Amazon Kindle 4 - Die Revolution des Buches
17.10.2011
Pro:
Günstig; starker Akku; Klassiker kostenlos; sehr leicht; gestochen scharfes Bild
Kontra:
keine Unterstützung von Epub; Buchpreisbindung mach Ebooks nur irrelevant günstiger
Details:
Bedienung:
Akkulaufzeit:
Verarbeitung:
Display:
Installation:
 sowalis
Über sich:
Mitglied seit:05.05.2011
Erfahrungsberichte:9
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 36 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Seit Oktober diesen Jahres bietet Amazon seinen bewährten Ebook-Reader "Kindle" in der vierten Generation an. Seit dem "Kindle 3" wird der E-Reader auch international verkauft. Die Adaption auf den internationalen, insbesondere auf den deutschen Markt ist Amazon jedoch erst mit dem neusten Gerät geglückt. Im Vergleich zur alten Version bietet die neue auch eine deutsche Menüführung. Die Tastatur ist weggefallen und es wird jetzt eine "On Screen" Tastatur, die man mit einem Steuerkreuz betätigt (ähnlich wie bei der Programmierung eines Fernsehrs) eingesetzt. Diese unterstützt nun auch deutsche Sonderzeichen. Der deutsche Amazon Kindle Market existiert seit Anfang des Jahres und umfasst aktuell 45.000 deutsche, so wie mehr 800.000 internationale (meist englischsprachige) Ebooks,
Erster Eindruck
Geliefert wird, wie von Amazon gewohnt, relativ prompt innerhalb weniger Tage und in der hauseigenen "frustfreien" Verpackung. Mühelos öffnet man das Paket. Außer dem Kindle 4 befindet sich ein USB-Ladekabel und eine kurze Bedienungsanleitung (die man jedoch nicht benötigt) im Paket. Der E-Reader befindet sich im eingschalteten Zustand (später dazu mehr). Das Display ist mit einer Folie überzogen. Der Bildschirm gibt einem an, den Kindle mit dem Kabel am PC anzuschließen. Der erste Eindruck ist, dass das Gerät relativ klein ist. Mit gerade mal 6 Zoll passt er bequem in jede Gesäßtasche. Der Reader selbst wirkt trotz des Kampfpreises von 99 Euro relativ wertig. Amazon verbaut hier kein billiges Plastik, sondern leichtes Alluminium. Die gräuliche Farbe ist Geschmackssache. Vielen gefällt das alte schwarz womöglich besser. Es gibt jeweils zwei Tasten zum Blättern auf beiden Seiten. Die Taste zum Zurückblättern ist nur Eindrittel so groß, wie die zum Vorblättern. Dadurch kann man sich auch blind zurechtfinden. Alle Tasten haben einen relativ starken Druckpunkt, wodurch ein versehentliches Betätigen erschwert wird. Am unteren Teil des Gerätes gibt es eine "Zurück"taste, ein Knopf zum Aufrufen der Tastatur, sowie eine Menü- und ein Startbildschirmtaste. Genau in der Mitte am unteren Teil ist das Steuerkreuz. Es bietet somit weder Vorteile für Links- noch Rechtshänder (beim Kindle 3 war das Steuerkreuz auf der rechten Seite). Auf der Unterseite ist der Plugin für das Auflade- und Datenkabel und der Ausschaltknopf. Der Schrifthintergrund ist nicht weiß, sondern grau (wird jedoch mit stärkerem Licht immer nahezu weiß). Mit ca. 160 g wiegt das Gerät weniger als ein gewöhnliches Taschenbuch.
Einrichtung
Von Werk aus ist das Gerät mit dem eigenen Amazon-Benutzerkonto eingerichtet. Man muss nur noch Sprache und W-Lan-Passwort eingeben. Das Gerät unterstützt alle gängigen W-Lan-Verschlüsselungen, wie WEP, WPA 1 und 2, jedoch kein VPN. Durch den Wegfall eines Mobilfunkmoduls ist eine W-Lan-Anbindung zwingend erforderlich. Mit dem Datenkabel ist eine Übertragung nur mit Mühen möglich, am besten mit dem kostenlosen Programm "calibre". Die Einrichtung dauert nichtmal fünf Minuten. Man wird mit dem eigenen Namen begrüßt. W-Lan bzw. Wi-Fi ist von Start an aktiviert. Man kann gleich im Kindle-Shop stöbern. Die Suche mit der Steuerkreuz-Tastatur ist müßig, wird jedoch durch das automatische Vorschlagen von Suchbegriffen erleichtert. Nach und nach kommt man immer schneller mit dieser Form der Bedienung zurecht. Die Tastatur benötigt man jedoch selten. Sollte man schon früher ein Kindle besessen haben, werden die vorher gekauften Bücher über Amazons Whispernet vollautomatisch übertragen, das bedeutet man behält ein schonmal bei Amazon gekauftes Buch und muss es noch ein zweites Mal bezahlen. Während des Lesens kann man jederzeit, wenn man möchte, noch einstellen wie groß die Schriftgröße, der Zeilenabstand und die Wörter pro Zeilen sein sollen. Eine automatische Ausrichtung der Schrift auf Quer- oder Hochformat gibt es aufgrund des Fehlens eines Lagesensors nicht. Man muss dies manuell einstellen. Beim Lesen selbst ergibt sich das als Vorteil, weil man so nicht ständig unabsichtlich wechselt. Durch die Benutzung von so genannter "elektronischer Tinte" verbraucht das Gerät nur beim Blättern Strom. Der Akku selbst wird von Amazon mit eingeschaltetem W-Lan auf drei Wochen beziffert, ohne kommt es auf einen vollen Monat (der Kindle 3 hielt ganze zwei Monate durch). Aufladen muss man also selten. Das Aufladen selbst dauert ca. drei Stunden. Mit einem so genannten USB-Adapter dauert es knapp eine Stunde. Diesen muss man jedoch extra kaufen. Einmal eingestellt, vergisst der E-Reader das W-Lan Passwort nicht mehr. Ein erneutes Einstellen ist somit nicht nötig.
Display und Darstellung
Der Kindle benutzt die aktuellste E-Ink Technologie (E-Ink ist die englische Bezeichnung für elektronische Tinte). In der Praxis ergibt sich hinsichtlich der Darstellung jedoch keine nennenswerten Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Zwar ist das Gerät nur 6 Zoll groß, bei der Displaygröße hat sich jedoch nichts verändert. Der Kindle 3 ist nur durch die mechanische Tastatur größer. Das Umblättern bei E-Ink-Bildschirmen erfolgt technisch bedingt mit einer kurzseitigen Verdunkelung des Displays. Bei der neuen Kindle-Reihe hat man es jedoch geschafft, das so genannte "Refreshing" (Verdunkelung des Bildschirms) nur bei jeder fünften oder sechsten Seite getätigt wird. Leider hat sich in der Praxis dadurch einige Nachteile ergeben. Das "Refreshing" wird dadurch verkürzt, dass nicht immer der gesamte Bildschirm neugeladen wird, sondern nur die Teile, die sich verändern. In der Theorie hört sich das gut, in der Praxis bedeutet, dass den negativen Effekt des "Ghostening". Was ist Ghostening? Dies bedeutet, dass man immer leichte Spuren des alten Textes der vorhergehenden Seite sieht. Das kann mitunter beim Lesen irritieren. Durch ein Softwareupdate auf Version 4.01 kann man diesen Fehler beheben, verliert jedoch aber auch den Vorteil, dass das Bild immer nur bei der fünften oder sechsten Seite sich verdunkelt. Mich persönlich stört das jedoch nicht. Das kurzzeitige Verdunkeln des Bildschirms fällt nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung nicht mehr auf und stört den Lesefluss nicht mehr. Was ist der Vorteil von E-Ink? Anders als bei dem Display vom Smartphone oder vom Computer gibt es keine Hintergrundbeleuchtung. Dadurch ist es problemlos möglich mehrere Stunden hintereinander vom selben Bildschirm zu lesen. Zusätzlich spiegelt der Bildschirm nicht. In der prallsten Sonne kann man auf dem Kindle sogar noch besser lesen. Durch den Wegfall der Beleuchtung ist man jedoch genauso wie bei einem normalen Buch ohne Licht auch aufgeschmissen. Amazon bietet zwar eine schicke Leder-Hülle mit integrierter Beleuchtung an. Dieses kostet jedoch mit knapp 50 Euro genau die Hälfte des Kindles und erscheint vorraussichtlich auch erst Ende November. Ein weiterer Vorteil der E-Ink-Technologie ist, dass nur beim Umblättern, also der Neuausrichtung der Partikel im Bildschirm, Strom verbraucht wird. Während das Ipad nach acht Stunden Betriebszeit schon schlapp macht, hält der Kindle Wochen durch. Anders als beim Ipad kann man jedoch keine Farbe darstellen. Das dürfen Sie nicht falsch verstehen. Amazons Kindle ist durchaus in der Lage Bilder darzustellen, jedoch nur in 16 Grauabstufungen. Wer also, zum Beispiel ein Kochbuch benutzen möchte, ist mit einem Ipad oder Ähnlichem besser beraten.
Das Buchangebot / Der Kindle-Market
Amazon bietet zehntausende von Büchern auf deutsch an. Die meisten davon sind neu herausgegeben. Klassiker wie "Der Prozess" von Franz Kafka sind zudem kostenlos erhältlich. Durch das Gesetz der "Buchpreisbindung" sind Ebooks im Vergleich zu den gebundenen Ausgaben auf Papier nur geringfügig günstiger, zum Teil sogar genauso teuer. Zwar sagt die Buchpreisbindung, dass man nach 18 Monaten nicht mehr an den alten Verkaufspreis gebunden ist, daran halten sich jedoch die wenigsten Verlage. Den Vorteil des günstigeren gebrauchten Buches hat man beim Ebook-Reader nicht, da man jedes Ebook neu erwirbt. Dennoch gibt es einige Ausnahmen. Amazon bietet durch das "Direct Publishing" für den Kindle Autoren an, ihre Werke nur als Ebook zu verkaufen. Dadurch wird die Buchpreisbindung umgangen. Unter den "Direct Publishing"-Werken finden sich Schätze wie "Der letzte in der Schlange" für 99 Cents. Englische Bücher sind meistens viel günstiger zu erwerben. Wer also des englischen mächtig ist, sollte bei Möglichkeit auch auf die englische Ausgabe ausweichen. Zwar erlaubt der Kindle das Lesen von anderen Ebooks, jedoch werden keine im in Deutschland gängigem "epub"-Format gelesen. In der Praxis ist das kein Problem, da man mit dem kostenlosen Programm "calibre" alle ruckzuck in ein Format umwandeln kann, das Amazon liest. Nervig ist das schon, man ist dennoch nicht zwingend auf den Amazon Kindle Market angewiesen, sondern kann auch Bücher bei Thalia oder Weltbild kaufen. Man verliert jedoch den Vorteil sie per Knopfdruck im W-Lan von Amazons Webseite zu laden, sondern muss sie per PC übertragen. Amazon bietet auch die Möglichkeit, dass Dokumente an eine eigene Email-Adresse (<Benutzername<@kindle.com) per Anhang auf das Gerät versendet werden können. Was ist mit PDFs? Das Kindle ist in der Lage PDFs zu lesen. Diese sollten jedoch OCR erkannt sein. Viele PDF-Dokumente sind derart geschützt, dass der Text nicht markierbar ist. Als Resultat werden die Seiten dieser PDF-Dokumente eigentlich als Bild und nicht als Text dargestellt. Auf dem kleinen 6-Zoll Bildschirm des Kindles sind diese "Bilder" dann nicht anpassbar. So werden Seiten teilweise in der Mitte abgehackt und erstrecken sich über mehrere Kindle-Bildschirme. Wer also denkt, Papier zu sparen und seine Uni-Dokumente oder seine Hausarbeiten auf den Kindle mitnehmen kann, sollte die OCR-Eigenschaften der PDFs vorher überprüfen. Andere Formate machen in der Regel keine Probleme.
Vergleich zum Buch / Fazit
Aufgrund der Verlautbarungen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse kann man sehr sicher davon ausgehen, dass der Ebook-Markt sich in Zukunft enorm vergrößert. In den USA verkauft Amazon schon jetzt mehr Ebooks als normale Bücher. Dies ist aktuell in Deutschland jedoch nicht der Fall. Oft muss man auf das "echte" Buch ausweichen. Nahezu alle deutschen Verlage möchten in Zukunft ihre Bücher auch als Ebooks herausgeben. Der Vorteil eines E-Readers ist die sekundenschnelle Verfügbarkeit eines Buches. Der Kindle-Reader wiegt weniger als ein normales Taschenbuch, beherbergt mitunter aber bis zu hunderte von Büchern. Mir fällt es mittlerweile nur noch auf, wenn ich darauf angesprochen werde auf, dass ich auf einem technischen Gerät lese. Natürlich kann man ein Buch manchmal achtlos in die Ecke werfen ohne zu befürchten, dass es beschädigt wird. Das sollte man mit einem E-Reader natürlich nicht machen, aber (!) man muss auch nicht so zimperlich damit umgehen wie man denken könnte. Der Kindle hat eine bemerkenswert stabile Architektur. Ich persönliche trage ihn immer in der Gesäßtasche mit und setzt mich (mit meinen 73 kg) sogar darauf, ohne dass das Gerät beschädigt wird. In einem Youtube-Video habe ich sogar gesehen, wie jemand sein Kindle für eine Stunde in den Gefrierschrank steckte. Nach dem Auftauen funktionierte es immer noch. Trotz allem würde ich niemals damit in die Badewanne gehen. Ein Vorteil von Büchern ist, dass man nicht immer das gleiche Buch in der Hand hält. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie verstehen, was ich meine. Ein Buch hat manchmal unterschiedliche Schriftarten und -größen, ist vielleicht vergilbt, es gibt Randnotizen vom Vorbesitzer oder den typischen Geruch von Zellulose, den man unbewusst beim Lesen einatmet und der einem immer wieder an die Handlung oder den Inhalt zurückerinnert. Ein Kindle hat all das nicht. Man kann zwar Schriftgröße und -art (eingeschränkt) ändern, hat jedoch immer den gleichen grauen "Klotz" in der Hand. Lesen ist hier nur funktional. Und das kann hier auch als Vorteil gewertet werden. Weitsichtige werden ein normales Buch nicht ohne Lesebrille lesen können, ein Kindle-Dokument jedoch aufgrund der Veränderbarkeit der Schriftgröße schon. Es ist natürlich auch ein immenser Vorteil, dass einem theoretisch der Lesestoff nie ausgeht, weil man mit nur einem Gerät eventuell hunderte von Bücher mit sich trägt. Mir ist es häufg passiert, dass ich nicht mehr die letzte Seitenzahl, wo ich zuletzt aufgehört habe, erinnerte oder auch eine bestimmte Textstelle nicht mehr wiedergefunden habe. Mit dem Kindle ist das aufgrund der Textsuche kein Problem mehr. Auch kenne ich genügend Menschen, die es stört, dass jeder durch das Buchcover sehen kann, was man gerade liest. Beim Kindle sieht man das nicht. Man muss also abwägen, was man lieber hat. Ich persönlich kann sagen, dass ich durch den Erwerb des Kindles viel mehr Bücher lese als sonst. Gerade aufgrund dieser Tatsache, dass der Reader meine eigene Leselust neu erweckt hat, kann ich das Gerät uneingeschränkt weiter empfehlen. Durch den Kampfpreis von 99 Euro ist das Gerät erschwinglich und wäre im schlimmsten Fall kein enorme Fehlinvestition.
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27.03.2012 23:31
Hab mir auich einen bestellt. Inzwischen gibt es natürlich software, mit der man auch andere Formate lesen kann :-)))
12.12.2011 10:21
Schön dargestellt, besonders den für mich interessanten Punkt, dass man die Schriftgröße ändern kann - mich würde eventuell abschrecken, dass ich permanent online mit Amazon verbunden bin.
11.12.2011 20:00
bald haben wir auch einen! klasse berichtet! lg