Flohmarkt im Hinterhof
23.10.2007
Pro:
Hohe Sicherheit für Käufer und Verkäufer
Kontra:
hohe Verkaufsprovisionen, hohe Versandkosten
Empfehlenswert:
Ja
 TumblingDice
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:103
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 124 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Das amerikanische Unternehmen Amazon ("Ämesen") wurde 1994 gegründet und war einer der ersten Online-Buchhändler weltweit. Schon fast genauso lange bin ich dort Kunde. Auch war ich einer der ersten, der Aktien dieses Unternehmens gekauft hat (leider nicht früh genug). Bald kamen zum Bücherangebot auch CDs und später DVDs dazu. Heute ist Amazon ein Gemischtwarenhändler, bei dem man auch Elektronik und vieles mehr zu günstigen Preisen kaufen kann. Natürlich wurde die Geschäftsidee inzwischen vielfach kopiert. Dennoch ist Amazon der Marktführer im Bereich der (multiplen) Medien. Um sich weiter zu differenzieren und diese Marktführerposition auszubauen, wird das Geschäftsmodell ständig erweitert. So kam vor einigen Jahren der "Amazon Marketplace" hinzu: ein Gebrauchtwarenmarkt im Hinterhof. Hier ist nicht nur jedermann als Käufer, sondern auch als Verkäufer willkommen. Wie das? Macht Amazon sich damit nicht selbst Konkurrenz, wenn Altes statt Neues verkauft wird?
Die beste Geschäftsidee ist natürlich immer die, mit der man am meisten Geld verdient. Da Amazon am Marketplace sehr hohe Verkaufsprovisionen von 10-15% verlangt, verdienen sie prächtig mit, ohne die verkauften Waren selbst auf Lager halten und sich um die Logistik kümmern zu müssen. "Money for nothing" sozusagen. Nun gut, sie stellen ihre Plattform zur Verfügung. Das kostet natürlich auch Geld. Ich weiß zwar nicht, wie hoch heutzutage die Margen bei Büchern oder CDs sind, aber ich vermute, mehr als 15% des Ladenpreises sind durch den Verkauf an Büchern nicht zu verdienen. Zwar sind gebrauchte Bücher i.d.R. billiger als neue. Aber der Trend, Gebrauchtes zu kaufen, ist gerade bei Büchern, CDs und DVDs ungebrochen. Macht Amazon beim Verkauf von Gebrauchtem nicht mit, gehen die Leute zu Ebay&Co. Außerdem kann Amazon durch den Marketplace sein Angebot erweitern, indem auch vergriffene und nicht mehr aufgelegte Bücher angeboten werden können. Amazon hat (fast) alles.
Amazon und z.B. Ebay haben also gemein, dass dort Gebrauchtes angeboten wird. Bei beiden Plattformriesen nehmen auch immer mehr professionelle Händler Einzug, die vom Image der Marktführer profitieren wollen. Aber dennoch gibt es eine ganze Reihe von Unterschieden.
DER AMAZON MARKETPLACE FÜR KÄUFER
Ich selbst habe auf diesem hausinternen Flohmarkt schon oft gekauft, meist waren es Bücher, CDs oder DVDs. Dabei muss ich bei der Suche nach einem Produkt gar nicht zwischen dem normalen Amazon und dem Amazon Marketplace unterscheiden. Ich interessiere mich für ein Produkt, z.B. eine DVD. Dann suche ich auf der Amazon-Seite einfach nach dem gewünschten Produkt und lande i.d.R. erst mal bei einem Angebot von Amazon direkt. Neben dem Amazon-Preis erscheint gleich daneben z.B. "37 Angebote ab XY€". Damit habe ich automatisch Zugriff auf den Marketplace. Dort dürfte es sich stets um einen günstigeren Preis handeln. Ist die gesuchte DVD erst vor wenigen Tagen erschienen, wird die Preisersparnis nicht sehr hoch ausfallen. Hier gibt es sowohl gebrauchte wie auch neuwertige Produkte. Während private Verkäufer bei Ebay bevorzugt Ware als Auktion anbieten, handelt es sich beim Amazon Marketplace um Festpreise (neben dem Marketplace betreibt Amazon auch ein "Auktionshaus"). D.h. ich kann als Verkäufer gleich zuschlagen und mir das günstigste bzw. neuwertigste Produkt aussuchen. Allerdings fällt zum Kaufpreis noch eine Versandkostenpauschale von 3€ an, die gerade bei billigeren Produkten ziemlich ins Gewicht fallen kann.
Da der Amazon Marketplace abrechnungstechnisch vom normalen Amazon-Geschäft entkoppelt ist, fällt diese Versandkostenpauschale immer an, auch dann, wenn ich bei Amazon oder auf Marketplace noch weiter einkaufe. Somit kann Amazon insgesamt doch billiger sein als ein Einkauf auf Marketplace. Als Käufer muss man natürlich bei Amazon registriert sein (Name, Anschrift, Lieferanschrift, evtl. Bank -oder Kreditkartendaten). Hat man dann den Kauf per Klick abgeschlossen, muss man selbst nichts mehr tun, wenn man z.B. mit Kreditkarte bezahlt. Amazon bucht den Kaufbetrag inklusive Versandkostenpauschale ab und informiert den Marketplace-Verkäufer, dass sein Artikel erfolgreich verkauft wurde und teilt diesem die Lieferanschrift mit. Als Käufer erhalte ich innerhalb weniger Minuten nach Kauf zwei E-mails, einmal über den erfolgreichen Kauf und eine über die abgeschlossene Zahlung.
Vom Verkäufer wird erwartet, dass er die verkaufte Ware innerhalb weniger Tage verschickt. Sollte diese nicht innerhalb einer Woche beim Käufer eintreffen, wird diesem empfohlen, direkt Kontakt mit dem Verkäufer aufzunehmen. Da beim Amazon Marketplace Angebote nicht nur eine Woche (wie typischerweise bei Ebay), sondern bis zu 2 Monaten gelistet bleiben, kann es natürlich vorkommen, dass der Verkäufer gerade verreist ist, wenn der Kauf erfolgt. Insofern habe ich auch schon mal über eine Woche auf meine Ware warten müssen. Negative Erfahrungen musste ich jedoch noch keine machen. Als Käufer kann man viel mehr erwarten, dass die Ware im Schnitt schneller schneller kommt als bei Ebay-Käufen, da der Verkäufer die Sendung im günstigsten Fall sofort nach Geschäftsabschluss verschickt. Sollte es dennoch einmal der Fall sein, dass ein Verkäufer nicht liefert, übernimmt Amazon die Garantie. Der Käufer erhält dann sein Geld zurück. Denn er hat es ja auch an Amazon und nicht direkt an den Verkäufer gezahlt. Amazon hat hier sozusagen eine Treuhänderfunktion.
Nach erfolgtem Kauf soll der Käufer eine Bewertung des Verkäufers (ähnlich wie bei Ebay) vornehmen. Eine Bewertung des Käufers erfolgt jedoch nicht. Vergisst der Käufer die Bewertung, erhält er nach ein paar Wochen von Amazon eine Erinnerungs-Mail. Kaufe ich nun lieber bei Amazon Marketplace oder bei Ebay? Bei beiden. Wenn ich ein bestimmte CD oder DVD oder auch ein Buch suche, sehe ich zuerst bei Amazon nach, was es kostet und zu welchem günstigerem Preis plus Versandkostenpauschale ich es gegebenenfalls auf dem Marketplace bekommen könnte, egal, ob neu oder gebraucht. Mit diesem Bruttopreis als Benchmark im Hinterkopf gehe ich dann bei Ebay suchen und schaue nach, zu welchen Preisen das Produkt dort aktuell gehandelt wird und ob Aussicht besteht, es billiger zu bekommen. Auf Basis des Amazon Marketplace-Preises lege ich mein mögliches Ebay-Höchstgebot fest. Da ich bei Ebay aber evtl. noch das Ende der Auktion abwarten muss, kann es sein, dass ich mir noch etwas Zeit lasse, insbesondere dann, wenn es mir mit dem Erwerb nicht eilig ist. Möglicherweise gehe ich aber auch gleich zum Marketplace zurück und schlage zu.
DER AMAZON MARKETPLACE FÜR VERKÄUFER Wer über Marketplace verkaufen möchte, muss sich dort einmal als Verkäufer registrieren. Ich habe das getan, habe dort allerdings noch nie etwas erfolgreich verkauft. Ich hatte es jedoch auch nur einmal versucht im Falle eines teuren Fachbuchs. Ich hatte es 1-2 Jahre vorher selbst auf Marketplace erworben und dann versucht, es dort wieder zu verkaufen, als es für mich nicht mehr relevant war.
Wenn man dort etwas verkaufen möchte, schlägt Amazon dem Verkäufer einen Preis vor, zu dem er das Produkt anbieten möge. In meinem Fall schien mir dieser Preis jedoch unrealistisch hoch. Vor allem war er viel höher als Offerten anderer Anbieter. Amazon schlägt natürlich einen möglichst hohen Preis vor, denn dann steigt auch deren Provision. Ich hatte damals jedoch einen Preis gewählt, der unter den meisten anderen Angeboten lag. Nach 2 Monaten war das Buch dennoch nicht verkauft. Davon wurde ich von Amazon per E-mail informiert. Kosten entstanden mir dadurch keine. Denn es gibt keine Angebotsgebühren wie bei Ebay, und Verkaufsprovisionen fallen nur im Erfolgsfall an. Man hat dann die Möglichkeit, das Produkt nochmals einzustellen. Ich habe das nicht getan, sondern habe schließlich erfolgreich über Ebay verkaufen können. Amazon Marketplace verlangt folgende Verkaufsprovisionen: Eine Grundpauschale von 1,14€ plus 11,5% vom Verkaufspreis bei Elektronik und Fotoartikeln bzw. 17,25% vom Verkaufspreis bei Büchern, CDs, DVDs und allem anderen. Also eine ganze Menge.
Beispiel: Ich verkaufe ein Buch zum Preis von 10€. Dann behält Amazon Marketplace dafür 2,87€ an Provision ein. Allerdings bekomme ich zuzüglich noch die 3€ Versandkostenpauschale. Kann ich die Versandkosten unter 3€ halten (eine Büchersendung bis 500g kostet bei DHL 0,85€), besteht die Möglichkeit, die sehr hohe Verkaufsprovision wenigstens teilzukompensieren. Da jedoch bei Ebay für gebrauchte Bücher oft nur 1-2€ bezahlt werden, scheidet Amazon Marketplace für gängige Bücher unter 5€ praktisch aus, da potentielle Käufer wegen der hohen Marketplace-Versandkostenpauschalen wohl eher bei Ebay kaufen werden. Bei Büchern, die man jedoch nicht gerade herschenken möchte, ist der Marketplace zu empfehlen, zumal man sie zu dem gewünschten Verkaufspreis 2 Monate lang anbieten kann, ohne dass im Falle eines Verkaufsmisserfolgs Kosten entstehen.
Voraussetzung für ein Anbieten auf Marketplace ist allerdings, dass Amazon das anzubietende Produkt kennt, d.h. es muss bei Amazon selbst mal zu kaufen gewesen sein. Das hat allerdings den Vorteil, dass die Produktbeschreibungen bereits vorhanden sind. Amazon richtet für seine Marketplace-Verkäufer ein Verrechnungskonto ein, auf das Verkaufserlöse eingezahlt und von dem Provisionen eingezogen werden. Eine Überweisung auf das Bankkonto des Verkäufers erfolgt automatisch alle 2 Wochen, es sei denn, der Verkäufer fordert eine frühere Auszahlung per Click an. Ein Vorteil für Verkäufer ist auf jeden Fall, dass sie nicht erst auf den Zahlungseingang des Käufers warten müssten, weil die Zahlungskontrolle durch Amazon Marketplace erfolgt.
FAZIT Der Amazon Marketplace ist für Kaufinteressenten ein sehr gutes Preisbarometer. Oft erhält man hier auch Produkte zum derzeit günstigsten Preis. Zum Verkauf von Billigware (unter 5€) ist Marketplace weniger geeignet. Bleibt ein Verkäufer auf teureren Produkten sitzen, entstehen ihm keine Kosten.
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01.08.2008 23:56
Na, so ganz stimmt Deine Rechnung nicht, Amazon zockt noch mehr ab. Hab noch nicht kapiert, nach welchem Muster, aber für ein 10-Euro-Buch werden 4,03 Euro fällig. Anscheinend erheben die noch eine Gebühr auf die Versandkostenpauschale - ganz schön dreist. LG Gerd
17.12.2007 08:56
Wenn ich nicht selbst schon dort gekauft hätte, wäre ich da spätestens jetzt rundum schlau, daher fettes BH , was ich mir schon eingespeichert hab, jawolljaaaaaaaaaaaa ! :-D
14.12.2007 21:39
Exakt beschrieben und die Knackpunkte schön aufgedröselt. Tatsächlich habe ich dort schon schöne Gewinne eingefahren. Bei einzelnen Alben und Büchern sind deutlich höhere Preise zu erzielen als bei den Kollegen von Ebay - trotz der hohen Provision. Das Konzept von Amazon klappt in diesem Bereich deutlich besser als das von Ebay, die sich ein wenig zu Tode gesiegt haben. Grüße manwah