Lebenslust statt Lebensfrust
13. Aug 2001
Pro:
Hervorragende Darsteller und ein Film zum Nachdenken
Kontra:
Man muss die Bereitschaft für solche Filme mitbringen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Action:
Anspruch:
Humor:
Romantik:
Spannung:
mehr
 Andy Hein
Über sich:
FRÜHJAHRSPUTZ!!! Ich habe die Zahl meiner Vertrauten von 46 auf 23 halbiert, da ich mich lieber weni...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Burnhams sind eine typische amerikanische Vorstadt-Familie. Nach über zwanzig Ehejahren hat sich schon längst der Alltag eingestellt. Der Vater Lester (Kevin Spacey) hat einen langweiligen Telefonjob und wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, ist er von seiner Frau Carolyn (Annette Bening) allein schon von derem trutschigen Anblick genervt. Dennoch steht er völlig unter ihrem Pantoffel und wagt es kaum ihr zu widersprechen. Zu seiner pubertierenden Tochter Jane (Thora Birch) hat er außer beim abendlichen Essen keinen Kontakt. Sein Leben plätschert so ohne Höhen und Tiefen dahin. Bei einem Cheerleader-Wettbewerb an der Schule seiner Tochter jedoch lernt er Angela (Mena Suvari) kennen, die beste Freundin seiner Tochter, und verguckt sich auf der Stelle in sie. Als diese auf seine Zuwendungen eingeht, erwacht in Lester wieder die Lebenslust. Er kündigt seinen Job, kauft sich sein Traumauto, konsumiert Drogen und beginnt seinen Körper zu stählern. Mit neuem Selbstvertrauen ausgestattet lässt er sich von seiner Frau nichts mehr sagen, die es daraufhin in die Arme des erfolgreichen Maklers Buddy Kane (Peter Gallagher) treibt. Und die Tochter Jane verliebt sich in den Nachbarsjungen
Ricky (Wes Bentley), der alles und jeden mit seiner Kamera aufnimmt, schon in psychischer Behandlung war, mit Drogen dealt und als Einzelgänger gilt. So weit die Handlung. Nun der Versuch einer Interpretation. Im folgenden werden Einzelheiten des Filmes verraten, die vielleicht nur diejenigen lesen möchten, die den Film schon kennen. Wer den Film erst noch sehen möchte, dem wird hier das Ende verraten!
Lester ist mit sich und seinem Leben zutiefst unzufrieden. Der Alltag hat ihn fest im Griff und es fehlt ihm völlig an neuen Reizen. Erst als er Angela kennen lernt, stellt das das Erwachen aus seiner Lethargie dar. Damit ist aber auch Angelas Rolle fast schon erfüllt, denn im folgenden stellt eher der Nachbarsjunge Ricky Fitts den Motivator für Lesters Veränderung dar. Wie bereits oben beschrieben, filmt Ricky die Dinge, die er als besonders schön erachtet. Das kann eine tote weiße Taube sein oder auch eine Plastiktüte, die minutenlang vom Wind getragen wird – und zweifellos soll dieser Film eine ebensolche Rolle für den Zuschauer haben. Doch der Alltag lässt die Erinnerung an solche wunderbaren Momente verblassen, in denen dem Betrachter der Spiegel vorgehalten und die Frage gestellt wird, ob sein Leben eigentlich noch lebenswert ist, deshalb zeichnet Ricky sie auf und kann sie sich jederzeit wieder ansehen und sich daran erinnern, während die anderen Protagonisten diese Momente bald wieder vergessen und sich wieder dem Alltag ergeben. Doch keiner weiß es besser als Ricky, dass er mit seinen Ideologien nicht in das Sozialgefüge passt, denn sein Vater ist ehemaliges Militärmitglied und versucht seinen Jungen zu Zucht und Ordnung zu treiben, als ein anständiges Mitglied der Gesellschaft zu erziehen und den Rebell in Ricky sogar mit Schlägen zu vertreiben. Doch an Ricky beißt sich der Vater die Zähne aus. Nicht so an Lester, der mehr und mehr Ricky nacheifert, und am Ende des Films von Rickys Vater erschossen und für seinen Lebenswandel bestraft wird. Was Jane angeht, so fühlt sie sich zu Ricky hingezogen, weil er die Lebensart verkörpert, die sie an ihren Eltern vermisst. Auch sie rebelliert gegen die Eingesessenheit ihrer Eltern und findet in Ricky einen Gleichgesinnten.
Carolyn hingegen wendet sich von Lester ab, während dieser seine Metamorphose durchmacht und wendet sich statt dessen dem Erfolgsmenschen Buddy zu, der gerade deshalb erfolgreich ist, weil er sich so gut an die Gesellschaft angepasst hat. Zuletzt bleibt da noch Angela. Sie protzt damit, dass sie jeden Mann haben kann und scheint die Lebenslust geradezu zu zelebrieren. Sie ist der Ansporn für Lester, eine Frau, die weitaus besser zu ihm passen würde als seine Ehefrau. Doch kurz vor der körperlichen Vereinigung der beiden, gesteht sie Lester, dass sie noch Jungfrau sei und reißt damit ihre eigene Fassade ein. So nun wird sie für Lester uninteressant und er lässt von ihr ab, da auch sie der Gesellschaft nur ihre Rolle vortäuscht, um einem Bild zu entsprechen.
Dass Lester zum Ende des Films erschossen wird, zeigt mir, dass er mit seinem Lebensstil nicht in die Gesellschaft passt. Er ist zwar für sich genommen glücklich, die Gesellschaft hingegen scheint zu sagen: „Pass Dich an oder stirb.“ Und so stirbt er. Die deprimierende Wahl, die dem Zuschauer zu bleiben scheint, lautet daher: Entweder Alltagstrott und Monotonie oder Ausschluss aus der Gesellschaft. Fazit: Der Film ist harter Tobak. Er braucht seine Zeit, bis man hineinkommt und das auch nur, wenn man wirklich dabei ist und nicht nebenbei Zeitung liest oder ständig zu anderen Kanälen zappt. Viele meiner Freunde halten ihn für langweilig. Ich behaupte, sie haben den Film nicht verstanden und bringen nicht die Bereitschaft mit, sich mit einem Film auseinanderzusetzen, sondern wollen nur unterhalten werden. Ich empfehle dringen, den Film NICHT im Fernsehen zu sehen, wenn er alle halbe Stunden von Werbung unterbrochen wird. Ich hatte das Vergnügen, ihn durchgehend auf Premiere zu sehen. Wenn Du kein Premiere hast, hole ihn Dir aus der Videothek.
Auch wenn es nebensächlich ist: Der Film bekam fünf Oscars, unter anderem für den besten Hauptdarsteller (Kevin Spacey), die beste Regie (Sam Mendes) und als bester Film des Jahres 2000. So hat der Film wenigstens auch gesellschaftliches Ansehen, auch wenn er gegenanstänkert ;-)
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23.03.2003 23:19
Lester wird nicht von dem Vater des Jungen erschossen, sondern von seiner Frau. Die hatte ja auf dem Weg nach Hause schon unaufhörlich die Waffe gestreichelt.
19.09.2001 14:50
Klasse, die Interpretation rundet den Bericht gut ab. Ich fand den Film auch verdammt klasse. Grüße, Whynodd
19.09.2001 13:48
Irgendwie finde ich das Ende ziemlich doof!