Erfahrungsbericht über

Am goldenen See (DVD)

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3-facher Oscargewinner auf spärlichst ausgestatteter DVD

2  22.07.2011

Pro:
Herz - Schmerz - Kino mit zwei oscarprämierten Hauptdarstellern  .  .  .

Kontra:
.  .  .  auf einer DVD, die eine ziemliche Enttäuschung ist .

Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Für gewöhnlich ist es nicht meine Art, mich in epischer Breite über Details des Verpackungsmülls von morgen auszulassen. Im nämlichen Fall allerdings wollen doch ein paar Takte zum Thema gesagt sein. Wer die nicht lesen möchte, darf gleich zum Punkt „Die DVD“ scrollen. Wer auch das darunter Aufgeführte nicht lesen mag, darf, muss aber nicht irgendeines der Knöpfchen auf dieser Seite drücken.

Liebe Leute von „Universal“, wenn der Film, um den es hier geht, „Drei blassgelbe, von einem lustlosen Gestalter in ‚Photoshop’ schlecht abgesoftete Zierkürbisse schweben über dem Wasse“ hieße, dann hättet Ihr mit Eurem Verständnis von vernünftiger Covergestaltung den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf getroffen. Allerdings trägt der Film in Wirklichkeit den Titel „Am goldenen See“. Gold – das ist dieses Edelmetall, das in seiner prototypischen Form gelblich glänzt. Gelb, das nur zu Eurer Info, ist die Farbe, die auch das Signet mit der „FSK-Freigabe ab 6 Jahren“ auf der Rückseite Eurer DVD hat. Soweit alles verstanden? Prima, dann machen wir jetzt mal ein kleines Experiment. Spaßeshalber geben wir in das Eingabefeld der Bildersuche von „Google“ einfach mal “On Golden Pond“ ein, ok?

Ja, da staunt Ihr, gell? Ich, ehrlich gesagt, gar nicht.

Herbstliches Leuchten überm See und Altweibersommer, wohin man sieht. Schaut Euch doch nur mal auf der Seite http://annyas.com/screenshots/1980-1984/ den Screenshot des Titelvorspanns an – DAS wär’s gewesen. DAS ist, was ich unter golden schimmerndem Wasser verstehe. Also: Schönen Gruß an die Grafikabteilung der US-amerikanischen Mutterfirma – das nächste Mal ein bisschen mehr Herzblut, bitte, ok? Ach, und noch was: Warum durfte eigentlich nicht das gefällige Original-Filmplakat aufs Cover, an dem Ihr Euch doch offensichtlich orientiert habt? Ach so, verstehe – das war eine Zeichnung, und das Publikum von 2011 ist durch die Bank so strunzdämlich, dass es den Film aufgrund der Covergestaltung sonst für einen Zeichentrickfilm gehalten hätte. Nee, is’ klar.

So. Genug davon. Halt, hier geblieben – sagte ich was von Großer Pause?

Bilder von Am goldenen See (DVD)
Am goldenen See (DVD) Am goldenen See - Am goldenen See (DVD)
Gewönne bei der DVD-Olympiade nicht einmal Bronze: die in ihrer spärlichen Ausstattung ärgerliche deutsche DVD-Fassung des Films
Setzen, Ihr Luschen! Die traurige Verpackung hat ja noch eine Kehrseite, und genau die nehmen wir jetzt mal etwas genauer unter die Lupe. Zu den vier nichtssagenden Briefmarken im oberen Drittel des Layouts sag’ ich jetzt einfach mal nichts. Gehen wir stattdessen gleich auf den Text der Beschreibung ein:

„Wie jedes Jahr genießen Norman und Ethel Thayer (Henry Fonda, Katharine Hepburn) ihr Urlaubsidyll am goldenen See. Dieses Mal taucht Tochter Chelsea (Jane Fonda) auf, mit der Norman nie zurecht kam.“ Moment. Halt. Stop. „Taucht auf“? Aus dem goldenen See, oder was!? Nichts da – Chelsea taucht nicht auf, sondern kommt zu Besuch, bitte. So, und dann übersetzt Ihr mir bitte das Simple Past des englischsprachigen Originals nicht als Präteritum, sondern, wie sich’s gehört, als Perfekt, das eine gegenwartsbezogene Vergangenheit zum Ausdruck bringt: Diesmal kommt Tochter Chelsea zu Besuch, mit der Norman nie zurechtgekommen ist. Statt „zurechtkommen“ dürft Ihr übrigens meinetwegen auch gern „gut ausgekommen“ ist schreiben; hier geht es nämlich nicht um einen wenig benutzerfreundlichen Küchenquirl, sondern um die Beziehung zweier erwachsener Menschen zueinander. Weiter im Text!

„Mit Chelsea kommen ihr Verlobter Bill (Dabney Coleman) und dessen Sohn Billy (Doug McKeon). Bald kommt es zu Spannungen ...“ Halt! Stop!

Für einen Film ab 6 kommt mir da erheblich zuviel Kommen vor. Wenn Ihr Sinn für Humor hättet, hättet Ihr ja vielleicht wenigstens ein Zeugma draus gemacht – so in der Richtung „Mit Chelsea kommen nicht nur deren Verlobter Bill und dessen Sohn Billy, sondern bald auch auch Spannungen ins Haus.“ So, und jetzt wird’s wieder ernst: Bitte, bitte gewöhnt Euch diese Unsitte, aus reiner Bequemlichkeit jedes “come“ als „kommen“ zu übersetzen, ganz schnell wieder ab – ich möchte dieses „DVD kommt mit hochwertiger Steelbook-Verpackung und jeder Menge Extras“ nicht mehr lesen. So, hätten wir das auch geklärt.

„Bald kommt es zu Spannungen, weil Billy ebenso störrisch ist wie Norman. Doch langsam freunden sich die beiden an und Norman erkennt, wie viel er verpasst hat, weil er die Liebe seiner Tochter früher zurückwies ...“ Vor dem „und“ hättet Ihr guten Gewissens ein Komma setzen können, weil das, was auf die Konjunktion folgt, ein vollständiger Hauptsatz ist. „Verpassen“ ist natürlich fürchterlich umgangssprachlich – „verpassen“ tut man vielleicht den Anschlusszug, weil die Deutsche Bahn mal wieder unpünktlich war. Im Leben hingegen versäumt man etwas oder lässt sich etwas entgehen. Dass Ihr bei aller Schluderei entscheidende Wendungen des Films vorwegnehmt, lasse ich einfach mal dahingestellt; dass auch die Zurückweisung bitte im Perfekt und nicht im Präteritum zu geschehen hat, könnt Ihr Euch inzwischen sicher auch denken.

Den Coup de grâce habt Ihr Euch aber natürlich, wie sich’s gehört, fürs Ende aufgehoben:

„Ein bewegendes Familienporträt, ausgezeichnet mit 3 Oscars ®, u. a . für Henry Fonda und Katharine Hepburn.“

Dass man auch “family portrait“ nicht ganz angemessen ins Deutsche überträgt, wenn man daraus das Familienporträt macht, könnt Ihr Euch bei Gelegenheit mal erklären lassen; mir geht’s um etwas anderes.

„Die hauseigene Küche serviert Ihnen pro Tag drei Mahlzeiten, unter anderem Frühstück und Mittagessen.“ Ja, Ihr Schelme, da lacht Ihr jetzt natürlich! „Wählen Sie aus drei verschiedenen Eissorten, unter anderem Schokolade und Vanille.“ Ha, ha! Klasse, gell? So, und jetzt bitte mal wieder ernst: Hat Drehbuchautor Ernest Thompson sich während der Dreharbeiten an die Tochter des Regisseurs rangemacht oder silberne Löffel gestohlen? Nicht? Dann erklärt mir doch mal, was, bitte sehr, dagegen spricht, den Mann auch namentlich zu nennen!? Ich hätte ja nichts gesagt, wenn Ihr wenigstens so formuliert hättet: „Bei der Oscarverleihung des Jahres 1982 wurde der Film mit drei Academy Awards ausgezeichnet, zwei davon erhielten Hepburn und Fonda.“ Aber, nein, es musste ja „u. a.“ sein. Mit Verlaub, das könnt Ihr schreiben, wenn’s um ein bisschen mehr geht: Jacksons Film erhielt 11 Oscars, u. a. für die besten Spezialeffekte und den besten Tonschnitt. Aber doch nicht, wenn ihr zweie von dreien namentlich erwähnt, den Dritten im Bunde aber ungenannt lasst, Herrschaften!

Die DVD

Ein paar Hinweise zur Handlung des Films, für den Drehbuchautor Thompson ein Theaterstück aus eigener Feder adaptiert hat, finden sich bereits in meinen vorangegangenen Ausführungen – Hepburn und Fonda spielen ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das die Sommermonate traditionell im idyllisch am See gelegenen Zweitwohnsitz verbringt. Als die erwachsene Tochter nebst Partner und minderjährigem Sohn zu Besuch kommt, treten lange schwelende Konflikte zwischen Vater und Tochter offen zutage. Tochter und Freund setzen sich alsbald zu einer Reise nach Europa ab, der Sohn bleibt bei den Großeltern. Wie die Geschichte weitergeht, können sich melodramerprobte Filmfans sicher an einer Hand abzählen: Mit der Zeit freunden der alte Kauz Norman und sein Enkel sich an, und am Ende ist auch das Verhältnis zwischen Tocher und Vater nicht mehr ganz so angespannt wie zu Beginn des Films.

Zwischendurch wird noch ein bisschen geangelt, im letzten Drittel des Films werden Norman und Billy aus See-Not gerettet und kurz vor knapp scheint es dann noch so, als würden sich die Todesahnungen des grantelnden Norman tatsächlich bewahrheiten. Mit anderen Worten: Es menschelt kräftig, und unterm Strich ist es wo, wie ein amazon-Rezensent ganz richtig anmerkt: „ Allein das großartige Darstellerensemble und die Tragweite der Geschichte über Liebe und Ablehnung, (Neu-)Anfang und Ende und zuletzt über Leben und Tod machen den Film sehenswert“ – dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Der DVD-Transfer bietet angenehm satte Farben, grundsätzlich ist das Bild jedoch etwas verrauscht, flackert hie und da und ist alles andere als frei von Blitzern. Der Ton (wahlweise im englischsprachigen Original oder in deutscher bzw. farnzösischer Synchronfassung) liegt nur im Mono-Format vor, die Dialoge sind aber stets gut zu verstehen. In der Abteilung „Bonusmaterial“ freilich herrscht gähnende Leere. Nicht einmal der quasi-obligatorische Trailer hat den Weg auf die DVD gefunden – was umso ärgerlicher ist, als die für den US-amerikanischen Markt aufgelegte Special Edition neben weiterem Zusatzmaterial mit gleich zwei Audiokommentaren aufwartet. Mit anderen Worten: Auch im Falle von „Am goldenen See“ erhält der interessierte Heimkinofan keinen wirklich würdigen Transfer, sondern wird mit einem lieblos wirkenden 0815-Produkt abgespeist – für den Preis von knapp sechs Euro, zu dem die DVD tagesaktuell notiert, habe ich wahrhaftig schon so manche weitaus besser ausgestattete DVD erstanden.
R e s ü m e e

Stets haarscharf auf dem schmalen Grat zwischen Sentiment und Kitsch balancierender Film, den zwei für ihre Leistung zu Recht mit einem Oscar bedachte Hauptdarsteller vor dem Absturz bewahren. Bild und Ton (warum eigentlich nur mono? Der O-Ton der englischsprachigen Special Edition bietet durchaus Mehrkanalklang!) der DVD sind manierlich, die Ausstattung der DVD allerdings unterschreitet selbst aufs Minimum zurückgeschraubte Erwartungen: Nicht einmal der Trailer wird angeboten – angesichts der Tatsache, dass eine für die USA produzierte Special Edition Interessierten gleich zwei Audiokommentare sowie weiteres Material bietet, erscheint die Veröffentlichungspolitik der deutschen „Universal“-Tochter erst recht wie ein Schlag ins Gesicht. Von mir deshalb nur zwei Sterne für einen DVD-Transfer, der mehr Chancen ungenutzt lässt, als er wahrnimmt.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
calimero1111

calimero1111

28.07.2011 08:31

bh

MissVega

MissVega

25.07.2011 15:38

Ahahaha...formvollendet geklugscheißert, abgewatscht und auf die stille Treppe verbannt. Hervorragend! ;-)

mp3undlos

mp3undlos

25.07.2011 11:34

wenn mein Bildschirm so könnte wie ich wollte, würde ich mit einem Wischlappen hier sitzen...ich habe es in der Tat vermisst! In der Hoffnung, dass Du (noch) keine Kreislauftropfen benötigst, war es mal wieder Zeit für solch einen Bericht;-)

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Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 226 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

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  1. calimero1111
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