessin auf der Erbse... Jeden Tag, bevor mein Vater ins Krankenhaus ging, sich seine Infusionen abzuholen, hob er sie aus dem Bett, wusch und duschte sie, machte ihr Frühstück. Jeden Abend, wenn er aus dem Krankenhaus kam, machte er ihr Abendessen, anschließend setzt er sich vor den Fernseher, setzte sich seine Kopfhörer aus und entschwand aus der Welt. Ich tobte, als ich davon erfuhr. Im Frühjahr mußte er stationär ins Krankenhaus. Mutter alleine zuhaus. Also wurde sie auch stationär aufgenommen. Drei Wochen lang teilten sie das Zimmer, wie der Arzt mir später sagte, einzig und allein, damit mein Vater mal zur Ruhe käme und von ihrer Pflege entlastet würde. Mein Vater engagierte gegen ihren Willen einen Pflegedienst. Meine Mutter tobte. Und kam sofort in Pflegestufe 2. Er hat sie bis drei Tage vor seinem Tod gepflegt. Sie hat ihn nicht einmal im Krankenhaus besucht, erst als er im Sterben lag. Sie haben sie gebeten, die Station zu verlassen, da sie den Sterbenden bedrängte, sie nicht zu verlassen, da sie den Toten beschimpft hatte, da er sie verlassen hätte.Ich kam in der Nacht, nachdem er gestorben war, und blieb für die folgenden drei Wochen. Wobei ich mir Begleitung und Unterstützung mitgebracht hatte. Die erste Zeit ein guter Freund, die letzten Tage eine alte Freundin, die ebenfalls ihre Mutter in dieser Stadt besuchte. Ich hatte Angst, auch nur eine Nacht alleine mit meiner Mutter in der Wohnung zu verbringen. Tagsüber regelte ich alles, was mit der Beerdigung zusammenhing, sowie den sich daran anschließenden Behördenkram. Immerhin galt es nicht nur, den Nachlaß zu regeln sondern auch zeitgleich eine Firmenauflösung. Zur Erholung floh ich in den Aufbahrungsraum. Geschlafen hab ich in diesen Tagen wenig. Alles, aber auch alles blieb an mir hängen. Nicht ein Gedanke von ihr, daß auch ich traurig sein könnte, daß auch ich mal eine Schulter zum Anlehnen oder mich Ausweinen gebraucht hätte. Ich sollte die Stelle meines Vaters einnehmen und floh zurück nach Schleswig- Holstein. Sie kann eine bezaubernde, nette alte Dame sein, ist es oft, wenn Menschen sie das erste Mal erleben. Aber bald darauf ist sie eine alte, verbitterte, Frau, eine Hexe im schlimmsten Sinne des Wortes. Es gibt Momente, da habe ich Mitleid mit ihr, da tut sie mir einfach nur leid, aber die meiste Zeit bin ich damit beschäftigt, entweder mich vor ihr zu schützen oder andere wieder aufzurichten, die sie fertig gemacht hat. Nach dem Tod meines Vaters blieb sie also in der gemeinsamen Wohnung. Hochparterre. Keine Chance, mit dem Rollstuhl die Wohnung zu verlassen. Sie wechselte x-mal den Pflegedienst, keiner konnte es ihr recht machen. Mit zwei psychischen Strukturen macht sie jedem, der mit ihr zu tun hat, das Leben zur Hölle: Zum einen sagt sie nie, was sie will. Man soll gefälligst Gedanken lesen können und was auch immer genau so machen, wie sie es sich vorgestellt hat. Daraus folgt die zweite Struktur: Wie man es macht, macht man's verkehrt. Denn da sie sich nicht klar geäußert hat, hat sie immer die Möglichkeit zu sagen, nee, so wollte ich das ja nicht.In den folgenden zwei, drei Jahren bekam ich das meiste nur am Telefon mit, da ich sie nur zweimal im Jahr besucht hab. Öfter konnte und wollte ich nicht. Auch Nachbarn und Freunde zogen sich mehr und mehr zurück. Am Telefon erzählte sie mir die verrücktesten Geschichten, so daß ich manchmal nicht mehr wußte, wer denn nun eigentlich spinnt. Oft rief sie mich mitten in der Nacht an, sei es, weil sie irgendwas in der Wohnung suchte und nicht fand (woher sollte ich wissen, wo sie das verkrost hatte?), dann wieder fühlte sie sich bedroht, verfolgt, gemobbt. Oder aber sie war verzweifelt, drohte mit Selbstmord und hängte ein. Oft brüllte sie nur wütend irgendwelche Dinge ins Telefon, um gleich darauf aufzulegen. Die ersten Male drehte ich jedesmal am Rad, machte mir Sorgen, telefonierte um sie herum. Später ließ ich sie auf den Anrufbeantworter schimpfen... Ein Kleinkrieg im Haus begann. Weil sie den Hund zum Pieschen auf den Balkon schickte, schickten ihr die Nachbarn zweimal das Ordnungsamt in die Wohnung. Undefinierbare Flüssigkeiten wurden ihr vor die Tür gekippt, Post verschwand. Angeblich. Ob's wirklich stimmt, weiß ich nicht. In Telefonaten mit dem Pflegedienst tauchte ab und an die Frage auf, wie lange sie noch würde in der Wohnung bleiben können. Sie hatte mir zwar eine Generalvollmacht zur Vermögensverwaltung erteilt, begegnete mir aber gleichzeitig mit Mißtrauen, ich wolle sie entweder um ihr Vermögen bringen und/oder ins Heim abschieben. - Blödsinn. Wenn etwas in unserer Familie galt, dann, daß jeder so lange es irgend geht, sein eigener Herr bleiben sollte Zwei Jahre nach dem Tod meines Vaters entstand die Idee, daß sie nach Schleswig-Holstein kommen sollte, da ich nicht alles für sie aus der Entfernung regeln konnte und wollte. Ich fand eine Lebens- und Wohngemeinschaft zwanzig Kilometer von mir entfernt, in der sich Menschen mit je einem behinderten Familienmitglied zusammengefunden und ein altes Dorfgasthaus mit Riesengrundstück erstanden hatten, auf dem sich jeder ein Haus bzw. im Gemeinschaftsgebäude eine Wohnung gebaut hatte. Das erste Kennelerngespräch verlief bei einem Besuch meiner Mutter dort zu aller Zufriedenheit, die endgültige Aufnahme in diese Gemeinschaft aber scheiterte daran, daß meine Mutter nicht bereit war, mal dort eine Woche "probezuwohnen", damit alle aus der Gemeinschaft sie kennenlernen würden. Ein Jahr später fand ich ein Dorf weiter ein Haus, in dem eine Wohnung zum Verkauf stand, die ideal für sie erschien. Alles ebenerdig, mit kleinem Garten, vom Zuschnitt her der alten Wohnung sehr ähnlich. Bei einem weiteren Besuch von ihr schaute sie sich das an, wollte eigentlich erst eine andere, noblere, aber auch doppelt so teure Wohnung, sagte dann aber zu. In der Rekordzeit von knapp drei Monaten wurde diese Wohnung behinderten- und rollstuhlgerecht ausgebaut und renoviert, so daß zu Ostern ihr Umzug sein konnte. Aber was war das für ein Umzug... Ich war zwar ein paar Tage sicherheitshalber noch einmal bei ihr gewesen um vorab aus der alten Wohnung wichtige Akten und Papiere zu holen, bevor sie durch die einpackenden Spediteure in irgendwelchen Kartons verschwinden würden, aber mit so einem Chaos hatte ich nicht gerechnet. "Es kommt alles mit!" hatte meine Mutter jedesmal auf meine Bitten und Ratschläge hin, vorher schon mit einer Freundin zu entrümpeln. "Aussortieren können wir später, wenn du dabei bist." Oh weh... Bei meinem letzten Gang durch die ehemals elterliche Wohnung schwante mir Übles. In diversen Schubladen entdeckte ich die gesammelten Weihnachtsgeschenkeinwickelpapiere der letzten Jahrzehnte, als ich auf eine zusammengeknotete, raschelnde Plastikstüte stieß und fragte, was sich darinne befand, erhielt ich die Antwort "Kleingeschnittene leere Zigarettenschachteln" und in der Küche türmte sich Berge hoch das Altglas. Aber "es kommt alles mit!"... Und so zog sie mit weit über einhundert Umzugskartons in die neue Wohnung ein. Natürlich hatte sie sich beim nußbaum-farbigenMonster von Wohnzimmerschrank vermessen, so daß er, vor die Entscheidung gestellt, Ledersitzgarnitur oder dieser, der Axt zum Opfer fiel, Herd und Waschmaschine waren "vergessen" worden, und während die letzten Kartons im kleinsten Zimmer bis unter die Decke gestapelt wurden, so daß nicht einmal die Tür zu schließen ging, packten die ersten wahllos aus, so daß alles, aber auch wirklich alles mit völlig unnützem Kram vollstand, während die wichtigen Dinge auf immer und ewig in den bis heute nicht ausgepackten verbliebenen 34 Kartons verschollen sind.Hatte ich gehofft, daß der Umzug ihr neuen Lebensmut geben würde, so hatte ich mich getäuscht. Auf einer Erkundungsfahrt mit ihrem Privatpfleger durch die holsteinische Landschaft saß sie nur auf dem Beifahrersitz und erzählte, wie toll doch alles im Ruhrgebiet gewesen sei, erzählte mir dieser fast heulend und mit den Nerven am Ende später. Egal was er vorschlug, ihr paßte nichts. Und so ist es bis heute geblieben. In den nun zweieinhalb Jahren in der neue Wohnung, die sie mittlerweile als "3-Sterne-Wohnungsknast" bezeichnet, hat sie es geschafft, jeden, aber auch wirklich jeden zu vergraulen. Eine alte Freundin, eine gestandene Hanseatin mit dem Herz auf dem rechten Fleck, die sonst nichts so leicht erschüttern kann, die aber auch kein Blatt vor den Mund nimmt, die ihr angeboten hatte, mit ihr Kartons auszupacken und auszusortieren, was sie behalten wolle und was nicht, hat sie hysterisch angebrüllt und rausgeschmissen. Sie kann sich von nichts trennen. Auf den Tischen stehen wochenlang verwelkte und verdorrte Blumen, der Weihnachtsschmuck hängt bis weit nach Ostern, im Garten sprießt das Unkraut. Auf den Fensterbänken stehen ineinander geschachtelte leere Hundefutterschälchen, die sie im Winter mit Wasser gefüllt auf die Heizung stellt. Das Altpapier nimmt die Form schiefer Türme von Pisa an, aber sie könnte die alten Zeitungen ja irgendwann noch einmal lesen wollen. Aber nur mit Lupe. Einmal waren wir beim Augenarzt. Ärzte sind Schweine. Der Neurologe hat keine Ahnung, der Augenarzt auch nicht, alle wollen nur ihr Geld, mit alten Menschen kann man's ja machen. Daß ihr der Neurologe einen Elektrorollstuhl verordnet hat, war auch ein Fehler... Sie benutzt ihn nicht. "Nur mit Begleitung. So steht es in meinem Behindertenausweis!" Daß er keine aufwendigen und schmerzhaften Untersuchungen an ihr vorgenommen hat, obwohl die Diagnose Muskelschwund seit Jahren gesichert ist, diskreditiert ihn. "Bei alten Menschen lohnt sich das wohl nicht mehr..." Hatte er es doch gewagt, ihr zu sagen, daß da nichts mehr zu machen sei. Die erste Haushälterin, die ich ihr besorgt hatte, eine sehr patente Frau mit Pflege- und Psychiatrieerfahrung sowie handwerklichen Fähigkeiten versehen und Gartenliebhaberin, hat nach wenigen Monaten das Handtuch geschmissen und fristlos gekündigt, nachdem meine Mutter ihrer kleinen Tochter eines Morgens vorm Aufstehen wütend Pantoffeln oder irgendwas ähnliches an den Kopf geworfen hat, so daß die Kleine heulend zu ihrer Mama lief und die Welt nicht mehr verstand. Die nächste, eine Spätaussiedlerin ohne Deutschkenntnisse, die sich immer von ihrer dreizehnjährigen Tochter übersetzen ließ, hat sich auch nach wenigen Wochen verabschiedet, allerdings hat die Tochter so gut sie konnte bei meiner Mutter weitergeputzt. Daß ich meiner Mutter irgendwann später sagte, daß dieses Kind ja unmöglich alle Arbeiten im Haushalt erledigen könnte, und überhaupt Kinderarbeit nicht zulässig sei, hat meine Mutter mir bis heute nicht verziehen. Die jetzige ist seit zwei Wochen krank - und verweigert den Dienst...Mittlerweile hat sie dreimal den Pflegedienst gewechselt, weil sie immer weniger Zeit für sie haben. Daß auch das Pflegepersonal irgendwann keine Lust mehr hat, sich von meiner Mutter drangsalieren und beschimpfen zu lassen, sie somit selber ihren Teil dazu beiträgt, wenn jeder sieht, daß er möglichst schnell wieder aus ihrem Dunstkreis kommt, merkt sie nicht. Den letzten hat sie vergangene Woche fristlos entlassen. D.h. der Pflegekraft morgens, bevor sie sie aus dem Bett holen konnte, wütend angebrüllt, so daß diese sich auf dem Absatz umgedreht hat und wieder gegangen ist. Dabei ist sie nur der Kündigung seitens des ambulanten Dienstes zuvor gekommen..., wie ich aus etlichen vorhergegangen Telefonaten weiß. Sowohl von der Pflegedienstleitung wie auch von einer Pflegekraft, die ich mittlerweile auch privat kenne (und die bei meiner Mutter privat den Haushalt macht, bevor sie Angestellte des Pflegedienstes wurde), und die ich schon einige Male weinend am Telefon oder bei mir auf der Terrasse sitzend hatte, weil meine Mutter sie wie der letzte Dreck behandelt. Der letzte Streitpunkt war die Anschaffung eines Pflegebettes, da meine Mutter sich beim morgendlichen aus dem Bett holen "wie ein nasser Sack hängen läßt" und statt dessen darauf besteht, daß zwei Kräfte kommen, um sie aus dem Bett zu holen. Kirsten, wie ich die Pflegekraft mal nennen will, erledigt auch die Einkäufe für meine Mutter. Also fragt sie, "Was brauchst du? Was soll ich dir mitbringen?" - "Nichts", lautet die Antwort, obwohl gähnende Leere im Kühlschrank herrscht, oder sie beschwert sich am nächsten Tag, daß sie saure Milch trinken muß, weil ihr kein Mensch frische Milch bringt. Putzen darf Kirsten nicht, aber bei mir beschwert sich meine Mutter, daß die Wohnung verkommt. Weise ich sie darauf hin, daß die Fenster vom Nikotinqualm (meine Mutter ist Kettenraucherin) so blind sind, daß man sie schon als Milchglasscheiben bezeichnen könnte, erklärt sie mir, sie habe für so was kein Geld, überhaupt habe sie kein Geld, alles sei so unendlich teuer... (sie hat aber einige Tausend Euro aufm Konto...) und ihre Rente sei so klein (ist aber viermal so hoch wie meine). Nein, sie muß sparen. Dann sitzt sie abends im Dunkeln, weil Strom ja so teuer ist. Notizen, die sie sich gemacht hat, kann sie mir nicht vorlesen, weil es zu dunkel ist. Eine Zeitlang hat sie, um Geld zu sparen, ihrem herzkranken Hund die notwendigen Medikamente reduziert, und ihm statt dessen Weißdornbeeren vom Strauch aus dem Garten ins Futter gemischt... Die entwässernden Medikamente hat sie abgesetzt, weil er dann so oft pieschen muß, was er immer öfter in der Wohnung tut, so daß das vor zwei Jahren frisch gelegte Parkett mittlerweile ruiniert ist. Statt Seniorenfutter für den 14 Jahre alten Hund gibt es Bulgur mit einem Esslöffel Pedigree drin, "Warum soll es dem Hund besser gehen als mir?", bis mir der Kragen geplatzt ist und ich jetzt anständiges Hundefutter von zooplus liefern lasse und die Tierärztin angewiesen hab, mir die Rechnungen zu schicken. Momentan ist die Situation so, daß sie wie schon erwähnt, den Pflegedienst gekündigt hat. Momentan versorgt sie also niemand. Erstaunlichweise kommt sie nun allein aus dem Bett, saß letzten Sonntag frisch frisiert und ausgehfertig gemacht am Tisch. Hat sie alles selber gemacht... Sie kann - wenn sie will - viel mehr noch selber machen, als sie angibt zu können. Das Problem ist ihre Anspruchshaltung. Mit einem mir unbekannten Pflegdienst hat sie einen Termin ausgemacht, "die sollen mir mal sagen, was mir zusteht!" Ich laß mich überraschen.Ihr behandelnder Hausarzt wies mich schon Anfang Juni darauf hin, daß sie eine beginnende Demenz hat. Es ist die Frage, wie lange sie noch in der Wohnung versorgt werden kann. Erst recht, da sie, altersstarrsinnig und aus ihrer Depression heraus unberechenbar aggressiv über kurz oder lang jeden Pflegedienst und jede private Hilfsperson vergrault. Er hat vorgeschlagen, sie auf die psychiatrische Station eines nahegelegenen Pflegeheims zu bringen, aber da würde sie nie ihre Einwilligung zu geben. Wie mir die Pflegedienstleiterin des letzten Pflegedienstes sagte, ist meine Mutter nicht für ein normales Pflegeheim geeignet, da sie aufgrund ihrer Ansprüche und Aggressivität den ganzen Betrieb durcheinanderbringen und aufhalten würde. Dort würde sie also medikamentös stillgestellt werden... Unseren Vorschlag, kurmäßig ins Krankenhaus auf die geriatrische Station zu gehen, damit sie mal wieder aufgepäppelt und aufgebaut wird (sie wiegt noch knapp über 40 kg), vielleicht auch wegen ihrer Depression medikamentös behandelt wird, hat sie abgelehnt, dann wäre der Hund ja unversorgt. Also warten wir ab. Was anders bleibt uns auch nicht übrig. Wir alle, ihr Arzt, das Pflegepersonal, die Tierärztin, und der Rest an Freundeskreis, der noch geblieben ist, vermuten, daß sie zusammenbrechen wird, wenn der Hund stirbt. Und dies ist nur noch eine Frage von Monaten, so schwer herzkrank, wie er ist. Zweimal schon im Sommer war es fast soweit. Und so habe ich zum ersten Mal ohne Wissen meiner Mutter Gebrauch von der mir erteilten Generalvollmacht gemacht und der Tierärztin erlaubt, wenn es wirklich nicht mehr geht, und meine Mutter die Einwilligung zum Einschläfern des Hundes verweigert, ihn stationär aufzunehmen und nicht nach Hause zurückkehren zu lassen... Ich fühle mich wie im falschen Film. Wäre sie nicht meine Mutter, besser gesagt, die Witwe meines Vaters, ich hätte schon längst, wie viele andere vor mir, den Kontakt zu ihr abgebrochen. Auf der anderen Seite tut sie mir leid. Eine arme alte, verbitterte, kranke, einsame Frau. Zudem sind wir, durch diverse Verträge rechtlicher Art, durch die Vermögensverwaltung aneinander gekettet. Ich weiß nicht, was ich mir und ihr wünschen soll. Daß sie der Schlag trifft? Es wäre gnädiger. So, wie sie sich jetzt verhält - und sie kann nicht anders, weil sie ja krank ist - reitet sie sich immer tiefer in die Scheiße hinein, an deren Ende eine Zwangseinweisung steht. Noch kann ich ihr den Rücken frei halten, aber es ist die Frage, wie lange ich das noch verantworten kann. Schon jetzt ist sie eine Zumutung für jeden ambulanten Dienst, aber was, wenn die Demenz, ihre Vergeßlichkeit, ihre Agressivität/Suizidalität fortschreitet und sie eines Tages das Haus in Brand steckt? Es reicht, auch wenn es noch viel mehr aufzuzählen gäbe.Gebe Gott, daß ich im Alter nicht so werde wie sie. © LeaofRafiki 18.09.2002P.S. Die Bewertung ist blöd... Ich sag mal nein, weil ich niemandem zumuten möchte, jemanden wie meine Mutter zu pflegen. *************************************************** ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Dooyoo und doch wieder Yopi, ab und an bei talkon, seltener bei Ecomments und Griasdi, und so gut wie gar nicht mehr bei Hitwin *grins*
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17.07.2005 22:58
meiner oma gehts genauso, genau dieselbe geschichte... einmal so, einmal so... pflegerinnen dasselbe... meine mutter ist verzweifelt, und ich werde ihr diesen bericht zeigen, damit sie weiß, dass es nicht nur ihr so geht. danke und dir viel glück und viel mut! lg
29.05.2003 20:49
Es ist ein sehr herzzereißender Bericht. Wir können froh darüber sein, daß wir gesund sind, den das kann man mit keinen Geld der Welt bezahlen!!! Astrid
27.01.2003 17:19
ein sehr schweres thema, welches wir auch gerade durchmachen - nachdenklich guck - lieben gruß ralf