Uwe Timm - Am Beispiel meines Bruders
30.06.2009
Pro:
Eine ergreifende Aufarbeitung deutscher Geschichte
Kontra:
Fordert ein ausführliches Geschichtswissen über den Zweiten Weltkrieg
Empfehlenswert:
Ja
 Sarah8998
Über sich:
Mitglied seit:21.06.2009
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 27 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
..:::::::::: Inhalt ::::::::::.. Uwe Timm sucht in seinem autobiographischen Text nach Antworten auf die Frage, warum sich sein 1943, im Alter von 19 Jahren, in einem Lazarett in der Ukraine, nach einer doppelten Beinamputation gestorbener Bruder Karl-Heinz, freiwillig zu Waffen-SS gemeldet hatte. Wie sah der Bruder sich selbst? Welche Empfindungen hatte er? Erkannte er etwas wie Täterschaft, Schuldigwerden, Unrecht? Uwe Timm fragt nach den Motiven seines Bruders und der Reaktion seiner Eltern. ..:::::::::: Meinung ::::::::::.. Timm versucht mit der Analyse seiner Biografie und die seiner Familie mehr über seinen Bruder, aber auch über sich selbst herauszufinden. Detailliert beschreibt er Bilder, Eindrücke aber auch Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend. Handschriftliche Dokumente, wie das geführte Tagebuch seines Bruders während der SS Zeit, stehen im Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Wobei er mehrfach an seine Grenzen stößt, da viele Notizen und Erinnerungen für ihn keinen Sinn ergeben und ihn ratlos machen. Trotz der intensiven Befassung mit der eigenen Vergangenheit und der des Bruders und seiner gesamten Familie, wird Timm am Ende seiner Schilderungen immer noch nur eine vage Vorstellung davon haben, wer sein Bruder wirklich war. Timms autobiografischer Text wirkt auf den ersten Blick verwirrend, da es ständig zwischen Erinnerungen, Notizen des Bruders oder Briefe wechselt. Es findet keine konkrete Einteilung in Kapitel oder dergleichen statt, was jedoch auch unmöglich wäre, da alle Erinnerungen und Erfahrungen aufeinander aufbauen und somit miteinander verknüpft sind. Dieses scheinbare Durcheinander hat jedoch einen Nachteil, denn es ist fast unmöglich alle beschriebenen und erzählten Eindrücke, Bilde und Erinnerungen zu behalten. Dem Leser wird eine Fülle an Informationen geboten, die kaum zu bewältigen ist. Timm erzählt vom eigenen Miterleben und dem Miterleben seiner Eltern und des Bruders von geschichtlichen Ereignissen. Er legt seine Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und Erfahrungen offen dar. Somit kommentiert und verwebt Timm das Kriegstagebuch seines Bruders mit seinen eigenen Gedanken und Eindrücken. Er befasst sich mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und stellt die Handlungsweise seines Vaters und seines Bruders während dieser Zeit in Frage. Er benutzt seine persönlichen Erfahrungen aber auch geschichtliche Ereignisse, um daraus allgemeine Schlussfolgerungen für sich und vielleicht auch für den Leser zu formulieren. Hierbei bezieht er sich an einigen Stellen seiner Analyse konkret auf andere Autoren und Zeitzeuge, die über die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges Bücher verfasst haben. Dadurch, dass Timm einzelne Notizstücke seines Bruders mit in sein Buch hineinbringt, wirkt das gesamte Werk authentischer, zieht jedoch auch einen negativen Charakter mit sich, da durch die vielen Abkürzungen und unvollständigen Sätze oft Unklarheiten beim Leser und bei dem Autor selbst hinterlassen. Durch mehrfaches Wiederholen derselben Notizstücke wird der Leser auch leicht dazu verleitet die einzelnen Passagen zu überlesen. Sie wirken durch ihre teilweise unklaren Aussagen störend auf den Leser, da sie immer wieder den Lesefluss unterbrechen. Das gesamte Werk gleicht einem Bericht oder einer Erzählung. Es beruht auf wahren Ereignissen und Erinnerungen, die durch den Autor miteinander verstrickt und somit kompakt dem Leser präsentiert werden. Der Umfang des Buches mit seinen 150 Seiten ist überschaubar und nicht zu lang. Durch seinen autobiografischen Charakter ist das Buch lebensnah und hat somit einen besseren Bezug zum Leser. Jedoch sollte vor dem Lesen ein gewisses Geschichtswissen im Bezug auf den Zweiten Weltkrieg vorhanden sein, da doch teilweise konkrete Ereignisse und Personen der Geschichte angesprochen werden. Ein anspruchsvolles Buch, dennoch lesenswert
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01.07.2009 18:40
Sehr gut beschrieben!
01.07.2009 00:24
Das hatten wir als Hörbuch. Hat mich auch begeistert. Bedrückendes, aber faszinierendes Thema.