Komfort mit Tücken
18.02.2008
Pro:
ist sehr bequem und (zumindest was den Geldempfang betrifft) sicher
Kontra:
hohe Gebühren; problematische Bedingungen für den privaten Kleinstverkäufer
Empfehlenswert:
Ja
 Eminencia
Über sich:
Vielen Dank! / Ich schreibe hauptsächlich über Filme, Bücher und Videospiele. Ab und an verirren sic...
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Erfahrungsberichte:609
Vertrauende:119
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 138 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Erfahrungsbericht zu: - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
AMAZON.DE MARKETPLACE - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
"Komfort mit Tücken"
Es ist etwas Schönes, wenn man sich von altem Plunder befreien kann. Gerade Videos und CDs mutieren über die Jahre hinweg zu Regalhütern, die im Endeffekt nur noch Staub fangen - da liegt eigentlich nichts näher, als sich von den nutzlosen Artikeln zu trennen. Hier gibt es dann zwei Möglichkeiten: Entweder schmeißt man die aussortierten Sachen einfach in den Müll. Oder aber man bietet es irgendwo zum Verkauf an. Ich - noch nie eine Freundin der Realtrödelmärkte gewesen, seitdem man mir dort einen Riesenteddy für mickrigstes Pfenniggeld abluchste - ziehe die zweite Option vor. Und zwar gehe ich für private Verkäufe am Liebsten nicht etwa zum großen Internetauktionshaus, sondern zur Marketplace-Plattform von Amazon.
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- WIE KAM ICH ZU MARKETPLACE? - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Nun, das war keine wirkliche Auswahlentscheidung. Da ich schon seit ewigen Zeiten Kunde bei Amazon bin, blieb es mir nicht verborgen, dass man seine gebrauchten Buch- und Filmschätzchen dort auch wieder verhökern kann. Zunächst sah ich wegen der hohen Angebotsgebühren aber davon ab und versuchte es stattdessen einige Male über eine Auktionsplattform. An sich gab es beim Versteigern auch nie große Probleme. Hin und wieder trödelten diese und jene Käufer zwar enorm mit der Bezahlung der gewünschten Artikel, aber alles in allem verlief alles gut - bis zum Tage X... An diesem Tag verursachte ich einen für mich etwas ruinablen Fehler, indem ich zu sehr auf die Moral des kaufenden Gegenübers vertraute. Und siehe da: Von Auktionen hatte ich erst einmal genug. Dennoch: Ich hatte noch ein paar Schätzchen zu verkaufen, einige Bücher, CDs und Videos warteten doch auf einen neuen Besitzer. Also wendete ich mich intensiver zu Amazon Marketplace hin, studierte die Bedingungen und Gebührenliste, war davon teilweise recht frustriert, aber auch angetan, wie einfach man dort seine Sachen anbieten konnte / kann.
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Nun: Man bedient sich der üblichen "Suchen"-Funktion, gibt dort den Namen des Artikels ein, den man verkaufen möchte, und schaut sich dann ganz genau die Liste mit den meist recht zahlreichen Suchergebnissen an. Sollte es von einem Buch oder einer DVD mehrere Versionen geben, so sollte man exakt diejenige auswählen, die man selbst auch verkaufen will. Hat man den jeweiligen Artikel gefunden, geht man zunächst auf die Artikelseite, um dann rechts auf den Button für den 'Artikelverkauf' zu klicken. Von dort kann man dann sämtliche wichtigen Angaben zum eigenen Produkt eingeben. Man sollte hier sehr präzise und ehrlich sein (wenn der Zustand schlecht ist, darf man dies nicht verheimlichen) - schließlich will man ja niemanden täuschen. Hat man alle Eingaben erfolgreich hinter sich gebracht, so nimmt Amazon Marketplace den betreffenden Artikel 60 Tage lang kostenlos in seine virtuellen Regale auf - sollte man auch nach Ablauf dieser Spanne den Artikel noch nicht verkauft haben, kann man ihn noch einmal einstellen oder aber den Artikel wieder entfernen. Hier ist auf jeden Fall eins hervorzuheben: Das Einstellen des Artikels ist sehr einfach und extrem komfortabel. Während man auf Auktionsplattformen erst einmal eigene Texttafeln erstellen muss, kann man sich hier quasi an die eh schon vorhandenen Artikelbeschreibungen von Amazons Neu-Artikeln 'anheften'. Ist man bereits für Marketplace registriert, dauert das Einstellen eines Produktes gerade einmal 1-2 Minuten, je nachdem, wie viel man dazu zu schreiben hat.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - DIE GEBÜHREN
- - - - - - - - - - - - - - - - - - Doch jeder Komfort hat bekanntlich seine Tücken... Und diese sind bei Amazon Marketplace unter anderem in den sehr hohen Gebühren zu finden. Sobald man über die Plattform einen Artikel verkauft hat, wird für diesen eine Verkaufsgebühr in Höhe von 1,14 EUR (Stand: Dezember 2007) fällig. Hinzu kommt noch eine prozentuale Gebühr von 10% des Verkaufspreises Elektro- und Fotoartikeln (zzgl. 15 % Ust. - Stand: Dezember 2007) bzw. 15 % bei Artikeln in den Produktlinien Bücher, Musik, DVD, VHS, Software, PC- & Videospiele, Küche, Haus & Garten, Spielwaren (zzgl. 15% USt. - Stand: Dezember 2007). Bei Poweranbietern sind die Gebühren anders - darauf beziehe ich mich an dieser Stelle aber nicht. Vielmehr muss ich hinzufügen, dass Amazon immerhin eine Versandkostenpauschale an seine Verkäufer auszahlt. Während der Käufer 3 EUR Versandkosten an Amazon überweisen muss, erhält der Verkäufer (zumindest in den Warengruppen Bücher, DVDs, Videos) lediglich 1,84 EUR überwiesen.
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- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Anders als bei den Auktionsplattformen, erhält man sein Geld de facto zwar erst längere Zeit nach dem Verkauf - aber man erhält es auf jeden Fall (sofern es nicht zu Reklamationen, etc. kommt).
Grundsätzlich muss man nicht einmal etwas tun, um an seinen Gewinn zu kommen. Alle 14 Tage überweist Amazon Payments automatisch das Plus auf dem Verkäuferkonto auf das im Account hinterlegte Bankkonto. Allerdings: Um diesen Service nutzen zu können, muss man sich vorher bei Amazon Payments anmelden. Dies ist in der Tat ein Muss, denn ohne bei Payments registriert zu sein, kann man keine Verkäufe über Amazon Marketplace tätigen. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
- MEINE ERFAHRUNGEN ALS VERKÄUFER: - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
1. Mit dem Artikelkatalog: Normalerweise hat Amazon ja tatsächlich ein riesengroßes Sortiment, in dem man eigentlich alles finden sollte. Allerdings hatte ich gerade bei alten Kinderserien, die schon vor 20 Jahren auf Videokassette herausgebracht wurden, meine lieben Probleme, diese im Artikelkatalog wiederzufinden. Im Endeffekt konnte ich manchen Artikel gar nicht erst anbieten. Vor ein paar Jahren konnte man noch nicht selbstständig nicht vorhandene Artikel dem Katalog hinzufügen. Ich las mal, dass so etwas in der heutigen Zeit möglich wäre - weiß aber nicht, ob das für jeden Verkäufer oder nur für Power Seller gilt, habe auch keine Ahnung, wie genau man dazu verfahren muss.
2. Mit den Käufern: Grundsätzlich sind meine Erfahrungen mit den Käufern sehr positiv. Ein Großteil von ihnen bedankt sich freundlich per e-Mail, wenn der Artikel angekommen ist. Es gibt natürlich auch ein paar nervöse Menschen, die bereits nach wenigen Tagen nachhaken, warum denn Sendung X noch nicht da sei. Normalerweise kam die vermisst geglaubte (Waren-)Sendung (die ja bekanntlich länger dauern, dafür aber günstiger sind) dann am nächsten oder übernächsten Tag an.
In einem Fall aber kam laut Käuferin keine Ware an. Statt sich aber direkt an mich zu wenden, meldete sie mich direkt bei Amazon und forderte ihre A-bis-Z-Garantie... Und das ist nun etwas Prekäres, das mich an Amazon Marketplace sehr stört...
3. Mit Amazon Marketplace selbst, wenn es Probleme gibt: Man bekommt mit dem 'Management' von Marketplace persönlich eigentlich nie zu tun. Es sei denn, ein Kunde fühlt sich betrogen, etc., meldet den Verkäufer beim Service bzw. zieht die A-bis-Z-Garantie.
In dem oben beschriebenen Fall geschah Folgendes: Irgendwann, Monate nach dem eigentlichen Verkauf (einer DVD im Wert von etwa 3 EUR), meldete sich Amazon bei mir und teilte mir in einem äußerst harschen Ton mit, dass im Falle der A-bis-Z-Garantie GEGEN mich entschieden worden sei und dass man der Gegnerpartei (der Käuferin) ihr Geld zurücküberweisen, also mein Verkäuferkonto belasten, würde. Als Grund für dieses rigorose Vorgehen - gegen das ich zu jenem Zeitpunkt rein gar nichts mehr tun konnte - wurde Folgendes angegeben: Ich hätte nicht auf eine e-Mails reagiert, in der man mich um eine Stellungnahme zur Angelegenheit gebeten habe.
Nun: Ich habe nie von Amazon eine derartige e-Mail bekommen, wusste also nichts davon, dass die Kundin jene Garantie ausgespielt hatte - war damit in die A-bis-Z-Falle getappt. Denn: Damals entschied Amazon in den meisten Fällen (bei plausibler Beschreibung wie und wann die Ware verschickt wurde) noch FÜR den VERkäufer. Hätte ich die besagte e-Mail also erhalten, wäre es wohl für mich glimpflich ausgegangen. Merkwürdigerweise bekam ich jene Mail aber nicht. Für mich völlig unverständlich denn: Ich habe seit jeher mindestens eine e-Mail von Amazon im Eingangskorb, sei es nun Werbung zu Elektronik-, Haushaltungs- oder Buchprodukten bzw. Verkaufsmeldungen. NIE habe ich auch nur eine Verkaufs- oder Auszahlungsmail von Marketplace verpasst und auch die Werbemails mache ich interessehalber allesamt auf und fliege drüber. Es ist also unmöglich, dass diese Mail in irgendeinem Spamordner gelandet sein soll. Vielmehr denke ich, dass sie niemals an mich abgeschickt wurde. Aber auch das ist kein Argument, denn: Als Verkäufer bei Marketplace hat man die Pflicht, täglich in seinen Verkäuferaccount einzuloggen und zu sehen, ob man Verkäufe getätigt hat oder aber A-bis-Z-Anträge gestellt worden sind. Zwar ist es üblich, dass Amazon derartige Vorgänge auch per e-Mail mitteilt - aber keine Pflicht, nichts worauf man sich verlassen darf. Ich stand im Endeffekt also bedröppelt da, um eine DVD und ein paar Euros weniger. Da halfen auch keine zwei Protest-Mails an den Marketplace-Service. Vielmehr wurde man dort bereits nach meinem zweiten Protest äußerst rüde und drohte mir das Ignorieren weiterer e-Mails von mir an, sollte ich es wagen, noch einmal zu dieser Angelegenheit zu schreiben.
Generell gefällt mir diese harte, kühle Geschäftsmoral überhaupt nicht. Immerhin ist es so, dass Amazon sich Unsummen durch Verkaufsgebühren in die Tasche scheffelt. Da wäre schon etwas mehr Verkäufer-Schutz drin - oder zumindest ein ruhiges, offenes Ohr für die Probleme selbiger. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
- PFLICHTEN, PFLICHTEN, PFLICHTEN... - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Nein, Verkäufersupport ist wahrlich nicht viel zu finden. Immerhin hat sich auf dem Pinboard von Marketplace ein kleines Grüppchen von Verkäufern in einer Art Forum zusammengerafft und diskutiert hin und wieder über diesen und jenen potentiellen Betrugsversuch, etc. Aber ansonsten ist der Verkäufer vor allem in der Pflicht: So muss der Verkäufer grundsätzlich auch die Garantien anbieten, die auch Amazon selbst anbietet. Interessant wie auch bedenklich ist: Will man als Verkäufer heutzutage auf der sicheren Seite sein, muss man seine Artikel grundsätzlich mit einem von Amazon anerkannten Nachweis verschicken. Ich weiß nun gar nicht genau, welche Versandquittungen überhaupt als akzeptabel gelten. Ich meine mich erinnern zu können, dass man entweder ein Einschreiben mit Rückschein oder aber ein Postpaket mit Beleg benötigt, um im Falle eines Falles sicher beweisen zu können, dass man dieses und jenes dann und dann abgeschickt hat.
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- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zwar habe ich auf Marketplace primär als Verkäuferin Erfahrungen gesammelt, doch bin ich auch hin und wieder als Käufer aktiv gewesen. Dabei traten keine Probleme auf. Die Ware war in der Regel gut verpackt und manchmal sogar in regelrecht pedantisch akkurater Schrift adressiert. Der Kontakt zu den Verkäufern war in der Regel nicht vorhanden und bestand nur darin, dass man mir in manchen Fällen eine Nachricht sandte, dass der Artikel rausgeschickt worden sei. Aber was soll man auch mit fremden Menschen kommunizieren, wenn doch alles in bester Ordnung ist und man nichts zu bemängeln hat?
Schnäppchen kann man auf Marketplace in der Regel immer wieder machen, muss allerdings bedenken, dass die vermeintlichen Preisknüller durch eine hohe Portopauschale von 3 EUR wieder bedeutend verteuert werden. Deshalb eignet sich Marketplace meiner Ansicht nach vor allem für Freunde von seltenen Schätzchen. - - - - - - - - -
- FAZIT: - - - - - - - - -
Da ich nur hin und wieder ein, zwei DVDs oder Bücher verkaufe, werde ich es auch weiterhin wagen, Amazon Marketplace in Anspruch zu nehmen. Dies hat aber vor allem mit meiner Bequemlichkeit zu tun. Es ist eben unglaublich einfach, mal eben schnell einen Artikel dort einzustellen. Sollte mir aber noch einmal so etwas wie damals mit der A-bis-Z-Garantie passieren, werde ich wohl (wieder) auf Auktionsplattformen umschwenken. - - -
(c) Eminencia / Divalein, 2007 / 2008
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12.02.2010 21:25
Sehr schön und objektiv geschrieben. Hatte auch schon von den Gebühren für Verkäufer gehört. Ist schon echt beeindruckend, daß da noch Leute verkaufen
25.10.2009 03:42
Du hast das große Problem des Amazon Marketplace prima dargestellt - keine Sicherheit für den Verkäufer
16.01.2009 12:38
Sehr schöner und informativer Bericht, der gut strukturiert die eigenen Erfahrungen schildert. Ich werde ihn mir gleich drucken, da ich überlege, auch Bücher über Amazon zu verkaufen. Eine gute Gebrauchsanweisung für diesen Serivce! :-) Thomas