Zeitarbeit in der Pflege

4  15.05.2007

Pro:
Abwechslung, neue Chancen

Kontra:
Bezahlung

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Einstellungschancen:

Aufstiegschancen

Verdienstmöglichkeiten:

Sozialleistungen:


misiu2003

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:20

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Einleitung:
Hier meldet sich mal wieder der gelernte Krankenpfleger in mir, und zwar bei Euch. Wie Ihr meinem Profil entnehmen könnt, bin ich ja seit August 2006 nicht mehr aktiv in der Pflege tätig, ich arbeite als Personaldisponent für einen bundesweit tätigen Personaldienstleister im medizinischen Bereich. Im Folgenden werde ich keine Namen von Zeitarbeitsunternehmen nennen (auch nicht von dem wo ich angestellt bin), da ich keine Werbung machen möchte, sondern mal kurz den Markt vorstellen, und wie Zeitarbeit in der Pflege funktioniert. Dabei beschränke ich mich auf die Grundzüge, Betriebsinterna plauder ich natürlich nicht aus. Die Ausführungen sollen einen Einblick in den Markt medizinischer Zeitarbeit geben.

Was ist Zeitarbeit?
Zeitarbeit ist eigentlich nicht so ganz der richtige Begriff für das was auf dem Markt passiert, denn die Angestellten werden nicht auf Zeit eingestellt, sondern zeitlich begrenzt im Kundenbetrieb eingesetzt. Zeitlich begrenzt sind die Einsätze durch die Bedarfslage des Kunden. Meistens greift (z.B. ein Altenpflegeheim) bei unvorhersehbaren personellen Engpässen (Schwangerschaften, Dauererkrankungen) oder bei stark schwankenden Belegungszahlen (gerade im Pflegeheimbereich) auf Zeitpersonal zurück.

Wer macht was?
Das Zeitarbeitsunternehmen stellt dem Kundenbetrieb die geforderte Anzahl von Mitarbeitern der entsprechenden Qualifikation (z.B. Krankenschwester, AltelpflegerIn, Pflegehelfer usw.) für den geforderten Zeitraum zur Verfügung. Dazu wird ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag zwischen Kunde und Personaldienstleister geschlossen, in dem auch der Preis festgelegt ist. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden unter anderem auch die Zuschläge vereinbart.

Der Personaldisponent:
Jedes Zeitarbeitsunternehmen hat einen oder mehrere Disponenten, die sowohl für die Kundengewinnung, als auch für die personelle Besetzung der Aufträge und der damit verbundenen Personalführung und Planung betraut sind. Die Disponenten sind für ihre Mitarbeiter Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Einsatz und das Arbeitsverhältnis.

Pflegemitarbeiter:
Jede examinierte Kraft sucht erfahrungsgemäß eine Festanstellung bei einem Träger für Pflegedienstleistungen (ambulanter Pflegedienst, Altenheim oder Krankenhaus). Jedoch sind die Arbeitsplätze inzwischen rar, bzw. sind dem Einzelnen schwer zugänglich geworden. So denken viele darüber nach, über Zeitarbeit (wieder) in den Markt ein zu steigen.
Pflegehilfskräfte haben es erfahrungsgemäß schwerer, am Markt Fuß zu fassen, da die Anforderungen im Pflegebereich stetig zunehmen.

Marktsituation:
Wer sich heute als Pflegefachkraft (mit Examen) bewirbt, sieht sich in der Situation, dass auf jede freie Stelle eine hohe Anzahl von Bewerbern auftreten. So melden sich die Arbeitgeber manchmal über Wochen und Monate nicht zurück und man steht lange im Nassen.
Bundesweit habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade in Großstädten und Ballungsgebieten verstärkt auf Zeitpersonal zurückgegriffen wird, da dieses erstens nur für effektiv geleistete Stunden bezahlt wird, sich der Einstellungsstress vermindert und die Mitarbeiter risikolos auf Herz und Nieren geprüft werden können. Im ländlichen Bereich hingegen werden die Stellen eher unter der Hand vergeben, man kennt sich halt. Aber auch hier nimmt Zeitarbeit einen immer größeren Raum ein, da Belegungsschwankungen besser aufgefangen werden können und frisches Blut in eingefahrene Personalbestände gebracht werden kann.
Generell findet man eine Festanstellung noch immer einfacher im Süden und Westen Deutschlands als im Norden und Osten.

Warum sollte man über Zeitarbeit nachdenken?
Generell gibt es bei den meisten Zeitarbeitsunternehmen die im medizinischen Bereich tätig sind, zwei Möglichkeiten ein zu steigen: erstens im regionalen, zweitens im bundesweiten Einsatz. Bundesweit tätig zu sein bedeutet jedoch meistens eine Abwesenheit vom Wohnort von 10-12 Tagen, an die sich eine Heimfahrt von ca. 3-5 Tagen anschließt. Nicht wirklich was für jeden, kann jedoch finanziell sehr interessant werden.
Regionales Arbeiten bedeutet den Einsatz bei einem oder mehreren Kundenbetrieben. Das erschließt neue Einsichten in die Welt der Pflege. Man lernt tolle Einrichtungen und genauso gut totale Katastrophen kennen. Stellt Euch mal vor Ihr hättet in so einer Chaoseinrichtung fest angefangen…?! Ein großer Teil unserer examinierten MitarbeiterInnen wird irgendwann von einem Kunden fest übernommen. Oftmals hat er sich dort vorher schon beworben und wurde abgelehnt .

Für wen ist Zeitarbeit geeignet?
Ja Ihr kennt das ja… Möglichst 20 Jahre jung und 19 Jahre Berufserfahrung, so hätten die Einrichtungen das gerne. Was aber wenn man aus der Elternzeit kommt, wenn man Berufsanfänger ist, wenn man umgeschult hat, wenn alle Bewerbungen erfolglos verliefen? Für die Zeitarbeitsunternehmen zählt nur was Ihr leistet. Wir behandeln alle gleich. Das heisst jedoch nicht dass jeder genommen wird…

Wer wird genommen?
Generell möchte ich hier nur für unser Unternehmen sprechen - was die anderen machen weiß ich nicht: für mich steht das Auftreten an erster Stelle. Macht die Person einen Vertrauen erweckenden Eindruck? Ich zum Beispiel stelle keine Krankenschwester ein, die sich der Nase nach vor 3 Monaten das letzte Mal gewaschen hat. Der Lebenslauf sollte lückenlos sein. Was drin steht ist immer ein Einzelschicksal und kann im Vorstellungstermin erörtert werden. Gut sind immer Arbeitszeugnisse der Vorarbeitgeber. Fachlichkeit und Persönlichkeit sind unter dem Strich das A und O.

Wie wird bezahlt?
Jedes Zeitarbeitsunternehmen ist an Tarifverträge gebunden. Zu nenne wären vor allem der IGZ und der BZA Tarif. Daneben gibt es noch den "christlichen" AMP-Tarif, der aber alles andere als christlich entlohnt. Als Faustregel kann gesagt werden dass ein Pflegehelfer ca. 7,-€ pro Stunde bekommt, eine examinierte Kraft ab 9,04 €. Aber aufgepasst: zusätzlich können Fahrtgelder, Übernachtungskostenpauschalen, Verpflegungsmehraufwand und übertarifliche Zulagen gezahlt werden. Verhandelt ruhig, Examinierte sind rar.

Sozialleistungen:
Es gelten die gesetzlichen Regelungen. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub, vermögenswirksame Leistungen usw. Hier kann verhandelt werden, denkt bitte nicht es wäre alles viel schlechter als bei einer Festanstellung in einer Pflegeeinrichtung.

Worauf solltet Ihr achten?
Zunächst mal soviel. Am besten seid Ihr meiner Meinung nach bei einer Zeitarbeitsfirma aufgehoben, die nur medizinisches Personal vermittelt. Viele Generalisten schicken die Pflegekräfte morgens ins Heim und nachmittags zum Packen in eine Fabrik um die Stunden voll zu bekommen. Das kann´s ja wohl nicht sein…! Hört Euch vor Ort um, wer einen guten Ruf hat. Wenn Ihr bei Spezialisten arbeitet, steigt auch das Verständnis der Disponenten für die Anforderungen in der Pflege. Achtet darauf, dass die Stundenzahl die Ihr pro Monat vereinbart (im Arbeitsvertrag) realistisch ist. Wenn Ihr nicht auf Eure Stunden kommt muss der Arbeitgeber nämlich dennoch das komplette Gehalt bezahlen (was ja kaum gerne einer macht)… denkt Euch Euren Teil zu dieser Aussage.
Verlasst Euch niemals auf mündliche Versprechungen, nur wer schreibt der bleibt.

Mein Fazit:
Zeitarbeit ist eine Chance Jobs zu bekommen, die Ihr am Markt sonst schwer bis gar nicht bekommen könntet. Ihr werdet eins merken… wenn Ihr gut seid in dem was ihr tut, werden auch die Aufträge immer besser die Ihr bekommt. Solltet Ihr dauerhaft miese Jobs bekommen, liegt es entweder an der Zeitarbeitsfirma oder Ihr solltet mal Eure Arbeitsweise überprüfen: Getreu dem Motto: " wenn man ein Buch auf einen Kopf schlägt und es klingt hohl, muss es nicht zwangsläufig am Buch liegen"

Ich hoffe ich konnte ein paar Einblicke gewähren, für Fragen stehe ich gerne im Gästebuch zur Verfügung…


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hundeliebe02

hundeliebe02

25.05.2007 00:30

sehr interessant !!!! Liebe Grüße Edith .......(und auch von Claus aus dem Krankenhaus)

ozimmi

ozimmi

18.05.2007 12:23

ein sehr schöner Bericht :-) - Otto

dahia

dahia

15.05.2007 14:58

SUPER BERICHT! alles drin was man wissen muss. lg, dahia

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