Ein profanes Meisterwerk!
09.04.2000
Pro:
Unterhaltsam, Lehrreich, Amüsant, Ergreifend
Kontra:
Einige Dinge kamen zu kurz
Empfehlenswert:
Ja
 trismegistos
Über sich:
Mitglied seit:09.04.2000
Erfahrungsberichte:48
Vertrauende:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 11 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Rahmenhandlung an sich ist öde. Die Protagonisten: im Grunde langweilige Personen, deren Schicksal einen nicht berührt. Doch sie stehen zufällig an einer Hauptader des Zeitgeschehens, Los Angeles Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts, eine Hauptbühne der Völkerwanderung aus den armen in die reichen Staaten. T.C Boyle schafft es mit seiner bekannten Liebe zum Detail das Interesse des Lesers zu wecken, nicht nur für die Thematik der amerikanischen Emigrationspolitik, sondern für die unbedeutenden Belange eines amerikanischen Hausmanns und Publizisten (seine beiden Terrier wurden mitten im eingezäunten Garten von einer Hyäne gestohlen), für die Sorgen eines mexikanischen Einwandererpärchens (langt das Geld noch für eine neue packung Tortillas, bald kommt der Winter und ein Dach über dem Kopf wäre angebracht), für das Leben eines Häftlings im eigenen Heim, das leider nur kurz erwähnt wurde (mit einem Detektor am Körper kann ermittelt werden, ob er sein Grundstück verläßt; dann muß er in ein richtiges Gefängnis). Boyle behandelt das Thema der Einwanderungspolitik ironisch, gleichzeitig objektiv. Er läßt jede Meinung zur Geltung kommen, ohne diese dirket zu werten oder gar Partei zu ergreifen. Mexikaner und Amerikaner läßt er gleichzeitig in die Rolle des Opfers und auch des Täters schlüpfen. Mexikaner vergewaltigen, stehlen, werden angefahren, werden von Landsleuten ausgeraubt, werden von amerikanischen Jugendlichen transaliert. Amerikaner beuten mexikanische Schwarzarbeiter aus, entrinnen knapp einer Vergewaltigung, diskriminieren Mexikaner und werden von ihnen bestohlen. In einer ähnlichen Wechselbeziehung stellt Boyle Mensch und Natur dar. Während der Mensch die Gegend um Los Angeles, die einst wildes Naturland war, zunehmend für sich und seine Siedlungen beansprucht und sie auch verschmutzt, rächen sich die höheren Gewalten durch reißende Hyänen, erhöhte Feuergefahr und Überschwemmungen. Unter Umständen könnte man dazu neigen, Boyles Werk als ein Ergebnis von Reibung verschiedenartig ausgerichteter Mächte zu betrachten. Der Mensch, unabhängig von der ethnischen Herkunft, als Opfer des Kontrollverlustes über seine von ihm erschaffene Gesellschaft.
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