Produktbewertung des Autors:
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Drehbuch, Regie |
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| Kompletter Erfahrungsbericht |
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1973 bastelte Federico Fellini diese episodische Schilderung der Erlebnisse des Jungen Tita (Bruno Zanin) in den dreißiger Jahren in Rimini- einige Vorgänge weisen sogar in die 20er Jahre zurück, und damit verarbeitete seine eigene Kindheit dort. Die verbindende Figur des Tita trägt nicht von ungefähr den Namen eines Schulfreunds von Fellini.
Die Geschichte
Zum Beginn sieht man wie bei einem Volksfest der Winter verbrannt wird. Mythen und Geschichten der Vergangenheit...Eine Galerie von eindeutig karikaturistisch überzeichneten Lehrern passiert Revue.
Es folgt eine Reihe von häuslichen Szenen:
Der ziemlich jähzornige Familienvater (Armando Brancia) streit unerbittlich mit seiner Frau, die lebenslustige und temperamentvolle Puppela Magio, die keinem Wortgefecht aus dem Weg geht. Nebenbei sieht man wie die Finger des „senilen“ Opas (Peppino Janigro) ständig nach dem Hausmädchen greifen...Manche Gewohnheiten kann man ja nicht verlernen!
Danach folgt eine offensichtlich faschistische Feier, die sehr unpassend und effektiv gestört wird, als ein Grammophon vom Kirchturm die „ Internationale“ spielt. Eine Reihe von Tatverdächtigen wird verhaftet, und unter ihnen ist auch Tita´s Vater. Der bekommt eine Rizinus-Öl Dosis von den Faschisten verabreicht, und seine Demütigung wegen dessen Wirkung ist viel zu groß. Die Mutter hilft ihm, die Erinnerung bleibt. Die Anhänger Mussolinis erscheinen als beschränkte Kasperle, wirklich gefährliche Momente gibt es nicht.
Viele Bewohner Riminis, junge und alte, rudern energisch aufs Meer hinaus, um das Riesenschiff „Rex“ angemessen zu begrüßen- ein Ereignis für den kleinen Ort. Eine magische Szene à la Fellini folgt, und das hell erleuchtete Schiff erscheint märchenhaft in der Dunkelheit, Symbol der großen Welt, an der fast alle teilhaben möchten. Die Friseurin Gradisca (Magali Noel) jubelt mit Tränen in den Augen die „ bunte Erscheinung“ im Horizont- eine unerreichbare Fata Morgana eines besseren Lebens. Es handelt sich definitiv um die anrührendste Sequenz des Films.
Tita versucht sich bei einer Tabakhändlerin einzuschmeicheln, der darf ihre Riesenbrüste sogar küssen; nachdem sie aber davon nicht bekommt, was sie sich versprochen hat, stößt sie ihn weg.
Titas Liebe zur der Gradisca wird nicht erwidert, seine jungen sexuellen Obsessionen bleiben unerfüllt, denn die Kleinstadt-Schönheit wünscht sich einen Gary Cooper an ihrer Seite.
Oncle Teo (Ciccio Ingrassia), Bewohner einer Anstalt für Geisteskranke, wird für er einen Ausflug auf dem Land abgeholt. Ob das eine gute Idee gewesen ist... Kaum frei, klettert er auf einem Baum mit der schreienden Förderung „Ich will eine Frau“!
Schöne Bilder folgen. Es schneit. Der Pfau des Grafen schlägt majestisch im Schnee auf dem schönen Brunnenrand ein grandiosen Rad!
Die Jugendlichen des Ortes tanzen im Herbstnebel vor dem seit langen geschlossenen Grand Hotel. Die Sehnsucht aus den kleinen Verhältnissen auszubrechen ist überwältigend, die Jungen sind wahrscheinlich an die Sehnsucht selbst verliebt- Sternsucher auf der Erde, die meisten werden es aber sowieso nie schaffen. Außer Tita...
Fast am Ende angekommen, heiratet das Objekt der Begierde, die Friseurin Gradisca einen Gendarmen, einen einfachen Karabiniere. Ein großes Fest findet auf freiem Feld statt. Es fängt an zu regnen, die frischverheirateten fahren ab, die Gäste verabschieden sich auch langsam und wie es bei allen großen Feiern nun mal üblich ist, das was bleibt, ist die unendliche Melancholie. Und ein blinder Musiker, der weiter mit der Harmonika spielt. Offenbar hat man vergessen ihm zu sagen, dass das Fest vorbei ist, und die Hochzeitsgäste längst auseinander.
Ein Jahr ist mittlerweile durch, die Mutter ist tot, und Tita findet, dass der Frühling eine gute Zeit ist, um einen neuen Anfang zu wagen... Weit, weit weg vom kleinen Städtchen in Rimini.
"Amarcord" ist ein wunderschöner Film, der zwar autobiographische Züge von Fellini hat, definitiv aber keine Autobiographie ist. Der Titel stammt aus der Mundart der Romagna „io mi ricordo“, die man – laut Fellini- eher zusammengezogen aussprach. Fellini setzt sehr subjektiv und sehr persönlich seine Betrachtungsweise um, die episodische Erzählstruktur wird von Anekdoten, Träumen, Obsessionen, Erfahrungen, Gefühlen und Erlebnissen bestimmt- oft von einer ironischen Perspektive. Das könnte nicht jeder schaffen. Die Vergangenheit wird aus dem Blickwinkel der Gegenwart verändert, und eine neue Welt ist erschaffen.
Fellini „schreibt“ ein Roman über seine Jugendzeit, eine nostalgische Erinnerung an Menschen, die sich als einzelne Individuen nicht ummauert hielten, die kommende Diktatur scheint nichts gewaltiges zu sein, großwahnsinnige Träume sind fern. Man hat andere Probleme zu bewältigen. Familie, Essen, Tratschen, Lachen, kleine Phantasieträume des Tages, Liebe, Tod, Begehren und Sehnsüchte, Enttäuschungen und Kompromisse. Die einfachen Dinge des Alltags wohl. Der Film geht von tobendem Lärm zur stillen Melancholie über, alles wird zunehmend trauriger, es ändert sich nichts; höchstens kleine, bescheidene Wünsche werden erfüllt.
„Amarcord“ ist wie ein schönes Album - Bilder, Augenblicke und Erfahrungen des Heranwachsens stehen drin, mit Konsequenz einheitlich und geschlossen geführt. Nino Rota begleitet musikalisch das Werk - und das tut er wie immer perfekt. Die historisierende Musik setzt laut, leise, traurig, lustig, wehmutig, langsam, bezwingt und nostalgisch die Szenen um- ein melancholischer Tonleiterfest per Excellanze. Sogar die blasse Farben, die der Regisseur verwendet, um die Dämmerung des Nebels „abzubilden“, werden „gehört“...
PS1: Fellini war eine Ausnahme fürs Hollywood. Er selbst konnte Hollywood nicht ausstehen, Hollywood mochte aber offensichtlich den Magier. Mit „Amarcord“ kassierte Fellini zum vierten Mal den Oscar für den besten ausländischen Film. Zwanzig Jahre später bekam er sogar den Ehrenoscar für sein Lebenswerk, ein halbes Jahr vor seinem Tod.
PS2: Der korrekte Titel des Filmes ist "Amarcord" und nicht "Amacord"!