Am Ufer des Styx / Peinkofer, Michael

Am Ufer des Styx / Peinkofer, Michael

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... Dann der Titel: “Am Ufer des Styx”. Das muss wohl ein Fluss sein, den ich persönlich nicht kenne. Das machte mich neugierig und dazu sage ich etwas vorweg: In Form eines Traumes wird dieser Fluss kurz mal beschrieben und in den alten Mysterien stand der Styx für die Grenze zwischen Leben und ... Bericht lesen





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Am Ufer des Styx - Michael Peinkofer Am Ufer des Styx - Michael Peinkofer
Seiten: 508, Ausgabe: 2., Aufl., Taschenbuch, BasteiLübbe
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Liebe, Mord und Mysterien
Erfahrungsbericht von negendank über Am Ufer des Styx / Peinkofer, Michael
3. Juli 2009


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: anspruchsvoll 
Unterhaltungswert: durchschnittlich 
Spannung: sehr spannend 
Humor: durchschnittlich humorvoll 
Aufmachung: ok 

Pro: Ungemein spannend .
Kontra: Am Anfang etwas verwirrend .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Diesmal war es ein Spontankauf. Ich hatte Langeweile und stöberte in einem Buchladen. Zuerst fiel mein Blick auf das Cover. Das erinnert mich an einen Lichtstrahl in einer antiken Ruine und das Altertum interessiert mich. Dann der Titel: “Am Ufer des Styx”. Das muss wohl ein Fluss sein, den ich persönlich nicht kenne. Das machte mich neugierig und dazu sage ich etwas vorweg: In Form eines Traumes wird dieser Fluss kurz mal beschrieben und in den alten Mysterien stand der Styx für die Grenze zwischen Leben und Tod. Heute haben wir den Namen abgewandelt und sagen etwas flapsig, “der ist über den Jordan gegangen”, wenn wir meinen, dass dieser Mensch tot ist.

Gekauft habe ich das Taschenbuch und den Preis von knappen 9 Euro finde ich nicht gerade abschreckend und für einen Umfang von gut 500 Seiten auch nicht übertrieben. Nun aber zum Inhalt:

DAS KONTRA

Der Anfang ist recht sprunghaft. Geschildert werden Episoden, die in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen und ich hatte den Eindruck, das geht mit der Achterbahn durch die Geschichte. Der Autor ist zumindest so freundlich, jedes Kapitel mit Zeit und Ort zu kennzeichnen. Dadurch hat der Leser eine gewisse Orientierung.

Eins kann ich Euch versprechen: Wer sich einmal durch die ersten 100 Seiten hindurchgewühlt hat, der wird auch bis zum Ende lesen. Gerade zum Ende hin steigert sich die Spannung bis ins Unermessliche. Jetzt kennt man nämlich die Bande und weiß, dass diese Leute für jegliche Überraschungen gut sind. Oder anders gesagt: in diesem Roman kommt es immer anders als man denkt.

Ein Kontra muss sein und deshalb sage ich vorweg: es ist mir völlig unmöglich, die gesamte Handlung in verständlicher Form nachzuerzählen. Deshalb werde ich mich auf Ausschnitte beschränken, welche den Charakter dieses Romans besonders gut widerspiegeln.

DIE ZEIT

Die Handlung spielt weitgehend im Europa des 19. Jahrhunderts. Das ist nicht nur am Datum erkennbar, sondern ebenso an einer Vielzahl von Einzelheiten, welche für die damalige Zeit typisch waren. Die Eisenbahn war soeben erst erfunden und auf anderen Strecken bewegten sich die Menschen noch zu Pferde fort.

Zunächst war ich irritiert, denn ich dachte mir, der Autor hätte die Handlung auch in eine modernere Zeit verlegen können. Als ich aber das Buch ganz durchgelesen hatte, war mir schon klar, warum das 19. Jahrhundert mehr Stoff hergibt.

Hauptsächlich geht es um Recherchen und im Zeitalter von Internet wäre die Story recht flach geworden. Im 19. Jahrhundert waren Recherchen noch ein echtes Abenteuer. Wer damals zuviel wusste, der war eins von beiden: entweder ein Rebell oder ein Spion.

DIE SCHLÜSSELSZENE

Diese Szene befindet sich ungefähr im ersten Drittel des Romans und legt praktisch schon fest, wie die Handlung dann weiter geht. Dazu muss ich etwas ausholen.

Die Heldin ist Engländerin und heißt Sarah Kincaid. Ihr Geliebter ist ein Tuareg namens Kamal. Ihretwegen ist er nach England gezogen und dort leben sie glücklich zusammen. Wie diese Liebe zustande kam, ist bereits eine andere Geschichte…

Dieses Glück wird jäh unterbrochen, denn die englische Polizei verhaftet Kamal wegen Mordes. Er gesteht sogar die Tötung, denn nach seiner Vorstellung war es Rache und unter den Tuareg gibt es anerkannte Formen der Selbstjustiz. Nach den Gesetzen seines Stammes wäre er im Recht gewesen, doch er lebt nun mal in England und nach britischem Recht hat er eine strafbare Handlung begangen. Dafür kommt er zunächst ins Zuchthaus und im weiteren Verlauf droht ihm sogar die Todesstrafe.

Nur Sarah versteht ihren Geliebten und besucht ihn im Zuchthaus. Eines Tages ist sie völlig überrascht. Die Tür seiner Zelle steht offen und Kamal liegt leblos am Boden. Auf seiner Stirn stehen drei Buchstaben geschrieben, deren Sinn zunächst rätselhaft scheint. Sarah befühlt ihren Freund und stellt fest, dass er noch schwaches Leben in sich hat. Er liegt praktisch im Koma. Der Direktor wird alarmiert und der holt mehrere Ärzte.

Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Sie tippen auf Gift und zur damaligen Zeit gab es kein bekanntes Gift, das nur Koma verursacht. Das ist das Verrückte an der Sache - hätte der Täter Kamal töten wollen, dann hätte er ein bekanntes Gift verabreichen können. Das wollte er aber nicht. Es war also Absicht, dass Kamal vorerst noch am Leben bleiben sollte. Wie lange noch? - rätseln die Ärzte. So ein Fall war in der damaligen Medizin noch nicht bekannt.

Sarah schöpft einen weiteren Verdacht. Auf ihrem Gang durch das Zuchthaus hatte sie Uniformierte erblickt, die ihr sonderbar vorkamen. Sie tippt auf einen Geheimbund. Nur eine äußerst geheime Organisation wäre in der Lage gewesen, eigene Leute im Zuchthaus einzuschleusen. Diese Uniformierten hätten unauffällig die Zellentür öffnen und dem Gefangenen etwas einflößen können.

Sarah hat Kamal ewige Liebe geschworen. Wenn also die Ärzte nicht helfen können, dann muss eben sie das notwendige Medikament selber besorgen. Sie ist von der fixen Idee besessen, Kamal retten zu können. Somit handelt sie aus der Idee der absoluten Liebe heraus. Dieser eine Mann ist DER Mann ihres Lebens und für diesen Mann würde sie alles tun!

Sie denkt ganz richtig, dass ein Geheimbund, der ein geheimes Gift kennt, auch wissen müsste, wie das Gegengift heißt. Also versucht sie, dieser Organisation auf die Schliche zu kommen.

Jedes Mal, wenn sie einen Hinweis bekommt, versteckt sich dieser Hinweis hinter uralten Mythen. Es wird gesagt, solch eine Organisation habe es bereits im alten Ägypten gegeben und diese Organisation sei erneut wiederbelebt worden.

Im Mittelpunkt steht das so genannte “Wasser des Lebens”. Dieses Wasser sollte angeblich Unsterblichkeit verleihen und darauf waren besonders die Könige des Altertums erpicht. Keiner dieser Könige war unsterblich und dafür gibt es eine lapidare Erklärung. Dann hatte eben jemand das Wasser verwechselt und dem König das Falsche gegeben.

Doch Sarahs Fall ist anders gelagert. Ihr Geliebter ist ja nicht tot, sondern nur scheintot. Gibt es vielleicht ein Lebenselixier, das einen Patienten aus dem Koma erwachen lässt? Sarah hält das schon für möglich. In jedem Fall will sie ihrem geliebten Freund helfen.

Sie studiert alte Schriften und begibt sich auf eine weite Reise, welche von London nach Prag und schließlich nach Griechenland führt.

Auf dieser Reise durchlebt und durchleidet sie mancherlei Abenteuer und Gefahren. Und es stellen sich Fragen: Wird sie das Lebenselixier finden? Ist es auch das Richtige? Wird sie noch Zeit haben, um Kamal retten zu können?

MEINE MEINUNG

In diesem Roman kommen Gewalt und Brutalität vor, doch der Zweck ist durchschaubar. Zum einen geht es um Feindschaft und Rache und zum anderen soll gezeigt werden, wie sich diese Heldin Gefahren aussetzt, welche sie unter anderen Umständen niemals in Kauf genommen hätte.

Hinzu kommt ein Schuss Esoterik. Sarah begegnet recht merkwürdigen Gestalten und in manchen Szenen ist sie sich selber nicht sicher, ob sich dieses Wesen in der Realität oder nur in ihrer Fantasie befindet. Erst als ein Fabelwesen unter den Qualen der Folter Schreie loslässt, ist Sarah sich sicher, dass dieses Wesen real existiert und ebenso wie wir Schmerzen verspürt. Hier komme ich zu den Grenzwissenschaften: es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen die Wissenschaft nichts weiß.

Die meisten Rätsel gibt aber dieser Geheimbund selber auf. Die ganze Handlung scheint so, als ob der Gegner von vornherein wusste, wie Sarah handeln würde. Aus menschlicher Sicht ist ihre Handlung ja logisch. Natürlich will sie ihren Geliebten retten. Das ist so, als ob der Geheimbund Sarah beauftragt hätte, eine bestimmte Medizin zu besorgen. Da stellt sich doch ganz elementar die Frage: wenn diese Organisation eine Medizin braucht, warum beschafft sie sich die dann nicht selber? Vielleicht hat Sarah etwas, das die Organisation nicht hat… Aber, was soll das dann sein???

Vor allem in diesem Punkt sehe ich das große Rätsel und Spannung bedeutet für mich, dass ich gerne gewusst hätte, wie sich das Rätsel auflöst.

LESEPROBE

Ich zitiere:

“Das alles ist richtig. Wie kommt es, dass Sie sich so gut mit diesen Dingen auskennen?”
“Ich bin in Alexandria gewesen”, erwiderte Sarah nur - was sonst hätte sie auch erwidern sollen? Hinzufügen, dass sie sich zusammen mit ihrem Vater auf die Suche nach der verschollenen Bibliothek begeben hatte? Dass es eben jene Septuaginta gewesen war, die ihnen den entscheidenden Hinweis gegeben hatte? Dass sie Gardiner Kincaids Tod in den Tiefen Alexandrias nicht vergessen konnte?
Der Rabbiner schien erneut ihren Schmerz zu fühlen, denn er fragte nicht weiter nach. “Wenn Sie mit der Geschichte des Ptolemäerreiches vertraut sind”, fuhr er stattdessen fort, “dann wissen Sie sicher auch, was im Jahr 246 geschah.”
“Wenn ich mich recht entsinne, starb Ptolemaios in diesem Jahr…”

DER AUTOR

Michael Peinkofer studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft. Seit 1995 arbeitet er als freier Autor.

Nach “Der Schatten von Thot” und “Die Flamme von Pharos” ist dies das dritte Abenteuer um Sarah Kincaid.

Offenbar beschäftigt Herr Peinkofer seine Heldin in Serie und das erklärt manches. So habe ich die ersten zwei Romane nicht gelesen und auch deshalb war mir am Anfang manches unverständlich. Umgekehrt wäre noch ein Folgeroman denkbar, denn ohne vorgreifen zu wollen, halte ich das Ende für etwas unbefriedigend. Da meint man geradezu, ein Gewitter hängt noch in der Luft…

BIBLIOGRAPHISCHE DATEN

Verlag Bastei Lübbe. Vollständige Taschenbuchausgabe 2009. ISBN 978-3-404-15975-8. Preis € 8;95.

FAZIT

Diesen Roman empfehle ich all’ denjenigen, die gerne Rätsel lösen. Etwas Zeit sollte man sich nehmen und damit wird das Kontra behoben. Ja, am Anfang musste ich mehrfach zurückblättern, denn unscheinbare Details gewinnen erst im weiteren Verlauf ihre wahre Bedeutung.

Die Gewalt ist teilweise schon deftig, doch im 19. Jahrhundert herrschten eben raue Sitten. Einige Szenen sind recht gruselig und das liegt vor allem am Kontakt mit übernatürlichen Mächten.

Nun hoffe ich, dass ich nicht zuviel verraten habe und dass noch etwas Spannung übrig bleibt. Auf jeden Fall ist der Roman sein Geld wert und ich kann ihn nur empfehlen. 

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